Lieber Alexander.
Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, dir diesen Brief zu schreiben.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich das tue und beim letzten Mal haben Leute diese Dinge gelesen, und es hat ziemlichen Ärger gegeben. Ich werde jetzt vorsichtiger sein.
Es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue, aber ich werde sicherheitshalber nicht die richtigen Namen der Personen verwenden, über die ich schreibe. Es ist zu riskant für mich. Nicht dass ich dann irgendwie bedroht werde oder so, nein, aber ich will diese Menschen nicht verlieren, nur weil ich dir schreibe. Das wäre es einfach nicht wert...
Ich bin nicht unglücklich. Ich glaube, vielen auf dieser Welt, in diesem Land, in meiner Stadt geht es schlechter als mir. Weil sie nicht genug zu essen haben, oder kein Geld oder psychische oder körperliche Krankheiten. Ich sollte mich nicht beschweren.
Aber ich kann auch nicht wirklich sagen, dass bei mir alles gut ist.
Ich habe verschiedenen Menschen versprechen müssen, glücklicher zu werden, nachdem sie die letzten Briefe gelesen haben. Aber Versprechen zu geben ist leichter, als sie zu halten.
Ich bemühe mich wirklich. Und eigentlich ist es auch gar nicht so schwer.
Zur Zeit ist Schule zwar nicht sonderlich anstrengend, aber ständig müssen wir irgendwelche Tests schreiben und die Hausaufgaben sind meistens ziemlich umfangreich. Außerdem habe ich ja auch außerhalb der Schule noch ziemlich viel zutun, meistens bin ich erst gegen 7 zu Hause. Und wenn ich mich dann noch mit Laura und Sophie treffe, ist der Tag eigentlich gut gefüllt.
Nur eben, dass es auch noch die Nacht gibt.
Und dass ich nachts allein bin.
Und dass es so leicht ist, "Mir geht's gut" oder ":D" zu schreiben, während man weint.
Auch gerade wieder.
Ich weine nicht, nein, aber ich habe dieses undefinierbare Gefühl in mir, kein Schmerz, eher die traurige Erinnerung an eine wundervolle Zeit.
An noch wundervollere Gefühle.
Es kribbelt dann in mir und gleichzeitig zerreißt es mich von innen.
Ich bin traurig und glücklich zugleich.
Und war es schon so oft.
Und weiß noch immer nicht, wie das eigentlich geht.
Es tut weh.
Zu sehen, dass er online ist.
Dass er mich ignoriert und ich ihn, obwohl wir uns vor zwei Tagen noch versprochen haben, dass wir miteinander reden könnten.
Aber vielleicht gilt das nur für Notfälle.
Wir beide.
Fremde mit Erinnerungen, sagt das Internet.
Alte Bekannte, sagt Sophie.
Nichts sagen wir.
Ich hatte mir vorgenommen, zu gehen, ihn in Ruhe zu lassen.
Weil ich ihn ja doch nur verletze, wenn ich mit ihm Kontakt habe.
Wir wissen das beide.
Und dass es besser für ihn ist, weiß ich auch.
Weil ich nicht verhindern kann, dass die Wahrheit aus mir herausbricht.
Manchmal, selten.
Aber es reicht aus um tiefe Wunden zu schlagen.
Es ist besser für ihn, sage ich mir, tu es für ihn.
Und weine trotzdem.
Und vermisse ihn, wie am ersten Tag.
Ich bin umgeben von lauter wundervollen Menschen.
Hilfsbereit, offen, bemüht.
Und trotzdem bin ich allein.
Weil mich keiner von ihnen wirklich erreichen kann.
Keiner außer ihm.
Und das will ich ihm nicht antun.
Er soll mich nicht noch ein zweites Mal retten müssen.
Ich glaube, er würde es tun. Vielleicht.
Aber ich komm zurecht.
Ich meine, schließlich könnte ich jetzt auch den Laptop ausschalten und ins Bett gehen.
Und schlafen und vergessen.
Und nicht mehr denken.
Der frische Schnee rutscht leise die Dachfenster runter und ich vermisse den Sommer.
Weil mir im Sommer nicht so kalt ist.
Und die Nächte nicht so dunkel sind.
Im Sommer kann man einfach nicht so traurig sein...
Weißt du, Alexander, ich habe eigentlich keine Ahnung, worüber ich noch schreiben soll.
