Donnerstag, 31. Oktober 2013

Wenn du die Gelegenheit hättest, jemandem etwas zu sagen, mit dem du, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr reden kannst, wer wäre das und was?

Interessanterweise ist das allererste, was mir zu dieser Frage einfällt, dass ich theoretisch mit diesem Jemand noch reden kann.
Dieser Jemand ist weder tot noch tausende Kilometer weit weg. 
Das Problem ist nicht die physische Distanz.
Sondern die, die sich in unsere Köpfe eingeschlichen hat. 
In unsere Herzen.
Wir laufen aneinander vorbei, schweigend, jeden Tag.
Erkundigen uns beiläufig bei unseren Freunden, 
wie es dem anderen geht.
Warum, fragen sie.
Ich schweige.
Ist egal, sagst du.
Frag doch selber, sagen sie.
Weiß nicht, sage ich schulterzuckend.
Sicherlich nicht, sagst du.
Zu feige, fragen sie. 
Und ich mich auch.
Nö, sagst du, keinen Bock.

Wir beteuern, dass es keine Rolle spielt.
Nicht wichtig ist.
Egal ist.
Aber, und das frage ich jetzt nicht nur mich,
wenn es egal ist.
Warum reden wir dann noch immer voneinander?

Jemand von uns sollte mutig sein.
Jemand von uns sollte ehrlich sein.

Ich sollte jemand sein.

Die Wahrheit kommt immer ans Licht, 
sagen sie.
Am Ende bereut man nicht die Fehler, sondern das, was man gleich gar nicht erst versucht hat,
sagen sie.
Du hast nichts zu verlieren.

Die Wahrheit ist, ich habe nichts zu verlieren, außer meiner Angst.
Vor dem, was kommt, vor dem, was bleibt.
Wenn man Angst hat, ist man automatisch vorsichtiger, stimmt's?
Ich glaube, ich bin zu vorsichtig 
für's Leben.
Und zu nachsichtig mit dem Rest.

Ich denke zu viel vor,
denke zu viel nach,
denke generell zu viel,
wäge ab, hinterfrage.
Im Leben geht es darum,
Entscheidungen zu treffen, zu handeln,
sonst bleibt man auf der Stelle stehen.
Aber wann immer ich in die Situation komme,
einfach mal intuitiv irgendwas zu sagen oder zu tun,
verwandele ich mich in ein passives Etwas,
das sich in sein Schneckenhaus verkriecht und dabei die ganze Zeit vor sich hin murmelt,
dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist,
dass es sich nicht sicher ist, ob...
Und dann verstummt dieses Etwas
und wartet leise und geduldig darauf,
dass die Situation vorbei geht,
denn eines hat es gelernt,
nämlich, das alles irgendwann vorbei geht,
wenn man nur lange genug wartet.

Aber, das ist doch kein Leben!

Sagen sie, schreien es beinah und sehen sich entsetzt und betreten in die Augen.
Als ob ich das nicht selbst wüsste.
Und auch wenn die Vergangenheit keine Entschuldigung für die Gegenwart ist,
manchmal ist sie trotzdem ein Grund.

Was also tun, was ändern?
Die Wahrheit ist, ich wünschte, ich hätte eine Geschichte zu erzählen,

von langen Nächten, guten Gesprächen,
verrückten Autofahrten, wilden Partys,
von Menschen, die mir etwas bedeuten und ich ihnen.
Ich wünschte, ich hätte eine Geschichte zu erzählen,
von einem Leben.
Aber die Wahrheit ist auch, dass ich ein unbeschriebenes Blatt bin.
Denn, wenn man niemals mutig ist, 
niemals ehrlich sagt, was man denkt,
niemals tut, was man tun könnte,
sondern alles immer nur auf später verschiebt,
getreu dem Motto "wait and see".
Dann ist das tatsächlich kein Leben.

Aber, Tatsache ist auch,

ich will nicht mehr sagen,
wir werden schon sehen.
Ich will sagen können,
ihr werdet schon sehen.
Und vielleicht ist das ein Anfang.

