Mittwoch, 18. Juni 2014

Lieber Alexander.

Ich hab noch dreieinhalb Wochen.
Dreieinhalb verdammte Wochen bis die Sommerferien anfangen.
Bis dahin will ich mein Leben und mich wieder auf die Reihe bekommen haben.
Dieser Sommer soll nicht irgendein Sommer werden,
es soll meiner werden.
Aber das Internet, Alexander, tumblr, Facebook, auch du,
entschuldige bitte,
aber all das ist Gift für die Realität.
Diese virtuelle Welt macht es mir so leicht,
mich auf unbestimmte Zeit zu verkriechen,
aber Alexander, sie macht mich nicht glücklich.
Denn mein echtes Leben ist immer noch da draußen,
ist immer noch mein Leben,
nur dass es längst nicht so rosig aussieht,
wie in meiner Fantasie.

Ich kann dir eins sagen, Alexander,
ich träume von einem großen Leben.
Ich bin 15 und noch hab ich viele Möglichkeiten.
Mag sein, dass meine Vorstellungen unrealistisch sind,
aber na und?
Wenn ich es nicht wenigstens versucht habe,
was will ich dann später meinen Kindern erzählen?
Soll ich ihnen diesen Blog zeigen und meinen tumblr 
und dann sagen, seht ihr, und deswegen bin ich jetzt noch immer hier,
in dieser Stadt und habe nichts für die Menschheit getan?
Ich hab meine Jugend, 
die einzige Jugend, die ich in meinem Leben hatte,
damit verschwendet,
Scheiße zu machen, Scheiße, die noch nicht mal real war!
Das will ich nicht, Alexander.

Ich hab mein Leben in der Hand und ich kann jederzeit etwas ändern,
jederzeit.
Ich muss mir dessen nur bewusst werden.
Weil, ich hab nur dieses eine Leben
und ich bin nur einmal 15 zum Teufel
und auch wenn in dieser Stadt nicht mehr viel für mich ist,
wenn ich mir komplett verrannt hab,
heißt das doch nicht, dass ich nie wieder eine Chance krieg.

In einem Jahr mach ich mein Austauschjahr
und während dieses Jahres will ich entdecken,
wer ich wirklich bin,
nur ich,
ohne all das, was ich kann,
ohne all das, was ich kenne.
Wer bin ich, wenn ich nichts mehr habe? 
Aber, Alexander, ein Jahr ist noch eine lange Zeit
und was soll ich die verschwenden?

Ich will jetzt anfangen, jetzt gleich, noch heute.
Ich werd mein Zimmer aufräumen
und ich werd mir einen Ferienjob suchen
und mich bei nem Tanzkurs anmelden,
ich werd meine Kamera entstauben
und endlich das Buch lesen,
was schon seit Ewigkeiten auf meinem Nachttisch liegt.
Ich werd ausnahmsweise mal Bio-Hausaufgaben machen
und dann rausgehen und mich in die Sonne setzen.

Ich werde Dinge tun, Alexander,
ich werd sie wirklich machen.
Und nicht nur davon reden.
Ich werd was erleben, erledigen, was auch immer.
Ich will nicht mehr nur träumen.
Es ist noch niemand groß rausgekommen,
weil er sich sein perfektes Leben in seinem Kopf zurechtgebastelt hat.
Vorstellungen hin oder her,
irgendwann kommt man an den Punkt,
an dem man diese Vorstellungen in die Tat umsetzen muss
und Alexander,
ich bin an diesem Punkt.
Genau hier.
Genau jetzt.

Ich will mich nicht länger verstecken,
in einer Welt, die nicht existiert.
Ich will rausgehen, will der echten Welt zeigen, 
wer ich bin.
Frag mich nicht, woher dieses Selbstbewusstsein in meinem Kopf auf einmal,
aber es ist da
und deswegen werd ich diese Gelegenheit jetzt nutzen.
Und alles, was mir dabei im Wege steht,
muss ich wohl oder übel wegräumen.

Alexander.
Das Internet ist Gift für mein Leben.
Es macht es mir so einfach, all dem zu entfliehen,
das sich mir in den Weg stellt,
ohne dass ich es jemals beseitige.
Ich möchte das nicht mehr.
Ich will mich dieser Möglichkeit entziehen.
Und deswegen hab ich mich entschieden,
zumindest die dreieinhalb Wochen,
die ich noch habe, dieses Schuljahr,
weder dir zu schreiben,
noch sonst irgendwas im Internet zu machen.

