Mittwoch, 26. Februar 2014

Heyho, Alexander,
ich wollte nur eine kurze Randnotiz da lassen ;)
Und zwar wird dieser Blog mitsamt seinen und deinen Briefen am 10. März ein Jahr alt.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich niemals damit gerechnet hätte,
dass ich so lange durchhalte,
aber noch viel mehr, dass du
und vor allem ihr, alle meine Leser, so lange mitmacht,
bin ich doch sehr positiv überrascht,
diese Jubiläum überhaupt zu erleben :D
Als Dank für eure Unterstützung
möchte ich euch etwas besonderes zurückgeben - was auch immer das ist.
Macht einfach Vorschläge,
wollt ihr zum Beispiel eine Blogvorstellung,
oder einen Einblick in meine Musik-Playlists,
oder ein Foto?
Oder gibt's irgendwas, was ihr schon immer über mich wissen wolltet?
Schreibt es mir bis zum 8. März (damit ich noch Zeit hab, es pünktlich zum 10. fertig zu machen ;) )

Passt auf euch auf, ihr alle
und du auch, Alexander, du ganz besonders.
Kannst du den Sommer auch schon riechen?
Alles Liebe ♥

Deine Rebecca.

Freitag, 21. Februar 2014

Lieber Alexander.

Die wirklich herzzerißenden Geschichten schreibt wohl immer noch das Leben.
Und ich sitze jetzt hier, nachts um 2:36 Uhr,
und schreibe dir die letzte, die mir so über den Weg gelaufen ist,
in meinem Leben.

Ich habe über 2 Wochen nichts von mir hören lassen,
weil zuerst nichts passiert ist
und ich dann für 5 Tage auf Chorfahrt war,
auf der zwar auch nicht viel,
aber immerhin doch mehr passiert ist,
als vorher.

Ich muss dazu vielleicht sagen,
dass ich mir gerade zweieinhalb Stunden Gossip Girl reingeballert habe,
nur so als Ablenkung.
(Dramatische Episoden in der 5. Staffel, inklusive Unfall, Hochzeit und Flucht, für alle, die sich ein bisschen auskennen.)
Soll heißen, wenn das hier jetzt ein bisschen melodramatisch wird,
tut es mir Leid,
es ist wohl meinem hoffnungslosen Hang zur Romantisierung geschuldet.

Say Something - A Great Big World & Christina Aguilera
Mein Soundtrack zur heutigen Nacht - hör es dir an, Alexander, es ist die 4 Minuten wert.

Ich wollte dir sowieso schreiben,
weil doch einiges passiert ist,
was nach außen hin keinerlei Aufsehen erregt hat,
dafür in mir aber umso mehr Durcheinander angerichtet hat.
Aber ich schreibe dir davon vielleicht ein anderes Mal.

Mein letzter Brief, Alexander,
war über meine gute Freundin Hannah.
Sie ist in meine Geschichte verstrickt, genauso wie Mr. M oder Luise.
Vielleicht solltest du dir, um das was jetzt kommt, besser zu verstehen,
noch mal meine beiden Briefe vom 14. Mai 2013 durchlesen.
Ich krieg die gerade hier nicht verlinkt, es tut mir Leid.
Lies sie dir trotzdem durch.
Denn in diesem Drama gab es,
wie sich im letzten Brief herausgestellt hat,
noch ein Verletzte mehr,
als ich bin dahin angenommen hatte.

Um das hier der Vollständigkeit halber zu Ergänzen:
Hannah ist seit Dienstag mit Julius zusammen,
einem guten Kumpel von mir.
Er hat mit den dunklen Seiten des Lebens noch so gut wie keine praktische Erfahrung,
wenn ich das so nennen kann und ist für sie zwar gut,
aber was ihr Essverhalten angeht nicht unbedingt vorbereitet, glaube ich.
Ist niemand wirklich, ich weiß, aber er auch nicht.
Hannah war gestern, auf Verpflichtung ihrer Oma hin,
bei ihrer Ärztin und hat, erstmal anonym, ihre Situation beschrieben.
Sie will einfach hören, dass sie nicht krank ist, hat sie mir vorher geschrieben.
Diagnose: wenn's so weiter geht, muss Hannah in stationäre Behandlung.
Sie will nicht. Sie hat Angst.

