Mittwoch, 27. März 2013

Lieber Alexander.

Einen wunderbaren Abend gehabt.
Eine wunderbare Nacht gehabt.
Einen wunderbaren Morgen gehabt.

Mit den beiden Mädels, die mir das Liebste auf der Welt sind.

Wir haben viel geredet und das war auch gut so.

Aber irgendwann nach Mitternacht hat Laura mich angesehen.
Und hat lange geschwiegen.
Und dann gesagt:

"Weißt du, Rebecca, machnmal habe ich das Gefühl,
ich würde dich gar nicht richtig kennen.
Weil du nie was von dir erzählst.
Ich meine, wir kennen uns schon so lange.
Aber irgendwie weiß ich trotzdem nicht,
was bei dir so passiert."

Sophie hat genickt.
Ich habe genickt.

Weil es ja richtig ist.
Weil Laura Recht hatte, mit dem, was sie gesagt hat.
Und weil mir das bewusst ist.
Und weil ich mir auch schon oft vorgenommen habe, das zu ändern.
Und es aber nie geschafft habe.

Weißt du, Alexander, ich liebe die beiden.
Und ich vertraue ihnen, wirklich.

Aber... 
Wie soll ich ihnen erklären, wie sich die Kälte anfühlt.
Wie sie plötzlich kommt und dann fängst du bei 28 ° an zu zittern.
Wie soll ich erklären, wie einem innerlich kalt ist.
Wenn sie noch nie gefroren haben?

Wie soll ich ihnen erklären, dass nachts die Gedanken kommen?
Wie soll ich ihnen erklären, was es heißt, sich selbst zu verlieren?
Sich vor der Dunkelheit zu fürchten?
Wie soll ich ihnen erklären, wie leer es sein kann, in einem?
Wie sehr Tränen weh tun können?
Wie soll ich erklären, was es heißt, nicht mehr atmen zu können?
Einfach einschlafen zu wollen und niemals wieder aufwachen.
Wie soll ich erklären, warum ich nicht mehr konnte?
Nicht mehr lachen, nicht mehr weinen, nicht mehr leben konnte, damals?
Warum ich sterben wollte?
Wie soll ich erklären, wie es sich anfühlt, 
wenn alles still um einen herum ist, unendlich still?
Und wie soll ich erklären, was es bedeutet, allein zu sein?
Umgeben von tausenden Menschen, und trotzdem allein?
Alexander, sag mir, wie erklärt man jemandem Depression,
der nicht weiß, wie es sich anfühlt?

Und wie soll ich ihnen erklären,
warum er für mich mehr als die Welt war.
Und warum ich für ihn gestorben wäre, ohne zu Zögern.
Wie soll ich ihnen erklären, dass ich ihm mehr vertraut habe,
als jedem Menschen sonst auf dieser Welt?
Wie soll ich ihnen erklären, dass er mich besser kannte, als sie alle hier?
Wie soll ich ihnen erklären, was mich so sicher gemacht hat, bei ihm?
Dass ich mir so sicher war?
Wie soll ich ihnen erklären, dass ich ihn gebraucht habe?
Immer.
Weil nur er wirklich wusste, wie er mich trösten kann, weil eben nur ein Junge so trösten kann.
Wie soll ich ihnen erklären, dass wir mehr als Liebe waren,
weil wir, er und ich, einfach unendlich waren?

Alexander, hast du schonmal versucht, Unendlichkeit zu erklären?

Wie soll ich ihnen erklären, dass ich ohne ihn plötzlich nicht mehr einschlafen konnte?
Wie soll ich ihnen erklären, dass ich ohne ihn nicht mehr atmen konnte, nicht mehr lachen, nicht mehr leben?
Und das alles neu lernen musste, ohne ihn.
Wie soll ich ihnen erklären, dass ich...
Dass ich allein war, in meinen schlimmsten Momenten, als ich eigentlich ihn am allermeisten gebraucht habe?

Verdammt, Alexander, sie wissen nicht, wie es ist, verstehst du?
Sie haben das alles nicht erlebt.
Sie können es nicht verstehen.

Glaub mir, ich möchte es ihnen gerne erklären.
Aber sie wären erschrocken.
Weil das nicht die Rebecca ist, die sie kennen.
Vielleicht würden sie mich hassen.

Alexander, alles, was ich kann, ist schreiben.
Schreiben, was passiert, schreiben, was ich denke.
Aber erzählen...
Wie soll ich ihnen diese Gefühle erklären?
Wie soll ich ihnen das alles so erklären, dass sie es verstehen?

Alexander, es ist nicht möglich.
Ich kann das einfach nicht.

Vielleicht weil es einfach nicht zu erklären ist.
Entweder man hat es selbst erlebt und weiß, wie es ist.
Oder eben nicht.

Vielleicht schreibe ich auch, damit sie es irgendwann lesen können.
Irgendwann verstehen können.
Was ich für ein Mensch bin.
Monster war.

Oder so, wer weiß.

Danke für's Lesen, Alexander, danke.

Mit all meiner Liebe von hier ♥

Deine Rebecca

1 Kommentar:

Luisa hat gesagt…

Das kenne ich. Ich kann meinen Freunden nichts von mir erzählen, weil ich es ihnen nicht verständlich erklären kann, was ich fühle.

Wieder ein wundervoller Text und ich überreiche dir hiermit einen Blog-Award =)
http://isasisle.blogspot.de/2013/03/das-war-der-marz-und-mir-wurde-ein-blog.html

Alles Liebe
Luisa