Aber ich will nicht aufhören, dir zu schreiben, es beruhigt mich so sehr.
Und auch wenn ich vielleicht einschlafen könnte, ich will noch nicht.
Jason Walker singt "Echo".
Hello, Hello, Anybody Out There?
Irgendjemand.
Der ihn ersetzen kann, irgendwie.
Bitte.
Er ist weg und vielleicht soll es auch so sein.
Aber ich brauche jemanden wie ihn.
Der mir zuhört. Der am Telefon nickt und ich verstehe es trotzdem. Der mit mir schweigt.
Jemanden, dem ich all das erzählen kann, was ich hier aufschreibe.
Ich glaube, ich könnte stundenlang schreiben.
Genauso wie er und ich stundenlang reden konnten.
Über alles und nichts.
Und trotzdem kannten wir uns mit jeder Minute besser.
Und haben zusammen gelacht. Und haben zusammen geweint.
Es macht einfach keinen Spaß ohne ihn.
Es ist nicht der Schmerz, der hier spricht.
Es ist die Traurigkeit.
Ich bin einfach noch immer grenzenlos traurig darüber, dass er weg ist.
Ich weiß nicht, ob ich mich jemals an ein Leben ohne ihn gewöhnen werde.
Wahrscheinlich schon, aber ich kann es mir zur Zeit einfach noch nicht vorstellen.
Es ist schon fast 9 Monate her, dass unsere Freundschaft kaputt gegangen ist.
Aber in manchen Momenten kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen.
Aber wahrscheinlich gewöhnt man sich irgendwann dran.
An dieses Gefühl.
Nicht traurig und nicht glücklich.
Vielleicht einfach nur leer, weil jemand fehlt.
Weil jemand eine Lücke hinterlässt die niemand anderes füllen kann.
Ich glaube, man gewöhnt sich dran, oder?
Tut mir Leid, dass gleich der erste Brief so lange geworden ist.
♥
Rebecca.
Tonight: "Let Her Go" - Passenger
Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, dir diesen Brief zu schreiben.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich das tue und beim letzten Mal haben Leute diese Dinge gelesen, und es hat ziemlichen Ärger gegeben. Ich werde jetzt vorsichtiger sein.
Es ist nicht so, dass ich dir nicht vertraue, aber ich werde sicherheitshalber nicht die richtigen Namen der Personen verwenden, über die ich schreibe. Es ist zu riskant für mich. Nicht dass ich dann irgendwie bedroht werde oder so, nein, aber ich will diese Menschen nicht verlieren, nur weil ich dir schreibe. Das wäre es einfach nicht wert...
Ich bin nicht unglücklich. Ich glaube, vielen auf dieser Welt, in diesem Land, in meiner Stadt geht es schlechter als mir. Weil sie nicht genug zu essen haben, oder kein Geld oder psychische oder körperliche Krankheiten. Ich sollte mich nicht beschweren.
Aber ich kann auch nicht wirklich sagen, dass bei mir alles gut ist.
Ich habe verschiedenen Menschen versprechen müssen, glücklicher zu werden, nachdem sie die letzten Briefe gelesen haben. Aber Versprechen zu geben ist leichter, als sie zu halten.
Ich bemühe mich wirklich. Und eigentlich ist es auch gar nicht so schwer.
Zur Zeit ist Schule zwar nicht sonderlich anstrengend, aber ständig müssen wir irgendwelche Tests schreiben und die Hausaufgaben sind meistens ziemlich umfangreich. Außerdem habe ich ja auch außerhalb der Schule noch ziemlich viel zutun, meistens bin ich erst gegen 7 zu Hause. Und wenn ich mich dann noch mit Laura und Sophie treffe, ist der Tag eigentlich gut gefüllt.
Nur eben, dass es auch noch die Nacht gibt.
Und dass ich nachts allein bin.
Und dass es so leicht ist, "Mir geht's gut" oder ":D" zu schreiben, während man weint.
Auch gerade wieder.
Ich weine nicht, nein, aber ich habe dieses undefinierbare Gefühl in mir, kein Schmerz, eher die traurige Erinnerung an eine wundervolle Zeit.
An noch wundervollere Gefühle.
Es kribbelt dann in mir und gleichzeitig zerreißt es mich von innen.
Ich bin traurig und glücklich zugleich.
Und war es schon so oft.
Und weiß noch immer nicht, wie das eigentlich geht.