Und obwohl ich sie in jeder Hinsicht verstehe,
belastet es mich doch, mir täglich anhören zu müssen,
was sie gegessen hat und was nicht und was sie gegessen hat und wieder ausgekotzt hat.
Ich bin mir nicht sicher, ob sie denkt,
dass ich das hören will oder so - sie erzählt es mir von ganz allein, ohne dass ich danach frage.
Und auch wenn ich annehme, dass eine Behandlung wenig bis gar nichts bringt,
wenn sie nicht will und auch nicht davon überzeugt ist, dass es was bringen könnte,
glaube ich doch, dass es für alle das Beste wäre.
Für sie, wie für mich, wie für Julius.
Ich sage das aus purem Egoismus.
Weil ich weiß, dass ich es nicht lange ertragen kann,
einen Menschen, den ich liebe, leiden zu sehen, ohne etwas tun zu können.
Gezwungen zu sein, tatenlos zuzusehen gehört für mich zu den schlimmsten Dingen überhaupt.
Genauso wenig, wie ich es ertragen kann, andere Menschen deswegen leiden zu sehen.
Ich weiß das,
weil mir das schon mit zwei Menschen passiert ist.
Luise und David.
Wenn Hannah sich jetzt noch in diese Liste einreihen würde, wäre das...

Alexander.
Ich weiß, dass man Menschen nicht retten kann.
Aber ich wünschte, man könnte es.
Weil Liebe heutzutage oft nicht mehr ausreicht.

In der Nacht, in der sie mir erzählt hat, was wirklich in ihr los ist,
habe ich mich so klein gefühlt.
So klein und hilflos, wie damals mit Luise.
Und meine Reaktion war, genau wie damals,
ein reflexartiges "Mr. M, wo bist du jetzt?"
Er und ich, wir brauchen einander nicht mehr.
Er mich schon lange nicht mehr und ich ihn auch nicht mehr, seit einiger Zeit.
Aber was dieses Thema angeht, bin ich noch dasselbe kleine Mädchen,
dass sich vor zwei Jahren in Mr. Ms Armen ausgeheult hat.
In der Nacht hab ich ihn gefragt, ob wir mal telefonieren können.
Haben wir seit einem dreiviertel Jahr nicht.
Aber jeder hat doch diesen einen Menschen, der einen immer wieder daran glauben lässt,
dass alles irgendwann gut werden kann, oder?
Siehst du, Alexander und auch wenn ich 94 % aller meiner Probleme inzwischen alleine bewerkstelligen kann,
durch meinen wunden Punkt, nämlich diesen einen verfluchten Sommer,
finde ich immer wieder zu meinem Alles-wird-gut - Menschen zurück.

Mr. M und ich verstehen uns nicht mehr besonders gut.
Wir schreiben ab und zu mal oberflächlich,
aber letztens hat er in einem Nebensatz doch tatsächlich erwähnt,
dass es "auch noch andere Mädchen gibt".
Was bedeutet, dass Sophie Geschichte ist, zumindest in einer Hinsicht.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich daran irgendwie schon beinah nicht mehr geglaubt habe.
Gestern Abend haben wir dann mal wieder ein bisschen geschrieben,
Langeweile irgendwie,
bis er meinte, dass er froh ist, "über sein altes Leben hinweg zu sein".
Die Wahrheit sieht in etwa so aus, wie ich die ganze Zeit vermutet habe:
Mr. M hat nach außen hin abgeblockt, während ihn dieser Sommer innerlich noch lange beschäftigt hat.
Und ihn vor allem auch verändert hat.

