Freitag, 31. Mai 2013

Lieber Alexander.
Betrunken vom Glück.
Betrunken vom Leben.
Betrunken vom Alkohol.
Naja, letzteres eigentlich nicht.

Aber ich muss schon sagen, mein Kopf ist heute Nacht zu nicht mehr viel fähig.
Nobody said it was easy.
Geht schon, passt schon alles. Das Leben ist toll.
Coldplay im Ohr, Hunger im Bauch und ein Lächeln auf den Lippen.
Weißt du, Alexander, es sind diese Momente, die einfach nur richtig sind.

Ich könnte jetzt beschreiben, wer, wie, wann.
Könnte es versuchen.
Aber ich glaube, ich würde scheitern.
Mir dieses Gefühl kaputt machen und es letztendlich doch nicht so formulieren, wie gewollt und gedacht.
Wer hat gesagt, dass wir nicht feiern können?

Es war genau so, wie es sein sollte.
Mag sein, dass andere das langweilig finden würden.
Aber für uns war's perfekt.
Wir haben die Wodka-Flaschen genau richtig versteckt, bevor Leon's Eltern zum Kontrollieren gekommen sind. Stine war so betrunken, dass sie nicht mehr allein gehen konnte. Oliver und Gustav sind um kurz nach 11 noch mal in den See gesprungen, ohne Handtücher oder sonst was, es war schon echt dunkel und überall war Nebel UND die beiden hatten auch nicht wenig intus, aber who cares?
Es gab keine großen Dramen, keine Nachbarn, die sich beschwert haben oder so. Alles so weit normal.
Und trotzdem total richtig.
Die Musik war genau richtig laut. Das Feuer genau richtig warm.
Es waren genau die richtigen Leute da.

Ach man, Alexander.
Ist schon so spät, ich bin schon so müde.
Weißt du, ist zur Zeit etwas doof, dir zu schreiben.
Theo weiß alles. Alles, alles, alles.
Er kennt auch dich.
Ich fürchte, in nächster Zeit wirst du ein bisschen zwischen den Zeilen lesen müssen,
aber macht nichts.
Heute macht gar nichts was.

Es ist dieses alles-ist-möglich-also-leben-wir-einfach-mal-weiter-und-sehen-was-als-nächstes-passiert - Gefühl.
Hab ich in letzter Zeit öfter.
Alles ist möglich, alles wird gut.
Wann und wie ist noch offen, aber wir haben ja Zeit.
Ich glaube, ich war nie beruhigter, als jetzt.
Es wird sich alles finden, weißt du.
Ich glaub da einfach dran.
Wird schon alles so passieren, wie es soll.

Ich schick dir heute das Strahlen auf unseren Gesichtern im Schein des flackernden Feuers.
Oder heißt es im flackernden Schein des Feuers?
Oder im Flackern des Feuerscheines?
Ich weiß es nicht.
Aber das macht nichts.
Heute Nacht macht gar nichts irgendwas.

Schlaf gut, Alexander und denk dran:
Alles ist möglich.

Deine Rebecca.

Dienstag, 28. Mai 2013

Alexander,
ich hab Angst.
Wenn er das alles weiß, ich glaube, er wird mich dann hassen.
Er wird... Befremdet sein.
Denn das, was ich ihm gesagt habe, das ist nicht die Rebecca, die er kennt.
Ich will ihn nicht verlieren, nicht durch meine eigene Dummheit und Ehrlichkeit.
Wenn ich mir überlege, dass alle meine Freunde nur einen kleinen Teil dieser Gedanken kennen,
die ich dir geschrieben habe.
Es ist wirklich beängstigend, wie wenig sie die echte Rebecca kennen.
Beziehungsweise, den Teil von Rebecca, der sie ist, wenn sie allein ist.
Sie würden mich kennen, wenn sie alle diese Briefe lesen würden.
Aber für diese Briefe würden sie mich hassen, weil es nämlich die Wahrheit ist.
Oh man, Alexander, heute Nacht habe ich vor allem Angst.
Wenn das rauskommt, dann kann ich einpacken.
Kann in Kalifornien ein neues Leben anfangen, oder so.
Ich weiß nicht, ob ihm bewusst ist, wie viel von mir hinter dem steckt, was ich ihm gesagt habe.
Wie sehr er mich dadurch in der Hand hat.
Ich hoffe.
Ich hoffe, er hält sein Versprechen.
Ich hoffe, er passt darauf auf.
Auf mich.
Alexander, es kann der viertgrößte Fehler meines Lebens gewesen sein.
Oder meine Rettung.
Wir werden sehen.
Ich hab Angst, Alexander.
Ich weiß nicht, was passiert.
Bleib bei mir.
Bitte.
Ich will nicht alles verlieren.

...

Kannst du mir nicht einen guten Song sagen, bitte?
Ich würde gerne die Stille in meinem Kopf vertreiben.
Und in mir.
Es ist, als ob nicht mal mehr mein Herz schlagen würde.
Das Leben ist so verdammt verrückt.

Und dabei will ich nichts mehr,
als dass er einfach schweigt.
Ich will nicht von ihm hören, dass er mich verstehen kann.
Kann er nicht.
Er soll einfach schweigen.
Und mich dann in den Arm nehmen.
Und es so akzeptieren, wie es nunmal ist.
Mich so akzeptieren, wie ich bin.
So, wie Mr. M es einst getan hat.
Aber ich weiß nicht, ob er das kann.
Ob er das will.
Ob er das wird.

Ich glaube, diese Nacht wird alles entscheiden, Alexander.

Lass mich nicht allein, ja?
Verdammt, ich muss jetzt Gossip Girl gucken,
sonst machen meine Gedanken mich noch wahnsinnig.
Hilft eh nur abwarten und Tee trinken.
Aber im Warten war ich noch nie gut.
Kannst du mir bitte einen Tee machen, Alexander?
Scheiße, scheiße, scheiße.
Tschuldigung, ich weiß, man flucht nicht.
Aber...
Ok, nein, ich bin jetzt still.
Sonst wird alles nur noch schlimmer.
Ich weiß, was noch besser als Gossip Girl ist: Schlafen.
Ich werde jetzt schlafen.

Gute Nacht, Alexander.
Lass mich nicht allein, bitte.
Angst ist ein schreckliches Gefühl.
Das kommt davon, wenn man ehrlich ist.
Wenn man wirklich die Wahrheit sagt. Und nichts mehr verschweigt.
Vielleicht war mein Plan doch nicht so gut.

Bitte verzeih mir.
...

Ausnahmsweise rede ich heute nicht von Mr. M.
Nein, es geht um einen anderen Herrn.
Das Leben überfordert mich in jeder Hinsicht, ehrlich.

Bis bald, Alexander.
Vergiss nicht, du bist wundervoll.
Und mach dir keine Sorgen, Lächeln geht immer noch.
Ich hoffe, bei dir auch.
Wird schon alles werden, oder?
Wird schon alles gut.

Man soll die Hoffnung niemals aufgeben.
Generell soll man niemals aufgeben.
Aufgeben zählt nicht.

Deine ängstliche und trotzdem (Achtung, tolles Wort) zuversichtliche Rebecca.

Montag, 27. Mai 2013

Lieber Alexander.
Ja, ich streue Asche auf mein Haupt, weil ich es schon wieder nicht geschafft habe, dir einen ordentlichen Brief zu schreiben. Beziehungsweise, einfach, weil ich jetzt, um 00:40 Uhr, gerade erst anfange, einen zu schreiben.
Ich werde heute wieder nicht zur Schule gehen, aufgrund der mündlichen Abiturprüfungen haben wir nämlich die ersten zwei Stunden Ausfall, dann Doppel Sport, was ich nicht mitmachen kann, wegen meiner Erkältung, dann Mathe und AWT und anschließend Chor, wo ich auch nicht mitmachen kann, weil ich krank bin.
Von den 8 Stunden bleiben 2, welcher Idiot schleppt sich da mit Kopfschmerzen und Atemproblemen in die Schule? Zum Glück sehen meine Eltern das auch so.
Und bevor ich irgendwas anfange, möchte ich mich noch mal bei  Arizona bedanken, die mich auf ihrem Blog vorgestellt hat, ich weiß nicht, ob du's wusstest, aber sie ist ein wundervoller Mensch und ihr Blog ist genauso wie sie, also herrscht hier echt oberste Klickpflicht.

Und naja.
Also, ich weiß nicht, ob ich das schon mal irgendwo erwähnt habe,
aber wenn bei uns die Sommerferien beginnen, geht Mr. M für ein halbes Jahr nach Australien.
Und wenn er geht, werde ich auch gehen, so einfach ist das.
Ich weiß, das ist alles etwas verwirrend, jetzt so kurz zusammengefasst
und ich habe für diesen Entschluss mehrere Tage und Nächte mit nachdenken und schlussfolgern verbracht, aber ich weiß, dass es richtig ist.

Es fing alles am Donnerstag an, da war ich nämlich auch schon zu Hause, wegen meiner blöden Erkältung
und ich hatte zu viel Zeit zum Denken.
Viel zu viel Zeit. Und wie du mich kennst, kann dabei dann eigentlich gar nichts Gutes rauskommen.
Aber weißt du, Theo hat mich plötzlich mit einem Liebesgeständnis überrascht und ich,
vollkommen überrumpelt, hab erstmal nicht zurückgeschrieben.
Teils, weil er und Sophie seit gerade mal einem Monat getrennt sind und so schnell bei der besten Freundin anzukommen, find ich schon ganz schön dreist,
aber auch, weil ich einfach nicht wusste, was ich schreiben soll.
Und dann hab ich plötzlich gedacht, dass mir das früher nie passiert wäre.
Und dass ich immer zurückgeschrieben hätte,
notfalls hätte ich ihm einfach die Wahrheit in so unschönen Worten an den Kopf geworfen, dass er danach nie wieder mit mir geredet hätte.
Aber auf keinen Fall hätte ich einfach gar nichts gesagt.
Und plötzlich ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen:

Alexander, früher war ich ehrlich.
Ich hab einfach meine Gedanken direkt in Worte umgewandelt.
Und das Leben war leichter.
Vielleicht nicht immer, ok. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Mr. M und ich mal einen Monat lang nicht geredet haben, weil ich ihm mal in einer Anwandlung von Abneigung, eben diese Gefühle sehr deutlich kundgetan hab (haha, meine Ausdrucksweise ist echt gewöhnungsbedürftig xD )
Aber es war leichter.
Bis ich mich verloren habe.
Denn von da an war ich eine von denen, die oft nach dem  Motto "Writing ':D' while crying" gehandelt hat.
Wenn du irgendwann mal in so einer Situation warst, Alexander,
dann wirst du das verstehen.
Es ist manchmal einfach leichter.
Man erspart anderen Sorgen und Gedanken und sich selbst Erklärungen und enttäuschte/wenig hilfreiche Bemerkungen seines Gegenübers.
Vor allem, wenn alle um dich rum in einer Art Dauerglücklichkeits-Modus sind.
Da schreibt man lieber ein "Haha" zu viel und weint sich dann in den Schlaf, das ist einfach so.