Vielleicht verlängere ich diese Pause auch noch,
je nachdem, wie's so läuft und überhaupt.
Aber ich verspreche dir, Alexander,
egal wie lange ich auch weg bin,
ich werde wiederkommen.
Ich werde dir von meinen Abenteuern berichten.

Und ich hoffe, du bist dann noch da.
Wartest auf meine Briefe und auf mich,
bereit,
mir, so geduldig wie immer,
deine Zeit zu schenken.
Ich bin dir so unendlich dankbar für all das hier.
Wer weiß,
wo mein Kopf, meine Gedanken und ich 
ohne dich wären?

Lebwohl, Alexander.
Pass auf dich auf.
Und bis zum nächsten Mal.

♥ Deine Rebecca.

Sonntag, 15. Juni 2014

Kurzes Update:
Nachdem ich heute Morgen schon wieder Panik geschoben hab,
weil gestern so ein Scheiß-Tag war,
haben Sophie, Laura und ich endlich geklärt,
was Sache ist - oder eben auch nicht.
Ich mein, es ist ja irgendwie klar,
dass das nichts mehr war,
aber naja...
War schon komisch,
vor allem, weil wir uns in diesem Moment alle wieder so einig waren,
so nah.
Ich werde sehen, wie es weitergeht
und du wirst davon lesen, versprochen!
Genieß den Tag noch,
mich erdrücken schon wieder die Aufgaben -.-

Samstag, 14. Juni 2014

Hey, Alexander...

Ich hatte mich gerade dazu entschlossen,
dir zu schreiben und jetzt stell ich fest,
dass in genau diesem Moment Uruguay - Costa Rica vorbei ist,
was bedeutet, dass mein kleiner Bruder gleich wieder nebenan ist
und ich nicht in Ruhe weinen kann.

Eigentlich will ich dir nicht schreiben.
Eigentlich will ich überhaupt nicht schreiben.

Aber mir geht's so leer, dass ich das Rumsitzen und ins Nichtsgestarre
auch genauso gut in Worte verwandeln kann,
von denen du was hast.

Oh mein Gott, Alexander.
Ich wünschte, du wärst Wirklichkeit.
Ich wünschte, ich könnte mich in deine Arme werfen.
Einfach nur.

Meine Nase läuft schon wieder.
Eine Nebenwirkung der Tränen.
Eine Nebenwirkung des heutigen Tages.

Alexander, verzeih mir.
Ich habe heute keine Worte.
Das was du heute zu lesen bekommst,
ist der misslungene Versuch,
meine Gedanken in Worte umzuwandeln.
Ich bin einsilbig heute,
still.

Und dabei...

Weißt du, Alexander, heute ist in meinem Kopf Leere.
Ab und zu blitzen immer wieder dieselben Gedanken auf.
Der Soundtrack zum Film.
Repeat. Repeat. Repeat.

"And I am in love with you, Hazel Grace."

So sehr hab ich noch nie geweint, bei einem Film.
Noch nie.
Aber der Tag generell war...
Ach man. 
Alexander.
Jedes einzelne Wort führt heute einen langen Kampf in mir.
Es tut mir Leid.

Sie hat mich nicht mal angesehen.
Das Mädchen, dass mich seit neun Jahren immer angesehen hat.
Sie hat mich nicht mal angesehen.

Sie hat mich nicht mal angesehen, verdammt.
Meine Tränen heute gelten auch ihr.
Sie war immer meine beste Freundin, Alexander, immer.
Was ist nur mit meinem Leben passiert?

Würden sie jemals fragen, ob ich glücklich bin, ob es mir gut geht,
Alexander, ich würde sie ansehen und zurückfragen,
wie ich jemals glücklich sein könnte, ohne sie.

So jedenfalls fühlt es sich an.
Wie könnte ich, Alexander, wie könnte ich.

Man gewöhnt sich an alles, alles wird gut blabla.
Scheiße verdammt, ich hab das durch, ich weiß, dass ich eines Tages neue Leute kennenlernen werde
ich bin ja nicht blöde,
aber Alexander,
ich werde niemals wieder jemanden finden wie sie
und weißt du, was mir genauso weh tut,
dass sie das mit mir machen können,
warum können sie das, Alexander,
warum tut das alles so weh?

WARUM TUT DAS ALLES SO WEH?

Warum.