Um ehrlich zu sein, habe ich ein furchtbares Gewissen,
weil ich ihm erzählt habe, was mit Hannah los ist.
Er hat mit diesem Sommer abgeschlossen und ein neues Leben angefangen,
er hat sogar endlich auf jemanden ein Auge geworfen, der nicht Sophie ist.
Aber er hat mich vor die Wahl gestellt, drüber reden, warum ich telefonieren wollte, oder nicht.
Und ich fand, er hat ein Recht darauf zu wissen, was los ist.
Er war damals im Sommer genauso dabei, wie Hannah, Luise oder ich.
Vielmehr noch, er hat Hannah geliebt, wie er Sophie geliebt hat.
Auch so ein Nebensatz, zwischendurch, gestern Abend.
Von unendlich großer Bedeutung.

Denn die Tatsache, dass Hannah ihn so sehr geliebt hat und er dann mit Luise zusammen war,
ist eine der Hauptgründe für ihre Magersucht jetzt, meint sie.
Wenn man das so sagen kann, weil einem Grund automatisch Schuldzuweisungen folgen,
die in diesem Fall nicht berechtigt sind.
Was damals passiert ist, war Schicksal.
Und ich glaube, jeder von uns wünscht sich heute,
all das wäre damals nicht passiert.

Alexander.
Mag sein, dass es an der  Uhrzeit liegt, immerhin ist es mittlerweile beinah um 4 morgens,
oder daran, dass ich schon zu lange auf meinen Laptop starre oder woran auch immer,
aber mit jeder Minute wird mir die Absurdität all dessen bewusster.
Und ich frage mich, ob sich das, was wir damals und heute gefühlt und gedacht, gesagt und getan haben,
in unseren Köpfen viel dramatischer angefühlt hat,
als es in Wirklichkeit war.
Ich meine, wir waren damals 12, 13, 14.
Wir waren klein.
Und wir sind es noch, mit unseren 15 Jahren.
Ich frage mich inwiefern Realität und Gefühle in dieser Geschichte übereinstimmen.

Aber das hier noch weiter auszuführen, sprengt eindeutig den Rahmen dieser Nacht.
Ich könnte immer und immer wieder versuchen,
diesen Sommer in all seinen verstrickten Beziehungen zu erklären,
ich würde doch immer irgendetwas vergessen.
Mr. M jedenfalls hat sich dazu bereiterklärt, mit Hannah zu reden, wenn er darf.

Es ist verrückt.
Es waren 6 Wochen damals,
6 Wochen die unser aller Leben für immer verändert haben.
Die der Grund dafür sind,
dass ich jetzt, nachts um genau 4 Uhr hier sitze und schreibe,
anstatt selig schlummernd in meinem Bett zu liegen.
Mr. M hat gestern zu mir gesagt,
er hasst es im Nachhinein.
Was er damit gemeint hat: Alles. Die ganze Sache. Von vorn bis hinten.
Ich habe darauf geantwortet,
dass es mir Leid tut.
Was ich damit gemeint habe: Es tut mir Leid, dass ich dir damals Luises Nummer gegeben habe.
Er hat es verstanden, so wie ich es gemeint habe.
Seine Reaktion: "Hm..."

Alexander.
Ich glaube, alles, was wir tun können, ist uns gegenseitig zu verzeihen.
Was damals passiert ist, kann niemand mehr rückgängig machen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, damit umzugehen, glaube ich.
Entweder man sagt, alles ist relativ. Es ist niemand dabei umgekommen. Es gibt schlimmeres.
Oder man sagt, es ist, wie es ist. Und was wir davon mit genommen haben, ist real. Es war schlimm.
Wofür ich mich entscheide, kann ich dir jetzt noch nicht sagen.

Ich werde jetzt schlafen gehen, Alexander,
für große Entscheidungen ist es jetzt sowieso zu spät - oder zu früh, wie man's nimmt.