Und weißt du, um meinem Selbstfindungsprozess ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, habe ich beschlossen, wieder ehrlicher zu sein.
Anderen gegenüber, aber auch mir.
Angefangen habe ich dann gleich mal mit Theo. Habe lang und breit versucht, ihm alles zu erklären.
Wieso und warum und überhaupt.
Und als ich schließlich fertig war, meinte er nur:
"Ich mag deine langen Texte ♥"
Am Freitag war ich dann mit Laura in der Stadt und anschließend haben wir lange geredet.
Das tun wir sowieso selten, aber es war für mich die perfekte Gelegenheit, meine Ehrlichkeit wieder unter Beweis zu stellen. Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, wie glücklich ich danach war - ich hab nämlich auch mal was von mir erzählt und nicht immer nur geschwiegen.
Und tja, diese Nacht war ich sehr ehrlich zu Sophie.
Und hab ihr von meinen neuesten Erkenntnissen in Sachen Mr. M erzählt.

Merkst du was, Alexander?
Meine Freunde wissen plötzlich die Dinge wieder eher, als du.
Ist das nicht genial?
Wenn ich dich in den Arm nehmen könnte, dann würde ich das auf der Stelle tun.
Würde dir freudestrahlend um den Hals fallen und dann immerzu um dich rumhüpfen.

Aber es kommt noch besser.
Wie ich oben schon mal irgendwo erwähnt habe, wird Mr. M in knapp 4 Wochen nach Australien gehen.
Und ich hab mir lange Gedanken darüber gemacht, ob und wie ich mich dann von ihm verabschieden soll.
Erst wollte ich mich gar nicht verabschieden.
Ich meine, was sagt man zu jemandem, mit dem man nichts mehr teilt außer ein paar Erinnerungen?
"Ich werd dich vermissen." ?
Was für eine Lüge, ich vermiss ihn schon seit beinah einem Jahr.
"Ich hab Angst, dich zu verlieren, wenn wir uns so lange nicht sehen." ?
Unnötig, ich hab ihn schon längst verloren.
Weißt du, Alexander, ich war seit langer Zeit mal wieder so richtig schön ehrlich zu mir selbst.
Und habe dabei erstaunliche Dinge über mich und Mr. M und unsere nicht existenten freundschaftlichen Beziehungen herausgefunden.

1. Er und ich gehören nicht, wie lange angenommen, zusammen.

Nein, ich glaube, da war ziemlich viel mehr in meinem Kopf als in Wirklichkeit.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, in meiner Erinnerung scheint es zwar perfekt.
Aber ich glaube, das lag einfach daran, dass er der Erste war, der solche Dinge zu mir gesagt hat.
Und auch richtig gut gesagt hat, ja.
Aber perfekt kann es nicht gewesen sein sonst wäre das hier nicht passiert:

2. Er ist gegangen.

Und das, obwohl wir uns mal versprochen haben, immer da zu sein, wenn der andere uns braucht.
Aber ok.
Kommt vor im Leben.
Passiert.

3. Ich hab ihn verloren.

Das sind nämlich zwei unterschiedliche Dinge.
Ich hätte ihn auch verlieren können, wenn er nicht gegangen wäre.
Aber meistens zieht das eine das andere nach sich.
Ich weiß nicht, wie oft mir von diversen Personen versichert wurde, ich hätte ihn nicht verloren.
Sogar von ihm höchstpersönlich.
Und irgendwie ist er auch immer genau dann noch mal aufgetaucht, wenn ich wirklich kurz davor war, mich endgültig von ihm zu verabschieden.
Nur kurz, natürlich, aber doch immer lang genug,
um alle meine Pläne und am meisten mich durcheinander und wieder auf Anfang zu bringen.
Manchmal war es nur eine kleine SMS von ihm, nur ein paar Worte,
aber die haben gereicht um die Hoffnung wieder aufleben zu lassen,
dass doch noch nicht alles verloren ist.
Und ich glaube, ich wollte es irgendwie auch nicht wahrhaben.
Er und ich, wir haben uns mal dermaßen gut gekannt, sehr viel besser geht fast gar nicht mehr.
Und ich dachte, das kann man nicht verlieren.
Ehrlich, ich hab's einfach nicht für möglich gehalten.
Es war so viel, weißt du? So unfassbar viel.
Naja. Alles ist möglich, das haben er und ich irgendwann festgestellt.
Und ich hab ihn verloren.
Beziehungsweise, ich hab mein absolutes Vertrauen in ihn verloren.
Das, was ihn für mich so unersetzlich gemacht hat.
Das, wofür ich ihn am allermeisten geschätzt und irgendwie auch geliebt habe.
Es ist nicht das du-kannst-mir-vertrauen-ich-sag's-niemandem-weiter - Vertrauen, wenn du verstehst, was ich meine.
Er... Er hat mir das Gefühl gegeben, dass es ihn wirklich interessiert, wenn ich was sage.
Selbst wenn ich ihm von meinem Schulweg erzählt hab, den er selbst in- und auswendig kennt, weil er nur ein paar Straßen weiter wohnt, hatte ich das Gefühl, dass er mir zuhört.
Es schien ihm immer wichtig zu sein, was ich gesagt habe, egal, wie unwichtig es tatsächlich war.
Und, und ich glaube, das hat mir mit am meisten bedeutet, er hat mich nie für das verurteilt,
was ich ihm erzählt habe.
Vielleicht in Gedanken, ja, aber nie laut.
Er hat nie "Wie peinlich!" gesagt, oder mich komisch von der Seite angesehen.
Er hat mit mir über die lustigen Dinge gelacht und wegen der traurigen Dinge geweint.
Für das Vertrauen, das ich in ihn hatte, finde ich gerade kein gutes Wort.
Es war unendlich, so wie alles, was er und ich waren.
Also nenne ich es einfach das Unendliche Vertrauen.
Niemals habe ich jemandem so vertraut, wie ihm.
So komplett. So allumfassend (<- ist das nicht ein wunderschönes Wort, allumfassend... )

Aber dieses Vertrauen habe ich verloren.
Denn er hat mich ersetzt.
Zuerst durch Luise und dann auch durch Sophie.
Und das merkt man ihm an, merke ich ihm an.
Ich kann nicht sagen, woran es genau liegt.
Aber es ist einfach so.
Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass es ihn noch interessiert, was ich sage.
Ich weiß, dass er mir nicht mehr zuhört.
Und dass er mich für das verurteilt, was ich sage und tue.
...
Eine Schweigeminute im Andenken an das wundervollste Vertrauen,
das ich je haben durfte, ok Alexander?

...

Mit dem Vertrauen habe ich ihn verloren.

...

Ich bin vorsichtiger geworden, mit dem, was ich anderen über mich erzähle.
Ich habe gelernt, dass man umso verletzlicher ist, je mehr andere über einen wissen.
Und dann ziehe ich Schweigen manchmal vor.
Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass es dem anderen eigentlich nicht wichtig ist, was ich sage.
Ich kann zuhören, das kann ich wirklich gut.
Und die meisten reden dann und reden und reden.
Und ich lächel und nicke und nehm sie in den Arm, sage ein paar liebe Worte.
Aber von mir selbst erzähle ich nichts.
Nur, Alexander, wenn man jemanden immer nur anschweigt, so, wie ich Mr. M angeschwiegen habe und es noch immer tue - nicht die schöne Art des Schweigens, du weißt schon, sondern die, weil man wirklich nicht weiß, was man sagen soll - dann verliert man denjenigen irgendwann.
Mr. M kennt mich einfach nicht mehr.
Er kann nichts dafür, dass ich ihn verloren habe.
Es ist meine Schuld.
Aber weißt du, irgendwie ist das auch nicht mehr schlimm.
So was passiert eben im Leben.
Man verliert jemanden und kriegt ihn nie zurück.
Und dann muss man das akzeptieren und irgendwie damit leben, denn Sterben ist einfach keine Option.

Und weißt du, Alexander, bis zu diesem Punkt ist es ok.
Alles.
Was Mr. M angeht.
Bis zu diesem Punkt hat es zwar wehgetan und ich habe oft deswegen geweint.
Aber ich konnte damit leben.
Weil so was nun mal passieren kann.
Irgendwann ist das Routine, dann tut es auch nicht mehr so weh.
Weißt du, Alexander, das alles ist nicht so schlimm, wie diese Tatsache:

Er ist gegangen. Und ich bin immer noch hier.
Und ich weiß nicht mal genau, warum.

Jemand wirklich kluges hat mal zu mir gesagt,

Liebe ist, das Versprechen zu halten.


Und ich bin verdammt noch mal immer noch dort,
wo er mich vor einem Jahr hat stehen lassen.
Ich konnte mich damals nicht richtig von ihm verabschieden,
weil ich von der neuen Dimension des Abschieds so überrascht war.
Ich dachte, ich würde ihn 6 Wochen lang nicht sehen und ihn nicht gleich für immer verlieren.
All die Worte, die man sich zum Abschied sagt,
die sind mir damals einfach nicht mehr eingefallen.
Vielleicht hätte ich ihn gebeten, nicht zu gehen.
Vielleicht hätte ich ihn traurig angesehen und geflüstert, dass ich ihn nie verlieren wollte.
Vielleicht hätte ich ihn noch ein letztes Mal daran erinnert, dass er der wundervollste Mensch ist, dem ich je begegnet bin.

Und vielleicht hätte ich ihn dann in den Arm nehmen sollen.
Und es ihm versprechen sollen.

Aber das alles habe ich nicht getan.
Und das ist die Wahrheit.
Ich. Hab. Es. Nicht. Getan.

