Montag, 25. August 2014

Hi Alexander.
Erster Schultag geschafft.
Und ich auch.
Meine Herren, ich bin vielleicht müde.
Schule, dann Tanztheaterprobe, weil ja, ich hab morgen schon meinen ersten Auftritt.
Hab Sophie noch bei ihrem Icebucket Challenge - Video geholfen (nachdem ich sie nominiert hatte, haha)
und mit meinem Papa eine Folge Gossip Girl geguckt.
Auf Englisch, wegen Kanada und so, aber gewundert hat's mich trotzdem,
ich meine, er hasst amerikanische Serien :D
Wir haben dieses Jahr eine Austauschschülerin aus Argentinien in unserer Klasse,
das find ich richtig cool, sie ist übelst nett!
Und ich bin vielleicht in dem Chor in den ich gern wollte.
Das ist total absurd, ich wäre dann die einzige 10. - Klässlerin, die das geschafft hat.
Aber Maike meinte so was. Aus einer verlässlichen Quelle, wie sie gesagt hat.
Na mal sehen. Am Wochenende weiß ich mehr.
Da hab ich nämlich Chorprobenwochenende. Yeah.
Als ob ich sonst nichts zutun hätte.
Und nächstes Wochenende ist voll mit Tanztheaterproben.
So nach dem Motto "Bloß keine Schonzeiten".
Ich weiß nicht, Alexander.
Kann gut sein, dass ich mich in nächster Zeit nicht mehr so häufig melden werde.
Ich hab jetzt schon wieder Kopfschmerzen und ja, es ist immer noch der erste Schultag.
Scheiße.
Pass gut auf dich auf, ja? Und warte auf mich, ich komme wieder.
Hab so das Gefühl, die 10. Klasse wird richtig lustig.

♥ Deine Rebecca.

Freitag, 22. August 2014

Hi Alexander.
Es ist schon wieder spät - 1:02 Uhr -
und ich hab bis gerade eben unten im Wohnzimmer gesessen,
Tee getrunken und ZEIT gelesen.
Ich mach das gern, wenn ich abends so spät nach Hause komme,
dass alle anderen schon schlafen.
Aus meinen Lautsprechern dudelt leise Enno Bunger.
Kenne den Text nicht, habe all diese Lieder noch nie bewusst wahrgenommen.
Aber nichts ist beruhigender, als nachts um eins diese Melodien zu hören.
Ich war nicht auf der ultimativen Sommerferienabschlussparty.
Nein, stattdessen habe ich mit Gustav James Bond geguckt
und ein bisschen Geld für mein neues Handy verdient.
Ich bin so ein verdammt braves Mädchen, Alexander,
es gehört schon fast verboten.
Aber Hannah hat mir das hier geschrieben, vorhin und ich kann es nicht ändern,
ich mache mir wieder Sorgen:

22:58 Rebecca?
          Bist du da?
          Gott bitte bitte bitte
23:00 Ich brauch dich gerade
          Sehr dolle

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Sie war sicher auf der eben erwähnten Party.
Alexander.
Ich bin so unfassbar ruhig gerade, so entspannt.
Ich kann mir gerade keinen Kopf machen.
Obwohl ich es will, es geht nicht.

Ich mach lieber beim Tag von →  Maddie mit. Danke an dieser Stelle an sie (und ich kann nur zum wiederholten Male auf ihren beeindruckenden Blog hinweisen!!!!)


Die Regeln:
- Beantworte die 11 Fragen


- Verleihe den Award an bis zu 11 Blogger mit weniger als 200 Lesern (nicht deinen Nominierer) und gibt ihnen Bescheid


- Stelle selber 11 Fragen

1. Würdest du gerne in der Zeit reisen können, um Dinge verändern zu können?
Ganz früher habe ich mir manchmal gewünscht, die Zeit zurückdrehen zu können. Damit mir bestimmte Dinge niemals passiert wären. Damit ich bestimmte Worte niemals würde hören müssen, bestimmte Tränen niemals weinen. Das wünsche ich mir schon lange nicht mehr. Alles, was mir passiert ist, hat seinen Grund. Nur... Ich wünsche mir oft, ich hätte bestimmte Dinge besser formuliert. Ich habe Menschen aus Unwissenheit oder ganz mit Absicht weh getan. Könnte ich ihnen den Schmerz nehmen, den ich ihnen zugefügt habe, würde ich das auf der Stelle tun. Aber das hat eigentlich nichts mehr mit der Frage zutun. Meine Antwort deshalb: Nein.

2. Bereust du etwas in deinem Leben?
Die Antwort auf diese Frage bezieht sich in meinem Fall beinah direkt auf die erste. Ich bereue nicht, was ich gesagt habe. Aber ich bereue, was meine Worte mit den Menschen gemacht haben. Ich wünschte, ich könnte ehrlich sein, ohne anderen wehzutun. Ich wünschte, ich könnte meine Meinung ändern, ohne andere zu enttäuschen. Ich bereue keine meiner Entscheidungen. Aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte mit mehr Entschlossenheit und Nachdruck zu dem gestanden, was mir ganz klar vor Augen war. Und manchmal wünsche ich mir, ich hätte Menschen retten können und nicht bloß lieben.

3. Was ist dein Lieblingsfilm und wieso?
Ich weiß es nicht. Ich hab ihn noch nicht gefunden. Aber ich muss gestehen, ich habe an Filme ähnliche Ansprüche, wie an Bücher. Und ich habe einige Verfilmungen von Büchern noch nicht gesehen, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören. (Falls jemand Empfehlungen hat, der Herbst kommt, ich bin für alles offen.)

4. In welches Land möchtest du mal reisen und wieso?
Mein größter Traum war es mal, eine Weltreise zu machen. Ich möchte so viel wie möglich von der Welt sehen. (Ich weiß, mit meinen Antworten bin ich das perfekte Beispiel für meine Generation, immer schön alle Optionen offen halten. Entschuldigt.) Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste: Ich war noch nie in Skandinavien. Irgendwie hoffe ich da auf eine gewisse innere Ruhe, die mir bisher in meinem Leben fehlt.

5. Würdest du lieber Gedanken lesen oder fliegen können?
Das ist einfach: fliegen. Fliegen ist Freiheit. Ich will nicht wissen, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht. Ich glaube, dann würde mir nur noch deutlicher werden, was für ein Irrenhaus die Welt ist. Und das will ich nicht. Frei sein ist so viel leichter.

6. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Ich war bisher so sehr mit dem Hier und Jetzt beschäftigt, dass ich mich mit dieser Frage noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt habe. Aber so spontan:
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass irgendetwas biologisch nicht erklärbares mit unserer Seele (großes Fragezeichen hinter!) passiert. Aber ich glaube weder an Wiedergeburt, noch an den Himmel. (Ich glaube vielmehr, ich bin eine schlechte Christin.)