Whatsapp blinkt auf, lachende Smileys, überdrehte Sprachnachrichten in der Partygruppe.
Das sind die einzigen Nachrichten,
die ich noch bekomme,
allen anderen hab ich seit Stunden nicht geantwortet.

Ich werde nie verstehen,
wie das geht,
dass man sich unter Menschen,
die man schon so lange kennt,
so einsam, verlassen, allein, verloren
fühlt.

So allein.

Ich dreh durch, Alexander, ich dreh durch.
Am liebsten würde ich alles löschen, 
was ich jetzt schon geschrieben hab.
Was tut man, gegen das Alleinsein?
Welchen Film guckt man sich an,
welchen Song hört man,
welches Buch liest man,
zum Teufel, Alexander, wessen Hand hält man?
Gibt es überhaupt etwas, 
das man gegen wahrhaftige Einsamkeit tun kann?
Eigentlich will ich gar nichts weiter tun,
außer einfach nur da liegen
und den Schmerz sein Werk an mir vollenden lassen.
Wenn alles weh tut,
Alexander,
wenn alles weh tut.

Wenn alles weh tut...
Wenn alles weh tut...
Wenn alles weh tut...

Weißt du, Alexander,
es gibt Nächte, in denen ich glaube,
für immer zu sterben.

Neulich habe ich auf tumblr einen schlauen Satz gelesen.
"Warum wollen so viele Menschen..."
Ich wollte's dir zitieren, aber ich find's nicht mehr, entschuldige bitte.
Sinngemäß ging der ungefähr so:

"So viele Menschen denken,
sie wollen sterben,

wenn sie sich eigentlich nur wünschen,
endlich wieder richtig zu leben."

Ich glaube, ich will leben.
Eigentlich.
Aber gerade bin ich so leblos.
Und leer
und langweilig
und lost
und lonely.
Alles "L" - Wörter.
Ha ha.
Ich weiß nicht weiter, Alexander.
Das ist die Wahrheit.

Ich sitze hier seit 3 Stunden und weiß nicht weiter. 
Und weiß es immer noch nicht.
Und die Nacht ist noch lang.
Und ich bin allein.

Aber es wird besser.
Einzig und allein mein Wunsch,
so weit weg von hier zu kommen,
wie nur irgend möglich,
bleibt in meinem Kopf.
Woanders kann es besser werden.
Woanders kann ich besser werden.
Es wird besser werden.
Es wird besser sein.
Es kann nicht ewig so weh tun.
Aber es tut so weh, 
jetzt gerade,
genau jetzt.
Und das ist alles, was zählt.
Genau jetzt.

Genau jetzt sind da die Tränen.
Und die Ängste.
Genau jetzt bin ich allein.
Und ich weiß nicht, wie ich es ertragen soll,
Alexander.
Sag du mir, wie ich es ertragen kann,
bitte, Alexander, ich flehe dich an.

Wie um alles in der Welt erträgt man allumfassenden Schmerz?
Gar nicht?
Ist das der Grund, warum wir alle gebrochen sind,
Alexander?
Ist das so?

Ich kann nicht mehr
und ich will auch nicht mehr.
Lass mich allein.
Man kann mich nicht trösten.
Und ich will das auch gar nicht.

Ich glaube, ich werde nie wieder so heftig und glanzlos,
so ganz ohne Würde zu Boden gehen,
wie dieses Mal.
Denn ab jetzt bin ich frei,
ich bin illusionslos,
bin meine Illusionen los,
zumindest vorerst.
Große Liebe? Vergiss es.
Heile Familie? In meinen Träumen vielleicht.
Beste Freunde? Bitte was?

Ich falle und fliege zugleich.
Lichter, wo ich auch hinsehe.
Über mir die Sterne.
Wer hätte jemals gedacht,
dass die Schuld bei ihnen liegt?

♥ Deine Rebecca.



Donnerstag, 12. Juni 2014

Ja, ich bin's noch mal, Alexander.
Das Eröffnungsspiel ist vorbei und es ist beinah Mitternacht
und ich sollte dringendst schlafen,
aber ich hab einfach mal gar keinen Bock, tralala.
Ich lag mit meinem 3:0 - Tipp für Brasilien knapp daneben
und ich hör die ganze Zeit Coexist und irgendwie...
Keine Ahnung.
Kennst du das?
Wenn du so richtig aufgedreht bist, aber ohne Grund und du ganz genau weißt,
dass du in ungefähr fünf einhalb Stunden aufstehen musst,
weil du weder deine Kostüme eingepackt noch geduscht,
sondern einen ganzen Abend lang nur Müll gemacht hast?
Bestimmt nicht,
aber ganz ehrlich, du willst es auch nicht kennen.
Ich versuch gerade verzweifelt,
mir ein schlechtes Gewissen deswegen zu machen,
aber Alexander, dieses "I don't ca-are" will einfach nicht aus meinem Kopf raus.