Alexander.
Und das ist der Grund, warum ich gehen werde.
Nein, ok, eigentlich nicht nur.
Sondern auch, dass ich nicht weiß, warum ich noch auf ihn warten soll,
wenn er doch niemals wiederkommt.
Und, dass es für mich zwar ok ist, dass er und Sophie wohl eines Tages zusammen sein werden,
aber dass ich die beiden einfach nicht aktiv dabei unterstützen kann.
Irgendwie sowas.

Naja.
Jedenfalls, ich werde ihn in den Arm nehmen.
Und ich werde ihm sagen, dass er gut auf sich aufpassen soll.
Und dann werde ich ihm einen Brief geben, mit einer Erklärung.
Sie wird besser sein, als diese, versprochen.
Alexander, wenn du wüsstest, wie ich hier gerade sitze,
irgendwas zwischen Schlaf und Halbschlaf,
dann würdest du mir verzeihen, dass dieser Brief so schrecklich geworden ist.
Tut mir Leid, aber das alles ist so groß irgendwie.
Und ich weiß gerade gar nicht mehr, wie das alles sein soll.
Überhaupt alles.
Mein ganzen Leben.
Ich bin gerade mal wieder verrückt vor Müdigkeit, bitte nimm mich nicht Ernst.
Alle meine Worte, dieser ganze Brief kommt mir wie eine einzige sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben vor.
Vielleicht sollte ich besser schlafen, oder?

Oh man, Alexander.
Gerade ist mir das Leben eine Nummer zu groß.
Gerade würde ich gerne alles abgeben, an jemanden, der weiß, wie man so was macht.
Sich von jemandem verabschieden.

Gerade will ich noch ein letztes Mal weinen, seinetwegen.

Mr. M. 
Du fehlst mir.
Du fehlst mir schrecklich sehr.
...
Schweigen. Augen zu.
I don't mind if you don't mind.
Ist schon in Ordnung so.
Also nein, eigentlich nicht, aber ich hab ja keine Wahl.
Weißt du, dass du meine erste große Liebe warst,
Mr. M?
Ist dir das bewusst?
Und ich glaube, eigentlich kann ich gar nicht gehen.
Und werde ich auch nie, weil ich's einfach nicht über's Herz bringen werde.
Dich nicht über's Herz bringen werde.
Wie singt James Blunt so schön?
You've been the one.
You've been the one for me.
...
Du kannst dir nicht vorstellen, wie kalt es in mir gerade ist,
Mr. M.
Wie schrecklich leer.
Und trostlos, ohne dich.
I'm so hollow, baby.
Warum ist das Leben so?
Warum, Alexander?
Siehst du, ich stelle schon die dümmsten Fragen.
Damn, I should be so lucky.

Heute wird das nichts mehr, tut mir Leid.
Heute kann ich nur noch schweigen.
Ich weiß gerade nicht mehr, wohin.
Das liegt zwar nur an der Müdigkeit, aber trotzdem.
Alexander, wie soll das gehen, ohne ihn?
Sag mir, wie soll das gehen?
Wie soll ich gehen?

Sag mir nur eins, Alexander.
Werde ich mich erinnern?
Werde ich mich an ihn erinnern?
Werde ich doch, oder?

Oh Mr. M.
Hättest du gedacht, dass wir so enden?
Dass wir überhaupt enden?
Ich will ehrlich sein: Ich nicht.

...

Weil.
Eigentlich gehört dir mein ganzes Leben, oder so.

...

Weißt du, dass das die schönsten Worte sind, die ich jemals gehört habe?
Nein, vermutlich nicht.
Ist aber auch egal.
Entschuldigung, Alexander, aber für diese Nacht habe ich aufgegeben.
Kommt vor im Leben.
Ist schon ok.
Jetzt ist es um drei.
Und James Blunt singt "Goodbye My Lover".
Und ich sing mit.
Und mein es so Ernst.
Und meine Tränen. Meine verdammten Tränen.
Ich wollte nicht, dass wir so aufhören, Mr. M. 
Wollte ich wirklich nicht.
I'm so hollow, baby.

Everything is going to be ok in the end.
If it's not ok, it's not the end.


Vielleicht aber doch, Mr. M.
Vielleicht aber doch.
Denn irgendwo ist es ja ok.
Passt schon.
Ist schon ok. 
Weißt du, ich liebe dich trotzdem noch.
Aber ist ok.
Ist zu Ende.

Und schweigend wische ich mir die Tränen aus den Augen.
Pass auf dich auf, bitte. Pass gut auf dich auf.

Deine Rebecca. 
Das Mädchen, dessen ganzes Leben dir eigentlich gehört.
Oder so.

Sonntag, 26. Mai 2013

Lieber Alexander.
Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen.
Eigentlich wollte ich dir nämlich heute einen Brief schreiben.
Und dir erklären, was ich in den letzten Tagen alles so gedacht habe.
Aber weißt du, ich hab's jetzt schon zweimal versucht und ich krieg's einfach nicht hin.
Es tut mir Leid, es tut mir wirklich Leid.
Ich probier's morgen noch mal, versprochen.
Sei mir nicht böse, ja?

Bald ist Sommer, Alexander.
Sonne, Strand und Meer, so wie's sein soll.
Ich fahr nach Korsika, in der ersten Hälfte der Ferien.
Also, setz deine Sonnenbrille und dein Lächeln auf, das Mittelmeer wartet.
Wenn auch nur in unseren Träumen heute.
Macht nichts, Lächeln ist immer gut.

Schlaf gut.
Und entschuldigung noch mal.
Worte sind aber auch so was von unberechenbar.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Liebster Alexander.
Frag heute nicht warum, ja?
Bitte. Mein Brief hat heute keinen Sinn.
Aber ich muss einfach schreiben.
Schreiben, um dem undefinierbaren Gefühl in mir Luft zu verschaffen.
Um Platz für neue Gedanken zu machen. Um nicht mehr zu denken, was weiß ich denn.
Heute ist bei mir alles undefinierbar, aber wie gesagt, frag einfach nicht.
Hast du zufälligerweise einen Pullover zu viel? Dank dem Regen hat mein Zimmer polare Temperaturen erreicht. Jedenfalls gefühlt.
Mein Hals tut weh, mein Kopf, mein Herz.
Heute tut mir alles weh, irgendwie.
Am liebsten würde ich jetzt weinen.
Würde auch wehtun, ja, aber macht nichts. Tut ja sowieso alles weh heute.
Wishing you well.
Alexander, ich bin so durcheinander.
Heute will ich alles und nichts.
Ist es nicht so, dass wir alle auf den einen warten, der es einfach nur richtig macht?
Ich glaube schon.
Oder so...
Vielleicht hab ich auch einfach keine Ahnung vom Leben.
Bestimmt ist es das. Ich hab keine Ahnung.
Kannst du heute Nacht bei mir bleiben, Alexander?
Und meine Hand halten, zum Einschlafen.
So wie mein Papa das früher immer gemacht hat, wenn ich nach einem Albtraum ins Ehebett gekrabbelt bin.
Wie ich es vermisse.
Die Zeit, als Hand halten noch gereicht hat.
Wobei, vielleicht würde es noch immer reichen. Nur ist da niemand mehr, der meine Hand hält.
Oh Alexander, warum bin ich nur groß geworden?
Irgendwie hat mich niemand gefragt, damals, glaube ich. Ob ich das überhaupt will.
Oder ich hab einfach ja gesagt. Und hab mich gefreut.
Weil ich dachte, es gibt immer jemanden, der einem die Hand hält, damit man einschlafen kann.
Überhaupt ist alles anders, als ich dachte.
Scheiße, das alles. Garantie ist abgelaufen, Umtausch nicht mehr möglich.
Was bleibt, ist das beste draus zu machen.
Will ich ja auch, Alexander, will ich ja auch.
Aber ich weiß nicht, wie. Kann nicht irgendjemand kommen und mir zeigen, wie's geht?
Mich an die Hand nehmen, sagen, komm mit, ich weiß, wo's langgeht.
Irgendwie sowas.
Ich glaube, ich müsste mal mein Leben aufräumen.
Weil, unter all dem Wust aus Gedanken, Nächten, Tränen und Erinnerungen,
find ich die wichtigen Dinge nicht mehr.
Müsste mal entrümpeln, bis mein Herz wieder zum Vorschein kommt.
Und mein Wille.
Mein Verstand.
Die kleine Rebecca von den alten Videos, die lachend im Regen tanzt und singt.
Ich weiß wieder, wer ich mal war.
Aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wie das geht.

Oh man und jetzt geht das Weinen doch.
In meiner Welt ist es einfach nicht vorgesehen, dass man sich verliert, weißt du?

Gedanken sind Monster.
Und dann passt nichts mehr.
Und dann hilft nichts mehr.
Nicht mal Hand halten.
Alexander, glaub mir, vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich so werde, wie ich bin.
Verdammte Scheiße, ich war mal wer.
Ich hatte Charakter und eine eigene Meinung und mich hat niemand einfach kleingemacht.
Und jetzt...
Sie können mit mir machen, was sie wollen.
Einfach, weil ich nicht mehr weiß, wie ich mich dagegen wehren soll.
Denn so ist das. Wer vergisst, wer er ist, der wird Opfer.
Pech gehabt.
Und die anderen können nicht mal was dafür.
Ist ja schließlich meine Schuld, hätte ich mal besser auf mich aufgepasst.
Gedanken sind Monster.
Aber das hat mir niemals jemand gesagt.
Als ich noch die kleine Rebecca von den Videos war, die lachend im Regen getanzt hat.

Und letztendlich kann wirklich niemand was dafür.
Nicht Luise mit ihren Todesgedanken.
Nicht Mr. M, weil er seine Versprechen gebrochen und mich allein gelassen hat, als ich ihn am Nötigsten brauchte.
Nicht Sophie und Laura, wenn sie ihre nicht-so-böse-gemeinten-Bemerkungen abfeuern und mich nicht verstehen.
Nicht meine Eltern, weil sie nicht einfach mal abends gefragt haben, ob WIRKLICH alles ok ist.
Niemand, Alexander.
Und ich glaube, das ist das Schlimmste.

All diese Gedanken.
Kopfsache.
MEINE Kopfsache.
Meine Schuld.
Ich könnte es ändern.
Aber, zum Teufel, WIE?