Pass auf dich auf.

♥ Deine Rebecca.





P.S.: Die Wahrheit ist: Ich frage mich trotzdem, was wäre wenn ich Mr. M damals nicht die Nummer gegeben hätte und andersrum. Verzeihen ist so eine Sache. Weil irgendwann jeder anfängt, die Schuld bei sich zu finden. Bestimmt werden wir alle eines Tages von Schuldgefühlen zerfressen sterben, weil wir das Leben anderer irgendwann in grauer Vorzeit ruiniert haben. Aber bis dahin hat das Leben noch genug Zeit, mich von was anderem zu überzeugen. Wir werden sehen, was passiert, Alexander, wir werden sehen.

Freitag, 7. Februar 2014

Alexander.

Weißt du, wie das ist wenn man plötzlich Dinge über jemanden herausfindet,
den man sehr gut zu kennen glaubte und der einem auch noch sehr am Herzen liegt?
Dinge, von denen man sich wünscht, man hätte sie schon viel früher gewusst.
Ich hoffe, du weißt nicht, wie das ist,
aber um ehrlich zu sein glaube ich,
dass heute niemand mehr von dieser einer-meiner-Freunde-hat-ein-dunkles-Geheimnis-und-ich-erfahre-es-erst-jetzt - Sache verschont bleibt.
Und jetzt verstehe ich auch besser,
wie sich Mr. M und Sophie damals gefühlt haben müssen,
als sie meinen Blog (auch noch an Mr. M unter seinem richtigen Namen gerichtet, ja, ich war ein wirklich dummes Kind) gelesen haben, nachdem ich ihm den Link geschickt hatte (noch dümmer, ich weiß).

