Montag, 30. September 2013

Hallo Alexander.

Ich weiß, ich hab dir jetzt seit einer Woche nicht geschrieben.
Aber es hat irgendwie nie wirklich gepasst.
Es ist nicht so, dass es nichts gab, worüber ich hätte schreiben können.
Und ich glaube, ich habe auch beinah jeden Abend einen Brief angefangen.
Aber naja, er war nie so ganz fertig.
Und dann hab ich ihn eben wieder gelöscht.

Aber heute Abend,
so Leid es mit tut,
da musst du wieder herhalten.
Nicht, weil ich keine Freunde habe,
die mir zuhören.
Das ist nicht mehr mein Problem,
glücklicherweise.
Nein, ich muss dir schreiben,
um mich zu sortieren.

Weißt du, Alexander, heute war ein guter Tag.
Eigentlich war heute sogar ziemlich, ziemlich gut.
Und trotzdem weine ich gerade.
Klingt paradox?
Ich kann dir aufzählen,
was mich heute glücklich gemacht hat
und wer.
Und ich kann dir sagen, was mich unglücklich gemacht
und wer
und vor allem, in welcher Reihenfolge.
Weil, Schule war heute nervtötend wie immer
und ich hab heute zu allem Überfluss auch noch die allererste 6 in meinem ganzen bisherigen Schuldasein bekommen, das war aber meine eigene Schuld und naja, irgendwie hab ich mich dafür eher ausgelacht als mich geägert.
Dann hatte ich überraschend 2 Stunden mehr Zeit, als sonst montags
und deswegen bin ich dann erstmal in die Stadt gefahren, shoppen.
Ich weiß nicht, aber mich erfüllt das irgendwie immer mit einem Glücksgefühl,
wenn ich mir einen schöne Pulli gekauft habe oder so.
Was vielleicht auch daran liegt, dass das bei mir immer nur alle 2 Monate der Fall ist,
aus Zeitgründen.
Naja, jedenfalls, dann bin ich nach Hause gefahren, hab sogar brav den Großteil dessen erledigt,
was ich heute tun musste, bis auf die Hausaufgaben und das Lernen
und hab mich dann an den Laptop gesetzt.
Und rat mal, wer online war?
Mr. M.
Solche Überraschungen liebe ich.
So ganz unerwartet.
Ich weiß nicht, jedenfalls, das hat mich echt glücklich gemacht.
Und dann war noch Paula online und Laura auch und ich war irgendwie sehr, sehr aufgedreht und kindisch.
Aber glücklich.
Und dann bin ich abends noch zur JG gefahren,
was auch echt nett war.
Weil, du musst wissen, Laura ist sehr einnehmend,
das heißt, die Jungs reden meistens immer mit ihr und ich steh daneben und lächel.
(Es sind außer uns dreien eigentlich nur Jungs da, deswegen...)
Naja, jedenfalls, das macht auch nichts,
aber heute waren weder Laura noch Sophie da,
das heißt, ich war völlig auf mich allein gestellt.
Und siehe da, ich hab's trotzdem hinbekommen
und mich sogar echt amüsiert.
Und dann gab es sogar noch eine Umarmung von Julius.
Noch so eine Sache vom Typ unerwartete Überraschungen, wie ich sie liebe.
Ich weiß nicht, vielleicht ist es auch ein bisschen albern alles.
Wahrscheinlich.
Aber solche kleinen Dinge machen mich eben glücklich.
Und um ehrlich zu sein, sie haben diesen Tag auch gerettet.

Denn, es gibt da eine Sache.
Etwas, das ziemlich schief gelaufen ist.
Und es ist (mal wieder) meine Schuld,
heißt, ich kann auch niemanden deswegen mit Dreck bewerfen,
beleidigen oder so was.

Ich weiß nicht, ob du dich noch an die Geschichte von Mr. M, Luise und mir erinnern kannst. Falls nicht, hier ist der Brief dazu. Oder besser, die Briefe.erster Brief und zweiter Brief. Jedenfalls, es ist so, ich hab mir in der letzten Woche teilweise echt Gedanken um David gemacht. Der Junge ist mir irgendwie nicht egal, jedenfalls nicht so egal, wie er mir eigentlich sein sollte. Erklär ich aber alles später. Und naja, ich schreibe ja immer noch mit Luise. Oder besser gesagt, wieder. Und meistens ist es so, dass sie mich ziemlich viel Kraft kostet. Aber seit David sich entschieden hat, dass er keine Beziehung führen kann, haha, hat sie mir doch auch sehr geholfen, mit den richtigen Worten in den richtigen Momenten. Und naja, jedenfalls, sie hat mir letzte Woche angeboten, dass sie ja mal ein bisschen mit ihm schreiben könnte, einfach nur, um rauszukriegen, wie's ihm gerade geht und so. Klingt verdächtig gefährlich, ich weiß, vor allem, wenn man sich überlegt, was sie und ich schon mit einem gewissen anderen Jungen erlebt haben. Aber sie hat einen Freund und sie wollte mir wirklich nur helfen. Also hab ich ihr seine Nummer gegeben. 
Ja. Genau. Alexander, es ist ein Déjà-vu von einer äußerst unangenehmen Sorte, das kannst du mir glauben. Weil, natürlich haben die beiden nicht nur ein bisschen geschrieben. Und natürlich ging es dabei sehr schnell um ganz andere Sachen, als ursprünglich geplant.
Denn, weißt du, Alexander, meine Theorie ist ja, dass David auch deshalb so viel raucht und trinkt und seit neuestem eben auch kifft, weil er manchmal niemandem zum Reden hat. Und naja, ich schätze, irgendwie habe ich damit auch nicht ganz Unrecht, weil David Luise unglaublich schnell vertraut hat. Wirklich unglaublich schnell.
Und auch wenn ich wollte, dass sie ihn anschreibt. Und auch wenn ich wollte, dass er jemanden zum Reden hat. Und auch wenn das alles verdammt noch mal meine Schuld ist:
Ich kann nicht mehr leugnen, dass ich ihn verloren habe.

Weder vor mir selbst noch vor irgendjemand anderem.
Und ganz ehrlich.
Es tut weh. 