Hahaha, kannst du dich noch an meine ersten Briefe an dich erinnern?
Mein Gott, was war ich da noch für ein braves Mädchen.
Da hab ich noch gesagt, ich würde niemals rauchen oder kiffen.
Niemals.
Und was haben Hannah und ich jetzt abgemacht?
Bevor sie nach Frankreich fährt, ziehen wir beide einmal.
Mindestens.
Oh ja, Alexander, shame on me.
Aber weißt du was? "I don't ca-are..."
Nächstes Schuljahr bin ich 10. Klasse.
Und Alexander, dann werd ich 16
und ich darf endlich in die ganzen Clubs
und ich darf offiziell bis 24 Uhr überall sein
und ich werd so viel machen
und oh mein Gott, meine Noten,
aber weißt du was,
ist scheißegal,
weil dann bin ich raus.
Weg.
Auf und davon.
Für 10 Monate und danach wird sowieso nichts mehr sein,
wie es war.
Es ist wirklich so, am Ende wird man zu dem Menschen, der man nie werden wollte.

Und am schlimmsten ist,
dass es einen nicht mehr berührt.
(Wobei das bei mir sicher auch durch die Müdigkeit bedingt ist, gerade.)
Wo ich wohl in einem Jahr sein werde?
Die Dinge ändern sich so schnell, Alexander
und manchmal kommt für einen kurzen Moment das kleine Mädchen in mir hervor,
das kleine Mädchen, das noch immer denselben Teddy wie seit 15 Jahren in seinem Bett liegen hat,
ja, ich.
Und dieses kleine Mädchen hat Angst,
Angst, weil die Zeit immer schneller vergeht und weil irgendwann alle die Orientierung verlieren,
in diesem Chaos und weil es nicht weiß,
ob es so tun kann, als wüsste es noch, wo's lang geht.
So wie das eigentlich alle machen.
Dieses Mädchen bin ich.
Rebecca.
Die Welt ist eine einzige Show
und Rebecca ist keine Entertainerin.
Ich bin ehrlich und ein bisschen unsicher und schweige lieber einmal zu viel.

Die traurige Wahrheit ist, Alexander,
ich habe nun niemanden mehr,
der auf mich aufpasst.
Irgendwann habe ich festgestellt,
dass Sophie und Laura die einzige noch existierende Verbindung zur Rebecca vor Mr. M waren.
Vor Mr. M war ich... ein Kind, irgendwie.
Und danach bin ich groß geworden.
Das Kind war so unbedarft, so unverbraucht.
So heil.
Soll ich ehrlich sein, Alexander?
Sophie und Laura waren immer meine Brücke zu der Erinnerung an das heile Kindchen Rebecca.
Ich hab mich gern daran erinnert.
Der Gedanke an dieses Kind,
an dessen Wünsche und Träume,
an die verdammte Leichtigkeit des Seins,
die meine ganze Kindheit ausgemacht hat und mich bis heute prägt.
Der Gedanke hat mich davor bewahrt,
Dinge zu tun.
Sophie und Laura haben mich davor bewahrt.
Die beiden waren die letzte Illusion,
die mir von meiner Kindheit geblieben ist.
Das Kind in mir hat auf die Rebecca aufgepasst,
die ich jetzt bin.
Die Rebecca, der Dinge egal sind, die nicht egal sein sollten,
die Rebecca, die sich vorgenommen hat, zu kiffen,
die Rebecca, die so sehr weint, dass es weh tut.
Die beiden haben auf mich aufgepasst.
Und ich hab nur die beiden auf mich aufpassen lassen.
Weil sie meine Illusion und meine Hoffnung waren
und weil ich, wie du weißt, für meine Illusionen lebe und sterbe.
Himmel, ich hab diese Illusion geliebt.
Und meine besten Freundinnen, Alexander,
Laura und Sophie,
diese wunderbaren, unschuldigen Engel auf Erden,
ich hab sie geliebt.