7. Was hältst du von Reality Shows wie Köln50667?
Wir haben keinen Fernseher, haha, deswegen wurde ich seit frühester Kindheit von sowas ferngehalten. Aber ich glaub, ich find das eher dumm.

8. Welchen Traumberuf hattest du als Kind?
Schriftstellerin. Seit ich weiß, wie man Buchstaben aneinanderreiht. Will ich irgendwie noch immer werden, aber naja. Mein Stil, meine Fantasie, das Geld... Gibt genug Gründe, lieber Medizin zu studieren.

9. Gehst du gerne feiern oder bleibst du lieber zuhause?
Ich will mich lebendig fühlen. Zu Hause vor'm Laptop fühl ich mich eher tot. Also feiern.

10. Was ist dein Lieblingswort?
Kolossal. 

11. Bist du mit deinem Namen zufrieden? Wenn nein, wie würdest du gerne heißen?
Meinen richtigen Namen kennen die meisten von euch ja nicht. Ich find ihn okay, aber gefühlt heißt jede vierte genauso, wie ich. Ironischerweise dachten meine Eltern, als sie mich so genannt haben, der Name wäre selten. Wenn ich mir einen Namen aussuchen dürfte... Rebecca.

Meine Fragen:
1. Was bedeutet für dich Freiheit?
2. Wann hast du das letzte Mal Vanillepudding gegessen?
3. Wen hast du zuletzt angerufen und warum?
4. Gibt es einen Menschen, dessen Leben du gern hättest und warum?
5. Wer hat dich bisher am längsten umarmt?
6. Luftballon oder Luftschlange?
7. Wofür lohnt es sich zu kämpfen?
8. Wie riecht dein Sommer?
9. Wo wärst du jetzt gern?
10. Wen siehst du am liebsten lächeln?
11. In welchem Moment hat sich dein Leben verändert?

Ich tagge:

Lia
Freddy
Tia
Luisa
Yui
M

und da die meisten von ihnen Blogs sind, die eh keine Tags beantworten und weil es irgendwie doch immer dieselben sind, nominiere ich hiermit jeden, der sonst noch Lust hat.

Alexander.
Es ist Viertel vier. 
Die Müdigkeit ist mir in die Augen gekrochen, ganz langsam und erbarmungslos.
Ich will nachher Hannah sehen.
Ich will mich wieder mit ihr vertragen, bevor sie nach Frankreich geht.
Ich will einfach.

Nobody said it was easy.
Noch immer eins meiner absoluten Lieblingszitate.
Wenn es leicht wäre, wäre es langweilig.
Oder?

Bin gerad so furchtbar klein, so schön allein.
Und irgendwie ängstlich.
Denn was, wenn mein Leben auf ewig zur Bedeutungslosigkeit verdammt ist?
Kann ich das notfalls ertragen?

Ich rette mich selbst jetzt vor meinen Gedanken.
Irgendjemand muss das ja machen.
Also gute Nacht.
Schlaf dich noch ein vorletztes Mal aus.

♥ Deine Rebecca.

Donnerstag, 21. August 2014

Lieber Alexander.

Jetzt ist es schon kurz nach zwei, mitten in der Nacht.
Eigentlich viel zu spät um noch irgendwem was zu schreiben.
Ja, nicht mal du machst eine Ausnahme, hihi.

Es ist komisch, weil heute schon Freitag ist
und Montag die Schule wieder los geht
und ich dir vor fast einer Woche geschrieben habe,
du mögest mir doch bitte die Daumen drücken,
damit ich Samstagabend weg darf.

Es ist so viel passiert.

Ich hab mein Handy verloren und so viel getrunken,
dass es nicht mehr schön war.
Ich hab gekotzt und geheult und war so unfassbar allein in dieser Nacht,
bis mich zwei Jungen gefunden und nach Hause gebracht haben.
Was auch immer sie dazu gebracht hat, so nett zu sein,
sie waren es und sie haben mir den letzten Glauben an das Gute im Menschen gelassen.

Ich habe festgestellt, wie unterschiedlich schnell die Zeit doch mit zwei unterschiedlichen Menschen vergeht.
Sogar dann, wenn man sie beide "beste Freundin" nennt.
Am Mittwoch war ich mit Laura shoppen.
Wir haben für alles gerade mal zwei Stunden gebraucht.
Und das auch nur, weil ich einen Platten hatte.
Gestern Abend war ich bei Sophie und Himmel,
wir hatten uns so viel zu erzählen,
wir haben so viel gelacht.
Ich musste um 11 zu Hause sein und die drei Stunden, die wir hatten,
haben noch lange nicht gereicht.
Am Ende war es dann halb 12.

Alexander.
Dieses Mädchen ist das Beste, was mir je passieren konnte.
Bei niemandem sonst bin ich so sehr ich, wie bei ihr.
Niemandem höre ich so gern zu, wie ihr.
Und bei absolut niemandem sonst habe ich das Gefühl,
nicht mit meinen eigenen Geschichten zu langweilen.
Eigentlich kann ich gar nicht in Worten ausdrücken,
wie glücklich ich bin, sie zu kennen.
Es würde nicht annähernd das beschreiben, was sie für mich ist.

Ich gehe jetzt schnell schlafen, ich wollt dir bloß Bescheid sagen,
dass es mir gut geht. Wieder.

Pass auf dich auf!

♥ Deine Rebecca

Samstag, 16. August 2014

Alexander, Alexander,
drück mir die Daumen, dass ich heute Abend mit Elisabeth und Annika weg darf.
Elisabeth hat mich gefragt, ob ich nicht mit ihr und ihren Freund haben ins K. will,
sie nimmt mich mit.
Alexander, es wäre so geil. Echt.
Schon wieder tanzen.
Mich in der Musik und den Bewegungen verlieren.
Mit so tollen Menschen.
Es wäre das Größte.
Wirklich, drück mir die Daumen, dass mein Vater mir das erlaubt!

Freitag, 15. August 2014

Schönen guten Abend, Alexander.

Oder sollte ich lieber sagen, guten Morgen?
Immerhin ist der 16. August in diesem Moment schon 16 Minuten alt.
Jason Mraz singt über ein wundervolles Leben. (hier)
Und ich sitze hier, 
vermisse den Regen vom Nachmittag,
vermisse einen Freund,
vermisse meinen Glauben an das Gute im Leben.