Was also tun?

Ich könnte ganz klein beginnen, mit dir.
Ich könnte dir sagen, was ich denke.
Warum ich noch immer von dir rede.
Ich könnte dir all das sagen, was ich dir noch sagen will,
könnte die Blockade in meinem Kopf und in meinem Herzen 
für einen Moment ignorieren,
genau wie die Ereignisse der letzten Tage.
Und auch wenn es vielleicht nicht gut für mich ist,
weil du wer weiß was daraus machen kannst,
vielleicht ist es trotzdem richtig.

Ich glaube, ich werde erst wieder schreiben,
wenn ich etwas getan habe.
Und ich glaube, ich sollte aufhören zu glauben und zu denken.

Was zählt, sind die Tatsachen.
Nicht die Illusionen.



Ihr werdet schon sehen.








Sonntag, 27. Oktober 2013

Alexander.
Es ist fast zum Lachen, wie ich hier sitze.
Allein, schweigend, während es um mich rum mit jeder Minute dunkler wird.
So ist das im Herbst.
Es wird dunkler. 
Vorhin war da zwischen der Blättern noch die Sonne,
goldig und warm.
Die Tropfen, die jetzt auf mein Fenster klatschen sind so ganz anders.
Sind schwer und laut und irgendwie grau.
Ich weiß nicht, Alexander,
aber fast scheint es, 
als wäre mit dem Herbst meine Traurigkeit zurückgekommen.
Nicht schlimm, nur manchmal.
Manchmal ist jetzt.

Ich glaube, ich bin ein schwieriger Mensch.
Ich schweige viel, ganz mit Absicht.
Manchmal mag ich es, allein zu sein.
Ich erwarte von anderen, dass sie wissen, was ich will,
ohne es selbst zu wissen.
Ich träume von später ohne irgendetwas für das jetzt und hier zu tun.
Ich bin so. 
Und je mehr ich über all das nachdenke,
desto schlimmer wird es.

Was auch immer es braucht,
was auch immer ich brauche,
um irgendetwas zu ändern,
im Winter fehlt es mir.
Vielleicht ist es auch einfach nur das Licht,
das golden durch die Blätter scheint.
Oder die warme Sommerwind,
der einem sanft durch die Haare fährt.

Vielleicht ist es der Glauben daran,
dass ich etwas ändern kann,
dass es etwas ausmacht,
wer ich bin und was ich tue.
Die Hoffnung, dass manche Dinge nicht so sind, 
wie sie scheinen.
Die Ehrlichkeit Menschen gegenüber
und der Mut, den ehrlich zu sein erfordert.
Vielleicht auch nur der Sinn,
den das alles hier machen soll.

Ich weiß es nicht, Alexander.
Es ist mir abhanden gekommen.
Ich sollte etwas verrücktes tun,
etwas unnormales.
Etwas, was ich sonst nicht machen würde.

Ist es nicht eigentlich traurig,
dass das einzige, was mir einfällt, 
was ich sonst nicht tun würde,
wäre, dass ich jemandem die Wahrheit sage? 
Die Wahrheit im Sinne von Wahrheit über diesen Jemand und über mich und überhaupt alles.

Der einzige, der jemals meine Wahrheit kannte,
war Mr. M.
Vielleicht hab ich dich auch deshalb so schrecklich geliebt.

Heute Abend passt das, irgendwie.

Schlaf gut, Alexander.
Nach jedem Winter kommt wieder Frühling.
Das ist schon immer so gewesen, das wird immer so sein.


Rebecca.

P.S.: Die Bücher, die ich im letzten Brief zitiert habe, mehr oder weniger, waren "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green und "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel. Allerdings hab ich nicht wortwörtlich zitiert, das muss ich an dieser Stelle vielleicht noch dazu sagen.