Vor allem, weil noch was anderes dazu kommt.
Kennst du das, wenn du denkst,
du wüsstest, was Sache ist?
Und dann kommt jemand und zerstört alle deine Illusionen mit einem Mal?
Das ist alles, was er Luise gesagt hat, als sie ihn nach mir gefragt hat:

er meinte nur das er denkt das es nicht gepasst hat
und wenn er bei dir war dann naja er wollte immer wegrennen vor dir /
und ich hab ihm gesagt das wenn man euch zsm gesehen hat das ihr euch sosüß angeguckt habt und so und er meinte nur achso? hmm ja wusste ich nicht


Ich weiß nicht, aber ist es berechtigt, dass ich mir irgendwie sehr verarscht vorkomme?
Ich meine, das ist offensichtlich alles,
was ich jemals für ihn war.
Und ja. Au.
Was soll ich dazu noch sagen?
Er hat diesen Ruf.
Und ich kann es so oft ich will damit entschuldigen,
dass er vielleicht wirklich kein Beziehungsmensch ist.
Und ich kann so oft ich will sagen,
dass es meine Schuld ist,
weil ich diejenige bin, die versagt hat.
Und ich kann sagen,
dass es wohl so war und dass ich es auch gemerkt habe
- ich muss ja nicht so tun, als wäre es anders, wenn es nicht stimmt.
Er war so oft mit seinen Gedanken ganz weit weg.
Ich kann sagen, dass ich es gewusst habe, oder zumindest geahnt.
Aber ganz ehrlich,
all das ändert nichts daran,
dass es, so von ihm ausgesprochen,
doch ziemlich verletzend ist.
Und dass ich es ihm übel nehme,
dass er so lange gebraucht hat,
bis er mir wenigstens gesagt hat,
dass er keine Beziehung führen kann.

Ich habe ganz schön viel geweint, heute Abend.
Aber glücklicherweise war ich nicht allein.
Denn irgendwie habe ich es geschafft, heute wirklich ehrlich zu sein
und deshalb habe ich Laura alles genauestens berichtet.
Und ich hab Luise die Wahrheit gesagt. Nämlich dass es wirklichwirklich weh tut.
Und, was wirklich süß war, ich hab Oliver ein bisschen zutexten dürfen,
dabei hat der arme Junge selber eigentlich ganz andere Probleme.
Aber ich war nicht nur ehrlich zu anderen.
Ich glaube, ich war auch ehrlicher zu mir selbst, als sonst.

Weil, irgendwie bin ich auch einfach nur ziemlich enttäuscht.
Von ihm, klar.
Aber noch mehr von mir selber.
Weil ich meine, ich habe jetzt beinahe zwei Monate meines Lebens an diesen Jungen...
Ich will nicht sagen verschwendet, aber irgendwie ist es ja doch so,
jedenfalls, am Ende stelle ich zwar fest,
dass nicht er was dafür kann,
dass es so schrecklich gelaufen ist,
sondern in allererster Linie ich.
Und dass mich meine nicht vorhandene Menschenkenntnis mal wieder total über's Ohr gehauen hat.
Und dann kommt mir irgendwie sehr komisch vor.
Wie ich die ganze Zeit in meinen eigenen Tagträumen gefangen war,
die ich auch noch für die Realität gehalten habe.
Und wie ich nicht mitbekommen habe,
dass schon immer nach ganz anderen Regeln gespielt wurde.
Ganz ehrlich, dafür lache ich mich aus.
Weil es mir nicht zum ersten Mal passiert ist.
Und weil man doch meinen sollte,
Menschen wären lernfähig.

Aber ich schätze, ich bin einfach zu optimistisch
und vor allem zu naiv, um wirklich aus diesen Fehlern zu lernen.
Ich glaube immer an das Gute im Menschen.
Und ich muss immer mindestens zweimal eine richtige Abfuhr bekommen,
um zu begreifen, dass etwas wirklich vorbei ist.
Ich glaube, daran kann ich nicht mal mir selbst die Schuld geben.
Zu viel Hoffnung lässt sich einfach nicht abstellen,
egal, wie sehr ich mir das manchmal wünsche.
Und naja, irgendwie ist es vielleicht sogar gut.
Weil, Hoffnung ist letztendlich das, was mich rettet.

Zusammen mit Laura habe ich festgestellt,
dass er es irgendwie einfach nicht wert ist,
dass ich mir noch weiter Gedanken um ihn mache.
Ich weiß, dass das böse klingt,
aber so viel Selbstbewusstsein habe ich inzwischen wieder
und ich mein, seien wir ehrlich, Alexander,
es interessiert ihn einen feuchten Dreck,
ob ich an ihn denke oder nicht.
Und deswegen ist dieser scheußliche Abend
eines ansonsten wirklich schönen Tages
eigentlich nur der Neubeginn.
Für Irgendwas mit großem I.

Und weißt du, Alexander,
ich glaube, das ist das,
was mein Leben immer bestimmen wird.
Der Neubeginn.
Der Anfang.
Weil, ich möchte lieber nicht wissen,
wie oft ich noch versuchen werde,
mit jemandem alles richtig zu machen
um am Ende doch wieder kläglich zu scheitern.
Ich glaube, eigentlich bin ich diejenige von uns beiden gewesen,
die keine Beziehung führen kann.
Aber naja, okay,
jedenfalls, ich werde wohl noch oft heulend in meinem Bett sitzen
und Gossip Girl gucken
und von meinem Chuck Bass träumen.
Aber das Leben geht immer weiter
und irgendwann kommt eben der nächste,
der zuerst meine Tränen trocknet
um mich dann nur noch mehr zu verletzen.
Bis ich eines Tages sterbe.

Liebe ist neben dem Tod das einzige auf der Welt,
was einen Menschen wirklich verändert.
Und diese Veränderung wird einzig und allein
durch den verdammten Schmerz bestimmt,
den sowohl die Liebe als auch der Tod in unser Leben bringen.
Denn nichts auf dieser Welt tut mehr weh,
als Verlust.
Und fast nichts bedeutet endgültigeren Verlust,
als Liebe und Tod.
Außer der vielen erste Male, die man in seinem Leben so sinnlos vergeudet.
Jedenfalls, dieser Schmerz hört niemals auf.
Bis wir sterben.
Aber ich glaube,
es ist nicht entscheidend,
wie groß der Schmerz ist und wie viele Tränen wir weinen,
sondern dass die Menschen,
wegen denen dieser Schmerz so groß ist
und wegen denen wir diese vielen Tränen weinen,
Menschen waren, die uns wichtig waren.
Menschen, von denen wir nicht gedacht haben,
jemals wieder ohne sie leben zu müssen.
Oder, vielleicht schon gedacht,
aber nicht so schnell damit gerechnet.
Menschen, die uns weh tun können,
sind Menschen,
die uns etwas genommen haben.
Und allermeistens ist es so,
dass sie uns das nehmen,
was wir lieben.
Nämlich sie selbst.

Und so geht das immer weiter
und ich glaube, ich könnte noch endlos schreiben.
Wenn ich nicht eigentlich schon seit mindestens zwei Stunden schlafen müsste.
Aber gewisse Situationen im Leben
fordern gewisse Opfer.