Ich will nicht mehr denken, Alexander.
Ich will das einfach nicht mehr, ok?
Heute Nacht geht's mir nicht so toll.
Irgendwie geht bei mir heute Nacht gar nichts.
Macht nichts.
Geht vorbei, morgen ist ein neuer Tag.
Bleib bei mir, bitte, Alexander.
Halt meine Hand.
Wenn ich schlafe, kann ich nicht denken.

Und bitte verzeih mir.
Ich find mich schon noch wieder, wirst schon sehen.
Hoffnung stirbt nie, hat Mr. M früher immer gesagt.
Und der hatte schließlich immer Recht, wie du weißt.
Wird schon alles.
Niemand hat gesagt, es würde leicht werden.
Und da haben wir den Salat.

Rebecca.

Dienstag, 21. Mai 2013

Lieber Alexander.
Gestern hab ich noch geschrieben, dass ich glücklich werde, stimmt's?
Haha.
Ich glaube, ich hab mich ein bisschen verkalkuliert.
Nicht doll.
Aber manchmal passieren unvorhergesehene Dinge, weißt du.
Wie das Leben eben so ist.
Lass mir Zeit, ich krieg das schon auf die Reihe.
Aber heute muss ich noch mal nachdenken.
Über alles ein bisschen.
Wie's jetzt mit Mr. M weitergeht zum Beispiel. Was ich von Theo halten soll, nach dem, was er mir letzte Nacht alles geschrieben hat.
Und überhaupt.
Ich kann dir nicht sagen, wie froh ich bin, dir schreiben zu können, Alexander.
Denn weißt du, bei echten Menschen, spätestens nach zehn Sätzen habe ich das Gefühl, ihnen mit meinem Gejammer auf den Keks zu gehen und unterbreche mich selbst.
Um ehrlich zu sein, ich bin zu niemandem komplett ehrlich.
Als ich Sophie heute geschrieben habe, dass es mir alles überhaupt nicht wehtut, wie verrückt,
da habe ich ihr zum Beispiel verschwiegen, dass ich noch gestern Nacht seinetwegen ein bisschen weinen musste. Weil heute der 21. ist und so.
Alexander, sie kennen alle meine Hintergedanken nicht.
Hannah habe ich heute geschrieben, dass 1000 Mal lügen so viel leichter ist, als einmal die Wahrheit zu sagen. Und ich habe damit Mr. M gemeint. Wenn ich nur einmal wirklich ehrlich zu ihm wäre.
Ihm sagen würde, dass ich ihn liebe, immer noch.
Und ihn dann gehen lassen würde, du weißt schon, auf die Art und Weise, bei der man sich noch ein letztes Mal in die Augen sieht. So, dass der andere weiß, dass man ihn nie verlieren wollte. Und dass man ihn immer noch liebt. Und dass man immer da sein wird, egal, was passiert. Die Art, verstehst du?
Aber es war ein ganz anderer Zusammenhang und deswegen hat sie es nicht so verstanden.
Ich wähle meine Worte mit Bedacht, Alexander, immer.
Und warte auf den einen, der mich so durcheinander bringt, dass ich es für einen Moment vergesse.
Mich für einen Moment vergesse.
Und dann an ihn verliere.
Aber ich glaube, das wird noch dauern.
Denn da ist niemand, weißt du?
Niemand, der mir einfach nur zuhört, so wie er das immer gemacht hat.
Gott, wie ich ihn vermisse.
Und mir dann, wenn die Tränen kommen, sage, lächeln, Rebecca, lächeln.
Du wolltest doch glücklich sein. Ja, verdammt, wollte ich auch.
Aber ich vermiss ihn trotzdem.
Du hast ihn nicht verloren, sagen sie alle. Hab ich aber. Niemand kann das besser wissen, als ich.
Wenn ich nur einmal den Mut hätte, nur ein einziges Mal, ihm die Wahrheit zu sagen.
Ein letztes Mal.
Mit Effekt und Wirkung, weil die letzten Male immer Effekt und Wirkung haben.
Was meinst du, warum er Sophie erst beim Abschied sagen will, dass er sie liebt?
Bevor er für ein halbes Jahr nach Australien geht.
Aufgeben ist soviel leichter, als kämpfen.
Oh man, Alexander.
Macht nichts. Geht vorbei, irgendwann.
Unter Tränen ein Lächeln.
Ich wollte doch glücklich sein.
Und das werde ich auch.
Ich krieg das schon hin.
Die Tränen weggewischt, einmal schlucken.
I don't mind if you don't mind.

Mach dir keine Sorgen um mich, ja? Geht vorbei.
Geht alles vorbei. Morgen ist auch noch ein Tag.

Nimm du lieber all die anderen an die Hand, Alexander.
Die sich heute Nacht in den Schlaf weinen. Die nicht wissen, wohin mit sich.
Deren Gedanken am Tod kleben, die vergessen haben, wie glücklich sein geht.
Oder es nie wussten.



Alexander, nimm sie an die Hand.


Sieh jede Einzelne von ihnen an.
Auf diese Weise, wie sie es verdient hat, angesehen zu werden.


So ganz besonders.



Halt sie fest.




Gib ihr dieses Gefühl:





Dieses schweigende Verstehen.



Und sag ihr, dass sie nicht aufgeben soll,
diese Nacht.
Wisch ihr vorsichtig die Tränen von der Wange.
Erinner sie daran, wer sie ist.
Und dann nimm ihre Hand.
Halt sie fest, 
bis sie eingeschlafen ist.
Und zeig ihr in ihren Träumen 
den Weg aus der Dunkelheit.
Bleib für sie wach, Alexander.
Diese Nacht.
Bleib für sie wach.




Oh Alexander.
Der Regen trommelt gegen meine Fenster und um mich rum flackern lauter Kerzen.
Und Jason Mraz singt wieder, dass everything will be fine.
Und ich glaube ihm.
Heute Nacht glaube ich ihm.
Alles wird gut, weißt du das?
Aufgeben zählt nicht, so ist das nämlich.

Deine Rebecca.

P.S.: Und vergiss nicht: 
Hold Your Own.
Know Your Name.
And Go Your Own Way.
And Everything Will Be Fine.

everything





Montag, 20. Mai 2013

Liebster, bester Alexander.
Weißt du was?
Ich werde glücklich.

Das habe ich beschlossen. Gestern Nacht irgendwann.
Als ich nicht schlafen konnte.

Ich werde glücklich.

Und weißt du noch was?
Es ist mir egal, was du davon hältst.
Oder sonst jemand.
Ich ziehe das durch.
Es muss niemand mehr an mich glauben.
Mir reicht es, wenn ich daran glaube.
Und das tu ich, Alexander, das tu ich.

Und ich brauche auch niemanden dazu.
Ja, ich weiß, das ist alles egoistisch, herzlos und unsympathisch von mir.
Aber ich habe schon so oft jemanden gebraucht, zum Glücklich sein.
Und habe denjenigen verloren.
Und war nur noch trauriger.
Alexander, wenn Menschen bleiben, die glücklich machen, dann ist das wunderbar.
Aber Menschen bleiben selten für immer.
Und meine Glücklichkeit soll nicht von jemandem abhängig sein,
sie soll nicht mit jemandem stehen oder fallen.

Es ist meine Entscheidung.
Und ich werde das schaffen.
Ich hab solange nicht gewusst, was ich will.
Aber jetzt weiß ich es.
Es ist ein wunderschönes Gefühl, Alexander.
Ich weiß wieder, was ich will.
Ich weiß wieder, wer ich bin.
Verdammt noch mal, kannst du dir vorstellen, wie es war, das alles nicht mehr zu wissen?
Zweifeln, in Frage stellen, nochmal zweifeln.
In einer Gesellschaft, in der einem jede Unsicherheit zum Verhängnis werden kann.

Oh Alexander, ich bin so froh.
Ich weiß nicht, was mich auf einmal wieder so sicher macht.
Gestern hatte ich Konfi.
So viele haben mir das Gefühl gegeben, wichtig zu sein.
Kann sein, dass es daran liegt.
Es war ein gutes Gefühl.
Aber ist das so schlimm?
Weißt du, ich habe fast ein schlechtes Gewissen, weil ich mir wichtig vorkam.
Aber das muss ich doch eigentlich nicht haben, oder?
Klar, man sagt sowas nicht so, "Ich kam mir wichtig vor"
aber es war schon so lange nicht mehr so.
Und dir hab ich bisher immer alles gesagt, also bitte entschuldige diesen Satz,
aber es war trotzdem so.

Alexander, irgendwie kann ich heute nicht so gut schreiben.
Tut mir Leid.
Vielleicht liegt es an meiner Glücklichkeit, ich weiß es nicht.
Sei mir nicht böse, ja?

Und schlaf gut.
Du bist auch wichtig.
Sehr sogar.
Everything will be fine, Liebster.
Über das Verlieren schreib ich ein andermal, versprochen.
When we learn how to fly,
we forget how to walk
Aber manchmal macht das nichts, weißt du?
Manchmal ist fliegen auch schön.
Fühl dich umarmt und geküsst und geliebt.

Deine Rebecca.

P.S.: Jetzt guck ich "High Fidelity", das ist ein so geiler Film, vor allem, weil den niemand kennt :) 
        Und vergiss nicht:

HOLD YOUR OWN
KNOW YOUR NAME
AND GO YOUR OWN WAY
AND EVERYTHING WILL BE FINE

.everything.


Samstag, 18. Mai 2013

Lieber Alexander,
heute mal wieder nur ganz kurz und untypisch für mich, aber das wollte ich dir noch schreiben:
Ich habe einen Blogaward bekommen!
Das heißt, eigentlich sind es zwei, aber der andere ist schon etwas länger her, irgendwie ist er in all dem Stress untergegangen.
Deswegen werde ich auch nur einen weitergeben, ich würde sowieso dieselben Leute nominieren, ich hoffe,
das macht nichts.

Ja, also, die wunderbare Anna hat mir diesen Award verliehen und ja, hier sind...

Die Regeln des Lovely Blog That Inspires Everyone Awards
- Den, der dir den Award verliehen hat, verlinken.
- Das Logo auf dem Blog platzieren.
- Sieben Dinge über dich erzählen.
- Fünfzehn weitere Blogs nominieren.