Dienstag, 22. Oktober 2013


Ja, Alexander, ich weiß, ich habe dir seit zwei Wochen nicht geschrieben.
Und ja, ich schäme mich dafür
und eigentlich noch mehr für den Grund,
aus dem ich es heute wieder tue.
Aber besser spät als nie 
und irgendwie bin ich gerade auf einem merkwürdig optimistischen Trip
und kann deswegen irgendwie kein wirklich schlechtes Gewissen haben, sorry.

Zu allererst möchte ich mich für all die Kommentare bedanken,
von allen, die dir beim Lesen über die Schulter geschaut 
und sich gedacht haben, dass sie mir doch mal ein paar Worte da lassen können 
- ich glaube, keiner von ihnen kann sich vorstellen,
wie viel mir das bedeutet, 
alles was ihr schreibt,
jeder Buchstabe lässt mein Herz lächeln.
Danke dafür.

Und dann... Joah, Alexander,
was genau soll ich erzählen, 
es ist viel passiert,
in den letzten 14 Tagen,
ich hatte Ferien, Spanien - Urlaub,
ich hab viel erlebt, 
viel gelacht.
Der Stress wird nicht weniger,
die Nächte länger oder auch kürzer, 
wie man's nimmt,
aber was soll's, ist nur für noch für ein paar Wochen,
nach Weihnachten ist das Schlimmste überstanden.
Es gibt so viele kleine Dinge,
Menschen, die mir mit lieben Worten unerwartet ein Lächeln auf's Gesicht zaubern,
Alexander, ich habe so viele, wenn auch kleine Gründe,
glücklich zu sein.
Mein Leben ist vielleicht nicht perfekt,
okay, aber das gibt mir nicht das Recht,
jeden Tag nur rum zu sitzen und den Himmel grauer zu malen,
als er ist.
Ich weiß nicht, woher das kommt und Alexander,
es überrascht mich selbst - so eine Einstellung hab ich selten.
Aber jetzt ist sie da und ich werde versuchen,
das beste draus zu machen, okay?
Ach und übrigens,
ich glaube es gibt ein Comeback - Mr. M und ich sind... 
Naja, ich will nicht sagen, wieder vereint,
denn uns trennen mehrere tausend Kilometer
und ein paar Dinge,
die gesagt, entschuldigt und verziehen werden müssen.
Aber wenn mich nicht alles täuscht,
dann sind wir wieder Freunde.

...

Und an dieser Stelle könnte ich den Brief aufhören.
Und Friede, Freude, Eierkuchen.
Alexander, es könnte alles leicht sein.
Aber Pustekuchen.
Der Grund, warum ich dir eigentlich schreibe, 
ist ein anderer.
Es geht mir immer noch gut, 
keine Angst.
Aber ich muss was ordnen, 
in meinem Kopf 
und auch in meinem Herzen.
Tut mir Leid, mein Lieber, 
aber das muss heute mal sein - wenn's dich nicht interessiert, 
hör einfach auf, zu lesen, okay? 

Also... wie auch nicht anders zu erwarten...