In diesem Sinne, Alexander
und mit einem herzlichen Dank an Skylar Grey
die das hier zwar nie lesen wird,
mich aber mit ihrer Stimme und ihren wirklich tollen Songs
in den letzten Stunden sehr unterstützt hat,
wünsche ich dir und der Welt
und allen,
deren Augen auch so vor Tränen brennen,
wie meine,
eine angenehme Nacht.
(Alter Schwede, das war ein langer Satz.)

Träume sind immer noch die beste Medizin.
Aber Aufwachen tut manchmal weh.
Und vielleicht wachen wir auch nur auf,
um dann wieder einschlafen zu können,
ich weiß es nicht.

♥ Herz an dich, Alexander,
stellvertretend für alle, die heute Nacht eins gebrauchen können.

Deine Rebecca.






Montag, 23. September 2013

Es ist immer wieder nett, wenn alle genau dann mit ihren Problemen ankommen,
wenn ich selber gerade nicht weiterweiß.
Ablenkung hat bei mir schon immer geholfen, haha.
Oh man, Alexander, mein Leben fällt mir auf den Kopf.
Aber macht nichts, mir geht's gut.
Ich komm klar.
Ich bin dann nachher kaputt, wenn's allen wieder gut geht :)
David, der sich betrinkt und bekifft, bis zum gehtnichtmehr, weil er sein Leben nüchtern nicht erträgt.
Und mich dann anruft.
Und ich kann nichts mehr für ihn tun.
Du kannst nicht glauben, wie sehr mir das wehtut, Alexander.
Weil, alles was ich immer wollte, war, dass es ihm gut geht, irgendwie.
Dann Luise, die über Selbstmord nachdenkt,
weil ihr Freund sich komisch benimmt,
Luise, die ich nicht aufhalten könnte, wenn sie es wirklich tun würde.
Hannah, die ihr Essen auskotzt, wegen der Leichtigkeit und der Erinnerungen und überhaupt.
Hannah, die sagt, dass sie nicht aufhören muss, weil's ihr doch gut geht.
Und dass sie das sowieso nicht mehr kann.
Und Paula, die unaufhörlich ihre Liste abarbeitet,
die Liste mit den Dingen, die sie tun will, bevor sie stirbt.

Und niemand da.
Selbst Schuld, na klar.
Ich müsste das nicht tun.
Ich müsste all diesen Menschen nicht mein Herz schenken.
Ich könnte sagen, Schluss, aus, Ende, ich kann das nicht,
lasst mich einfach in Ruhe.
Klappe zu, Affe tot.
Nein, könnte ich nicht.
Ich kann das einfach nicht.
Ich... Ach keine Ahnung.
Ich pack das schon irgendwie, oder?
Hab ich ja bisher auch immer, also,
was soll's.
Ein bisschen Gossip Girl, dann passt das schon.

Mir geht's super, Alexander.
Ich glaube, ich war noch nie glücklicher.
Und ich glaube, ich habe noch nie einen Satz geschrieben,
der weniger wahr war, als dieser.

Macht nichts.
Geht auch vorbei, irgendwann.
Ich muss nur auf den Menschen warten, der mich zum Lächeln bringt,
so ganz unabsichtlich.
Kommt noch, die Hoffnung stirbt nie.

♥ Liebe an dich, heute und immer.

Deine Rebecca.

Mittwoch, 18. September 2013

Alexander.

Mit David hab ich's mir jetzt endgültig verscherzt,
wegen meiner Feigheit und dank der Hilfe elektronischer Medien.
Er ist sauer und sehr enttäuscht von mir.
Seit Sonntag.
Und seitdem hab ich weder von ihm gehört, noch ihn gesehen.
Vielleicht werde ich dazu noch was schreiben, irgendwann,
aber gerade habe ich ganz andere Sachen im Kopf,
als ihn.
Denn diese Woche ist bei uns in der Stadt ein riesiges Theatertreffen
von Schulen aus ganz Deutschland
und Sophie, Laura und ich dürfen da mitmachen
und die Gruppen durch die Stadt führen.

Ich weiß nicht, aber mich beeindruckt diese Form der Unterhaltung immer sehr.
Theater und auch Tanztheater oder so was ist extremst geil, find ich.
Also so Ausdruck, entweder durch Bewegungen oder Worte.
Und naja, jetzt seh ich jeden Tag vier Produktionen,
aus jedem Bundesland eine,
alle mit gesellschaftlich und politisch hochaktuellen Themen,
produziert und vorgestellt von jungen Leuten.
Also, okay, die meisten sind ungefähr 18.
Ich hab keine Schule, dafür sehr viel Freizeit und ich glaube,
ich hab noch nie so viele tolle Menschen auf einmal getroffen.
Es ist echt beeindruckend,
wie unterschiedlich die doch alle sind und gleichzeitig cool.
Und dann die Nachbesprechungen zu den einzelnen Stücken,
mit Interpretationen und Beurteilungen von diesen Schülern,
dass mir ganz schwindelig wird.
Es ist total der Hammer und, ganz unter uns, die meisten Schauspieler sehen einfach mal richtig gut aus.
Ich hab auch schon wieder welche mit Arschloch - Aura entdeckt, also genau der Typ den ich irgendwie sehr attraktiv finde.
Okay, ich laber nur Scheiße, entschuldige bitte.
Aber diese Woche ist so dermaßen Ausnahmezustand,
da kommt einfach nicht's vernünftiges bei raus, wenn ich schreibe,
tut mir Leid.

Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte,
mir geht's gut, es ist nur etwas frisch geworden.

Ich glaube, an dieser Stelle sollte der Vorhang fallen,
ich bin einfach zu müde und zu erschöpft
um noch irgendwas sinnvolles von mir zu geben.



Deine Rebecca.

Freitag, 13. September 2013

Alexander!
(Bitte entschuldige das Ausrufezeichen, aber das musste heute einfach mal sein.)

Nach meinem wirklich deprimierten Brief von letzter Nacht
(ich hab dann tatsächlich noch eine Folge Gossip Girl geguckt und ein bisschen mit Mr. M hin und her gemailt)
kann ich dir freudig verkünden,
dass ich heute mit ihm geredet habe.
Und dass ich das wichtigste geklärt habe.
Und dass ich so überglücklich bin, dass es echt unfassbar ist.

Die Mathe - Klausur hab ich tatsächlich verhauen,
aber ich hab auch nur drei Stunden geschlafen,
deswegen ist das vielleicht verzeihbar, oder was meinst du?
Es ist so unglaublich erleichternd
und dann machen Sophie, Laura und ich heute noch einen richtigen Mädels-Abend
und oh mein Gott,
Alexander,
ich kann dir nicht sagen, wie glücklich ich bin.