Verraten.
Man denkt, derjenige würde einem vertrauen
und dann stellt sich heraus, dass er einem sein größtes Geheimnis doch immer vorenthalten hat.
Ich hab mir auch sofort enorme Vorwürfe gemacht.
Meine erste Reaktion war sofort, dass es mir Leid tut.
Dass ich es nicht gemerkt habe, dass ich nicht da war.
Ihr nicht irgendwie geholfen habe.
Um das hier mal kurz aufzuklären,
es geht um Hannah.
Sie ist die beste Freundin von Luise, die - wer meinen Blog schon länger liest, weiß das - mal mit Mr. M zusammen war.
Hannah und ich haben uns erst durch Luise kennengelernt und sie ist ein fantastisches Mädchen, wirklich.
Und wir sind gute Freundinnen, dachte ich jedenfalls immer
und sie erzählt mir alles und manchmal hole ich mir einen Rat vor ihr.
Wie wir gestern auf das Thema gekommen sind ist unwichtig,
aber was sie mir dann erzählt hat,
hat mich wirklich erschreckt.
Sie hat schon damals, also vor knapp anderthalb Jahren, als die "Sache" mit Luise und Mr. M war,
absichtlich viel zu wenig gegessen.
Sie hat sich auch manchmal den Finger in den Hals gesteckt - manchmal, hat sie gesagt.
Ich kannte sie damals noch nicht gut und dachte,
es wäre nur was vorrübergehendes.
Ich dachte, es wäre der Stress mit Luise.
Die beste Freundschaft, die damals unwiderbringlich den Bach runtergegangen ist
und über die sie beide nie hinweggekommen sind,
bis heute nicht.
(Dazu gibt es noch ein kleines Detail, das du wissen musst, Alexander: Mr. M ist zwar seit ungefähr 4 Jahren unsterblich in Sophie verliebt, aber in der Grundschule waren er und Hannah lange zusammen und da war sie so was wie seine große Liebe. Klar, Kindergartenbeziehung, blabla. Aber wer einmal, egal wann und wie, das Gefühl erfahren hat, von Mr. M geliebt worden zu sein, der... Naja, bleibt irgendwie mit seinem Herzen immer ein bisschen da hängen, wo Mr. M aufgehört hat, einen zu lieben. Ist so, kannst du mir glauben.)
Sie hat mir damals erzählt, dass Mr. M für sie auch irgendwie immer noch...
Wie genau sie es genannt hat, weiß ich nicht mehr, es war jedenfalls irgendwas in Richtung
Liebe, die einfach nicht aufhört, oder so.
Aber ihre Mr. M - Geschichte war zu dem Zeitpunkt schon 4 Jahre her und naja, meine gerade einmal 6 Wochen und deswegen habe ich einfach nicht angenommen,
dass es für sie so schlimm sein könnte, wie für mich,
dass er Luise küsst.
Wie falsch ich da offensichtlich gelegen habe.
Mag sein, dass ich ihr, was das Essen angeht,
nicht immer genau genug zugehört habe, damals,
es ist nur... Alexander, ich will nicht versuchen, mich in Schutz zu nehmen,
ich hab mich da echt auch einfach ein bisschen auf mich konzentriert,
muss ich ehrlich zugeben.
Aber hätte ich das nicht gemacht, wäre ich noch kaputter geworden, als ich ohnehin schon war danach,
ich hab tatsächlich ein komplettes Schuljahr gebraucht um mein Selbstbewusstsein wieder aufzubauen.
Naja, trotzdem, jedenfalls haben Hannah und ich damals durchaus viel miteinander geredet,
über alles mögliche und sie schien mir anders zu sein, als Luise,
nicht so verzweifelt, verstehst du?
Irgendwie mehr so wie ich, die das ganze zwar an ihre Grenzen gebracht und auch darüber hinaus,
habe einfach nicht in den Abgrund getrieben hat.
Wahrscheinlich habe ich deswegen geglaubt, das mit dem nicht essen wäre ne Sache von kurzer Dauer.
Vor allem, weil viele, mit mehr oder weniger effizienten Methoden,
versucht haben, sie dazu zu bewegen, wieder normal zu essen.
Auch Mr. M. (Ich kann immer wieder nur betonen, dass er eigentlich der Hauptgeschädigte sein muss, denn es heulen sich zwar alle bei mir aus, aber er ist der einzige, den ich, wenn's um diese Sache geht, immer wieder zutexte, wie auch gestern Nacht.)
Und irgendwie...
Der Fokus war dann doch mehr auf Luise gerichtet, die ständig damit gedroht hat, sich umzubringen.
Es tut mir Leid, das klingt so blöd
und ich bin mir sicher, dass ich damals auch nicht unbedingt immer so klug gehandelt habe,
aber ich war 13 und ich wusste einfach nicht, wie man damit umgehen soll,
wenn jemand sich umbringen will.
Und Hannah's Essproblem ist dann irgendwie im Sande verlaufen.

Ich würde ihr gern sagen, dass es mir Leid tut.
Ich fühle mich mitschuldig.
Sie hat gestern gesagt "Hat ja jeder Luise zugehört und niemand meine Worte für voll genommen."
Mag sein, dass es ihr so vorgekommen ist.
Aber es ist nicht so gewesen.
Und das hab ich ihr dann gestern auch so gesagt, ich wäre da gewesen,
aber ganz ehrlich, ich kann nicht in ihren Kopf reingucken und damals schon gar nicht.
Sie hat mir trotzdem widersprochen.
Ich frage mich ehrlich, ob sie weiß, wie weh sie mir damit tut.
Ich hoffe nicht und ich werde ihr das auch niemals sagen, macht es ja alles auch nicht besser,
aber trotzdem.
Sie hat zwischendurch mal 34 Kilo gewogen (ich bin mir sicher, dass hier unter meinen Lesern einige sind, die sich auf diesem Gebiet auskennen und, ich meine, jeder weiß dass das viel zu wenig ist, für ungefähr 1,65 m, aber könntet ihr vielleicht trotzdem dazu einen Kommentar abgeben, bitte?)
und dazu kommt noch, dass es die größten Zicken ihrer Klasse wussten und ich...
Naja.
Ich verstehe ihre Gründe, keine Frage.
Sie will nicht, dass ich mir Sorgen mache.
Vielleicht will sie sich auch nicht eingestehen, wie schlimm es ist.
Vielleicht schämt sie sich auch dafür.
Und... ach man Alexander.
Jedenfalls war ich gestern Abend ein bisschen überfordert mit dem Thema, weil gleichzeitig auch noch 3 andere Leute mit wirklich schwerwiegenden Dramen auf mich eingeredet haben und mein Kopf dann ein bisschen überfüllt war.