Lieber David.
Wäre das hier ein Song, dann würde es in diesem Song garantiert heißen, we haven't talked for a while. Oder so was in der Art. Haben wir auch nicht. Macht auch nichts. Denn wir haben alles gesagt, oder? Du hast gesagt, es ist aus, ich hab gesagt, es ist okay. Haben wir doch und dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Eigentlich.
Denn, natürlich könnte ich meinem "okay" noch einiges hinzufügen, von wegen Freundschaft und so, aber das liegt einfach daran, dass ich schon immer so war, ich wollte schon immer für alles ein Happy Ending und bei den meisten Dramen scheint es auch irgendwie zu funktionieren.
Aber David, weißt du, unser kleines Drama hat ein Happy Ending nicht nötig, meiner Meinung nach - ich jedenfalls komme sehr gut ohne klar. Ja, okay, es liegt daran, dass ich momentan einfach keine Zeit habe, dir hinterherzutrauern, aber bei uns beiden gibt's einfach nicht so viel zu vermissen. Und manchmal muss auch mal was schief gehen.
Warum also schreibe ich dir jetzt trotzdem?
Weil deine Freunde, wann immer sie mich sehen, wie kleine Kindergartenkinder nach dir rufen, so wie sie es schon getan haben, als wir noch zusammen waren. Sogar, wenn du gar nicht in der Nähe bist. Ich weiß nicht genau, was sie damit erreichen wollen, ob sie dich oder mich ärgern wollen - Fakt ist, dass du dann immer mit einer wie in Stein gemeißelten Miene an mir vorbeigehst, mich keines Blickes würdigst, während ich versuche, möglichst erst dann laut zu lachen, wenn ich an dir und deinen Freunden vorbei bin. Weil ich das alles so absolut albern finde. Laura hat irgendwann mal gesagt, dass die einzigen, die anscheinend noch nicht über unsere Trennung hinweg sind, deine Freunde sind. Und ich finde, sie hat total Recht damit. Aber irgendwie sind deine Kumpels auch das einzige, was uns noch "verbindet". Und ja, okay, ich muss zugeben, manchmal hab ich das fast ein bisschen ausgenutzt. Denn wie es der Zufall will oder das Schicksal, hast du oft in der Nähe unseres Schließfaches Unterricht - und manchmal  überrede ich Laura dazu, nach der Stunde, so schnell wie möglich noch mal zum Schließfach zu gehen, ganz einfach, um dein oh-Gott-mir-ist-das-so-unangenehm - Gesicht sehen zu können. Und ja, ich gestehe, hinter diesem wirklich erbärmlichen Akt der Vergeltung steckt die Hoffnung, dass es dir was ausmacht, dass ich dir immer noch irgendwas ausmache - dass dir nicht alles egal ist, was wir waren. Und dass es dir vielleicht sogar ein klitzekleines bisschen weh tut, ich dir theoretisch weh tue. So, wie du mir weh getan hast. (Ja, es IST erbärmlich und ich weiß das auch, aber ich bin nunmal so... Lass mich.) Ich könnte das jetzt noch unendlich weiter vertiefen, David, sei froh, dass es noch andere Gründe gibt, warum ich dir schreibe, nämlich
MEINE wunderbaren Freunde, die irgendwie immer dann daran zweifeln, dass ich über dich hinweg bin, wenn sie tatsächlich ein kleines bisschen Recht haben. Aber wie bitte soll ich auch "richtig" über dich hinweg kommen, wenn ich nie drüber nachdenke, weil ich keine Zeit habe und mir auch keine nehme, weil du mir und bitte sei mir nicht böse deswegen, nicht wichtig genug erscheinst. Weil eben eigentlich alles gesagt ist. Weil es da nichts zum Nachdenken gibt - oder nur ein kleines bisschen.
Ich habe wirklich andere Dinge zutun, als in Gedanken über einen Jungen zu versinken, der von sich aus gesagt hat, er will mit mir nichts mehr zutun haben. Weil, im Grunde genommen heißt Schluss machen ja genau das. Und ganz ehrlich, wenn ich eines von Mr. M gelernt habe, dann, dass zu viele Gedanken alles nur seltenst besser machen. 
Und deswegen bin ich immer völlig überfordert, wenn mich jemand auf dich anspricht.
Weil ich ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, was ich, was dich angeht, will. Vergessen? Tu ich schon die ganze Zeit, aber eher, weil ich keine andere Wahl habe. Also, okay, sagen wir's so, ich weiß schon, was ich mir wünsche: irgendwann mit dir ganz normal befreundet zu sein, weil du hinter deiner coolen Player-Fassade ein unglaublich toller Mensch bist. Zumindest die Sorte Mensch, die ich toll finde. (Dieselbe Sorte Mensch, die auch Mr. M ist, übrigens) und weil Freundschaft eigentlich das war, was ich anfangs beabsichtigt hatte, Freundschaft und nicht mehr. Aber diese Freundschaft ist zumindest in absehbarer Zeit unrealistisch, glaube ich. Wir reden nicht, wir schreiben nicht, du kannst mich nicht mal ansehen. Vor knapp zwei Wochen haben wir zwangsweise eine Stunde lang in einem Raum verbracht und auch da haben wir uns ignoriert, dass es schöner nicht geht. 