Okay, es gibt auch einiges, was ich nicht gesagt habe,
aber das war auch gut so, denke ich.
Weil... Oh man, wie er und ich uns da gegenüber standen,
da war er wieder so sehr der David,
den ich geliebt habe.
Der David ohne die Mauer.
Der David, für den ich noch immer alles tun würde.
Wäre da nicht dieser Ex-Faktor,
ich glaube, er und ich, wir könnten gute Freunde werden.
Sehr gute Freunde.
Und... Ich könnte mich jetzt noch stundenlang über ihn auslassen, glaube ich.
Denn, seit Mr. M wähle ich meine Herzensmenschen mit Bedacht.
Jeder von ihnen ist diesen Platz in meinem Herzen absolut wert.
Und David ist jetzt einer meiner Herzensmenschen.
Und egal, was passiert,
er wird es immer bleiben.

So, ich muss Schluss machen für heute, Alexander,
meine positive Energie will in ein aufgeräumtes Zimmer
umgewandelt werden und nachher in einen wundervollen Abend.
Ich werde von mir hören lassen,
auch wenn ich nächste Woche keine Zeit habe.
Überhaupt keine Zeit.
Aber das macht nichts, ich krieg das schon hin :)

Mit einem Lächeln im Gesicht und ganz viel Sonnenschein in den Haaren
und Glück im Herzen,
drücke ich dich ganz fest.



Deine Rebecca.


Donnerstag, 12. September 2013

Alexander,
es wurde nach unserer Geschichte gefragt,
David's und meiner
und ich finde,
es wird Zeit,
ein bisschen zu erzählen.
Mathe-Klausur morgen - scheiß drauf.
Der ganze Rest - scheiß drauf.
Heute ist nicht mein Tag und das obwohl er eigentlich echt gut war
und deswegen ist es mir jetzt auch wirklich egal,
dass schon längst Schlafenszeit für kleine Mädchen wie mich ist.

Also wenn man's genau  nimmt, kennen David und ich uns schon seit über zehn Jahren. Wir waren im selben Kindergarten, in der selben Grundschule, dasselbe Gymnasium. Aber so richtig "kennen" wir uns erst seit ungefähr 4 Monaten. Er ist in derselben Gemeinde wie ich und ein ziemlich guter Kumpel von Jakob, aber das hab ich ja schon erzählt. Eigentlich ist Jakob schuld daran, dass wir überhaupt angefangen haben, zu schreiben. Denn David und ich waren auf Skype zwar  schon länger "befreundet", aber wie das eben immer so ist, wenn man keinen guten Grund zum Anschreiben hat, dann schreibt man denjenigen auch nicht an und außerdem hat sich Sophie anfangs auch sehr gut mit David verstanden. 
Aber Jakob und ich haben eben öfter geschrieben und irgendwann abends als die beiden schon etwas mehr getrunken hatten, hat Jakob mir dann geschrieben, dass David total in mich verknallt wäre - der übliche Mist eben, aber David hat sich beeilt, das schnellstmöglich zu dementieren und dann war wieder Funkstille. Bis ich ihn irgendwann mal aus Langeweile mit "Hey" angeschrieben habe und er mit "Na du" geantwortet hat und wir im Endeffekt an diesem Abend 5 Stunden lang durchgängig gechattet haben. Und am nächsten Tag wieder. Und die ganze Woche über. Jeden Abend bis sonstwann. Und ich war so überrascht, weil ich nicht gewusst hatte, dass ich das noch kann - jemanden so fesseln, dass er mich nach meiner Nummer fragt und sich mit mir treffen will. Mr. M hatte mir einiges an Selbstvertrauen genommen und in dieser Woche... Ich weiß nicht, mit wie vielen Jungs gleichzeitig ich geflirtet habe, ganz einfach, weil ich's wieder konnte. Und David war eben einer von vielen. Und trotzdem der, von dem ich immer gehofft habe, dass er mich anschreibt, damit nicht ich diejenige bin, die ihm immer hinterher läuft. Die Spielregeln sind ja allgemein bekannt und zu dem Zeitpunkt wollte ich einfach nur ein bisschen spielen.
Bis wir uns dann getroffen haben. Und, ja, das ist vielleicht peinlich, aber es ist nunmal so gewesen, wir zweieinhalb Stunden bei McDonald's gesessen und einfach nur geredet haben. Eigentlich wollten wir nur schnell unser Eis aufessen, aber irgendwie sind wir dann nicht mehr aufgestanden und deswegen verlief unser erstes Date im total romantischen Flair einer amerikanischen Fast-Food-Kette. Zu dem Zeitpunkt mochte ich ihn einfach nur, mehr war da nicht. Aber an genau diesem Abend hat mir das Leben dann durch einen unglaublichen Zufall die Möglichkeit gegeben, meine Fähigkeiten in Sachen Zuhören unter Beweis zu stellen. Seine Mutter hat ihn nämlich rausgeworfen und dann hat er mich angerufen. Und wir haben geredet. Und um ehrlich zu sein, das war der einzige "Moment" in dem ich ihm jemals wirklich nahe war. Sechs Stunden lang haben wir uns einfach unsere Geschichten erzählt, ich habe ihn zum Lachen gebracht und irgendwann... Achja, das hab ich ganz vergessen, zu erwähnen, er ist in der ganzen Stadt als totaler Aufreißer bekannt, ein Bad Boy von der allerschlimmsten Sorte, was ihn natürlich nur noch attraktiver gemacht hat. Ja, ich geb's zu, ich fahr voll auf genau diesen Typ ab und naja, das macht die ganze Sache natürlich nicht leichter. (Es ist die Sache mit der heimlichen Hoffnung, dass sich dieser Bad Boy in einen Engel verwandelt, wenn man alles richtig macht.) Jedenfalls, irgendwann fing er an ziemlich kitschige Sachen zu sagen. ZIEMLICH kitschig. Und ich dachte nur, wow, was passiert jetzt, hab ich was falsch gemacht? Und naja, letztendlich waren wir dann nach diesem Wochenende voller Telefonate und Treffen irgendwie zusammen. Das lustige ist, obwohl er bestimmt jedes 5. Mädel, das ihm auf der Straße begegnet, von irgendeiner Party kennt, eine richtige Freundin hatte er noch nicht, jedenfalls nichts, was länger gehalten hat. 

