Sonntag, 24. November 2013

Alexander.

Heute ist einer dieser Sonntagmorgende,
an denen ich das Gefühl habe,
dass ich alles schaffen kann,
was ich mir heute vornehme.
Gerade eben bin ich mit meinem Bruder vom Gottesdienst gekommen,
weil er für seine Konfirmation Punkte braucht
und außerdem ist heute Ewigkeitssonntag.
In der Küche steht mein Vater
und kocht ein richtiges Sonntagsessen.
Die Sonne scheint in mein Zimmer
und macht alles hell und warm
und wären da nicht noch einige Hausaufgaben zu machen,
wäre dieses Wochenende wohl sehr perfekt
und dieser Sonntag auch.

Gestern Abend habe ich mir,
nach einer an der Stadtverwaltung gescheiterten Protestaktion für die Erhaltung der Staatskapelle
unseres Theaters,
gemeinsam mit Laura einen wunderbaren Abend in der Stadt gemacht,
wir sind ganz ladylike durch alle möglichen Geschäfte gestromert
und hätten wir uns all die Dinge bei denen wir
"Awwww" und "Oh mein Gott"
gerufen haben,
tatsächlich gekauft,
wären wir wohl bis an unser Lebensende verschuldet gewesen.
Ich weiß nicht,
aber für mich ist Mode viel mehr als nur etwas zum Anziehen.
Mag sein, dass daran teilweise auch Gossip Girl schuld ist,
und die tollen Kleider in denen sie da immer rumlaufen.
Eine gute Freundin nennt mich immer Becca Waldorf,
in Anlehnung an Blair Waldorf und ihren Kleidungsstil.
Ich finde es zum Beispiel nicht schlimm,
ungeschminkt rumzulaufen,
wenn das Gesamtpaket (und dazu gehört auch eine stilvolle und vor allem individuelle Kombination von Klamotten)
trotzdem noch stimmt.
Naja, jedenfalls, Laura und ich haben uns außer einem wirklich geilen Hut von H&M (wenn jemand Interesse an einem Bild hat, melde er sich ;) )
nichts gekauft, aber wir waren trotzdem unglaublich erfüllt
schlicht und einfach von den hunderttausend Möglichkeiten
die uns sofort bei jedem einzelnen Kleidungs- und Schmuckstück
eingefallen sind.

- Warum ich dir das jetzt schreibe, Alexander?
Ich glaube, es liegt daran,
dass ich nicht will, dass du immer nur die düstere Seite der Rebecca zu lesen bekommst,
sondern auch mal ein bisschen von mir,
wenn ich glücklich bin,
ein bisschen von dem, was mich, außer Gedanken und anderen Menschen
sonst noch so berührt und beschäftigt.
Und dazu gehört unter anderem eben auch Mode.
Und Musik.
Ich weiß nicht, ob das bisher bei dir so angekommen ist,
Alexander,
aber Musik spielt in meinem Leben eine unglaublich große und wichtige Rolle.
Liegt daran, dass meine Mutter Kantorin ist,
liegt daran, dass ich in eine Musik-Klasse an einem Musikgymnasium gehe
und deswegen zwangsweise mindestens ein Instrument spielen
und in einem Chor singen und Stimmbildungsunterricht bekommen muss.
Liegt daran, dass eigentlich alle Menschen,
mit denen ich zutun habe, entweder unglaublich geil singen oder irgendwas cooles spielen können.
Liegt auch daran, dass ich total gern tanze.
Und wenn ich mal einen Tag lang nicht für mich singen kann,
weil ich Halsschmerzen hab, oder so,
dann geht's mir automatisch noch schlechter und ich motz alle an oder so.
Und wenn mich irgendwas beschäftigt und weder Gossip Girl noch aufschreiben hilft,
dann setz ich mich ans Klavier.
Ich könnte stundenlang einfach nur vor mich hinspielen,
irgendwelche ausgedachten Melodien,
die alles ausdrücken, was ich fühle oder eben auch nicht fühle.
Mittlerweile kann ich nicht mehr einschlafen, wenn ich nicht noch ganz leise Musik höre
und Hausaufgaben machen geht auch nicht ohne.
Der Gedanke, mehrere Tage ohne Musik leben zu müssen,
ist irgendwie so unvorstellbar,
dass ich darüber jetzt lieber gar nicht weiter schreiben will.

Und... was ich noch ziemlich geil finde: Essen.
Klingt zwar verrückt, aber mein Vater kann unbeschreiblich gut kochen
und aus diesem Grunde bin ich der Meinung,
dass Essen eigentlich eins der besten Mittel ist,
Menschen zu inspirieren und zu verzaubern.
Einziges Problem heutzutage,
dass es normalerweise vor allem aus Zeitgründen alles nur noch irgendwie und so schnell wie möglich gemacht
und auch gegessen wird
und dabei geht sowohl der Geschmack als auch dieses Gefühl, das ein schön gedeckter Tisch mit richtig gutem Essen hervorruft,
verloren.
Ja, ich weiß, ich klinge, wie einer von diesen Ernährungsberatern oder so
aber dieses Gefühl, sich am Wochenende auf das Mittagessen zu freuen,
weil man weiß, dass es was richtig leckeres gibt,
oder, noch besser, wenn mich der Geschmack von irgendwas so richtig umgehauen hat...
Das ist einfach nur genial.
Unter der Woche esse ich nur ziemlich wenig,
weil ich a) keine Zeit habe und mir b) vieles, was es zum Beispiel in der Schule so zu essen und zu kaufen gibt, zu eklig und/oder ungesund ist - ich kann mir schließlich nicht jeden Tag so'nen fetten Schokomuffin als Mittagessen kaufen weil es nichts besseres gibt, ist einfach so.
Und ich kann auch selbst nicht besonders toll kochen, Nudeln, Pfannkuchen und Rührei und so,
sowas wird schon noch akzeptabel aber sonst... ;)

Oha, Alexander,
ich könnte dir jetzt noch meine Liebe zu Büchern, Reisen, Fotografien/Fotografieren, Theater, Telefonaten und mitternächtlichen Stadtspaziergängen erläutern und zu noch einigen anderen Dingen,
aber das würde diesen Brief sprengen.
Außerdem muss ich was aus meiner unnatürlichen Motivation heute machen
und da ist es nicht soo besonders hilfreich,
die ganze Zeit vor'm Laptop zu hängen.

Ich hoffe, du hast einen genauso tollen Tag,
wie ich, Alexander,
und wenn bei dir die Sonne scheint,
dann genieß sie, ja? ♥

Deine Rebecca.

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