Irgendwie ist das alles hier so gar nicht mehr lustig.
Weiß nicht, ob sich jemals jemand gewundert hat,
was ich für Mauern in meinem Leben aufgebaut hab und warum.
Alexander, ich kann es dir sagen.
Innerhalb von zwei Jahren haben mir alle Menschen,
auf die ich jemals wirklich vertraut hab, 
ein Messer in den Rücken gestoßen.
Fairerweise muss ich hier sagen,
es waren nur sechs Menschen insgesamt.
Sechs Menschen, die wirklich zählen.

Kannst du zählen, Alexander?
Mr. M.
Meine Mutter.
Mein Vater.
Laura.
Sophie.
Macht? Richtig, fünf.

Wer also ist die sechste Person?

Alexander, wie sieht's aus,
hast du Lust auf eine kleine Gute Nacht - Geschichte?

Stell dir zwei kleine Mädchen vor. Stell dir vor, sie haben sich noch nie wirklich wahrgenommen. Sind auf dem Schulhof aneinander vorbei gelaufen, ohne irgendetwas übereinander zu wissen. 
Bis zu einem verhängnisvollen Tag im August vor 2 Jahren. An diesem Tag, dem 13. Geburtstag des einen Mädchens, hat ihre beste Freundin ihr die Handynummer des anderen Mädchens gegeben. (Wie viel in der heutigen Zeit doch von den Handynummern anderer Personen abhängt, nicht wahr?) 
Sie beide waren verzweifelt, sie beide wussten nicht weiter. Und sie beide hatten einen gemeinsamen Nenner. Die Dritte im Bunde war diejenige, die sie vereint hat, über lange Zeit. Sie haben sich gefunden, haben einander getröstet, haben zusammen Dinge entdeckt, über die sie sich allein niemals klar geworden wären. Die beiden waren keine Freundinnen, ich bitte dich, was wäre das für eine Freundschaft, die nur auf einem einzigen Thema basiert? Anderthalb Jahre lang haben sie ab und zu zueinander gefunden und festgestellt, dass diese Zeit von damals immer noch in ihren Köpfen herumspukt.
Und dann hat das eine Mädchen eine Party gefeiert. Silvester um genau zu sein. Und eine ihrer Freundinnen durfte nicht kommen. Also hat sie ihre Bekannte eingeladen. Die beiden hatten seit kurzem sehr viel Kontakt und da hat sich das Mädchen gedacht, warum nicht.
In jener Nacht wurde das Mädchen von einem Jungen geküsst. Sie mochte diesen Jungen irgendwie. Später wurde der Junge der Freund des anderen Mädchens. Rate mal, warum? Sie hatte die Handynummer von ihrer Freundin bekommen.
Die beiden Mädchen haben sich immer besser verstanden. Jedenfalls schien es so. Das eine Mädchen hörte der anderen zu, wenn diese Zweifel bezüglich dieses speziellen Jungen hatte. Sie vergaß, dass sie selbst diesen Jungen gemocht hatte. Alles, was sie wollte, war dieses Mädchen glücklich zu sehen. Alles, was sie wollte, war, dass sie dieses Mädchen eines Tages ihre Freundin würde nennen können.
Was glaubst du, ist passiert, Alexander? 
Sie waren kurz davor. Nachdem das eine Mädchen dem anderen so lange zugehört hatte, brauchte sie selbst mal ein offenes Ohr. Und sie bekam, was sie wollte. Und es tat ihr so gut. 
Sie dachte, sie hätte jemanden, auf den sie sich verlassen könnte. Und sie wollte, dass sie beide nicht nur als geschriebene Worte existierten. Sie wollte, dass sie beide auch in Wirklichkeit zusammen lachen könnten. 
Was sie nicht wusste: Das andere Mädchen wollte nicht mit ihr lachen. 
Alexander. Diese Geschichte endet, wie sie enden muss. 
Und eines dieser Mädchen sitzt jetzt, genau in diesem Moment irgendwo da draußen und denkt über die Bedeutung des Wortes "gut" im Zusammenhang mit "Ich werd dich nie wieder nerven" nach.
Und fragt sich, was das für eine Freundschaft gewesen ist, die in dem Moment keine mehr war, als das andere Mädchen jemanden fand, mit dem es besser lachen konnte.
Vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass es der Dritten im Bunde genauso erging, mit ihrer besten Freundin. Vielleicht ist es Zufall, dass ihre Tränen jetzt die des Mädchens sind, von dem diese Geschichte erzählt.

Vielleicht soll es aber auch so.
Vielleicht sollten Luises Tränen zu meinen werden.
Vielleicht sollte Hannah uns beide mit Füßen treten,
nachdem wir alles für sie gegeben hätten.

Verzeih mir, Alexander, meine Geschichten werden schlechter.
Es muss daran liegen, dass sie sich anfühlen,
wie ein schlechter Witz.

Ich habe heute einen Brief eingeworfen,
darin ein unterschriebener Vertrag.
Ich werde nach Kanada gehen.
Weg von diesen Leuten, dieser Stadt, diesem Leben.
Auszeit für ein Jahr.

Reicht ein Jahr, um sich wiederzufinden?
Wir werden sehen, Alexander.
Grüß mir all die verlorenen Seelen,
die du auf deinem Weg durch die Straßen dieser Stadt triffst.

♥ Deine Rebecca.

Montag, 11. August 2014

Jason hat sich übrigens bei mir entschuldigt. Du weißt schon, der vom WM-Finale. Er hat mich angesehen, mit seinem Hundeblick und gemeint, dass es ihm Leid tut, dass er so böse war. Und dass mit ihm und Franzi, seiner Freundin, Pause ist. Er war betrunken, aber ich glaube, er ist trotzdem traurig. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es ihm einfach egal. Samstagnacht war ich noch mit Felix bei ihm, wir haben Pizza gegessen und FIFA gezockt. Oder es zumindest versucht.
Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll.
Hannah ist jetzt bei Mai und schreibt nicht. Sophie ist bei ner Fahrradtour und Laura... 
Von Laura hab ich seit drei Wochen nichts gehört. Ich glaube, sie ist jetzt in Schweden.
Stattdessen hat mir Emma gestern ihre Hand gegeben. Im übertragenen Sinn, natürlich.
Sind für heute Abend verabredet. Mal sehen, was wir machen. 
Das ist lustig, weil Emma und ich sonst nichts miteinander zutun haben.
Okay, Pfingstmontag haben wir zusammen im Regen am See gesessen.
Aber sonst?
Morgen Abend treffen sich wieder alle auf den Wiesen. 