Vielleicht wird das hier jetzt der Nachruf auf die beiden wunderbarsten Menschen,
die mein Leben bis zum Winter noch zu bieten hatte
und dann ist der Grammatik-Test morgen auch egal und die Uhrzeit und überhaupt,
dass ich jetzt bei James Blunt Tränen in den Augen habe.

Ich bin frei, Alexander,
hörst du wie mein Herz das in die Nacht schreit?
ICH BIN FREI, VERDAMMT!
Frei.
Frei. Frei.
Frei. Frei. Frei.
Ich muss mich für mein Gewissen vor keinem einzigen Menschen dieser Erde mehr rechtfertigen.
Ich kann tun und lassen, was ich will.
Ich kann nachts durch die Straßen tanzen und ich kann trinken und ich kann die Leute küssen, 
die ich will und es kann mir egal sein, was andere von mir denken,
es kann mir alles so egal sein,
weil ich weiß, dass wer zuletzt lacht sowieso am besten lacht.

Aber, Alexander.
Hörst du die Hysterie in diesem Lachen,
die leise Verzweiflung?
Die immer lauter wird und lauter und lauter und lauter.

Und dann ist da Stille.
Tränen sind nie laut.
Und das Flüstern, der Preis ist zu hoch, der Preis ist viel zu hoch.
Wie die Tauben in Aschenputtel, als den Schwestern der Schuh nicht passt.
Rucke-di-gu, rucke-di-gu, Blut ist im Schuh, Blut ist im Schuh,
der Schuh ist zu klein, der Schuh ist zu klein,
die rechte Braut sitzt noch daheim.
Ich kann das alles noch, Alexander,
mein Opa hat uns immer die Märchen vorgelesen.
Ich will wieder ein Kind sein.
Der Preis ist zu hoch, der Preis ist zu hoch.

Ich will doch keinen Spaß auf den ersten Blick,
Freiheit für meine Nächte
und legal Alkohol kaufen dürfen.
Was soll ich damit, wenn mich am Ende doch die bittere Erkenntnis einholt,
dass ich für all den Spaß, den ich von nun an haben werde,
das Glück meiner Kindheit eingebüßt habe?
Schon vor einem Jahr hab ich dir prophezeit,
dass ich nie wieder glücklicher sein werde,
als ich es in der 6. Klasse war,
kurz bevor Mr. M aufgetaucht ist.
Und Alexander, ausnahmsweise hatte ich mal Recht.

Das glücklichste Glück liegt in der Unbeschwertheit der Kindheit.
Das Glück, das über eine Wiese springt
und versucht, einen Schmetterling zu fangen
und dann verzückt vor einer Mohnblume kauert,
weil Rot eine so faszinierende Farbe ist.

Und vor all jenen, denen nicht einmal dieses Glück gewehrt wurde,
ziehe ich hier meinen Hut.

Dir, Alexander, habe ich mein Schweigen in drei Punkten schon einmal erklärt,
relativ am Anfang.
In Worten kann ich nicht ausdrücken, wie unvorstellbar ein Leben für mich ist,
in dem es niemals dieses glücklichste Glück gegeben hat.

...

Die Wahrheit ist, Alexander,
dass zwischen Spaß und Glück ein großer Unterschied besteht.
Und dass ich zwar viel Spaß hatte, in letzter Zeit,
aber schon lange nicht mehr glücklich war.
Die Wahrheit ist,
dass ich mir wünsche,
noch einmal über eine Wiese hinter einem Schmetterling her hopsen zu können,
ohne an ein Morgen zu denken,
daran, was die anderen wohl von mir halten,
oder an überhaupt irgendwas zu denken.
Und noch viel wahrer als all das ist,
dass man die Vergangenheit nicht wiederholen kann.
You can't repeat the past, sagt Nick Carraway zu Jay Gatsby 
und ja, ich verehre dieses Buch,
unter anderem wegen dieser Weisheit. 

Sophie und Laura waren meine Erinnerung an die Wiese und den Schmetterling und den roten Klatschmohn.
Diese Erinnerungen waren das Schönste, was ich hatte,
sie waren das Glücklichste, Unbeschwerteste, Beste.
Und sie waren die Besten.
Sophie und Laura waren die Besten.
Und sie fehlen mir schrecklich.