Ich hätte sie in diesem Moment gern angeschrien.
Dass ich mir Sorgen mache.
Warum sie nichts gesagt hat.
Du musst wissen, ich bin niemand, der andere anschreit.
Hab ich von meiner Mutter irgendwie.
Ich kann mich auch nicht streiten.
Aber in diesem Moment.
Denn, dass sie nichts gesagt hat, hat mich wirklich verletzt.
Aber wenn ich eins im Laufe der Zeit gelernt habe,
dann dass Vorwürfe nichts bringen
und dass man, wenn es jemandem schlecht geht,
nicht damit ankommen sollte,
was dieses Thema in einem selber veranstaltet.
Deswegen habe ich geschwiegen.

Bin dann noch ein bisschen durch die Nacht gelaufen,
zur "Kletterspinne", so heißt der Spielplatz auf dem ich als Kind immer war.
Ich hab sogar nach langer Zeit mal wieder geweint.
Ich saß da, auf der Schaukel
und über mir waren die Sterne und überall auf dem Eis der Seen haben sich die Lichter der Stadt gespiegelt
und es war wunderschön.
Der Wind war genau richtig kalt und in meinem Kopf war nur eine Frage:
Warum?

Alexander, es tut weh.
Ich fühl mich diesen Themen noch immer so hilflos gegenüber.
Warum kann man Menschen nicht retten?
Warum kann man sie bloß lieben?
Es tut so weh, Alexander.
Es tut so weh.

Montag, 3. Februar 2014

Früher wollte ich immer um jeden Preis verhindern,
dass Geschichten ein schlechtes Ende haben.
Ich dachte immer, dass sei das schlimmste,
was eine Geschichte haben könnte - ein schlechtes Ende.
In Wahrheit,
und das ist mir heute Nacht bewusst geworden,
gibt es etwas, das noch schlimmer für eine Geschichte ist,
als ein schlechtes Ende zu haben.
Nämlich gar keins zu haben.

Diese Bekanntschaften, 
die einfach irgendwann im Sande verlaufen.
Weil man zum Beispiel keine Zeit oder keine Lust hatte, 
den Kontakt zu halten.
Man fragt sich die ganze Zeit,
was wäre wenn...

Und genauso ist es mit den unfertigen Geschichten auch.
Man hat selten noch die Möglichkeit,
diese Geschichten zu Ende zu erzählen,
wenn einem auffällt, 
dass da noch ein Schlusskapitel fehlt.
Aber man fragt sich die ganze Zeit,
was wäre wenn.

Die meisten unfertigen Geschichten bleiben,
aus den verschiedensten Gründen,
für immer so, 
wie sie einst unterbrochen wurden.
Mitten im Satz, vielleicht sogar mitten im Wort hat irgendjemand aufgehört,
sie zu erzählen.
Viele meiner unfertigen Geschichten werden auch für immer unfertige Geschichten sein.
Denn obwohl ich gern wüsste,
wie diese Erzählungen enden,
weiß ich nicht,
ob ich den Mut und die Kraft habe,
das Schlusskapitel, so wie es dann steht zu akzeptieren und zu ertragen.

Unfertigen Geschichten wird eine unangenehme Unendlichkeit gewährt.
Es ist eine andere Unendlichkeit als die tatsächlicher unendlicher Geschichten.
Aber unendlich bleibt unendlich, 
da ist nichts zu machen.