Diese Ferien haben mich verändert. 
Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, wie ich mein Leben, meine Freunde von früher mit meinem Leben und meinen... Bekannten von heute vereinen soll.
Vielleicht sollte ich das auch lieber gar nicht erst versuchen.
Aber Laura und Sophie... Die beiden werden es sicher versuchen wollen.
Irgendwo wollen sie mich ja auch nicht ganz verlieren.
Ich weiß auch gar nicht, was sie von mir erwarten.
Dass ich zurückkomme, mich ihren Regeln unterwerfe und ein genauso langweiliges Leben habe, 
wie vorher?
Nein danke. 
Nach den Ferien werde ich in der Schule ein paar mehr Leute umarmen, 
wenn ich sie in den Pausen sehe.
Weil wir zusammen getanzt haben, gelacht, geredet.
Und die beiden werden mich ansehen und mir vorwerfen,
mir wäre unsere Freundschaft egal.
Und ich würde mich nicht genug darum kümmern.
Und ich würde zu viele Leute kennen, haha.
Als ob.

Ich weiß nicht, was kommt.
In einem Jahr bin ich eh weg.
Und dann ist alles egal.

Sonntag, 10. August 2014

Alexander.

Wenn heute Abend wieder Party wäre,
würde ich mich hemmungslos zuballern.
Ich gehöre zu den Leuten, die sich einbilden können,
sie seien glücklich und dann sind sie es auch.
Ich bin dann glücklich.
Ich tu dann nicht bloß so.
Aber der nächste Morgen kommt bestimmt,
Alexander
und mit ihm das graue Erwachen.

Was ist das für ein Leben, Alexander?
Gestern noch taumelnd im blitzendes Scheinwerferlicht,
den von Bass vibrierenden Boden unter mir.
Heute allein.
Und nichts dazwischen.
Kein gleitender Übergang.
Keine Vorwarnung.
Die Stille kommt plötzlich.
Und dann ist sie da.

Weißt du, Alexander,
ich hätte jetzt gern jemanden,
der in mein Leben hereinspaziert kommt,
jemanden, den ich noch nie vorher gesehen habe.
Der mir einfach seine Hand hinhält und sagt,
komm mit,
ich zeig dir was.

Ich würde ohne zu Zögern hinterher.
Die Wahrheit ist,
wenn ich zu Hause bin,
will ich woanders hin.
Und wenn ich woanders bin,
will ich nach Hause.
Die Lösung ist,
woanders ein Zuhause zu finden.
Die Lösung ist noch 4 Jahre entfernt.
Mindestens.
Naja, vielleicht auch nur noch ein Jahr.

Die Frage ist, halte ich das aus?

Ich versinke hier.
Vielleicht ist es auch nur eine Phase.
Vielleicht bin das nur ich.
Ach man, ich weiß es doch auch nicht.
Hab jetzt "Hannibal" angefangen.
So komplett anders als Gossip Girl.
Trotzdem gefällt's mir.

Scheiße, ich weiß es doch auch nicht.

Rebecca.

Donnerstag, 7. August 2014

Alexander,
ich weiß, was du denkst.
Dass ich total inkonsequent bin.
Bin ich auch, haha, wusstest du das?
Deswegen schreib ich dir ja auch jetzt schon wieder und nicht erst Sonntag.
Oder wann auch immer.
Aber das hat auch einen ganz bestimmten Grund:
Ich hasse es, dass ich keine Kommentare schreiben kann.
Echt.
Ich weiß nicht, woran das liegt, ich hab sogar den verdammten Cache geleert und immer noch kommt diese Fehlermeldung.

Das hier geht jetzt direkt an dich, M.:
Schreibst du mir vielleicht ne Mail? Die Adresse ist unten.
Ich würde wirklich gern mitmachen.

Für alle, die sich jetzt fragen, was das soll:
M. macht eine Blogvorstellung.
Guckt ihn euch an.
Wirklich, guckt ihn euch an.
Ihr alle.
Guckt euch ihren Blog an.
Hier ist der Link:
http://ohdiesemelancholie.blogspot.de/
Klickt einfach drauf und lest euch rein.
Ihr werdet euch in ihre Worte verlieben,
so wie ich mich verliebt habe.
Los jetzt.

Und dann ab ins Bett mit euch.
Ja, auch du, Alexander.
Ein neuer Tag hat angefangen, gerade eben.

DER Tag, um genau zu sein.
Heute Abend werde ich tanzen, Alexander,
tanzen bis die Welt zusammenbricht.
Das wird die Party des Sommers.
Und ich bin dabei.
Umsonst!!!
Ist das zu fassen?

Ich bin wie ein kleines Kind.
Oder vielleicht bin ich auch noch ein kleines Kind.
Auf meinem Schülerausweis bin ich jetzt 16.
Ist man mit 16 noch ein Kind?

Vielleicht.
Jedenfalls ist für kleine Mädchen wie mich um kurz nach Mitternacht
allerdringendst Schlafenszeit.
Gute Nacht.

♥ Deine Rebecca.

Heyho Alexander! :)

Ich hatte gestern einen richtig tollen Tag mit Hannah, es war sooo schön, mit drei "o" :D
Wir haben so viel gelacht und überhaupt ♥♥♥
Und morgen Abend beginnt das Festival *-*
Meine Mutter hat mir sogar erlaubt, bis 24 Uhr da zu bleiben,
vorrausgesetzt, die schmeißen einen nicht schon um 10 raus.
Man, man, man, ich bin schon voller Vorfreude xD

Und ich möchte mich in diesem Brief ein bisschen selbst promoten:

Ich habe ja geplant, für das Schuljahr 2015/16 ein Austauschjahr zu machen.
Deswegen habe ich... rate mal...
Richtig, einen Blog gemacht :D
Wer will, kann hiiiiiiiiier genau verfolgen,
wie weit ich mit meinen Vorbereitungen bin ;)
Aber Achtung!
Der Blog wird später auch für meine "echten" Freunde sein,
also werde ich dort meine Anonymität aufgeben.
Überlegt euch, ob ihr wissen wollt, wer ich wirklich bin.
Natürlich werde ich während meines Jahres auch hier weiter schreiben,
euch entgeht also nichts wichtiges,
wenn ihr einfach hier bleibt.

Das war's für heute, Alexander,
bis Sonntag - oder so ;)

♥ Deine Rebecca.

Dienstag, 5. August 2014

Fast hätte ich's vergessen.
Ich schreib dir das jetzt noch.
Jetzt oder nie.