Wenn du nicht mehr das Gefühl hast,
dass da eine Hand ist, nach der du im Notfall in der Dunkelheit greifen könntest,
wenn der Film zu gruselig ist,
dann...
Sie waren meine Hand, Alexander.
Und ich hätte immer nach ihr greifen können,
egal wie viel Popcorn ich vorher ganz allein aufgegessen hätte.
Der Punkt ist ja, dass überall in der Dunkelheit lauter Hände sind.
Es ist nicht so, dass es keine Hände gibt.
Aber es ist etwas anderes, eine Hand neben sich zu wissen,
die deine auch wirklich festhalten wird.
Und es erfordert so viel Mut, einfach seine Hand auszustrecken und in die Dunkelheit zu greifen.
So viel Vertrauen.
Du weißt in dieser Welt nie,
wer in der anderen Hand ein Messer bereit hält.
Also lass ich meine Hände lieber schön bei mir 
und fühl mich in Nächten wie diesen ein bisschen allein.

Ich möchte mich bei denjenigen entschuldigen,
die immer für mich da sind, Alexander,
denn diese Worte sind ihnen gegenüber nicht fair.
Aber ich denke jeder hier weiß,
dass es eine gewisse Einsamkeit auf dieser Welt gibt,
die einem niemand nehmen kann,
absolut niemand.

Jeder will groß werden,
aber niemand von uns hat vorher gewusst,
dass jeder große Mensch
auf seine eigene Art einsam ist
und eine Hand immer bei sich behält,
weil das Leben ihn gelehrt,
dass es kein vollkommenes, immerwährendes Glück gibt,
so wie es ihm seine Kindheitsträume vorgegaukelt haben.
Und deswegen fühlt sich jeder ein bisschen einsam.


So wie ich jetzt.
Ein bisschen nur, ein kleines bisschen.
Aber einsam ist einsam.
Und das ist okay.
Es ist nicht schön, aber schlimm ist es auch nicht.
Es ist normal.
Ich schätze,
es ist "groß sein".

Es ist mittlerweile 01:14 Uhr, Alexander
und vor anderthalb Stunden war ich ein aufgedrehter Clown und jetzt bin ich bloß ich,
ernüchtert von meinen eigenen Gedanken.
Das passiert auch echt immer nur beim Schreiben,
aber gerade das mag ich ja auch daran.

Ich werde Spaß haben, nächstes Schuljahr und heute Abend und immer,
Alexander, mach dir keine Sorgen.
Ich werde lachen, so viel, so laut, so ehrlich.
Und es wird mir gut gehen.
Aber ich werde nicht glücklich sein.
In dieser Welt ist niemand so glücklich wie er zu sein scheint,
und die meisten sind überhaupt nicht glücklich.
But the show must go on.

In diesem Sinne, Alexander,
drück mir die Daumen, 
dass ich mit vier Stunden Schlaf mindestens bis heute Abend um 11 durchhalte.
Ich meld mich bald wieder.

♥ Deine Rebecca.





Alexander.

In 11 Tagen hab ich Praktikum und dann sind Sommerferien.
Das ist so bald.
Sechs lange Wochen frei.
Ich brauch noch dringend irgendnen Ferienjob, dringend, dringend,
aber ist ein bisschen doof, wenn man erst 15 ist.
Hast du ne gute Idee, Alexander?
Oder hast du sowas schon mal gemacht?
Im Herbst sind so verdammt viele Konzerte, auf die ich will
und auch wenn ich sicherlich meine Eltern anpumpen könnte,
ist mir das unangenehm,
ich will das lieber selbst bezahlen.

In drei Stunden beginnt die Fußball - Weltmeisterschaft 2014
und ich hab mir schon einen Plan gemacht,
wann ich welches Spiel gucken kann,
eher als Mitternacht schlaf ich eh nie.
Vorher will ich nochmal mit meinem Bruder longboarden.
Meine Zeit ist beinah minutiös durchgeplant,
aber nur beinah.
Morgen beispielsweise geh ich mit den Leuten vom Wochenende in den Schlossgarten,
wenn ich mit der Tanztheaterprobe fertig bin,
das wird so gegen 18 Uhr sein.
Da ich garantiert um 10 zu Hause sein muss
(dieses Wochenende ist nur mein Vater zu Hause und der ist da immer etwas strenger)
komm ich genau pünktlich
zur zweiten Halbzeit
von Spanien vs. Niederlande.