Wir waren zusammen und ich habe ihn geliebt, aber ich bin nie wieder so an ihn rangekommen, wie in dieser allerersten Nacht. 
Wir haben immer noch viel geredet, uns oft gesehen,  aber es war nur noch belangloses Zeug.
Er hat eine unüberwindbare Mauer um sich herum. Über die kommt man nicht rüber. Nur, wenn er am Boden ist und zwar wirklich am Boden. Und naja, sagen wir's so, wenn er einigermaßen gut drauf ist, dann bin ich nichts für ihn. Dann bin ich zu langweilig, zu... Keine Ahnung, ich konnte ihm nie das geben, was er wirklich wollte. Und irgendwann hat er dann aufgehört meine SMS zu beantworten. Und Freitagabend hat er sich nicht mal mehr die Mühe gemacht, so zu tun, als wären wir zusammen.
Mag sein, dass ich naiv war, weil ich dachte, dass wir erstmal drüber reden würden und nicht, dass er gleich Schluss macht, aber so war ich schon immer, irgendwie.
Ich glaube immer zuerst an das Gute und werde dann umso mehr enttäuscht.


Freitagnacht habe ich eigentlich schon wirklich detailliert erzählt und naja, Sonntag und Montag ist nichts passiert. Wir haben uns nicht gehört, gesehen oder sonstwas. Nur Jakob meinte, dass David ein furchtbar schlechtes Gewissen hätte und ich ihm vielleicht noch mal überzeugend klar machen sollte, dass es mir gut geht - was auch stimmt, das merkst du nur nicht, Alexander, weil ich an dir immer nur meine Traurigkeit auslasse. Also wollte ich noch mal mit David reden. Ihm sagen, dass es mir gut geht, dass es okay ist, dass er sich keine Gedanken machen muss.
Aber Dienstag haben wir uns auch nicht gesehen. Also dann Mittwoch.
Um es kurz zu machen, erst hat er mich einfach stehen lassen und dann hat er sich wie der Kerl benommen, der er seinem Ruf nach sein sollte. Und ich bin ausgetickt.
Sonst bin ich, wenn ich verletzt wurde, immer in eine Art passive Starre verfallen und habe einfach abgewartet, dass der Schmerz vorbeigeht, denn das tut er ja bekanntlich.
Aber dieses Mal hatte ich die Schnauze voll.
Ich hab mir Sorgen um ihn gemacht, ich bin Freitagnacht durch die Straßen gelaufen, mit nur einem Gedanken: Hoffentlich ist bei ihm alles okay. Ich wollte mit ihm reden, damit ER aufhört sich Sorgen zu machen und dann behandelt er mich wie der letzte Dreck.

Und wenn ich sauer werde, werde ich ehrlich.
Naja. Seitdem macht er jedes Mal, wenn er mich sieht, auf dem Absatz kehrt und läuft entweder genau in die entgegengesetzte Richtung oder einen großen Umweg,
um ja nicht an mir vorbeigehen zu müssen.

Aber das, was ich ihm eigentlich sagen wollte, hab ich noch nicht gesagt.
Ich werd nochmal mit ihm reden, ein allerletztes Mal, weil ich sonst nicht mit ihm fertig werde.
Also, das ist irgendwie unsere Geschichte. 

Und irgendwie auch nicht, weil's einfach nur eine verkorkstes Teenie-Drama ist.

Und naja, oh man.
Alexander, ich weiß auch nicht.
Irgendwas ist in meinem Leben nicht ganz richtig.
Weil eigentlich fehlt er mir einfach nur.
Aber es tut so weh und er hat sich so dermaßen scheiße benommen,

wenn ich könnte, würde ich mich an ihm rächen.
Ich hab schon beschlossen, so toll zu werden,

dass er sich fragt, wie er mich nur jemals gehen lassen konnte.
Aber weißt du was?
Am Ende ist es sowieso alles nur erbärmlich.

Am Ende spielt das alles keine Rolle mehr.
Weil ich ihm am Ende trotzdem sagen müsste,
dass er mir fehlt.
Und dass ich kein bisschen glücklich bin.
Weil das nämlich eigentlich die Wahrheit ist.
Es geht mir nämlich gar nicht gut.
Eigentlich tut es einfach nur weh.

Scheiße, das alles, oder?
Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag im Bett liegen, Gossip Girl gucken und Schokolade futtern.
Aber das Leben geht weiter.
Irgendwie, auch wenn ich momentan ziemlich planlos durch die Gegend irre.
Ich bin nicht allein.
Womit ich all diese Menschen verdient habe,
die mir ihr Ohr, ihre Arme oder sogar ihre Herz anbieten,
weiß ich nicht.
Ich glaube, ich habe sie eigentlich gar nicht verdient.

Haha, weißt du, was ich jetzt tun werde?
Noch eine Folge Gossip Girl gucken,
weil, wenn die zu Ende ist, dann ist Mr. M in Australien auch schon wach.
Und dann kann ich ihm noch eine Mail schreiben.
Und dann...

Oh man.

Nobody said it was easy.
No one ever said it would be this hard.

Schlaf gut, Alexander.
Und danke für's Zuhören.
Du bist wirklich ein Goldjunge, haha.



Deine Rebecca.

Dienstag, 10. September 2013

Oh man, Alexander.
Ich wollte nicht, dass es so kommt, glaubst du mir das?
Ich... Au.
Es ist verrückt, weil ich den ganzen Tag über gelacht habe, wie sonst was,
weil es mir verdammt noch mal gut ging.
Er hat mich lachen gesehen
und seine Freunde
und eigentlich alle mich die ganze Zeit nur haben lachen sehen.
Und zwar echt und ehrlich lachen.
Und den ganzen Tag über haben Menschen mich besorgt angesehen
und gefragt, ob WIRKLICH alles okay ist
und ob ich nicht vielleicht
und dass sie da sind, falls ich sie brauche.
Ich bin nicht allein, es geht mir gut.
Aber, scheiße, Alexander,
warum sitze ich dann nachts hier,
beiße mir in einer Tour auf die Lippe
und, Alexander,
wenn es mir gut geht und ich nicht allein bin,
warum um alles in der Welt 
schreibe ich jetzt dir?!

Kennst du diese Einsamkeit, 
die man nur bekommt, 
wenn man ganz allein ist?
Würde man mit irgendjemanden reden
oder wenigstens schreiben,
man könnte niemals diese Einsamkeit bekommen.
Und deswegen verstehen nur die wirklich einsamen Menschen
diese Art von Einsamkeit.
Entweder, man weiß, wie allein man sich fühlen kann,
oder man weiß es eben nicht.
Und man kann auch niemandem erklären,
wie genau man sich dann fühlt.
Weil man, sobald man mit jemandem redet,
nicht mehr allein ist und deswegen dieses Gefühl dann nicht mehr so ist,
wie wenn man...
Egal.
Ich komm selber nicht mehr mit.

Weißt du, Alexander, es ist mir gerade auf eine traurige Weise alles sehr egal.
Alles in meinem Kopf ist kaputt,
gerade zumindest.
Das einzige, 
was noch funktioniert,
ist die ► - Taste für aus dem Zusammenhang gerissene Textzeilen 
von irgendwelchen wahnsinnig deprimierenden 
weil so perfekt passenden
Songs.