Sieben Dinge über mich, die du noch nicht weißt...
- Ich bin furchtbar chaotisch.
- Wenn ich shoppen gehe, dann entweder allein, oder mit meiner Mutter.
- Meinen Teddy habe ich seit 14 Jahren und der Arme hat schon ganz schön viele Tränen ertragen müssen.
- Es gab eine Zeit, in der ich Justin Bieber mochte, ich hab auch drei Alben von ihm. Mittlerweile geht er mir aber einfach nur noch auf den Keks.
- Ich kann machen was ich will, ich wiege immer 48 Kilogramm. Egal, wie viel oder wenig ich esse, egal ob morgens oder abends. Immer.
- Am liebsten schlafe ich mit offenem Fenster, weil ich dann die Nachtgeräusche der Stadt hören kann.
- Klavier spielen beruhigt mich total. Wenn ich Stress habe oder generell mal eine Auszeit brauche, dann setze ich mich ans Klavier und klimpere einfach ein bisschen vor mich hin. Hilft wirklich, solltest du auch mal ausprobieren ;)

Ich nominiere...


Meine Lieblingsblogs, ich finde, jeder ist auf seine Art und Weise unglaublich besonders.

Weißt du, erst wollte ich dir über das Verlieren schreiben.
Aber ich habe jemandem versprochen, heute nicht darüber nachzudenken.
Nicht über Mr. M und auch nicht über alles, was mit ihm zusammenhängt.
Und ich muss sagen, eigentlich ist es besser so.
Morgen ist auch noch ein Tag zum traurig sein, oder?
Auch wenn's vielleicht morgen nichts wird, weil ich konfirmiert werde.
Naja, macht auch nichts. Man muss ja auch nicht jeden Tag traurig sein.

Und manchmal kommen abends um 11 noch unverhoffte Komplimente.
Vielleicht sind manchmal einfach die kleinen Dinge entscheidend.
Die, über die man nicht groß nachdenkt, sondern sie einfach so hinnimmt, wie sie sind.
Manchmal sind diese kleinen Dinge viel schöner, als die großen.
Ich finde, eigentlich sollte das Leben nur aus kleinen Dingen bestehen,
so wie Schokokeksen oder einer putzigen Guten-Morgen - SMS.

Bitte lächeln, Alexander.
Und jetzt keine Widerrede. Morgen ist auch noch ein Tag zum Weinen.
Eigentlich ist das Leben nämlich schön.
Manchmal kommt es eben auf die kleinen Dinge an.
Und wenn du heute noch keinen Grund zum Lächeln hattest,
dann macht das auch nichts.
Lächel einfach trotzdem, ja?
Tut ja nicht weh.

Du bist wunderschön, wenn du lächelst, weißt du das?
Bitte hör nie wieder auf.
Und vergiss nicht, zu träumen.
Zum Beispiel davon, mit einer Yacht über die Ostsee nach Amsterdam zu segeln, mit jemandem, den du sehr magst.
So wie ich gerade.
Wäre das nicht was?
Denk drüber nach, ja?

Deine Rebecca.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Manchmal braucht es nicht viel.
Die richtige Musik.
Die richtigen Leute.
Ein richtiges Gefühl.

Manchmal reicht es, wenn alles richtig ist.
Und dann gibt es dafür keine Worte.

So von Glück erfüllt, diese Nacht.
Oder nein, eigentlich von einem undefinierbaren Gefühl.
Kennst du das, wenn du nachts mit den beiden Menschen, die du mehr liebst, als alles auf der Welt,
durch die Straßen läufst?
Läufst und die Füße tun dir weh, weil du in deinen Schuhen schon den ganzen Tag unterwegs bist.
Weil du gelaufen bist, im Kreis gehüpft, gestolpert.
Du hast ohne diese Schuhe getanzt und mit ihnen Fußball gespielt.
Du hast einen verloren und dann kam dein eigentlich-doch-nicht-dein Prinz und hat ihn dir wieder angezogen, ganz Aschenputtel.
Kennst du das, wenn die Straßen wie tot sind, nur die Laternen flackern ab und zu?
Und in den Bäumen zwitschern leise immer noch die Vögel. Oder schon wieder, wer weiß.

Premiere hinter uns gebracht.
Strahlend stehen wir da, geblendet vom Scheinwerferlicht, lächeln und lachen und können es nicht fassen.
Werden in den Arm genommen, schreien, kreischen, wissen nicht, wie uns geschieht.
Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren.
Alles, was normal, was Alltag ist, scheint so weit weg.
Heute Nacht dreht sich die Welt nur für uns, ruft irgendwann jemand.
Kein Alkohol, die meisten von uns sind noch nicht einmal 14.
Trotzdem, die Unendlichkeit ist da.
Schießt durch unsere Venen, macht uns zu neuen Menschen.
Und wir lächeln, lächeln und lächeln und können nicht aufhören.
Ich bin so glücklich. Meine Antwort auf die Frage nach dem Warum.
Und es wird dunkel und einer von den Jungs holt einen Fußball.
Und so laufen wir in unseren Sommerkleidchen Hand in Hand
durch die Nacht, irren umher, treffen manchmal den Ball und versenken ihn wieder irgendwo in der Dunkelheit.
Die ersten gehen, nach und nach verabschieden sich alle.
Und dann sitzen wir da, Sophie, Mr. M und ich.
Schweigend, Rücken an Rücken auf dem Stein.
Über uns ist die Nacht so klar.

Manchmal dauert es lange, etwas zu erkennnen.
Und noch länger braucht man, um es zu akzeptieren.
Und vielleicht war es doch nie so richtig, wie es schien.
Vielleicht haben wir immer einen Atemzug zu lang geschwiegen.
Sind unsere Tränen immer einen Herzschlag zu spät gefallen.
Vielleicht war es gut, vielleicht war es sogar richtig gut.
Aber perfekt war es nie.
Waren wir nie, nicht wahr, Mr. M?

Vielleicht werden andere kommen, vielleicht nicht.
Das Leben ist noch lang, wir sind noch so jung.
Schwermütig meine Gedanken jetzt, ein letztes Mal darin versunken, was niemals war und niemals werden wird.
Illusionen, so perfekt.
I'm here without you, baby.
Ein trauriges Lächeln auf den Lippen.
Manchmal tut sogar Atmen weh.

Nein, es wäre nicht gut gegangen, es wäre gar nichts gegangen.
Aber ich vermiss dich trotzdem, weißt du?
Ich habe gerne geträumt.
Es war so viel leichter, als die Wirklichkeit.

Liebster, bester Mr. M.
Niemand hat mir je gesagt, wie ohne dich leben geht.
Und es hat mir auch niemals jemand beigebracht, was man zum Abschied sagt.
Wenn ich das alles von dir hätte lernen sollen, dann müssen wir noch einmal zurückspulen, bitte.

Wie es weitergeht, weiß ich nicht.
Ich wünschte, du würdest bleiben.
Vielleicht hätte ich dann weniger Angst vor dem Leben.
Weniger Angst vor dem, was kommt.
Vielleicht wäre alles ein klein bisschen leichter mit dir.

Siehst du, ich träume schon wieder. Bitte verzeih mir.
Es geht vorbei, oder?
Irgendwann geht doch alles vorbei.
Here we are at the finish line.
Aber heißt es nicht immer, every finish line is the beginning of a new one?

Leiser, feiner Regen. Ganz vorsichtig gegen meine Fenster.
Wie gerne würde ich jetzt laufen, laufen, so weit ich kann.
Durch den Regen, durch all die Tränen, all den Schmerz.
Denn, oh ja, Mr. M.
Es tut weh.
But I don't mind, if you don't mind.
I'm alright, I'm alright, I'm alright.
Schon ok, Mr. M.
Mach dir keine Sorgen.
Es geht vorbei, irgendwann.

So ist es doch immer.
Es geht vorbei.
Es wird vorbei gehen.
Oh, if you could see me now.
Gegen Tränen kann man manchmal nicht viel machen.
Aber es geht vorbei.
Es wird weniger wehtun, irgendwann.
Es geht vorbei.

Nur nicht diese Nacht.
Es hat nichts damit zutun, dass ich allein bin, oder nicht mehr stark sein kann.
Niemand muss mich mehr halten.
Niemand muss mir mehr zuhören.
Irgendwie kann ich jetzt auch allein weinen.
Und ich glaube, dass es wehtut, das muss so.
Oder?

Es ist nur... Ich dachte immer, man könnte jemanden nur einmal verlieren.
Und nicht jedes Mal auf's Neue.
Ich meine, ist schon ok.
Und irgendwie verliere ich dich ja auch gar nicht.
Wie wir da gestern standen.
Deine Arme um mich. Deine Augen in meinen.
Deine Worte in meinem Ohr.
Beste Freunde. Bestebeste Freunde.
Hast du gesagt.
Ist das noch verlieren?
Jeder würde mir'n Vogel zeigen, jeder.
Aber es fühlt sich trotzdem jedes Mal so an.
Jedes Mal.
I'm losing, what I never found.
Vielleicht bin ich auch einfach im Erinnern so gut.

Wenn ich dir wenigstens sagen könnte, was ich will.
Wohin die Reise geht.
Aber das Verrückte ist ja, das ich eigentlich nichts mehr brauche.
Und vielleicht ist es ja auch genau das, was mich so traurig macht.
Ich brauche nichts mehr.

Ich brauche keinen Arm um meine Schultern.
Keine Lippen, die meine Tränen wegküssen.
Keine Hand, die meine nimmt und einfach nur festhält.
Ich brauche weder ein offenes Ohr noch ein offenes Herz.
Nein, Mr. M.
Eigentlich brauche ich nicht mal dich.

Bin herzlos geworden.
Ziellos.
Wunschlos.
Nur nicht glücklich.
Nein, es ist nicht gut, so, wie es ist.
Oder doch?
Hoffnungslos. Verloren.

So irre ich willenlos durch die Nacht.
Durch die Welt.
Durch meine Gedanken.
Wenn ich wieder weiß, was ich will, sag ich dir Bescheid, ok?
Vielleicht sollte ich eine Weile weg.
Einmal um die Welt fliegen, oder so.
Manchmal findet man sich dabei wieder. Hab ich mal irgendwo gehört.
Oh honey, I can see your house from here.

Was hast du nur mit Rebecca gemacht, Liebster?

Es geht doch vorbei, oder?
Irgendwann wird es weniger wehtun.

Everything will be fine.

Das will ich.
Dass alles gut wird.
Irgendwann.
Wird alles gut.
Vertrau mir.