Samstagmorgen dann wieder in die Schule, bis 16 Uhr, Tanztheaterendproben nehmen immer einiges an Zeit in Anspruch,
danach dann mit Luise in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter".
Das haben wir uns vorgenommen, seit wir im Januar entdeckt haben, dass das Buch verfilmt wurde, haha.
Zu dem Film werd ich hier vielleicht auch eine Rezension machen - kommt drauf an, ob du das hören willst ;)
Wobei mich der allgemeine Hype beinah schon wieder nervt,
ganz ehrlich, ich mag es so viel lieber,
wenn die wirklich schönen Dinge auf ewig Insider bleiben.

Und Sonntag wieder Tanztheater und danach vielleicht mit den Longboardern aus meiner Klasse (eigentlich so gut wie alle, haha) um die Seen hier.

Schule an sich kommt in meiner Planung gar nicht mehr vor,
und das, obwohl uns die Lehrer zwei (!!!!) Wochen vor Notenstopp nochmal ordentlich Vorträge und Projekte reinknallen -.-
Meiner Klasse ist das egal,
wir sind alle schon ganz aufgedreht
und zur Zeit geht's mir andauernd so,
dass ich einfach nur da sitz
und allen um mich herum zu sehe,
beim Reden und Lachen
und dann denk ich mir,
wie unfassbar gern ich jeden einzelnen hab.
Und dass wir schon seit 5 Jahren in einer Klasse sind
und wie eine große Familie
und dass ich sie alle so vermissen werde,
nächstes Jahr.
Ich werd ein Austauschjahr machen,
hab ich das schon erwähnt, Alexander?
Nach Kanada soll's gehen und ich bin mir schon jetzt sicher,
dass das ziemlich cool werden wird.
Und auch wenn wir dann eh in Kurse aufgeteilt werden und sich alle ändert,
ich werd sie vermissen.
Ziemlich sehr.

Aber Alexander, auch das ist noch immer nicht der eigentliche Grund meines Briefes.
Mir ist nämlich vorhin was aufgefallen.
Sophie, Laura und ich werden immer irgendwie befreundet sein.
Wir drei sind alt genug und vor allem auch schon lange genug befreundet
und unser Problem oder mein Problem oder wie auch immer
auszubaden und zu überstehen.
Vielleicht sind sich die beiden näher
als ich es ihnen jemals wieder sein werde.
Aber Alexander, da ist keine Eifersucht oder Sehnsucht in meinem Herzen.
Die beiden werden immer auch meine Freunde sein,
unabhängig vom jeweils anderen.
Wir sind noch nicht vorbei.
Die Distanz tut uns gut, keine Frage.
Und es wird irgendwann wieder besser werden.
Das ist einfach so.
Ich hoffe das nicht mal, ich weiß das einfach.
Punkt.

Mach dir nen schönen Abend, Alexander ♥
Und viel Spaß beim Fußball gucken oder was auch immer sonst du heute machst!

Deine Rebecca

Dienstag, 10. Juni 2014

Hey Alexander,

mein Leben legt gerade ne 180° Wende hin, würde ich sagen.
Eigentlich war ich die kompletten Pfingstferien nur auf Achse,
bin gefühlt durch halb Deutschland gefahren,
nach Braunschweig, nach Berlin, an die Ostsee und nach Hause,
und hab den Rest der Zeit damit verbracht,
mit Leuten Dinge zu tun, die meine Eltern nicht gut heißen würden -
wenn sie davon wüssten.

Keine schlimmen Dinge, nein,
aber gestern zum Beispiel war ich mit Hannah, Julius, Xaver und Felix
sowie deren Kumpels am See baden
und jeder hat gewusst, dass da ein Gewitter aufzieht
und trotzdem sind wir alle bis zum ersten Regentropfen geblieben,
nur um dann, gaaaanz langsam und klitschnass Richtung Stadt zu fahren.
Meine übervorsichtigen Eltern würden mich dafür umbringen,
von wegen Gewitter und so weiter,
aber hätten sie gefragt, hätte ich gesagt,
dass wir bei Felix waren.
Hannah ist mit Julius zu sich nach Hause gefahren
und weil wir sowieso schon nass waren
hab ich mich mit einer aus ihrer Klasse, Emma,
noch an einen Teich in der Innenstadt gesetzt.
Wir haben einfach nur dem Regen zugehört
und einander
und Alexander, ich kann dir sagen,
all das hat sich so befreiend angefühlt,
nach den letzten verdammten Monaten.
Ich bin wieder wer,
wenn auch nicht groß oder wichtig
und vielleicht auch nicht unbedingt in den besten Kreisen.
Aber ich hab wieder einen Namen.
Und Alexander, das fühlt sich so gut an.
Es war so einfach, verstehst du?
Und zum Schluss kamen wieder die Worte,
die ich in meinem Leben wahrscheinlich schon am häufigsten gehört hab:
"Du kannst so gut zuhören."
Wir haben uns einen Döner geholt und dann sogar noch Stine und Leon getroffen
und danach hab ich Emma bei Tom und Jason abgesetzt.