Mein erstes Ferienwochenende hat komplett chaotisch angefangen. Nein, eigentlich hat es sogar ziemlich gut begonnen, um genau zu sein, denn ich hab die erste Nacht einfach mal spontan bei Sophie gepennt. Und es war... Ruhig zwar, aber trotzdem gut. Wir haben uns verstanden, sehr sogar und wir hatten ausgemacht, dass wir das WM-Finale zusammen bei Carlos gucken. In dem Moment gab es nur uns beide und ich war so glücklich und Laura hat überhaupt keine Rolle gespielt.
Aber dann kam der Samstag. Und auf einmal war Laura doch mit von der Partie. Was an sich erstmal nicht schlimm war, ich hab mich sogar anfangs drauf gefreut. Wirklich. Aber dann... Alexander, dann kamen diese kleinen Nebensätze, die mich ausgeschlossen haben. Das ist nämlich die Wahrheit. In den letzten Monaten war ich bei den beiden einfach außen vor. Und jetzt, wo ich eigentlich mit Sophie verabredet war, platzte Laura einfach dazwischen und schwuppdiwupp konnte ich wieder sehen, wo ich bleibe. Das Problem bei mir ist, wenn ich durch etwas an eine Zeit in meinem Leben erinnert werde, in der es mir schlecht ging, womöglich sogar noch durch die betreffenden Personen, ist sofort alles wieder da. Dieselben Zweifel, Ängste und soweiter.
Aber in diesem Fall ging es um das WM - Finale! Deutschland könnte Weltmeister werden!!! Ein vielleicht historischer Abend. Und ich sollte mir den womöglich damit versauen, dass ich von meinen besten Freundinnen ausgeschlossen, allein dastehen würde? Darauf hatte ich keine Lust. Jedes andere Spiel, gern. Um der Freundschaft willen und überhaupt. Aber das Finale? Sorry. Da wollte ich echt kein Risiko eingehen. (Kurze Anmerkung: ich hasse das Wort ausgeschlossen. Es klingt so Loser-mäßig. Und ist es auch irgendwie. Aber es trifft die Situation einfach am besten. Und wahrscheinlich bin ich auch ein Loser und will es bloß nicht einsehen.) Ich war hin und hergerissen. Habe Gustav und Hannah um Rat gefragt und ich frag sonst niemanden wegen irgendwas. Ach und meine Mutter sogar auch noch. Ich hatte genau drei Möglichkeiten, nein, eigentlich sogar vier:

1. hingehen und so tun, als hätte es das Drama in meinem Kopf nie gegeben
2. hingehen, die beiden einfach links liegen lassen und mit anderen Leuten reden
3. nicht hingehen und zu Hause gucken
4. nicht hingehen und stattdessen zum öffentlichen Public Viewing auf die Freilichtbühne