And I don't mind, if you don't mind.
 I'm alright, I'm alright, I'm alright.


Schlaf gut.
Süßeste Träume wünsche ich dir.
Die Unendlichkeit ist noch nicht verflogen.
Ich glaube, Unendlichkeit geht nie vorbei.

Ist schon alles richtig so, glaube ich.
Ich krieg das schon hin, irgendwie.
Hab ich doch immer, bis jetzt.
Ist schon ok.

Vielleicht liebe ich dich trotzdem immer.
Wer weiß.

Ein trauriges Lächeln ist schließlich auch ein Lächeln.

Dienstag, 14. Mai 2013

Vielleicht muss ich nochmal ein bisschen näher erläutern, was gestern Abend los war,
oder was meinst du, Alexander?

Weißt du, damals. Ok, was heißt damals. Vor fast einem Jahr.
So kurz ist das erst her.
Und es kommt mir vor, als wäre mein ganzes Leben in diesem einen Jahr gewesen - irgendwie ein beängstigendes Gefühl.
Jedenfalls, zu dieser Zeit war ich noch auf SchülerVZ und hab da sogar noch manchmal mit irgendwelchen Leuten geschrieben, aus meiner Klasse, Parallelklasse, ehemalige Klasse und so.
Ich kannte die alle zumindest vom Sehen her, ich bin einfach nicht der Typ, der Fremde addet um möglichst viele "Freunde" zu haben und im Endeffekt schreib ich mit denen gar nicht.
Naja, jedenfalls es gab da dieses Mädchen aus meiner Parallelklasse, Luise.
Sie hat mir eine Kontaktanfrage geschickt und ich hab angenommen und dann haben wir manchmal geschrieben. Was man eben so schreibt, wenn man noch nie vorher wirklich miteinander geredet hat.
So, wie geht's dir, was machst du gerade, was hast du noch vor, was hast du gemacht.
In der Hoffnung, dabei irgendwie auf ein gutes Gesprächsthema zu kommen.
Mir ging's zu der Zeit einfach nur richtig gut.
Bald Sommerferien, in unserer Klasse haben wir uns alle schön vertragen (was auch nicht so üblich war, damals) Mr. M und ich waren mehr als beste Freunde, aber nicht zusammen und tja.
Es sollte der Sommer meines Lebens werden, nichts stand dem im Weg.
Dachte ich.
Und eines schönen Tages Anfang Juni, Luise und ich waren gerade wieder dabei, die üblichen Floskeln abzuklappern, gab es in meinem Leben eine entscheidende Wendung.
Luise ging es nämlich nicht gut. Und ich, naiv und jung und von nichts ne Ahnung, wollte sie trösten.
Sie war in einen verknallt gewesen, der eine Stufe über uns ist. Und irgendwie hat er sie sitzen lassen oder so, genau hab ich das nie erfahren, jedenfalls ging's ihr scheiße. Liebeskummer, hab ich gedacht.
Das geht vorbei, warum versuchst du nicht, sie ein bisschen aufzumuntern?
Gesagt, getan.
Und wir haben geschrieben und sie hat mir ein bisschen davon erzählt.
Dann musste ich off. Keine Ahnung, damals haben meine Eltern noch mehr darauf geachtet, dass ich zu halbwegs vernünftigen Zeiten schlafe. 
Und habe den ersten größten Fehler meines Lebens begangen.
Ich hab ihr meine Handynummer gegeben.
Wenn was ist, schreib mir, hab ich gesagt. Und dann bin ich ins Bett gegangen.
Am nächsten Tag ging's ihr wieder nicht gut, also hat sie mir geschrieben. Und ich habe wieder versucht, sie zu trösten, irgendwie. Liebeskummer, habe ich gedacht, das braucht eben manchmal Zeit.
Aber als sie nichts, wirklich gar nichts aufheitern konnte, hatte ich eine bessere Idee.
Und habe den zweiten größten Fehler meines Lebens begangen.
Ich habe ihr Mr. M's  Nummer gegeben.
Jap. Seine Nummer. Er kann ihr sicher helfen, hab ich gedacht. Wobei, ehrlich gesagt, ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich ihm nicht auch ihre Nummer gegeben habe. 
Keine Ahnung.
Mr. M und ich... Alexander, ich kann dir ehrlich gesagt nicht erklären, warum wir nicht zusammen waren.
Wir haben lange darüber geredet. Und sind dann irgendwie zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht wissen, was sich alles ändern würde, wenn wir zusammen kommen. 
Bei uns an der Schule ist das immer so, es wird drüber geredet, es werden Wetten über die Haltbarkeit der Beziehung abgeschlossen, die Erwartungen sind hoch.
Küssen sie sich, küssen sie sich nicht. Alle zerreißen sich die Mäuler darüber.
Ich muss ehrlich sagen, ich bin da keine Ausnahme.
Aber Mr. M und ich wollten das nicht riskieren. Wir fanden es gut, so wie wir waren.
So, dass es fast nur wir beide wussten. Und unsere besten Freunde.
Und naja, wir haben einfach gesagt, so, wie wir sind, sind wir schon gut. Besser geht es nicht.
Warum das alles vielleicht kaputt machen, uns der Öffentlichkeit aussetzen.
Lassen wir's so, wie es ist.
Und damit war das geklärt. Darum waren wir nie zusammen.
Aber weißt du, Alexander, irgendwann im Mai vor einem Jahr. 
Da hat er mir ins Ohr geflüstert, dass er mich liebt. Und dass er niemals aufhören wird.
Du und ich, hat er gesagt. Bis zum Tod.
Und ich habe ihm geglaubt. Bis zum Tod, habe ich leise gesagt.
Und er hat genickt und es noch mal wiederholt.
Bis zum Tod.
Lach ruhig, Alexander, ich weiß, wie lächerlich es von mir war, das zu glauben.
Aber mein Gott, ich hatte vergessen, dass wir erst 13 waren und das Leben noch lang.
Und ich hatte keine Ahnung. Ehrlich.
Ich war jung und naiv und unerfahren und verträumt.
Ich hatte keine Ahnung, wie das im Leben läuft. Ich habe wirklich geglaubt, dass alles gut werden würde.
Und zwar wirklich. Ich war überzeugt davon.

Und dann...
Es war kurz vor den Sommerferien. In der letzten Schulwoche haben er und ich irgendwie nicht so viel miteinander geredet, wie sonst, aber ich hab mir nichts dabei gedacht.
Er war mit Luise beschäftigt, logisch, jemandem das Gefühl zu geben, dass er etwas wert ist, kann manchmal etwas Zeit in Anspruch nehmen. 
Und was sollte uns schon passieren? Wir beide, er und ich. 
Sophie hat immer gesagt, wir wären das perfekte Traumpaar gewesen. Sagt sie noch heute. Aber ok, sie weiß ja auch nicht, wie es um seine Gefühle für sie bestellt ist - noch nicht.
Und dann kam der Donnerstag. Donnerstag vor den Ferien.
Irgendwie wurde mein Leben bisher immer an Donnerstagen entschieden.
Ich weiß nicht, wieso. Aber alle wichtige Dinge sind an einem Donnerstag passiert, hier eine kurze Auswahl der Ereignisse:

- Ich habe an einem Donnerstag mit meinem ersten Freund Schluss gemacht. Und es noch zwei Jahre danach bereut.
- Meinen ersten richtigen Kuss habe ich auch an einem Donnerstag bekommen.
- Meine Eltern haben mich an einem Donnerstagabend beiseite genommen, um mir zu sagen, dass sie sich wahrscheinlich bald trennen -  ist mittlerweile schon ein halbes Jahr her und noch nichts ist passiert.
- Mr. M und ich haben uns an einem Donnerstag kennengelernt.
- Ich habe ihn und mit ihm alles, was ich war, an einem Donnerstag verloren.

Wir haben uns nachmittags getroffen, es war zwar anders als sonst, aber ich habe das nicht so wirklich realisiert. Aus dem einfachen Grund, dass ich so sehr damit beschäftigt war, mich zu fragen, wie ich es nur sechs Wochen ohne ihn aushalten sollte. Ich wusste nicht, wie ich mich verabschieden sollte.
Also habe ich ihn abends nochmal angerufen, um das Schuljahr, unser Schuljahr, zu krönen und mich von ihm zu verabschieden. Hätte ich gewusst, dass es auf ein Abschied für immer werden würde von ihm, von uns, von allem, was ich einst gewesen war, ich hätte meine Worte sorgfältiger gewählt.
Vielleicht hätte ich ihn gebeten, zu bleiben. Mir das nicht anzutun. 
Vielleicht hätte ich ihm noch ein letztes Mal gesagt, dass ich ihn liebe.
Und dass ich niemals aufhören werde, niemals.
Dass er der Beste ist. Irgendwie sowas.
Aber ich hätte ihn nicht einfach gehen lassen. Nicht so, wie ich es getan habe.