Was ich heute mache, weiß ich noch nicht.
Vielleicht fahr ich mit den anderen wieder baden.
Auf jeden Fall geht's mit meinem Bruder in die Stadt.
Ich hätte auch mal wieder Lust, Longboard zu fahren.
Mal sehen.

Vielleicht wird alles gut, Alexander.
Vielleicht kommt jetzt die Rebecca zum Vorschein,
die ich immer gern gewesen wäre,
mich aber nie getraut habe, zu sein
Vielleicht werd ich ein schlechterer Mensch.
Vielleicht werd ich länger draußen sein und öfter Alkohol trinken.
Aber ich werde mehr Spaß haben,
ich werde glücklicher sein, im ersten Moment.
Und selbst wenn der Rest scheiße ist,
dann ist das eben so, es zählt sowieso nichts anderes außer der Moment,
was anderes gibt's nicht für uns,
heute,
diesen Sommer,
in diesem Leben.

Ich werd nicht vergessen, wer ich mal war, Alexander,
das versprech ich dir.
Ich werd mich nicht verlieren.
Aber ich hab mich so lange nicht mehr frei gefühlt,
vor gestern Abend.
Ich hab's vermisst.

Pass auf dich auf ♥
Deine Rebecca.

Dienstag, 3. Juni 2014

Lieber Alexander,
ich muss dir was gestehen:
Gestern hab ich's endlich geschafft, einen Zweitblog für Bilder und so weiter zu machen! :D
Bedank dich bei ihm hier für die Inspiration ;)

Allerdings steht der Blog "nur für geladene Leser zur Verfügung",
weil da ja dann meine ganze Anonymität und so futsch ist -
wer trotzdem einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, möge mir einfach seine (Blogger!)E-Mail Adresse in einen Kommentar schreiben ;)

Joah, das wollt ich dir eigentlich nur mitteilen,
ansonsten ist mein Leben so wie immer,
ich fiebere den Sommerferien entgegen und
leide und chronischem (und selbstverschuldeten) Schlafmangel, haha.
Und heute bin ich ziemlich gut drauf.

Also, mach's gut, Alexander und bis bald ♥

Deine Rebecca

Sonntag, 1. Juni 2014

Hey Alexander.
Jetzt ist schon wieder Juni
und obwohl ich nicht viel von diesem ganzen "Hello June" - Getue halte,
muss ich hier doch einmal anmerken,
dass die Zeit immer schneller zu vergehen scheint.
Ich mein, ich bin bald 10. Klasse.
Und das kommt mir dann irgendwie doch schon viel zu nah am Abi vor.

Himmelfahrt war ich auf ner Geburtstagsparty von Kumpel
und gestern in Hannover,
Madcon, Materia und Flo Rida,
die freien Tage waren schon echt geil
Trotzdem legt die Schule jetzt noch mal nen ganz schönen Endspurt hin
und darauf hab ich echt so überhaupt keine Lust...
Naja, glücklicherweise ist nächstes Wochenende schon wieder frei :)

Was Sophie und Laura angeht...
Die beiden sind Weltmeister im Ignorieren,
aber mit der Zeit ist mir das echt egal geworden.
Es gibt nämlich Leute,
die interessiert, was ich so mache
und ich schätze, so ist das Leben
und ich hab wieder was dazu gelernt.
Nein, Spaß,
natürlich tut das alles einfach mal richtig weh,
aber was soll ich machen.
Ich hatte meine Chancen und da hab ich's nicht auf die Reihe bekommen.
Du kriegst es deshalb nicht zu lesen,
weil ich hier nie schreibe,
wenn's dann mal wirklich weh tut,
mal sehen, vielleicht tipp ich irgendwann mal was ab oder so...

Wie auch immer, ich hab noch ne Menge zutun,
also Alexander, genieß den Abend!
Liebe an dich
♥Deine Rebecca.