Zweitens erschien mir erst als die beste Lösung. Vielleicht würde der Abend ja doch gut werden. Einziger Haken an der Sache: Außer uns dreien und Carlos würde da so gut wie niemand sein, den ich kenne. Und so tun, als hätte ich mir nicht vor Panik total ins Hemd gemacht? Hatte ich lange genug! Die beiden wollten immer, dass ich ehrlich bin. Außerdem würden Stine und Jenny auf die Freilichtbühne gehen und Philipp, Tom und Jason auch. Immerhin fünf Leute, die ich mehr oder weniger gut kannte. Zu Hause gucken war von vornherein nicht wirklich in Frage gekommen. 
Na, was ist wohl passiert?
Der Abend wäre bestimmt kein so nennenswertes Erlebnis gewesen, wenn ich mit Laura und Sophie geguckt hätte. Klar, Deutschland wäre trotzdem Weltmeister geworden, aber so...
Ich hab mich mit Laura und Sophie gezofft. So richtig. Zum ersten Mal überhaupt.
Und dann hab ich mich mit Stine und Jenny vor'm Eingang verabredet.
Himmel, das war vielleicht voll, als wir reinkamen. Ganz oben gab's noch ein paar Sitzplätze und da haben wir drei uns dann hingequetscht. Tom war mit seiner Begleitung, einer mir unbekannten Blondine genauso schnell wieder weg, wie er gekommen war. Richtung Klo. Die beiden hab ich dann erst gegen Ende des Spiels wiedergesehen, als sie zu uns gekommen sind, um zu feiern. Aber Jason und sein Kumpel Hannes haben sich zu uns gesetzt. Es war ziemlich unbequem und die Kerle neben uns hatten auch schon ordentlich getrunken, etwas, wovor ich immer großen Respekt hab. Klar, es ist irgendwie klischeehaft, aber irgendwoher müssen die Klischees ja kommen und... naja, jedenfalls haben wir uns unterhalten, zu fünft. Hier sei angemerkt, dass Jason eine Freundin hat, die war zu dem Zeitpunkt aber in London. Irgendwann kurz vor dem Anpfiff sind Stine und Jenny aufgestanden und haben versucht, Bier zu holen. Ich sage versucht, weil wir alle erst 15 sind. Vermutlich wird das alles viel weniger lustig, wenn wir's legal düfen. Kurzum, sie haben's bekommen, es war total überteuert und ziemlich eklig. Getrunken hab ich's trotzdem und dabei haben wir die ganze Zeit rumgealbert. Das war vielleicht ein Gefühl. Sowas hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Einfach mit einem Jungen geredet, einem Jungen, dessen Bild von mir noch nicht festgelegt war, der sogar über meine Witze lachen konnte und das alles ohne den drohenden Schatten meiner lieben Sophie über meinem Kopf zu haben, die jederzeit die Situation und alle Beteiligten hätte an sich reißen können. Ja, das ist nicht fair. Und ich meine es nicht so. Ihr Schatten ist nicht drohend. Aber er ist da. Und manchmal reicht das. 
Zum Glück sind alle aufgesprungen, als die Nationalhymne begonnen hat, sonst hätten wir womöglich den Anpfiff verpasst. Ich war vorher noch nie beim Public Viewing und die schwarz-rot-gelbe Durcheinander war schon sehr beeindruckend, wirklich. Und dann ging's los.
Von der ersten Halbzeit hab ich ungefähr die Hälfte mitbekommen. Immerhin, wie Kramer seinen Kopfstoß verpasst bekommen hat. (Das war doch in der 1. Hälfte, oder?) In der Pause bin ich mit Stine und Jenny auf Toilette und die beiden wollten sich dann noch ein ruhiges Örtchen suchen um... Ja, richtig. Sie wollten kurz einen Joint rauchen. Ich bin einfach mitgekommen. Mein Versprechen an Hannah, dass wir zusammen zum ersten Mal ziehen würden, hatte ich in dem Moment komplett vergessen. Wir drei sind über das Gelände geirrt, aber es gab keinen vernünftigen Platz. Und dann hat es auch noch leicht angefangen, zu regnen. Schließlich haben wir uns unter einen Baum gekauert, direkt hinter dem Rücken der Sicherheitsleute, ohne Witz. Die hätten sich bloß einmal umdrehen brauchen, schon hätte sie uns erwischt. Mein erster und bisher einziger Zug war ziemlich unspektakulär, ich musste bloß ganz schön husten. Dann sind wir schnell zurück zu unseren Plätzen, weil die zweite Halbzeit gleich wieder anfangen würde. Mittlerweile waren aus den wenigen Regentropfen ganz schön viele Regentropfen geworden und wie sich herausstellte war Jenny die Einzige gewesen, die halbwegs mitgedacht und einen Regenschirm eingesteckt hatte. Zu fünft unter einen Regenschirm ging nicht, keine Frage. Also haben sich Stine und Jenny unter eine Decke gehockt, während Hannes und Jason sich den Regenschirm geteilt haben. Mit mir. Auf Jasons Schoß. Auch das ist schon Ewigkeiten nicht mehr vorgekommen. Oder sogar noch nie, ich weiß es nicht. 
Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, den Schirm so zu halten, dass wir möglichst alle fünf was davon haben würden. Deshalb ließ es sich nicht vermeiden, dass ich einen Arm um Jason legen musste. Sonst hätte er nichts gesehen. Er hat seinen Kopf auf meine Schulter gelegt und mit Hannes Witze gemacht. Und irgendwann kamen seine Hände. Ich hatte an dem Abend wirklich viele Schichten an, weil ich nicht krank werden wollte und trotzdem hatten sie sich nach ungefähr 5 Minuten bis auf mein Top vorgearbeitet. Sowas hatte ich definitiv noch nie erlebt. Mag sein, dass das komisch ist. Ich bin 15. Die meisten hatten in dem Alter schon Sex. Aber ich... ich hab immer nur geküsst. Ich kannte bis vor kurzem einfach nicht die richtigen Leute um rumzumachen. 
Zurück zu seinen Händen. Oder besser gesagt, zu seiner rechten Hand. Die passte ziemlich gut auf meine Taille, muss man ja sagen. Aber wahrscheinlich passen alle Hände gut auf Taillen. Wahrscheinlich ist das nicht bemerkenswert. Jedenfalls war sie da für eine sehr lange Zeit. Und sie war sehr sanft und sehr vorsichtig und genau richtig. Man merkt ihm definitiv an, dass er Erfahrung hat. Wir haben weiter gelacht und mittlerweile waren wir alle auch schon nicht mehr ganz so trocken und auf der Leinwand hat einfach keiner ein Tor geschossen. Einerseits habe ich gehofft, dass es noch in der regulären Spielzeit passieren würde, damit ich nicht länger in meinen nassen, kalten Klamotten da sitzen müsste, andererseits... wollte ich nicht schon nach 90 Minuten gehen müssen. Dazu hatte es einfach zu gut angefangen. Irgendwann kam seine linke Hand ins Spiel. Genauso vorsichtig und sanft wie die andere Hand hat sie sich... Nicht etwa auf meine Taille gelegt, sondern unter mein Top geschoben. Nur ein klitzekleines bisschen. Das hat sich nicht mehr genau richtig angefühlt und zwar aus zwei Gründen: 1. hab ich in dem Moment festgestellt, wie enorm kitzelig ich am Bauch bin und 2. haben sich in meinem Kopf schon die tollkühnsten Fantasien abgespielt, weswegen ich schon die geringsten Anzeichen dringend unterbinden musste. Nicht, dass ich nicht gern mit ihm rumgemacht hätte. Jason sieht gut aus. Und er ist schon mit Emma fremdgegangen und mit weiß Gott wem sonst noch. Aber mein Gewissen hätte das nicht akzeptieren können, in dem Moment. Also hab ich seine Hand genommen und weggeschoben. Aber keine zwei Minuten später war sie wieder da. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen, um nicht laut zu lachen, so sehr gekitzelt hat es. Vier oder fünf Mal hab ich seine Hand genommen und irgendwann hab ich es dann gelassen. Sie war einfach nur da. Auf meiner Haut. Und es wusste niemand, außer uns beiden. Und für Deutschland sah es nicht gut aus, die Argentinier haben oft angegriffen. Aber irgendwie konnten sich beide in die Verlängerung retten. Und dann kamen Tom und seine Bekannten wieder.
Und Jason konnte nicht mehr sitzen. Und es hat in Strömen geregnet. Ich war emotional sehr... Verwirrt könnte man sagen. Ich bin immer hin und her gehüpft und hab zu Stine und Jenny gesagt, dass ich total anfangen würde, zu heulen, wenn Deutschland dieses Spiel verlieren würde. Und Stine und Jenny haben gelacht und Schweinsteiger lag am Boden und ich dachte, dass es bald vorbei sein könnte. Der Regen war doch irgendwie ziemlich kalt. 
Und dann hat Götze das Tor geschossen. Und Jason stand am anderen Ende der Reihe. Weltmeister, heilige Scheiße. Wir haben bis zum Schlusspfiff nur noch geschrien und uns umarmt. Also, naja. Ich hab Stine und Jenny umarmt. Jason Tom und Hannes. Um uns rum haben alle gejubelt. Weil klar war, das bei dem Regen die meisten schnell nach Hause wollen würden, haben wir versucht, noch schneller zu sein. Das letzte, was ich an diesem Abend auf der Leinwand gesehen habe, waren Kloses Freudentränen. Ich bin wirklich sehr froh, dass er noch Weltmeister geworden ist. 
Jason wohnt nur eine Straße weiter als ich, weshalb er mir schon vor dem Spiel versprochen hatte, mich nach Hause zu bringen. Ich hab mein Fahrrad abgeschlossen und meine Sachen waren wirklich alle schon sehr sehr nass und eklig und wir sind zu dritt durch die Straßen gelaufen, Jason, Hannes und ich. Überall haben die Autos gehupt, aber in der Innenstadt waren wir die einzigen. Hannes hat wirklich sehr schlechten Deutschrap angemacht, ich hab eine abfällige Bemerkung gemacht und Jason hat daraufhin einen lustigen Kommentar abgegeben. Wir haben gelacht und für einen kurzen Moment haben sich unsere Blicke getroffen und da war wieder all das Ungesagte und seine Hand auf meiner Taille. Und wir wussten es beide. 
Irgendwann kurz vor meiner Straße, hat mit seiner Hand durch meine nassen Hand gewuschelt. "Ey", hab ich gesagt, "lass das." Und hab gelacht. Und er hat nicht aufgehört. Er hat einfach immer weiter gemacht. Und ich hab meine Eltern dafür verdammt, dass wir am nächsten Morgen um 10 in den Urlaub fahren würden. Dann waren wir an meiner Straße. Und wir haben uns angesehen. Das Festival, haben wir gesagt, da sehen wir uns bestimmt mal. Und gute Nacht. Eine Umarmung. 
Weg waren sie. 