Oh. Piep.
Eine SMS.
Ich weiß nicht, von wem,
will Adele nicht unterbrechen, während sie feststellt, 
dass sie never minds, someone like you zu finden.

Weißt du, Alexander, an solchen Abenden komme ich mir irgendwie immer sehr deprimiert vor.
Sehr.
Ich müsste noch ein paar Dinge mit David klären,
weil er jetzt aus schlechtem Gewissen anfängt,
Dummheiten zu  machen.
Ich müsste ihm sagen,
dass es okay ist
und dass es mir nichts ausmacht,
ihn zu sehen.
(Stimmt.)
Und dass es mir gut geht.
(Stimmt nicht.)

Das Traurige:
Ich sehe mir die Bilder von ihm an.
Und obwohl unser kleines Drama gerade einmal vier Tage her ist,
kommt es mir vor,
als wäre er ein völlig fremder Mensch.
Als hätten er und ich uns nie gekannt.
Und Alexander, das ist es,
was mir weh tut.
Weil,
ich mochte ihn wirklich.
Ich wollte nicht, dass es so kommt.
Ich...

Ich komm mir gerade so versagermäßig vor, irgendwie.
(Sorry, ich muss jetzt einfach ein bisschen jammern,
ohne gleich ein "Das wird schon wieder" zu hören.
Klar, das wirkt meist sehr aufbauend,
aber kannst du dir vorstellen,
dass ich gerade überhaupt nicht aufgebaut werden will?
Ganz richtig, ich will  mich in meiner Traurigkeit
und meinem Selbstmitleid
suhlen, bis ich darin ersticke.
Ich lass es mir absichtlich scheiße gehen,
irgendwie.)

Und...
Och man, scheiße.

Eigentlich vermisse ich dich einfach nur.
Wir haben uns seitdem nicht mehr wirklich gesehen.
Nicht mehr angesehen.
Einmal hast du mich gesehen,
wie ich, über eine riesige Pfütze springend,
versucht habe, halbwegs trocken zur Mensa zu kommen.
Als ich wieder hochgeguckt habe,
konnte mich nur noch dein wunderschöner beregenjackter Rücken entzücken.
Einmal habe ich dich gesehen, 

zufällig,
als du mit deinen Freunden über den Zaun zum Edeka abgehauen bist.
Und heute.
Sophie und ich haben uns eine unserer Lachdiskussionen geliefert,
mitten auf dem Schulhof,
so laut, dass man es im Umkreis von 50 Metern hören konnte.
Hat zumindest Laura gesagt.
Es ging um dich, natürlich,
weil du da irgendwo gesessen hast,
zwischen den anderen Jugendchorleuten.
Und ich wusste das und hab deswegen extra nicht hingesehen.
Ich bin so, es wäre nicht schlimm, 
wenn wir uns zufällig sehen,
aber ich leg's jetzt nicht unbedingt drauf an, 
verstehst du?
Naja und genau in dem Moment, 
in dem ich mich einmal umgedreht habe,
hast du dich auch umgedreht.
Und wir haben uns direkt angesehen.

Da waren nur noch 10 Meter und eine Glasscheibe zwischen uns.
Schön.

Ich komm mir gerade auch echt dumm vor,
weil ich dir das alles schreibe,
Alexander,
weil ich das eigentlich nicht müsste,
weil dieser Brief nur wieder unendlich lang werden wird
und am Ende doch nichts aussagt
und weil mir eine Mütze Schlaf auch mal ganz gut tun würde.
Aber weißt du was, ich scheiß auf das,
was ich könnte oder sollte oder müsste.
Alexander, heute ist mir alles egal.
Heute ignorier ich den Kopfschmerz und den Herzschmerz
und überhaupt diesen ganzen verdammten Weltschmerz in mir.
Und leg mich heulend in eine Ecke oder so.
Weil ich das alles nämlich nicht ignorieren kann,
ich Dummerchen.

Und weil ich...

Aaaaahhhh...
Trauriger Smiley.

Weißt du was, Alexander?

Eigentlich.

Will
ich
einfach
nur
nach
Hause.

Mehr nicht.
Ich will nur noch nach Hause.

Ich will wieder das kleine Mädchen sein,
das ich mal war,
irgendwann bevor...
Ich groß geworden bin.
Nicht, dass ich groß wäre, oder so, aber ich war auch schon mal kleiner.

Ich will...
Scheiße, nicht das hier jedenfalls.
Ein Eis vielleicht.
Und Sonne.
Nein, ich hätte gern einen Bananen-Milchshake.
Und ein gutes Buch.
Eins über das Leben.
Eins voller Ahnungen, wie alles funktionieren könnte.
Ich wäre jetzt gern am Meer, 
im Sand.
Oder auf einem Trampolin.
Ich würde jetzt gerne Seifenblasen-Fangen spielen
oder mit ausgebreiteten Armen über die Golden Gate Bridge laufen,
das muss ein geiles Gefühl sein,
kein Auto weit und breit,
nur du ganz allein
und diese riesige Brücke
und unter dir das Meer.
Ich will glücklich sein.

Ich will nach Hause.

Weißt du, Alexander,
irgendwann tut nichts mehr weh.
Irgendwann stumpft man ab,
Irgendwann sitzt man einfach nur noch da
und starrt auf das Display,
such apathisch Playlisten durch,
nach dem richtigen Song,
nach dem Lied, dass es nicht gibt
und dann wird einem irgendwann klar,
dass man nichts fühlt.
Dass da nichts ist.
Und Alexander,
das ist beängstigend,
das kann ich dir sagen.
Man ist nicht enttäuscht
von den gebrochenen Versprechen der anderen.
Weil man sowieso nicht mehr daran geglaubt hat.
Ich habe Angst, Alexander.
Angst vor dem Monster, 
das da in mir ist, 
an Stelle meines Herzen.

Ich bin kalt geworden,
herzlos,
wie die böse Königin in Schneewittchen.
Aber ich wollte das nie.

Und die Lieder, die mich früher zum Weinen gebracht haben,
berühren mich nicht mehr.
Nichts berührt mich mehr,
ich bin wie in Trance.
Und alles, was ich denken kann, 
ist,
dass ich auch nichts anderes erwartet habe.
Von ihm.
Von mir.
Vom Leben.

Und diese Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag.
Dieses Märchen ist nicht gut ausgegangen.
Ich werde nie die kleine Prinzessin sein,
von der ich immer geträumt habe.
Nie.
Ich hab den Apfel runter geschluckt.
Ich bin vergiftet.
Es braucht niemand mehr zu kommen
und mich wieder heil zu machen.
Weil ich nie wieder heil sein werde.