Aber weißt du, David, auf diese Freundschaft kann ich auch verzichten, es ist nicht so, dass ich um jeden Preis mit dir befreundet sein will. Schließlich hast du Schluss gemacht, weil du nicht mehr mein Freund sein wolltest. Okay, da ist auch noch ein kleiner Unterschied, aber who cares.
Was mich verwirrt, ist, wenn Jakob dann sagt, dass wenn er und du miteinander redet, irgendwann das Gespräch immer auf mich raus läuft. Und dass er das so lustig findet, weil es, wenn er und ich miteinander reden, ja genau dasselbe ist. Und dann lacht er mich aus und ich versuche, mich zu verteidigen, dass du eben etwas bist, das er und ich "gemeinsam" haben. 
Aber Jakob lacht mich sowieso aus, was uns beide angeht. Ich glaube, eigentlich lacht er auch dich aus, David. Weil er, wie er sagt, von uns beiden, sobald er uns aufeinander anspricht, immer nur ein "Es ist mir total egal." zu hören bekommt. Was nicht heißt, dass uns der jeweils andere egal ist - jedenfalls bei mir nicht. Und weil wir aber andererseits trotzdem nicht aufhören, über einander zu reden. 
Weißt du, David, eigentlich finde ich das sehr unfair von dir. Weil, DU hast Schluss gemacht und deinem Image entsprechend solltest du auf Partys mit irgendwelchen Mädchen rummachen und dich einen feuchten Dreck um mich scheren. Das wäre fair. Weil, es wäre endgültig. Damit könnte ich umgehen. Ich könnte einen Schlussstrich ziehen und auch gehen. Weil ich weiß, dass ich nicht mehr gebraucht werde. Alles andere ist für mein Herz nicht endgültig und solange etwas nicht endgültig ist, besteht Hoffnung. Richtig gelesen. Hoffnung. Und ganz ehrlich, Hoffnung bei so was in Richtung du-und-ich-werden-eines-Tages-wieder-miteinander-reden ist echt scheiße.
Ich meine, klar, theoretisch könnte ich auch einfach alleine gehen, niemand hindert mich daran. Aber David, sobald es auch nur ein winziges Anzeichen davon gibt, dass du mich eventuell irgendwann noch einmal brauchst, aus welchem Grund auch immer, halte ich mich selbst auf. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Ich könnte sagen, dass ich dir versprochen habe, immer da zu sein, wenn du  mich brauchst und dass ich dieses Versprechen halten werde, weil Liebe ist, dass man das Versprechen hält und weil Liebe nie verlöscht, sondern bestenfalls ihre Form ändert (gleich zwei tolle Bücher zitiert, haha). Aber ich glaube, dass ist eigentlich nur eine Ausrede dafür, dass ich gebraucht werden will, weil gebraucht zu werden heißt, dass man jemandem was bedeutet und Bedeutung heißt, dass man einen Sinn hat und der Sinn ist eigentlich alles, was ich in diesem Leben schon lange vergeblich suche. Aber das jetzt hier weiter auszuführen, übersteigt a) mein psychisches Denkvermögen und ist b) sinnlos, weil es um dich gehen soll und nicht um mich.
Noch ein Punkt, warum ich dir schreibe ist mir nämlich heute in einer sehr interessanten Kreuzungs - Konversation mit Sophie klar geworden, und zwar, dass du exakt DER Typ Junge bist, den ich immer wollte. Gut aussehend, eigentlich ein Bad Boy ohnegleichen, aber wie jeder Bad Boy mit einer herzzerreißenden Geschichte, die es sich zu hören lohnt und außerdem mit jeder Menge Zuhöre-Bedarf und Komplexen wegen Mangel an Liebe. Und auch wenn ich das vielleicht nicht so einschätzen kann, aber wenn ich von etwas mehr als genug an jemanden zu verschenken habe, dann Zeit und Liebe. Außerdem bist du reich und gut erzogen. Du kannst (auf Partys) jedes Mädchen haben, dass du willst, aber nur die wenigstens Mädchen können dich haben und das ist es, worin der Reiz liegt, bei diesem Typ Junge. Denn, wenn man einmal die harte Schale geknackt hat, wartet ein Chaos aus schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen und vor allem viel Pech und Unglück, in welcher Hinsicht auch immer, das nie aufgeräumt sondern immer einfach weggetrunken und -gefeiert wurde, sobald es zu unordentlich wurde. Dieses Chaos kennen nur die wenigsten und diese Jungen sind meistens auch darauf bedacht, es bei wenigen zu belassen und