Und zwar auf eine echt unspektakuläre Weise.
Er hat irgendwann einfach "Ich hab dich lieb" gesagt.
Und ich hab mir nichts gedacht, weil es bei uns so üblich war, "ich hab dich lieb" zu sagen und eigentlich "ich liebe dich" zu meinen. Und habe gesagt, dass ich ihn auch lieb habe.
Und dann hat er etwas gesagt, was ich niemals vergessen werde.
Nein, ich hab dich lieb, verstehst du? Ich hab dich lieb.
In diesem Moment ist mir der Unterschied deutlicher bewusst geworden, als jemals zuvor.
Und ich habe einfach geschwiegen. Aber nicht, wie sonst immer.
Nicht, weil ich mit meinem Schweigen die Dinge gesagt habe, die ich nicht in Worte fassen konnte.
Sondern einfach, weil ich sprachlos war, wortlos.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Wir haben danach noch weitergeredet, an diesem Abend. Ich habe ihm sogar vorgeschlagen, dass wir ja Freunde bleiben könnten. Und er schien so glücklich darüber. Und nicht nur darüber, einfach über alles, mir das endlich gesagt zu haben und dass am nächsten Tag Sommerferien waren. Deswegen war ich einfach auch glücklich. Es war leichter, glücklich zu sein.
Was dieses "Ich hab dich lieb" für ihn und mich bedeuten würde, darüber habe ich nicht nachgedacht, an diesem Abend. Und auch sonst über nichts.
Es schien jetzt einfach so zu sein. Und dass ich daran nichts ändern könnte.
Dass das alles nicht mehr in meiner Macht lag.
Ich habe auch nie nach den Gründen gefragt. Irgendwann im Laufe der Monate hat sich in meinem Kopf eine Vermutung festgesetzt. Aber es kam einfach nie in Frage für mich, auch noch eine genaue Erklärung von ihm zu fordern - oder ich wollte es mir selbst nicht antun. Niemand hört gern, wie und warum er versagt hat, oder?
Ich glaube, ich würde mich in meinen Worten und Gedanken verstricken, wenn ich versuchen würde, die Sommerferien zu erklären.
Fakt ist, Luise, Mr. M und ich, wir waren ein ziemliches Psycho-Dreieck.
Und hätte einer von uns die Nerven verloren, wir hätten es alle drei nicht überlebt.
Ohne Scheiß.
Luise war depressiv. Es hat mich viel Zeit und all meine Kraft gekostet, bis ich das festgestellt habe.
Lach nicht, Alexander. In meiner Welt ist es nicht üblich, Sterben zu wollen.
Sich zu ritzen, oder zu sagen, dass das Leben keinen Sinn mehr hat.
Niemand aus meiner Familie hat das je gesagt. Und aus meinem Freundeskreis auch nicht.
Jedenfalls nicht ernst. 
Woher zum Teufel sollte ich also wissen, dass ich ihr nicht helfen konnte?!
Und das niemals gekonnt hätte, weil man wirkliche Depression nicht einfach mal eben so "heilen" kann, schon gar nicht, wenn man keine Ahnung hat und allein ist.
Jeden Tag, Alexander. Rund um die Uhr.
"Ich muss sterben, Rebecca."
"Niemand liebt mich."
"Heute Nacht werde ich es tun, ich hol die Klingen und dann geh ich runter zum See, das ist der schönste Ort zum Sterben."
"Wird mich doch eh keiner vermissen, wenn ich weg bin, es ist alles so sinnlos hier."

Ich habe ihr alles gegeben, was ich zu geben hatte.
Habe es für sie gegeben. Und für Mr. M.
Es war niemals genug, Alexander.
Für ein paar Stunden hat es vielleicht gereicht. 
Manchmal schien sie glücklich.
Aber genau diese Stunden wurden für mich dann zur Hölle.
Weil sie nämlich anfing, mir zu erzählen, wie wunderbar Mr. M doch sei.
Und dass sie "ihren Schatz" über alles lieben würde und dass er einfach nur der Beste sei.


Denn, Mr. M.
Mein herzallerliebster Mr. M. Er hat sie geliebt.
Er wollte sie retten. Hat geglaubt, sie retten zu können.
Mit seiner Liebe. Und ich kann dir sagen, Alexander.
Jede wäre zehn Mal gerettet gewesen, mit dem, was er ihr an Liebe gegeben hat.
Es war mehr, als er geben konnte.
Er war da für sie, Tag und Nacht, so gut es ging.
Du darfst nicht vergessen, es waren Sommerferien. Wir waren mit unseren Familien im Urlaub.
Es macht sich einfach nicht so gut, immerzu vor'm Handy zu kleben, während man eigentlich Zeit mit der Familie verbringt, weißt du?
Er ist so kaputt gegangen, an ihr.
Er redet bis heute nicht drüber.
Aber ich weiß noch wie er mich einmal nachts um zwei angerufen hat und mich angefleht hat, ihm zu helfen und seine Luise zu retten.
Und wie er geweint hat, weil er nicht mehr konnte.
Wie er geflüstert hat, dass er auf dem Fensterbrett sitzt. Dass die Nacht so wunderschön ist.
Dass es ein weiter Weg ist, bis nach unten.
Dass er einen Brief geschrieben hat. Liegt im Schreibtisch, hat er leise gesagt.
Für dich.
Und alles was ich sagen konnte, war: Tu es nicht.

Bleib.
Tu es nicht.
Bleib. Bleib für Luise.
Sie braucht dich.
Und ich, ich brauch dich auch.
Bitte.

Weil ich ja auch noch da war.
Und Mr. M geliebt habe, wie verrückt.
Und ihn zurückwollte und brauchte und gleichzeitig alles dafür getan habe, dass er glücklich ist.
Und weil... Ich weiß nicht.
Um ehrlich zu sein, Alexander, was ich damals getan habe, hat sich total widersprochen.
Und ich glaube, auch deswegen bin ich daran so kaputt gegangen.

Weißt du, ich habe Mr. M immer noch geliebt. Mit allem, was ich hatte.
Außer meinem Kopf. Der war vernünftig und hat immer gesagt:
Lass das. Er liebt dich nicht mehr. Er kommt nicht zurück.
Alles, was du für ihn noch tun kannst, ist, ihn glücklich zu machen.
Und er wird nur glücklich, wenn er mit Luise zusammenkommt.
Damit er und Luise zusammenkommen können, darf sie aber nicht sterben.

Alexander, ich lag nächtelang wach. Meine beste Freundin damals war die Angst.
Angst, dass Luise eines Nachts die Nerven verliert und sich wirklich umbringt.
Angst, dass sie am nächsten Morgen einfach nicht mehr aufwacht.
Mit ein paar Schlaftabletten zu viel im Magen.
Es war Todesangst. Todesangst um einen anderen Menschen.
Jemanden, mit dem ich noch nie auch nur ein Wort gewechselt hatte. (Später hat sich rausgestellt, dass sie überhaupt nicht wusste, wer ich bin.)
Und um ehrlich zu sein: Ich mochte sie nicht. Ich mag sie auch immer noch nicht.
Und ich glaube, nach allem, was ich dank ihr erlebt habe, werde ich sie auch niemals wirklich mögen können.
Das kam vielleicht noch dazu, verstehst du? Wenn du versuchst, einen Menschen zu retten, der dir wirklich am Herzen liegt. Dann kann dich das nicht zerstören. Und dann wirst du diesen Menschen auch niemals aufgeben. Du wirst für ihn kämpfen, immer weiter und weiter. Und du wirst niemals einsehen, dass die Schlacht verloren ist.
Aber Alexander, wenn du jemanden nicht wirklich magst.
Und wenn du immer nur gibst. Und verlierst.
Alexander, irgendwann kannst du nicht mehr. Und das einzige, was dich dann davon abhält, aufzugeben, ist dein Verantwortungsgefühl.
"Du bist die Einzige, der ich so vertraue und die alles weiß."
Wie oft ich diesen Satz von ihr gelesen habe, weiß ich nicht genau.
Stell dir vor, Alexander, sie hätte sich umgebracht.
Es wäre meine Schuld gewesen.
Ich wäre die Einzige gewesen, die alles gewusst hätte, oder fast alles.
Die Einzige, die es hätte verhindern können.

Alexander. Schon nach zwei Wochen rund-um-die-Uhr-für-Luise-da-sein konnte ich nicht mehr.
Weil ich mir nebenbei schreckliche Sorgen um Mr. M gemacht.
Und naja, irgendwie ging's mir eigentlich auch nicht so besonders gut, wenn du verstehst, was ich meine.
Mein bester Freund hatte sich sozusagen von mir getrennt, um was mit einem depressiven Mädel aus der Parallelklasse anzufangen.
Eigentlich wäre ich glaube ich, im totalen Liebeskummer versunken.
Aber der kam irgendwie erst mit vier Monaten Verspätung, nachdem sich die ganze Aufregung um Luise und Mr. M gelegt hatte.

Um den Rest in Kurzform zu erzählen:
Mr. M und ich haben die Sommerferien durchgehalten. Und Luise auch.
Gegen Ende der Ferien ist dann noch Luises beste Freundin Hannah in den Kreis der Verrückten gekommen und nachdem die Schule wieder losging, war auch Sophie mehr oder weniger mit drin, meinetwegen.

Ich war ziemlich lange stark. Meine Eltern haben den ganzen Sommer über nichts mitbekommen, die Handyrechnung war höher als sonst. Es gab Ärger, aber hätte ich ihnen sagen sollen, dass ich ein Mädchen am Sterben hindern musste? Oder jedenfalls das Gefühl hatte, es zu müssen?
Aber einmal war meine Wimperntusche nicht wasserfest und meine Mutter kam ins Zimmer.
Und ich war nicht stark genug, so zu tun, als wäre alles gut.
Naja, danach haben meine Eltern lange mit mir geredet. Meine Mutter hat sogar Luises Mutter angerufen um ihr zu sagen, dass Luise möglicherweise depressiv ist.
Und dann haben meine Eltern gesagt, dass sie nicht möchten, dass ich weiter mit ihr schreibe.

Aber das ging schlecht. Sie hat mir nämlich immer weiter geschrieben.
Und Mr. M und Luise sind zusammen gekommen. Aber sie hat nicht aufgehört, sterben zu wollen.
Wie auch, sie war (und ist) depressiv.
Und er hat es nicht mehr ausgehalten, nicht zu wissen, ob seine Freundin noch lebt, wenn er morgens aufwacht.
Er hat Schluss gemacht und dann wurde es mit Luise wieder richtig schlimm.
Irgendwann haben Hannah und ich es nicht mehr ausgehalten und sind zur Schulsozialarbeiterin gegangen.
Die war jung und hatte von nichts ne Ahnung.
Aber danach hat Luise uns in Ruhe gelassen.
Zu Weihnachten haben wir noch mal geschrieben. Aber es ging ihr nicht besser, als im Sommer.
Und auch am Valentinstag nicht.

Und ich bin nie fertig damit geworden, nie.
Ich habe mich verloren, in endlosen Gedanken. Bin verzweifelt, beim Versuch, das alles zu verstehen.
Alexander, wenn du dir das alles anguckst, findest du nicht auch, dass es einfach nur verrückt ist?
Genauso geht es mir auch.
Ich finde, diese ganze Geschichte ist einfach nur total absurd.
Und noch absurder ist, dass ich manchmal das Gefühl habe, das alles wäre nie passiert
und es würde gar nicht zu mir gehören.
Und manchmal denke ich, dass ich eigentlich noch in dieser Geschichte weiterlebe.

Manchmal glaube ich, ich hätte damals vergessen, wie man glücklich ist.
Aber das stimmt nicht. Heute zum Beispiel war wieder ein absolut perfekter Tag.
(Ich geh jetzt auch gleich schlafen, mittlerweile ich es 11 nach 11 und auch wenn ich morgen erst zur zweiten Stunde in die Schule muss, letzte Nacht war es so verdammt spät.)