Ist so das Leben,
Alexander?
Ist das wirklich so?
Das kann nicht dein Ernst sein.


Bring mich hier weg.
Das kann nicht das Leben sein.
Diese Welt ist ein so trauriger Ort.
Es muss doch einen Ausweg geben,
es muss doch alles wieder gut werden können.
Es muss doch irgendwas geben,
dass mich wieder an das Gute glauben lässt.
Irgendwas, das allem Leben einen Sinn gibt.
Alexander...

Ich will nach Hause.
Nur noch Hause.
Irgendwo ankommen.
Wo auch immer das ist.

Bitte verzeih mir diesen Brief, Alexander.
Ungefähr ab der Hälfte war ich zu müde um wirklich sinnvolle Sätze
von mir zu geben.
Mit mir ist sonst alles okay.
Ich weiß, das klingt nicht so überzeugend,
aber das war auch noch nie meine Stärke, 
ehrlich gesagt.
Überzeugung, meine ich.

Pass auf dich auf, ja?

Sonntag, 8. September 2013

Ich glaube, ich sollte hier jetzt etwas hinschreiben.
Irgendwas.
Aber, ganz ehrlich?
Es ist alles gesagt.
So, wie ich jetzt hier sitze, will ich wieder einfach nur laufen.
Ich will raus hier.

Es ist okay, habe ich gesagt,
es ist okay, ich liebe dich.
Ob in deinen Augen da schon Tränen waren, 
weiß ich nicht.
Vielleicht waren da auch niemals Tränen.
Aber es hat nicht nur mir weh getan,
oder?
Ich hoffe, du hast dich nicht noch mal umgedreht.
Ich hoffe, du hast nicht gesehen,
wie ich auf dem Bürgersteig vor meiner Haustür stand,
den Kopf gesenkt
und meine Tränen die Kontrolle über diese Nacht übernommen haben.

Es war klar.
Es war abzusehen.
Alle haben es gesehen.
Alle haben es gewusst.
Und ich muss nicht so tun,
als hätte ich nicht auch irgendwas geahnt.
Aber, weißt du, ich bin Optimistin.
Ich glaube an das Gute.
Und dass es so kommen würde,
das war nicht gut.
Dass es so kommen würde,
habe ich nicht geglaubt.
Und vielleicht wäre es anders gewesen,
hätte zuerst ich noch etwas gesagt.
Vielleicht hätte ich dann nicht dieses Gefühl 
der ungesagten Worte, 
die aus meinem Herzen noch ganz unbedingt
ihren Weg zu dir finden wollen.

Ich stand nicht lange vor unserer Haustür.
Aber lange genug,
um zu begreifen,
dass alles wieder losgeht.
Dann habe ich mein Handy rausgeholt und Sophie angerufen.
Und Sophie war noch draußen
und dann saßen wir in der Bushaltestelle 
an der Hauptstraße,
weil ich nicht mehr stehen konnte.
Ich kann mich nicht erinnern, 
wann ich das letzte Mal in ihrer Gegenwart geweint habe.
Aber es ist schon lange her.

Dann waren meine Tränen weg
und ich habe sie angelächelt
und gesagt, dass es schon okay ist
und ich jetzt noch ein bisschen rumlaufen muss.
Und sie hat mich in den Arm genommen
und mich gehen lassen.

Ich weiß nicht, eigentlich hätte ich Angst haben müssen,
glaube ich.
Viel getrunken hatte ich nicht,
aber immer noch genug, dass ich es ein bisschen gemerkt habe.
Und überall in der Stadt waren Männer,
die mit Sicherheit mehr getrunken hatten, als ich.
Und ich war allein.
Und ich bin 14.
Und es war immer die größte Sorge meiner Eltern,
dass mir etwas passieren würde.
Aber ich hatte keine Angst.
Ich habe immer schön unauffällig die Straßenseite gewechselt,
wenn mir Menschen entgegen gekommen sind.
Einmal hat mich jemand angesprochen,
aber ich habe ihn nur angesehen.
Dann nicht, hat der Typ achselzuckend gesagt
und ich bin weitergegangen.
Ich hatte keine Angst.
Ich wollte einfach nur weg.
Wollte nicht nach Hause,
hat eh niemand auf mich gewartet,
meine Eltern sind dieses Wochenende verreist.

Durch die ganze Stadt bin ich gelaufen.
Erst ziemlich planlos
und dann irgendwann nur mit dem Ziel 
so wenig betrunkenen oder nüchternen Menschen 
zu begegnen,
wie möglich.
Sophie hat mir eine SMS geschrieben und ich habe ihr zurückgeschrieben.
Und dann noch eine.
Und noch eine.
Sie hat sich Sorgen gemacht.
Klar.
Im Nachhinein hat sie meine Stadtwanderung als krank bezeichnet.
Aber sie hat auch noch nie jemanden verloren.

Kurz vor eins hat Jakob mich dann angerufen.
Jakob, der Junge, von dem ich schon in diesem Brief erzählt habe.
Jakob, ein guter Kumpel von dir.
Jakob, der Bescheid wusste.
Jakob, mit dem ich den ganzen Abend am See gesessen 
und geredet hatte,
weil du anderweitig beschäftigt warst.
Weil du...
Egal, spielt keine Rolle mehr.
Sophie hatte ihm meine Nummer gegeben.
Wo ich gerade bin, hat er gefragt
und ob ich zu ihm kommen will.

Noch einmal ans andere Ende der Stadt.
Aber ich hatte ja eh nichts mehr zu verlieren.
Also habe ich meine Schuhe ausgezogen
und bin los gelaufen.
Es war nicht kalt,
obwohl der Himmel sternenklar war.
Sechs Mal war mir bis dahin die Polizei entgegen gekommen.
Und jedes Mal hat es die Beamten einen Dreck gekümmert,
dass ich da noch rumgelaufen bin.
Mit meinen 14 Jahren und Tränen im Gesicht.
und mit meinen Schuhen in der Hand.

Und dann war ich da, die Straße fast dunkel.
Immer noch keine Angst, nur Zweifel, 
ob ich richtig bin.
War ich.
So lange hat mich noch nie jemand umarmt.
Einfach nur festgehalten.

Eine Stunde lang haben wir auf dem Bordstein gesessen.
Ich hatte Recht mit meiner Vermutung,
dass er gut zuhören kann, 
wenn er will.
Aber er kann auch gut reden.
Und zwischen unserem Sarkasmus war da manchmal sogar ein Lachen.

Irgendwann bin ich nach Hause gegangen.

Weißt du, David, es tut mir Leid.
Ich wollte nie ein Grund sein, warum es dir schlecht geht.
Wenn ich könnte, würde ich dir das noch sagen.
Und dass ich hoffe, dass es dir einigermaßen gut geht.

