Mittwoch, 18. Dezember 2013

Lieber David.
Bitte frag nicht, warum ich dir schreibe, ich weiß es selbst nicht genau.
Vielleicht weil ich in meinem Vorrausschauungswahn schon jetzt Silvester vor Augen
und das Gefühl habe,
nicht mehr zu diesem Brief zu kommen,
wenn ich ihn nicht heute schreibe.
Ohne dich wäre 2013 für mich sehr eintönig verlaufen,
auch wenn wir nicht unbedingt... Wie drück ich das am besten aus?
Naja, sagen wir's so, wir hatten beide sicher auch schon glanzvollere Momente.

Aber... 
Haha, ja, mein "Aber..."  ist irgendwie immer das genialste und weißt du was, David?
Es ist der Grund, warum ich dir schreibe.
Also pass schön auf, mein Lieber, 

das hier könnte interessant werden, 
für dich genauso, wie für mich.

Ich bin niemand, der gut loslassen kann.
Ich mag den Gedanken nicht, dass zack!

eine Geschichte eines Tages einfach so zu Ende sein soll.
Meiner Meinung nach muss es irgendwie immer ein Happy Ending geben,
ansonst ist die Geschichte noch nicht vorbei.
Ich weiß, dass das absoluter Blödsinn ist, aber was soll ich machen?
Ich hab auch mal versucht, mir einzureden, 
ich würde keine Schokolade mögen, damit ich weniger davon esse - hat auch nicht funktioniert.
Jedenfalls...
Es gibt ein paar Fragen,
die stelle ich mir, seit du Schluss gemacht hast.
Und das ist jetzt schon beinah 3,5 Monate her, nur so als kleine Randbemerkung ;)
Und ich glaube, die werde ich mir auch immer stellen
und ich WEIß, dass ich darauf niemals eine Antwort bekommen werde,
aber irgendwie will mein Kopf oder was auch immer für die rationale Akzeptanz zuständig ist,
das nicht einsehen und damit basta!
Und in den letzten 5 Tagen haben wir uns unfreiwilliger Weise ungefähr so oft gesehen,
wie in den letzten 8 Wochen zusammen.
Oder naja, was heißt, "wir haben uns gesehen", 
das trifft es nicht so ganz. 
Du und ich sind zufälligerweise am selben Ort und dann seh ich dich.
Manchmal siehst du mich auch, aber die Frage ist ja eigentlich nicht,
ob du mich siehst, sondern, WAS du siehst, wenn du mich siehst, oder?
Eben und aus diesem Grund schreibe ich dir auch.

Wenn ich dich sehe... 
Um ehrlich zu sein, ist mir gestern und heute eigentlich immer zuerst aufgefallen,
was für ein anständiger Junge du sein kannst.
Und dass du Verantwortung übernehmen kannst
und Dinge organisieren kannst
und dass ich das bewundere.
Okay, dazu muss ich vielleicht sagen, dass du gestern einen Anzug getragen hast,
und der Kommentar einer Freundin dazu war nur:
"Wow, er ist ja echt'n Chuck Bass..."
Und ich muss sagen, wo sie Recht hat, hat sie Recht,
du hast meistens ziemlich gut ausgesehen, wenn wir uns begegnet sind.
Nur, manchmal verhältst du dich komisch.
Hier jetzt Beispiele zu nennen, würde den Rahmen des Briefes sprengen,
weil ich mich nie auf das eigentliche Thema konzentrieren kann,
aber lass dir so viel gesagt sein:
Ist es dir wirklich so unangenehm, an mir vorbeizulaufen, dass du dich auf dem Absatz umdrehen musst und einen Umweg in Kauf nimmst?
Das ist... naja, irgendwie unfair, weißt du, weil, mal angenommen,
du machst das tatsächlich meinetwegen,
dann bedeutet es ja, dass dir das peinliche Gefühl, das meine Anwesenheit dir vermittelt,
die Mühe wert sein muss.
Was wiederum heißen würde, dass du ein Gewissen hast,
und vielleicht sogar ein schlechtes,
weil du Schluss gemacht hast.
Und ganz ehrlich - schon das reicht mir, um irgendwelche Hoffnungsfantasien aufleben zu lassen,
von wegen, dass ich dir vielleicht noch nicht ganz so egal war,
wie es immer scheint.
Krank, oder?
Ich weiß...


Oh man, du kannst dir gar nicht vorstellen,
wie erbärmlich ich mir vorkomme,
während ich das schreibe, weil, ich meine,
du bist mein Ex-Freund und wir sind schon seit einer Ewigkeit nicht mehr zusammen 
und ich bin auch wirklich über dich hinweg,
nur...
Warum zum Teufel blinken in meinem Kopf noch immer die Alarmanlagen auf,
wenn ich dich sehe oder höre?
Warum frage ich mich jedes Mal, wenn ich dich sehe,
ob es dir gut geht?
Und ganz ehrlich, warum um alles in der Welt, gibt es nur wenig, was mich brennender interessiert,
als die Antwort auf die Frage, wer in den letzten Wochen so das Vergnügen hatte, mit dir?