Seitdem bin ich manchmal leer.
Und dann versteht niemand, was mit mir los ist, wenn ich alle von mir wegstoße.
Sie kennen nur die fröhliche Rebecca. Die, die ich schon immer war.
Nicht die, die es seit einem Jahr auch noch gibt, die nachts manchmal weint.
Und Albträume hat, vom Sterben. Und dann mit rasendem Herzen aufwacht und nicht weiß, ob jemand gestorben ist, oder nicht.
Glaub mir, Alexander, ich habe versucht, es zu erklären.
Aber ich kann es nicht in Worte fassen. Sogar in diesem Brief ist es mir nur ansatzweise gelungen, zu beschreiben, was passiert ist.
Beschreiben.
Du weißt trotzdem nicht, wie es sich anfühlt, oder?
Siehst du.
Sophie und Laura, die beiden haben so sehr versucht, es zu verstehen. Und können es trotzdem nicht.
Mittlerweile habe ich es aufgegeben, jemandem all das zu erklären.
Und mich damit abgefunden, dass ich manchmal komisch bin und dass ich dann weiß, niemand versteht mich.
Und dass das irgendwie ziemlich psycho ankommen muss, bei einigen.
Ich versuche einfach, zu vermeiden in gewisse Situationen zu kommen.
Aber es geht nicht immer.
Und das ist alles, was ich will, einfach nur mit jemandem über all das schweigen zu können, was damals passiert ist.
Aber die einzigen, die mich in dieser Hinsicht verstehen, sind Hannah und Mr. M.
Mit Hannah habe ich neulich lange darüber geredet.
Darüber, dass wir nicht darüber reden können.
Und dann haben wir geschwiegen.

Und ja, gestern hatte ich wieder so eine Phase.
Wegen der Beichte in Konfi.
Weißt du, Alexander, ich habe sie im Stich gelassen.
Egal, was sie mir angetan hat. Ich hätte Luise nicht im Stich lassen dürfen.
Das hatte sie nicht verdient und das weiß ich jetzt.
Es tut mir so Leid.

Ja und dann... Hat Mr. M angerufen.
Er hat diese Begabung, alles aus einem rauszuquetschen, auch wenn man es eigentlich nicht sagen will.
Und er hat nicht locker gelassen.
Also habe ich ihm das alles erzählt. Und er hat, nachdem ich fertig war, lange geschwiegen.
Genau richtig lange.
Und dann hat er leise gefragt: "Sag mal, bist du echt noch nicht über diesen Scheiß hinweg?"
Und wir haben beide geschwiegen.
Bis ich gesagt habe, dass ich das nie vergessen werde.
Nie.
Und dann musste ich weinen. Es hat mir so Leid getan, weißt du?
Ich habe ihn zugeheult.
Er hat mir Leid getan.
Und Luise hat mir Leid getan.
Und irgendwie hat mir auch mein Leben Leid getan, weil es in dieser Hinsicht so verkorkst ist, verstehst du?
Und Mr. M hat geschwiegen. Und dann hat er irgendwann gesagt: "Ich halt dich fest."
Und wieder geschwiegen.
Bis ich nicht mehr weinen musste.

Wir haben viel geschwiegen gestern.
Zwischendurch haben wir über ganz banale Dinge geredet.
Aber unsere Schweige-Phasen.
Wir konnten das einfach schon immer.
Und ich glaube, das ist der Grund, weshalb ich ihn immer noch will.
Wer weiß, ob ich jemals jemanden finde, mit dem ich über das alles so schweigen kann?

Alexander, jetzt werde ich schlafen.
Dieser Brief ist wohl das längste, was ich je geschrieben habe.
Aber ich habe auch noch niemals versucht, in diesem Umfang zu erklären, was damals passiert ist.
Damals, vor einem Jahr.

Jetzt weißt du also, warum ich so komisch bin, manchmal.
...
Ein Schweigen jetzt.

Schlaf gut, Alexander.
Bis zum nächsten Brief.

Deine Rebecca.

Montag, 13. Mai 2013

Oh Gott.
Der letzte Brief kommt mir so schrecklich albern vor - genau so, wie er auch ist.
Bitte verzeih mir, Alexander.
Es klingt so, als wollte ich mich lustig machen, über Menschen, die tatsächlich depressiv sind.
Als würde ich das alles nicht ernst nehmen und nicht einschätzen können.
Und vielleicht kann ich es tatsächlich nicht einschätzen, ich weiß es nicht.
Jedenfalls, wenn ich könnte, würde ich diesen letzten Brief zurückholen.
Aber abgeschickt ist abgeschickt. Löschen verboten.
Ich bitte dich um Entschuldigung.
Im Namen aller, die sich durch meinen nächtlichen Mist missverstanden und beleidigt fühlen.
Es war nicht beabsichtigt.
Es wird nicht mehr vorkommen.
Tut mir Leid.
Alexander. Och man.
Weißt du was? Ich glaube, ich bin heute depressiv.
Haha, denkst du jetzt, oder? Und dass ich Witze mache.
Stimmt leider nicht. Ich hab's gestern mal gegoogelt.
Genau zitieren kann ich's dir nicht, aber es war sehr... aufklärend, würde ich sagen.
Oh man, es tut mir Leid.
Ehrlich.
Weißt du, ich sitze hier. Und bin einfach nur leer.
Ich müsste noch für AWT morgen lernen, aber ich hab keine Lust.
Stattdessen schreib ich mit niemandem, obwohl alle online sind.
Und beiße mir dauernd auf die Lippe, weil meine Mascara nicht wasserfest ist.
Vorhin, ich bin nach Hause gekommen, es gab Abendbrot und ich bin in mein Zimmer gegangen,
hab ich die ganze Zeit total hysterisch vor mich hin gemurmelt:
"Ich will das nicht haben, ich will das nicht haben."
Ja, du darfst lachen, wenn du willst.
Ich hab mit mir selbst geredet und auch noch so etwas lächerliches gesagt.
Alexander, ich weiß nicht weiter.
Gestern war so ein perfekter Tag. Ich habe mit allen möglichen Leuten geschrieben.
Zum Beispiel mit Hannah, dem Mädchen, das mir sozusagen geholfen hat, die Sache mit Mr. M und Luise zu überleben. Und mit Lena. Und mit Sophie. Und mit Theo. Und mit Leon.
Und Mr. M höchstpersönlich.
Meinem Mr. M, ganz genau. Gestern war einfach in der Hinsicht ein guter Tag, weil... Ok, das klingt jetzt scheiße, aber ich hab überdurchschnittlich viel Liebe abbekommen.
Ja, man stelle sich vor, sowas gibt's.
Ich glaube, am erstauntesten war ich, als Mr. M meinte, ich wäre seine Nummer 1.1
Nach Sophie.

Und, ach vergiss. Ich kann heute mit niemandem reden.
Nicht mal mit dir.

___

Ok. Nein, warte. Warum habe ich angefangen, dir zu schreiben?
Einerseits für mich, ja. Aber andererseits auch für alle anderen, die das hier lesen wollen.
Und deswegen werde ich versuchen, es zu erklären.
Irgendwie.

Also, gestern war ein perfekter Tag. So einer, an dem alles war, wie es sein sollte, weißt du?
Ich weiß nicht, kennst du das Buch "Ein Tag ohne Zufall"? Das handelt von einem solchen Tag.
Naja, jedenfalls, Mr. M und ich haben erst wieder über Sophie geschrieben und irgendwann haben wir auch über andere Themen geschrieben und irgendwie....
Weißt du was, Alexander, wenn ich über Mr. M schreibe, dann vergesse ich, wie das mit der Traurigkeit ist, weil er mich glücklich macht und dann kann ich es dir nicht erklären und das ist nicht der Sinn dieses Briefes.

Wo war ich stehen geblieben?
Ah ja. Leere. Dunkelheit. Stille.
Ja, ich weiß, es ist immer dieselbe Leier. Aber es macht mich so fertig.
Der ganze Tag heute, ich habe nichts getan, außer geredet, gelacht und wieder geredet.
Und nicht einen Gedanken zu viel gedacht.
Naja, bis wir Konfi hatten. Da ging's nämlich darum, was wir beichten werden.
Und was das mit der Beichte überhaupt genau ist und so weiter.
Und plötzlich wusste ich ganz genau, was ich beichten wollte. Die anderen um mich rum haben sich gekniffen oder geschlagen, damit sie was zum Beichten haben.
Und ich saß nur da und dachte:

Ich habe sie im Stich gelassen.

Mehr nicht. Nur diese 6 Worte. Ich habe sie im Stich gelassen.
Als sie mich brauchte. Als sie mich mehr brauchte, a...


So. Da hat Mr. M mich angerufen. Und wir haben... keine Ahnung, zwei Stunden telefoniert? Oder noch mehr. Es tut mir Leid, Alexander, ich kann dir nichts mehr über Dunkelheit erzählen.
Ich kann dir nur sagen, wieso dieser Junge mich nicht loslässt:

Weil er immer genau dann zur Stelle ist, wenn ich ihn brauche.
Jedenfalls oft genug, dass ich mich wieder dran erinnere, wie es ist, wenn er einen mit trauriger Stimme fragt, warum man nicht glücklich ist.
Es ist verrückt, aber es ist so. 

Tut mir Leid, Alexander, dieser Brief ist so dermaßen wirr,
eigentlich genauso, wie mein Leben. 
Um das noch mal kurz festzuhalten: Erst war ich glücklich. Dann traurig. Jetzt bin ich wieder glücklich. 
Und jetzt muss ich schlafen, weil ich nämlich müde bin.
Und irgendwie einfach nur total durcheinander, von meinem echt komischen Leben.
Aber naja, macht nichts. Soll eine Nebenwirkung sein, hab ich mal gehört.
Dass man verwirrt ist, meine ich, nicht, dass das Leben komisch ist.
Das sowieso.
Ich verhedder mich in Worten, also bin ich jetzt lieber einfach still.
Träum uns weg, Liebster, irgendwohin, wo uns die Dunkelheit nicht findet, ja?
Und bleib dort. Und wenn es sicher ist, komm zurück und nimm mich mit dorthin.
Bitte.
Deine Rebecca.