Freitag, 14. November 2014

Alexander.

Ich hab mir vorgenommen, diesen Brief mal zu Ende zu bringen und auch abzuschicken.
In den letzten 4 Wochen hab ich öfter mal angefangen,
was zu schreiben.
Um genau zu sein, immer dann,
wenn wieder irgendwas richtig tolles passiert war.
Aber ich hab's irgendwie nie geschafft, Nägel mit Köpfen zu machen.

Wenn ich glücklich bin, fällt mir das Schreiben schwerer.
Ich drifte dann so ins simple Erzählen ab,
vergesse, das Grinsen auf meinem Gesicht,
die Sonne in meinem Herzen zu beschreiben.
Und prompt wird es langweilig.

Und dann verrenne ich mich an irgendeinem Punkt,
starre den blinkenden Cursor an
und irgendwann, wenn ich keinen Bock mehr hab,
klapp ich den Laptop zu und guck den Text nie wieder an.
Echt produktiv, was?

Dabei war mein Leben nie besser, als es zur Zeit ist.
Ich stell das hier jetzt einfach mal so in den Raum.
Du musst wissen, Alexander,
dass ich, nachdem der gute Mr. M seine Siebensachen gepackt hatte,
dachte, meine Zeit wäre vorbei.
Ja, ich habe lange gedacht, ich würde nie wieder so unschuldig lachen können,
wie in der 5. und 6. Klasse nachmittags beim Fußballspielen mit meiner Klasse.

Ich hab mich geirrt.

Denn weißt du, Alexander,
wenn ich an die sonnendurchfluteten Straßen Roms zurückdenke.
An die Stunden in Sophies Esszimmer,
in denen ich vor lauter Tanzen die Welt vergessen habe.
An 16.000 singende Menschen in der O2 - World in Hamburg beim Ed Sheeran Konzert, auch mit Sophie.
Wenn ich an die letzten fünf Tage denke, Tanztheaterlager,
beste Zeit meines Lebens.
Alexander, dann wird mir klar,
dass das irgendwann auf das ich immer gewartet habe,
dieses "IRGENDWANN wird alles gut",
heute ist.
Jetzt und hier.
In diesem Moment.

Es ist alles gut, Alexander.
Mein Leben war noch nie besser als es gerade ist.
Und ich war noch nie glücklicher,
ruhiger,
zufriedener,
als ich es gerade bin.
Warum?
Weil ich den Schmerz kenne.
Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, nachts um 2  am Fenster zu stehen und die kühle Luft einzuatmen,
in der Hoffnung, dass dadurch irgendwie das Feuer im Herzen gelindert werden könnte.
Ich weiß das alles, Alexander.
Und trotzdem habe ich ein so unverschämtes Glück.
Trotzdem sitze ich jetzt hier,
"1989" ist mein Soundtrack für diese Zeit,
und versuche, meine unfassbare Dankbarkeit,
mein unendliches Glück in Worte zu verpacken.

Alexander, an dieser Stelle scheitere ich.
Es sind diese Momente,
in denen ich mit Sophie auf meinem Bett herumhüpfe und wir "Viva La Vida" mitschmettern.
In denen Laura mich ganz fest drückt, so dass ich das Gefühl habe, gleich zu ersticken.
Diese Momente,
wenn ein gewisser Name mein Handydisplay aufleuchten lässt.
Wenn das Licht durch die Wolken bricht und der Herbst noch immer da ist.
Kleine Momente unschätzbaren Wertes
und Alexander, ich glückliches Kind darf sie genießen.

Und das tue ich.
Alexander, ich bin nicht unzerbrechlich.
Nicht unverletzlich.
Auch nicht stark.
Aber ich bin so glücklich.
So frei.
So verdammt lebendig.

In mir ist so viel Liebe, so viel Leuchten
und ich will es am liebsten über die ganze Erde verteilen,
sodass sie zu einem einzigen funkelnden Ball
aus Zuneigung wird.

Alexander, dieses Leben ist alles, was ich jemals kriegen werde.
Dieses Leben ist mehr als alles, wovon ich jemals geträumt habe.
Dieses Leben ist meins.
Und es ist gut.

In Liebe,
Deine Rebecca.