Das ist nicht spektakulär, nein. Das weiß ich auch. Für mich ist es trotzdem besonders. Noch nie hat mir ein Junge durch meine Haare gewuschelt. Noch nie hatte ein Junge seine Hand unter meinem Top. Auch wenn's nicht besonders weit war. Es ist zum ersten Mal passiert. 
Voller Freude hab ich es Hannah erzählt. Und Stine ein bisschen, aber die war ja sowieso dabei.

Wir haben uns am nächsten Morgen auf dem Bahnhof gesehen. Ich von meiner besten Seite in voller Fahrradmontur. Perfekt. Mein Handy hatte ich während der ganzen Zeit nicht dabei und als ich es an diesem Abend angemacht hab, blinkten mir zwei böse Nachrichten von ihm entgegen. Was ich labern würde. Alle würden ihn auf gestern Abend ansprechen. Ob ich noch ganz dicht bin, seiner Freundin erzählen zu wollen, er hätte mich küssen wollen.
Hier muss ich sagen, ich bin immer darauf bedacht, niemandem wehzutun. Das Schlimmste, was ich mal zu jemandem gesagt habe, war, dass ich ihn hasse (Mr. M) und das Zweitschlimmste, als ich einer Freundin aus der Grundschule erklärt habe, sie könne mich mal. Ohne Witz. Deswegen beschäftigt es mich immer ziemlich, wenn ich dann sowas zu lesen bekomme.
In dieser Stadt verbreiten sich die Gerüchte, bevor man auch nur irgendwas gesagt hat und das wusste ich. Und deshalb hatte ich auch nur Hannah und Stine davon erzählt.
Wer diesen Kram erzählt hat, weiß ich bis heute nicht. 
Aber das Ungesagte musste dadurch ausgesprochen werden und damit war natürlich alles gegessen.
C'est la vie.
Hannah meint, er ist nicht sauer auf mich. Ich denke, ich bin für ihn einfach nicht wichtig genug, als dass er irgendwas sein könnte. 
Wir haben uns gestern gleich zwei Mal gesehen. Beim ersten Mal konnte wir beide geflissentlich so tun, als hätten wir uns nicht bemerkt. Aber beim zweiten Mal sind wir zwangsweise direkt aneinander vorbeigelaufen. Er mit seinem Kumpel, ich mit meiner Mutter. Ich glaub unser beider Lächeln war ziemlich gequält und dem Kommentar meiner Mutter nach, bin ich ziemlich rot geworden.

Ich muss wohl noch viel lernen.

Hey Alexander,
ich bin's.
Schon wieder.
Diesmal von meinem Laptop von zu Hause aus.

Frag mich nicht, was das in meinem Kopf schon wieder ist.
Da ist der Wurm drin.
Geht seit 4 Tagen nicht weg.
Morgen bin ich endlich am Meer.
Mit Hannah.
Ich hoffe so sehr, dass ich...
Es sind Zweifel, Alexander,
die Art von Zweifel, wenn man sich auf einmal nicht mehr sicher ist,
bei alles und jedem.
Ich hasse es.
Es lässt mich Dinge kaputt machen.
Ich... Ich hab auf bestimmte Menschen keinen Bock mehr.

Und Alexander, dann kommt die Seite an mir zum Vorschein,
die ich so hasse.
Die Rebecca, die eiskalt ist,
verletzend.
In diesen Momenten... Ich bin dann so unfassbar gemein.
Und ich will das dann so sehr, denjenigen verletzen
und hinterher...
Mein Misthaufen wächst, Alexander
und ich weiß nicht, wie ich mir das jemals verzeihen könnte.
Alles, was ich schon auf dem Gewissen habe.

Ich bin so müde, Alexander.
So verdammt müde.
Und diese Nacht wird wieder kurz werden.
Ich hab noch so viel zutun.
Mein Kopf tut weh und meine Augen brennen
und mein Herz brennt
und ich.

Alexander, Alexander.
Was soll nur aus mir werden?

eine dreiviertel Stunde später

Hannah's Geschenk ist fertig.
Ich hab ihr eine CD gemacht.
Müde bin ich jetzt überhaupt nicht mehr.
Über meinen toten Punkt hinweg.
Willst du die Playlist?

Mir egal, ob du sie willst oder nicht, hier ist sie:

1. Angels - The XX
2. Forgive Me - Evanescence
3. Run - Daughter
4. Fairytale Gone Bad - Sunrise Avenue
5. Tower (Don't Look Down) - Skylar Grey
6. A Long Way Down - Tom Odell
7. Miss You - Ed Sheeran
8. Lost - Coldplay
9. Supergirl - Reamonn
10. Somebody To Die For - Hurts
11. Army - Boy
12. Life Is Wonderful - Jason Mraz

Sonst versuch ich immer, 
wenn ich für jemanden eine CD mach 
(und das passiert viel zu häufig, weil ich so unkreativ bin, haha)
eine Geschichte zu erzählen.
Hat hier leider nicht ganz so gut geklappt.
Manchmal sind die Brüche zu abrupt.
Aber so ist das Leben.
Die Brüche kommen immer plötzlich.

Ich brenne nicht mehr.
Meine Tränen vorhin haben die Flammen gelöscht.
Feuer und Wasser vertragen sich nicht.
Und am Ende gewinnen die Tränen sowieso.

Alexander.
Nicht mehr lange und die Ferien sind vorbei.
Am Wochenende ist hier ein Festival.
Das wird bestimmt toll. 
Einfach nur tanzen, trinken, Spaß haben.
Unendlich sein.
Freitag hab ich sogar sturmfrei.
Dass das eine lange Nacht werden wird, 
kann ich dir jetzt schon sagen.
Ich werde berichten.
Und jetzt noch schnell meine Kamera fertig machen.

Schlaf gut und beruhigt.
Morgen ist ein neuer Tag.

Deine Rebecca.

Sonntag, 3. August 2014

Alexander,
ja, ich schon wieder.
Genau wie gestern, nur drei Stunden eher.
Was auch immer passiert ist, es ist noch nicht weg.
Der Sturm ist noch da.
In meinem Kopf.
Und das Regen in meinen Augen
und die Blitze in meinem Herzen sind noch immer dieselben, wie gestern Nacht.
Sowas vergeht nicht so einfach.

In zwei Stunden hat sie Geburtstag.
Und scheiße man, ich liebe sie so sehr.
Und trotzdem haben mir die Zweifel der letzten 36 Stunden alles zerstört, was ich an Glauben in sie hatte.
Alexander, es macht mich so unfassbar traurig, dass ich so schnell zu beeinflussen bin.
Aber es ist wie eine Lawine,
einmal losgetreten kann nichts und niemand sie mehr aufhalten.
Mich aufhalten.