vertrauen deswegen nicht jedem. Und weißt du, David, das war es glaube ich, was mich immer noch am meisten überrascht hat: die Tatsache, dass ich kleines, unsicheres Mädchen es tatsächlich geschafft haben sollte, dich so zu beeindrucken, dass du mir beinah sofort dein Chaos anvertraut hast. Und dass du dann auch noch eine Beziehung wolltest, das... Keine Ahnung, wie oft ich dir gesagt habe, dass ich es einfach nicht glauben kann, jedenfalls konntest du es irgendwann nicht mehr hören. Aber David, es war tatsächlich so, ich konnte es nicht glauben. Denn, du hast viele gute Freundinnen, die außerhalb von deinen Party-Exzessen eine unglaublich wichtige Rolle in deinem Leben spielen und David, die meisten dieser Mädchen sind wesentlich toller als ich - sowohl innerlich als auch äußerlich und außerdem sind die alle 2 oder 3 Jahre älter als ich, also eigentlich viel reizvoller und reifer. 
Normalerweise ist man entweder jemand ganz besonderes oder ein Niemand, wenn man mit diesem Typ Junge eine feste Beziehung hat. Das ist darauf zurückzuführen, dass besagter Junge entweder endlich mal das Gefühl hat, um etwas wirklich kämpfen zu müssen und sich außerdem in seiner eigenen Besonderheit bestätigt fühlt, wenn er das Mädel einmal für sich eingenommen hat oder aber, dass er so schlimme Minderwertigkeitskomplexe hat, dass er glaubt, nichts anderes zu verdienen. 
Auf mich trifft letzteres zu, ich bin ein Niemand und du... Keine Ahnung, du hast nie gesagt, dass du glaubst, nichts besseres zu verdienen, aber... Ach ich weiß auch nicht, vielleicht hast du auch einfach unüberlegt gehandelt, voreilig und es dann genauso schnell auch wieder bereut, was weiß ich. 
Aber es ändert nichts daran, dass zu meinem absoluten Traumtyp auch noch eine nahezu traumhafte Geschichte, wie ich sie bis dahin nur aus Büchern oder Filmen kannte, kommen sollte. Also, sagen wir es so, die erste Woche war traumhaft und danach ging es langsam aber stetig bergab, bis zu unserem glorreichen Ende, dass schon wieder so klischeehaft war, dass es super zu unserem Beginn gepasst hat, aber okay. Jedenfalls, David, genau das, was wir hatten, allerdings mit einem etwas glücklicheren und vor allem längeren Zwischenteil, ist das, wovon ich immer geträumt habe, seit ich Chuck Bass kenne. 
Und egal, wie schrecklich schief einiges bei uns gelaufen ist, David, ich habe ein unfassbares Glück mit dir gehabt. Ich habe, dank dir, meinen Traum für kurze Zeit leben dürfen und das ist unglaublich viel wert. Und, du bist ein wunderbarer und vor allem, entgegen der Meinung meiner Freundinnen, die dich geschlossen als Arschloch bezeichnen, ein guter Junge. Und das wirst du immer sein, egal, was du tust. Weil du dir hinter all dem Bad Boy - Getue und Alkohol bewusst bist, was wirklich Sache ist, eigentlich und weil du, in deinem Kopf alles noch viel mehr dramatisierst und dir an allem die Schuld gibst, als du, wenn überhaupt, hast. Und weil du dir außerdem über alle möglichen Dinge Gedanken machst und... Ja, ich komme ins Schwärmen. Und es mittlerweile beinahe 1 Uhr und ich wollte heute/gestern eigentlich zeitig schlafen gehen. 
Jedenfalls, um das hier mal abzukürzen, ich würde gern noch ein letztes Mal mit dir reden, David und zwar nicht nur für 5 Minuten nach der Schule, während deine und meine Freunde auf uns warten. Sondern in Ruhe. Damit ich dir das alles erklären kann. Und damit du mir auch was erklären kannst. 
Und vielleicht würde sich danach alles aufklären und du würdest nicht mehr über mich reden, mit Jakob und ich nicht mehr über dich. Oder das Gegenteil wäre der Fall, wer weiß. So oder so, würden wir reden, würde sich einiges vielleicht bessern, meinst du nicht?
Aber ich kann dir jetzt nicht damit kommen, das kann ich wirklich nicht machen. Das Problem ist, wer weiß, was in ein oder zwei Monaten ist, vielleicht redest du dann wirklich nicht mehr über mich und es ist dir wirklich egal und ich bin dir wirklich egal und du willst auch nicht mehr reden, weil es nichts zu reden gibt. 
Dann hätte ich mich mal wieder schön selbst enttäuscht.
Vielleicht ist der Zeitpunkt auch nie richtig, ich weiß es nicht.
Vielleicht sollte ich Mr. M fragen und Jakob, weil die das verstehen würden. 
Und vielleicht auch Paula, weil sie das hier alles lesen kann, im Gegensatz zum Rest meiner Welt.