Es ist die fehlende Erklärung,
das viel zu abrupt zugeschlagene Buch,
die unvollendete Geschichte.
Du hast nicht mal den Satz vernünftig beendet
und ich will einfach nur wissen, wie's weitergeht, glaub ich.
Auch wenn ich schon weiß, wie es endet,

ich will die Erzählung hören, bis zum bitteren Ende.
Ich hätte gern eine Antwort auf die vielen Fragen.
Ob es dir tatsächlich alles so egal ist,
wie es scheint,
weil ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, bei dir.
Aber vielleicht ist das auch nur wieder mein Gutmenschen-Denken und diese bescheuerte Idee von wegen, dass der David, den ich kannte, blablabla.

Vor allem, in Anbetracht der Tatsache,
dass ich dich eigentlich gar nicht gekannt haben kann
und du mich ganz sicher nicht kannte, 
denn, seien wir ehrlich, niemand kennt mich vollständig.
Und überhaupt, was vom dem, was ich dachte, was wir wären,
war real für dich und was hat nur in meinem Kopf existiert?
Die Antwort krieg ich nicht, ich weiß.
Und mir ist auch bewusst, dass die Frage,
ob es dir gut geht und der daraufhin folgende Wunsch, es möge so sein,
eigentlich nur eine Reflexion dessen ist,
was sich eigentlich in meinem Kopf so abspielt.
Und dass es mir vielleicht gar nicht darum geht, dass es dir gut geht, 
sondern viel mehr, wie es mir eigentlich geht,
weil ich das unter all dem Stress der letzten Wochen so wunderbar 
ignorieren konnte.
Wenn man so viel zutun hat, dass man sich gar nicht mehr die Frage stellt,
wie es einem geht, weil man keine Zeit dafür hat,
es sich scheiße gehen zu lassen, weil man funktionieren und Energie haben muss,
dann erübrigt sich das irgendwie.
Dann geht's einem gut und man kann ganz wunderbar verdrängen,
wie schrecklich langweilig und eintönig das eigene Leben doch eigentlich ist,
wie deprimierend.

Achja, ich bin schon ein merkwürdiger Mensch.
Jedenfalls, David, um jetzt hier mal langsam zum Punkt zu kommen,
überlege ich seit gestern irgendwie andauernd, ob ich dich nicht einfach mal anschreiben soll,
dich fragen soll, wie's dir geht.
Bitte frag um Himmels Willen nicht, wieso ich das tun soll und wie ich überhaupt auf diese bescheuerten Gedanken komme,
ich weiß es selbst nicht und du kannst mir glauben, ich tue alles, was in meiner Macht steht, um mich nicht komplett vor dir zu blamieren.
Wenn Menschen keine Hobbys haben, 
fangen sie an, 
dumme Dinge zu tun.
Ich bin das beste Beispiel dafür.
Aber keine Angst, ich werde mich zusammenreißen.

Ich wollte dir nur noch mal danke sagen,
dass du dieses Jahr in gewisser Hinsicht gerettet hast,
weil es deinetwegen immerhin wert ist,
in meiner Lebenschronik erwähnt zu werden.
Und ich wollte dir sagen,
dass du ein wirklich toller Mensch bist
und wer immer das Glück hat,
dich seinen Freund nennen zu dürfen, der...
Ja, der kann sich wirklich glücklich schätzen.

Ich glaube, ich kann dir nicht oft genug sagen,
dass ich wirklich, wirklich hoffe, dass du auf dich aufpasst
und dich nicht in irgendwas verlierst.
Frag mich nicht, warum ich noch immer den irrsinnigen Wunsch habe,
dich vor dir selbst zu beschützen,
ein von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Es ist so.
Und es tut mir nicht mal Leid.
Lach mich aus dafür, verurteile mich.
Tu, was immer du willst.
Du wirst es nicht ändern können.
Weil...
Ich hab dich geliebt.

2 Kommentare:

anouk hat gesagt…

Du erinnerst mich mit diesem Brief an eine Situation aus meinem Leben, über die ich (zum Glück) schon länger hinweg bin. Trotzdem macht mir dieser Brief gerade unheimlich deutlich, wie ich mich damals gefühlt habe. Und das nach so langer Zeit. Danke, dass du Gefühle so gut in Worte fassen kannst! xx

Anonym hat gesagt…

Ich verfolge deinen Blog jetzt schon seit längerer Zeit und bin nach jedem Post sprachloser! Diese Kunst, seine Gefühle so in Worte zu fassen ist atemberaubend! Auch wenn das schleimig rüberkommt, das ist mein völliger Ernst.
Mir geht es genau wie anouk... Deine Worte erinnern mich stark an eine etwa gleiche Situation. Nur im Gegensatz zu dir konnte ich meine Gefühle nicht so ausdrücken und war einfach nur irritiert über ein viel zu schnelles und nicht begründetes Ende.
Nichtsdestotrotz: Danke für deine klaren Worte! ♥