Es tut weh.
Zu sehen, dass er online ist.
Dass er mich ignoriert und ich ihn, obwohl wir uns vor zwei Tagen noch versprochen haben, dass wir miteinander reden könnten.
Aber vielleicht gilt das nur für Notfälle.
Wir beide.
Fremde mit Erinnerungen, sagt das Internet.
Alte Bekannte, sagt Sophie.
Nichts sagen wir.
Ich hatte mir vorgenommen, zu gehen, ihn in Ruhe zu lassen.
Weil ich ihn ja doch nur verletze, wenn ich mit ihm Kontakt habe.
Wir wissen das beide.
Und dass es besser für ihn ist, weiß ich auch.
Weil ich nicht verhindern kann, dass die Wahrheit aus mir herausbricht.
Manchmal, selten.
Aber es reicht aus um tiefe Wunden zu schlagen.
Es ist besser für ihn, sage ich mir, tu es für ihn.
Und weine trotzdem.
Und vermisse ihn, wie am ersten Tag.
Ich bin umgeben von lauter wundervollen Menschen.
Hilfsbereit, offen, bemüht.
Und trotzdem bin ich allein.
Weil mich keiner von ihnen wirklich erreichen kann.
Keiner außer ihm.
Und das will ich ihm nicht antun.
Er soll mich nicht noch ein zweites Mal retten müssen.
Ich glaube, er würde es tun. Vielleicht.
Aber ich komm zurecht.
Ich meine, schließlich könnte ich jetzt auch den Laptop ausschalten und ins Bett gehen.
Und schlafen und vergessen.
Und nicht mehr denken.
Der frische Schnee rutscht leise die Dachfenster runter und ich vermisse den Sommer.
Weil mir im Sommer nicht so kalt ist.
Und die Nächte nicht so dunkel sind.
Im Sommer kann man einfach nicht so traurig sein...
Weißt du, Alexander, ich habe eigentlich keine Ahnung, worüber ich noch schreiben soll.
Aber ich will nicht aufhören, dir zu schreiben, es beruhigt mich so sehr.
Und auch wenn ich vielleicht einschlafen könnte, ich will noch nicht.
Jason Walker singt "Echo".
Hello, Hello, Anybody Out There?
Irgendjemand.
Der ihn ersetzen kann, irgendwie.
Bitte.
Er ist weg und vielleicht soll es auch so sein.
Aber ich brauche jemanden wie ihn.
Der mir zuhört. Der am Telefon nickt und ich verstehe es trotzdem. Der mit mir schweigt.
Jemanden, dem ich all das erzählen kann, was ich hier aufschreibe.
Ich glaube, ich könnte stundenlang schreiben.
Genauso wie er und ich stundenlang reden konnten.
Über alles und nichts.
Und trotzdem kannten wir uns mit jeder Minute besser.
Und haben zusammen gelacht. Und haben zusammen geweint.
Es macht einfach keinen Spaß ohne ihn.
Es ist nicht der Schmerz, der hier spricht.
Es ist die Traurigkeit.
Ich bin einfach noch immer grenzenlos traurig darüber, dass er weg ist.
Ich weiß nicht, ob ich mich jemals an ein Leben ohne ihn gewöhnen werde.
Wahrscheinlich schon, aber ich kann es mir zur Zeit einfach noch nicht vorstellen.
Es ist schon fast 9 Monate her, dass unsere Freundschaft kaputt gegangen ist.
Aber in manchen Momenten kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen.
Aber wahrscheinlich gewöhnt man sich irgendwann dran.
An dieses Gefühl.
Nicht traurig und nicht glücklich.
Vielleicht einfach nur leer, weil jemand fehlt.
Weil jemand eine Lücke hinterlässt die niemand anderes füllen kann.
Ich glaube, man gewöhnt sich dran, oder?
Tut mir Leid, dass gleich der erste Brief so lange geworden ist.
♥
Rebecca.
Tonight: "Let Her Go" - Passenger
3 Kommentare:
Danke noch einmal für den Award. Ich habe mal durch deinen Blog geblättert und irgendwie unglaublich viele Fragen an dich.
Na ja, alles Liebe noch
Um was geht es hier? NA ja, ich denke, ich werde einfach lesen und verstehen( hoffe ich mal).
Ich finde du hast einen sehr schönen Schreibstil! :-)
http://streetastronaut.blogspot.de/
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