Und vielleicht will ich auch gar nicht,
dass manche Geschichten aufhören.
Vielleicht will ich,
dass mich manche meiner Geschichten nie loslassen.
Mich immer wieder beschäftigen.
Vielleicht mag ich es sogar,
mir ein "was wäre wenn" auszumalen.

Vielleicht.


Sonntag, 2. Februar 2014

Alexander.

Gestern noch haben große schwere Tropfen den Schnee weg geregnet,
heute blendet das gleißende Sonnenlicht mich.
Bosse auf Repeat, immer und immer wieder.
Irgendwie fühlt sich gerade nichts richtig an.
Soll heißen, ich fühle eigentlich gerade einfach nur nichts.
Was nicht unbedingt bedeutet, dass das was schlechtes ist.

Ich habe im Moment zu viel Zeit
und prompt werde ich verschwenderisch.
Meine Eltern sind mit meinen Geschwistern weggefahren,
Ski fahren, wie jedes Jahr,
dieses Jahr konnte ich nicht mitkommen.
Die Leute vom Staatstheater haben sich ausgedacht,
dass die Proben für die Insznierung bei der ich mitmache,
in den Ferien sind.
Also Rebecca allein zu Haus,
sprich, Oma ist auch noch da, zum Aufpassen,
auf das Haus und auf mich.
Aber sie geht um halb 10 schlafen und dann gehört die Welt mir.
Und ich tue Dinge,
die ich sonst nie machen kann.

Nach dem Kino gehe ich nicht direkt nach Hause,
sondern laufe noch durch die Straßen und die Nacht,
rede mit Stine oder schweige mit ihr.
Und dann setze ich mich ins Wohnzimmer,
Feuer im Ofen,
jede Nacht eine andere Teesorte,
ich lese nach langer Zeit mal wieder.
Unterbrochen von Whatsapp-Nachrichten.
Und irgendwann beschließe ich dann,
James Bond zu gucken
und wenn die Nacht fast vorbei ist,
husch ich wie eine Maus durch's Treppenhaus,
will ja meine Oma nicht aufwecken.

Ist nichts gutes, ist nichts schlechtes.
Alexander, bitte verzeih mir,
aber was ich von dieser Welt halten soll,
weiß ich gerade nicht.
Irgendwie sind wir doch alle ein Spur zu verrückt hier, nicht?

Ich versuche, das Richtige zu tun.
Ich hasse es, wenn meine Freunde so tun, als würde es mir nicht gut gehen und dann ankommen mit "Wenn was ist, dann rede mit mir." Wenn ich reden will, tu ich das, keine Angst. Ich weiß, ihr meint es nur gut. Und ich bin ja selbst auch nicht besser. 
Ich hasse es, wenn sie mir vorwerfen, ich würde Dinge nur verdrängen, weil ich keine Lust und auch keine Zeit habe,
mich damit auseinander zu setzen, über Dinge, die schon vor Jahren passiert sind, zum hunderttausendsten Mal nachzudenken.
Ich hasse es, wenn sie mich behandeln, als wäre ich ein kleines Kind,
das nicht auf sich selbst aufpassen kann.
Ehrlich.
Die Frau an der Kinokasse nimmt mir ohne weiteres ab, dass ich 16 bin.
Ich habe keinen besten Freund und schon lange vergessen, wie es ist, einen zu haben.
Vielleicht wusste ich es auch nie.
Es widert mich an, wie ich immer nur von mir schreibe,
als würde sich alle Welt um mich drehen
und gleichzeitig ist über mich zu schreiben das Einzige, was ich kann.
Ich heule rum, wie ein kleines Kind,
dass mein Leben langweilig ist,
dass nichts passiert.
Aber was ich stattdessen will, kann ich auch nicht sagen.
Oder doch, eigentlich schon,
eine Geschichte, die es sich lohnt, erzählt zu werden.
Das will ich.
Aber ich glaube, der Preis,
den ich für diese Geschichte zu bezahlen habe,
ist so viel höher als ich mir vorstellen kann.
Sollte ich das alles hier nicht genießen,
so wie es jetzt ist?
Wer weiß, wie mein Leben in zwei Monaten aussieht,
in zwei Jahren?
Sollte ich.
Warum bin ich nie zufrieden, Alexander,
warum reicht mir das, was ich habe, nie aus?
Ist die Gier des Menschen so unersättlich,
dass sie ihn eines Tages zerstören wird?
Okay, der letzte Satz ist in seiner Dramatik doch etwas übertrieben,
trotzdem.
Ich will immer nur mehr, mehr, mehr,
will dieses tun und jenes lernen,
will alles haben, will alles sein.
Es geht nicht, wann seh ich das endlich ein?
Man kann nicht alles haben.