Die Dunkelheit ist wieder da.
Kommt in den schönsten Momenten langsam in mein Herz geschlichen,
in meine Gedanken.
Ich war wieder jemand,
ich hatte mich gefunden.
Und jetzt...


Naja, was soll's.

So ist das Leben, schätze ich.
Und im Endeffekt ist es meine Schuld.
Ich habe es gewusst, von Anfang an.
Und mich trotzdem darauf eingelassen.

Ich muss nicht sagen, dass ich nächstes Mal schlauer sein werde.
Denn wenn es ein nächstes Mal gibt,
wird es wieder so enden.
Ich weiß das.
Ich bin so.

David, viel waren wir nicht.
Aber du fehlst mir.
Das Aufwachen ist schwer.
Und manchmal sind da Tränen.

Sonst ist alles okay.
Mir geht's gut.
Also nein, eigentlich geht's mir irgendwie scheiße.
Ich bin wieder allein und zwar in jeder Hinsicht.
Aber ist schon okay.
Ich komm schon klar.

Pass auf dich auf, bitte.
Alles wird gut.


Donnerstag, 5. September 2013

Hey Alexander.
Schon wieder hab ich länger nichts geschrieben als geplant.
Gestern hatte ich einen Brief angefangen, aber du kannst mir glauben,
der wäre nicht besonders glücklich gewesen.
Genauso wie ich gestern nicht besonders glücklich gewesen bin.
Was einzig und allein an mir und meinem gottverdammten Egoismus liegt.
Ich glaube, wenn ich nicht immerzu an mich denken würde,
wäre ein Großteil meiner Probleme gelöst.

Alexander, sollte ich es demnächst mal vergessen
und mich über irgendwelche Kleinigkeiten beschweren,
dann erinnere mich bitte an folgendes:

Früher, als ich noch kleiner war,
was eigentlich genau heißt,
früher, vor zwei Jahren
und keine Ahnung vom Leben hatte
und verdammt noch mal ehrlich und glücklich war,
gab es einen Menschen, 
der mich sehr geliebt haben muss.
Denn, egal, was ich ihm angetan habe,
er hat mir niemals Vorwürfe gemacht.
Nie.
Damals habe ich viele Fehler gemacht,
Fehler, die ich heute bereue 

und für die ich, wenn sie dadurch wieder gut gemacht würden,
jederzeit sterben würde.
Ich habe nicht erkannt,
was dieser Mensch für mich war
und dass es eigentlich kein bisschen selbstverständlich ist,
dass sich jemand alles gefallen lässt.
Ich habe so viel nicht gesehen, damals.
Ich habe so viel falsch gemacht.
Und im Endeffekt diesen Menschen verloren.

Aber mit seinem Verlust ist irgendwie auch ein Auftrag in mein Herz geschlichen.
Er hat mich geliebt,
er hat mir alles gegeben, was er hatte.
Und ich habe es mir einfach genommen
und gleichzeitig dabei zerstört.
Machen wir uns nichts vor, Alexander, es ist so.

Ich hatte ihn nie verdient.
Auch das ist so.
Er war immer zu gut für mich.
Aber irgendwie muss er mich trotzdem geliebt haben.
Vielleicht sogar sehr.

Er war immer da.
Er war der Mensch, zu dem ich nach Hause kommen konnte,
von dem ich mir sicher sein konnte, dass er mich mit offenen Armen empfangen würde,
egal, was gewesen war und was kommen würde.
Er war derjenige, mit dem ich lachen konnte 
und weinen 
und schweigen.
Es war gut so wie es war.
Ich hab es bloß nicht gesehen.


Jedenfalls,
seit er weg ist,
fühle ich mich merkwürdigerweise ihm gegenüber verpflichtet,
das weiterzugeben, 
was er mir damals gegeben hat.
Ich weiß nicht, irgendwie denke ich, 
ich wäre ihm das schuldig.
Damit er nicht umsonst gelitten hat.
Glaube ich.
Er hat so viel ertragen, mir zu Liebe.
Ich...
Ich will jemanden so lieben, wie er damals mich geliebt hat.
Allumfassend, bedingungslos.

Um ehrlich zu sein, ich habe Zweifel, 
dass ich das kann.
Nichts zu fordern, nichts zu erwarten,

das ist nicht meine Art.
Aber ich will das schaffen.
Ich bin ihm das schuldig.
Ich...
Ich muss das alles wieder gut machen, irgendwie.
All die Schmerzen, die er meinetwegen ertragen hat.

Und jetzt, wo ich jemanden gefunden habe,
kann ich mich doch gleich unter Beweis stellen.

Ok?
Klingt vielleicht ein bisschen komisch,
aber das macht nichts.
Ich kann irgendwie nicht so ganz in Worten ausdrücken,
was ich eigentlich sagen will.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich Mr. M gemeint habe, oder?

Alexander, Alexander.
Heute ist Donnerstag, der 05. September.

Ja, sagst du, ein Donnerstag, ok.
Weil du nicht weißt,
das heute vor genau zwei Jahren der entscheidende Donnerstag war.

Am Donnerstag, den 05. September 2011
haben Mr. M und ich auf einer kleinen Insel in der Nordsee gesessen,
Arm in Arm,
rotzverschmiert,
voller Tränen
und ziemlich neben der Spur,
würde ich sagen.
Vor exakt zwei Jahren hat eigentlich mein Leben begonnen,
denn dieser Donnerstagabend hat alles verändert.
Alles.
Grundlegend.
In diesen zwei Jahren ist die kleine Rebecca von damals
zu dem etwas größeren Rebecca von heute geworden.
In diesen zwei Jahren sind die Nächte lang geworden,
die Telefonrechnungen sind gestiegen.
Mein Schokoladen- und Taschentücherverbrauch auch.
Ich habe gefühlt eine Million Stunden damit verbracht,
in einer Welt zu verschwinden,
die niemals meine sein wird,
ganz einfach
weil die Upper East Side ein paar 1000 Kilometer zu weit westlich von mir ist.
Und in diesen zwei Jahren habe ich
zahllose Blätter
mit endlosen Wortkolonnen gefüllt,
ohne Sinn und Verstand.
Ich habe geschrieben,
geschriebengeschriebengeschrieben,
um zu Begreifen.
Es ist mir nicht gelungen.
Ich glaube, ich habe nie begriffen.
Jedenfalls nicht, worum es eigentlich geht.

Und auch heute Abend werde ich es nicht begreifen.
Dazu tut mein Kopf zu sehr weh.
Bitte entschuldige, dass der Brief so lang geworden ist,
fast so lang wie meine letzten Nächte.

Ich hoffe, du weißt noch,
wie sich Sonnenstrahlen auf der Nasenspitze anfühlen.



Deine Rebecca.