Gern wäre ich jetzt draußen.
Hier drin ist es so stickig, so eng.
Ich wollte frei sein, diesen Sommer, frei wie ein Vogel.
Haha.
Denkste.
Ich hab'n Vogel.
So sieht's aus.
Und er sitzt in seinem Käfig und rupft sich die Federn aus.

Ach man, Alexander.
Und eigentlich wollte ich über was ganz anderes schreiben.

Meine Großeltern.
Ich bin ja gerade bei ihnen.
Und vorhin, als mein Opa meinen Geschwistern und mir Märchen vorgelesen hat, so wie er es macht, seit ich denken kann, ist mir klar geworden, wie alt er schon ist.
Und dass er... dass er irgendwann.nicht mehr da sein wird.
Dass ich irgendwann seine Stimme nicht mehr hören werde.
Wie er "auweia" sagt oder "Nebelschwaden".
Irgendwann werden wir, meine Cousine, mein Cousin, meine Schwester, mein Bruder und ich nicht mehr mit ihm zum Jägerstand am Moor gehen können, obwohl da die besten Blaubeeren sind.
Das Geräusch des Elektrorasierers, seine unendlich vielen Bücher, sein Humor.
All das werden eines Tages nur noch Erinnerungen sein.
Und oh man, Alexander, bei dem Gedanken musste ich weinen.
Mein Opa ist klug.
Einer der klügsten Menschen, die ich kenne.
Ich will ihn noch so viel fragen.
Will noch so viel von ihm lernen.
Alexander.

Alexander.

Oh man.
Heute ist kein so guter Abend.
Der Ort an dem meine Großeltern leben, ist mein Paradies.
Meine schönste Erinnerung.
Nirgendwo gibt es sonst diese Ruhe.
Dieser Ort ist für mich der morgendliche Kakao, das Arschbombe-machen-vom-Nachbarsteg, das Rommee spielen, während wir bis zum Anschlag aufgedreht irgendwelche Hits aus den 70ern hören.
All das zu verlieren...
Oh man, Alexander.

Pass gut auf dich auf.

Samstag, 2. August 2014

Hey Hannah.
Mag komisch klingen, aber nach dem heutigen Tag hab ich den ganzen Abend damit verbracht, an dich zu denken. Es ist 1:11 Uhr jetzt gerade. Und du schläfst bestimmt schon lange. Aber weißt du was? Ich kann nicht. Ich starre deinen, unseren Chat an, immer und immer wieder. Hannah, wir beide wissen, das, was ich geschrieben habe, ist die Wahrheit. Und wir sind noch lange nicht durch damit. Auch wenn du das alles am liebsten vergessen würdest. Es geht nicht. Ich hab es jetzt ausgesprochen. Jetzt wird es immer zwischen uns stehen. Ich meine... Glaubst du denn, ich bin blöd oder was? Hannah! Das kann doch nicht dein Ernst sein.
Verdammt.
Weißt du was? Ja, ich wäre gern mehr als nur dein Taschentuch. Mehr als die, die immer da ist. Denn, stell dir vor, auch wenn es nicht so scheint, auf den ersten, zweiten, ja sogar dritten Blick, aber ich hab einiges auf dem Kasten. Und ich wünschte, du könntest das auch sehen. Stattdessen tust du es so... So einfach ab. Als wäre nichts. Als wäre alles gut.
Hannah. Als mir gerad klar geworden ist, wofür das M in deinem Status steht, nämlich für Mai Anh, da... Es hat mich wie ein Schlag getroffen. Direkt in die Magengrube. Direkt ins Herz.
Das hat gesessen.
Ich... Ach, weißt du was?
Vergiss es einfach.

Weißt du, Alexander, es tut so weh.
Während ich darauf gewartet hab, dir schreiben zu können, hab ich die ganze Zeit Musik gehört und dem Gewitter zugesehen, dass hier um dieses Haus getobt ist. Meine Herren, die Blitze waren einmalig. Jeder von ihnen wie ein Stich.
Und jetzt der Regen. Nicht laut. Eher so... Verhalten. Trotzdem da.
Wenn ich nur weinen könnte, Alexander.
Wenn ich nur weinen könnte.
Manchmal bin ich naiv, weißt du?
Hoffe, obwohl ich es besser weiß.
Vielleicht sollte ich es machen, wie Hannah. Und einfach auf nichts mehr hoffen.
Und das, obwohl sie diejenige war, die mir erzählt hat, das h in ihrem Namen würde für Hoffnung stehen.
Als ob.
Der Regen ist jetzt doch laut.
Trommelt gegen die Scheiben und gegen mein Herz.
Ich versteh nicht, warum es niemanden gibt, den ich glücklich machen kann.
Ich bin für einige Menschen wichtig.
Aber für niemanden bin ich der wichtigste Mensch der Welt.
Ja, bestimmt sind solche Gedanken kindisch, Alexander.
Ich könnte da auch einfach drüber stehen, stimmt's?
Aber könnte ich wirklich?
Könnte ich nicht.

Ach Alexander.
Hannah war in den letzten Monaten die einzige, bei der ich irgendwie sicher war.
Nicht 100 %, nein, aber immerhin mehr als bei jedem anderen.
Sie hat mir zugehört, wenn's um Sophie und Laura ging und hat mich aufgebaut.
Klar, ich hab immer gewusst, dass ich nicht ihre beste Freundin bin. Aber weißt du, ich bin so gut im Verdrängen und so viel besser im Hoffen.
Und jetzt... Jetzt tut es so weh.
Sie hat morgen Geburtstag.
Mittwoch wollte ich mit ihr an die Ostsee.
Keine Ahnung, wie ich das mache.
Vielleicht streiten wir uns dann mal.
Vielleicht werden wir dann richtige Freunde.

Hannah.
Weißt du noch, wie du mir im Frühling erzählt hast, dass das hier unser Sommer werden würde?
Deiner und meiner?
Weißt du noch, wie du gesagt hast, es gäbe immer Hoffnung?
Verrückt oder, dass ich jetzt hier liege und mir so kalt ist, obwohl genau jetzt Sommer ist, genau jetzt
und dass es mir so vorkommt, als wäre ich die Einzige, die sich an all das was noch erinnern kann.
Warum tut es so weh?
Hannah.
Sag mir, warum.
Und wo bitte ist die Hoffnung, Hannah,
wo bist du?

Das Leben ist nicht fair.
Ich weiß, hat auch niemand gesagt.
Aber weißt du, Alexander, irgendwie hab ich trotzdem dran geglaubt.
Dass es so ne Art Gerechtigkeit für alle gibt.
Keine Ahnung, warum ich so dumm war.

Pass auf dich auf.
Ich werd jetzt schlafen gehen.
Bis bald, ich schulde dir ja noch ein Erlebnis ;)

Deine Rebecca.