Ich weiß es nicht.

Weißt du, Alexander, es tut mir nicht mal Leid,
dass dieser Brief so lang geworden ist,
denn auch wenn er an dich gerichtet ist,
er war eigentlich nur für mich.
Du hättest das alles ja nicht lesen müssen, haha.
Und auch wenn ich nicht schlauer bin, 
als vorher,
ich hab mich wenigstens sortiert.
Und jetzt werde ich schleunigst in das Land der Träume verschwinden,
allerdings nicht, 
ohne vorher Mr. M's E-Mail zu beantworten.
Danke für alles, Alexander,
du bist in den dunkelsten Nächten immer wieder mein Engel.

Deine Rebecca.


Montag, 7. Oktober 2013

Da ist die Illusion, dass es dir was ausmacht.
Die kleine Hoffnung, irgendwo versteckt hinter all dem Lärm der letzten Wochen.
Gut verdrängt, würde ich sagen.
Das Herz - gegen - Kopf - Prinzip
und in mir tobt kein Kampf,
weil längst klar ist,
was gut ist 
und was richtig.
Und weil längst klar ist, 
dass ich weder noch bin.
Nur irgendwas dazwischen.
Und dass wir uns am Ende alle selbst retten müssen.

Als hätte es jemals Bedeutung gehabt,
für dich.
Und, was noch viel schlimmer ist:
Ich will nicht mal dagegen ankämpfen.
Ich will einfach nicht mehr.
Ich will das alles über mich ergehen lassen,
stillschweigend,
müde.

Die Wahrheit ist so viel schwerer zu ertragen,
wenn sicher ist,
dass niemand außer einem selbst 
Schuld 
an allem hat.

Und manchmal will ich nicht hören,
dass es okay ist.
Dass ich wieder in Ordnung komme.
Manchmal will ich mich einfach nur
selbstbemitleidend in meinem Bett verkriechen
und für ein paar Tage 
einfach dort bleiben.

Manchmal ist das eben so.