Alexander, wenn ich eines Tages mit dem,
was ich erreicht habe, zufrieden bin,
und dann auch noch in diesem  Moment erkenne,
dass ich zufrieden bin, dann...
Keine Ahnung.

Es ist komisch, in letzter Zeit fallen mir irgendwie viele Eigenschaften und Werte auf,
die Menschen entweder haben oder nicht.
Zum Beispiel
-Stolz
-Respekt
-Achtung
-Würde
-Ehre
-Tapferkeit
-Mut
-Anstand (was auch immer dieses Wort genau definiert)
Klar irgendwo haben alle diese Eigenschaften Ähnlichkeiten miteinander,
manchmal stehen sie auch in einer bestimmten Verbindung zueinander.
Und Respekt und Achtung sind zwei Dinge, die man nur vor anderen Menschen oder andere Menschen vor einem selbst haben können, ich weiß.
Trotzdem.

Ich weiß nicht, warum, Alexander,
aber mir kommt es so vor,
als würden viele dieser Eigenschaften heute nicht mehr zählen.
(Ist vielleicht etwas, was ihr in den Kommentaren diskutieren könnt, oder mit mir, wie ihr wollt.)
Und das... keine Ahnung,
vielleicht ist es zu altmodisch, Tapferkeit und Ehre in einem Satz zu verwenden,
vielleicht erinnert es zu sehr an die deutsche Geschichte,
Tapferkeit und Ehre in Verbindung bewirken in mir sofort die Assoziation mit Soldaten, Eisernen Kreuzen und Weltkriegen.
Trotzdem.
Ich mag altes, Alexander.

Ich mag uralte Straßenbahnen.
Ich mag den Ring meiner Urgroßmutter.
Ich mag die Beatles.

Ich finde es beruhigend, dass sich manche Dinge nie ändern,
dass sie auch nach Jahren noch funktionieren,
dass sie auch nach Jahrzehnten an Schönheit nicht verloren haben,
dass sich die Bedeutung ihrer Aussage nicht ändert oder sich,
obwohl so viel Zeit vergangen ist, trotzdem auf die Gegenwart übertragen lässt.

Irgendwie glaube ich, dass das Leben in gewisser Hinsicht früher leichter war, als es heute ist.
Die Ansprüche waren weniger hoch,
man musste nicht alles ein bisschen können,
sondern ein, zwei Sachen richtig gut.
Alles ging weniger schnell.
Um jemanden kennenzulernen, musste man ihn ansprechen,
um in Kontakt zu bleiben, musste man sich treffen oder Briefe schreiben.
Ich glaube, früher waren Dinge realer, als heute.
Sie waren essenzieller als heute.

Ich werde jetzt James Bond gucken,
und ich werde wieder in Tränen ausbrechen,
wenn Judi Dench zu Daniel Craig aufsieht und mit letzter Kraft murmelt: "Eins habe ich richtig gemacht."
So wie jedes Mal.
Ich bin halt so.

Pass auf dich auf, Alexander. ♥

Deine Rebecca.