Samstag, 25. Januar 2014

Alexander.
Lieber, lieber Alexander.

Heute sind Dinge passiert
und aufgrund dessen möchte ich,
dass du eins weißt.
Und nicht nur du,
alle die das hier jetzt oder später mal lesen.

Ich hab immer mein Bestes gegeben.

Ich möchte einfach nur,
dass du das weißt.
Weil...
Alexander, mir ist heute so sehr bewusst geworden,
dass ich eigentlich nicht mehr kann.
Schon so lange am Ende bin.
Auch wenn ich es mir nicht eingestehen will.
Und auch nicht kann,
weil es das Ende von allem bedeuten würde.
So dramatisch das klingt,
Alexander,
aber ich lebe schon lange über meine Grenzen hinaus.
Und zwar in gesundheitlicher Hinsicht.

Mein Leben, ich,
wir funktionieren wie eine Maschine.
Vielleicht übertreibe ich auch nur.
Wahrscheinlich.
Aber, und das habe ich heute,
in diesen wenigen Sekunden,
in denen mir buchstäblich der Boden und den Füßen weg geglitten ist,
erkannt:
Der Mensch ist keine Maschine.

Ich wollte niemals die Beste sein.
Aber ich hab immer versucht,
das Beste aus mir rauszuholen.
Mag sein, dass ich nicht immer 100 % gegeben hab.
Aber, was auch immer ich angefangen habe,
ich habe versucht, so viel zu investieren, wie nur möglich.

Klar, dass am Ende nicht mehr viel übrig bleibt.
Und so sitze ich jetzt hier.
Und muss mir und dir und euch eingestehen,
dass ich so eigentlich nicht weitermachen kann.
Alles hat seinen Preis.
Und wer über seine Verhältnisse lebt,
muss am Ende nur noch draufzahlen.
Die alle entscheidende Frage lautet also:
Wann ist Zahltag?
Dass ich in meinem Fall mit etwas bezahlen werde,
was sich niemals mit Geld ausgleichen lässt, ist klar.
Aber ich denke, wenn ich die Folgen zu spüren bekomme,
wird es schon lange zu spät sein.
Ist wahrscheinlich sogar schon jetzt.

Meine Gesundheit, Alexander.
Mag sein, dass ich jetzt den Teufel an die Wand male.
Aber ganz ehrlich, ich bin an 6 von 7 Tagen in der Woche mindestens 12 Stunden auf Achse.
Komme abends um 21 Uhr nach Hause,
von irgendwelchen Proben, von Freunden,
setze mich dann hin und mache Hausaufgaben.
Schlaf? Haha.
5 Stunden pro Nacht reichen einfach nicht aus.
Mein Zeugnis? Alexander, wenn ich dir das sage, lachst du mich aus.
Jugend musiziert, die Teilnahme am Winter-Musical des Staatstheaters,
Tanztheater, Chor, Klavier.
Nebenbei meine Freunde, für die ich immer ein offenes Ohr habe.
Oder meistens.
Es zumindest versuche.
Weißt du, es sind alles Dinge, die ich machen will.
Außer der Schule gibt es nicht,
was ich tun müsste.
Und gerade deswegen fällt es mir so schwer,
auf etwas zu verzichten.

Alexander, was immer ich tue,
ich tue es für andere.
Wann und warum ich damit angefangen habe,
kann ich dir sagen.
Aber ich kann nicht zurück.
Ich weiß nicht, wie ich es rückgängig machen soll.
Ich kann nicht einfach aussteigen.
Es würde bedeuten,
dass ich alles, was mir etwas bedeutet, mich,
in der Form wie es jetzt ist,
aufgeben müsste
und Alexander, das will ich nicht.

Ich fühle mich so ohnmächtig.
Vielleicht schiebe ich jetzt echt nur Panik.
Aber ich habe das Gefühl,
sehenden Auges auf meine Katastrophe zuzusteuern.
Der Felsen ist noch weit, weit weg.
Aber wer sagt, dass mich ein plötzlicher Windstoß nicht doch ein bisschen schneller als gedacht,
in seine Richtung drücken wird?
Und dann werde ich unausweichlich zerschellen.
Aber ich will den Kurs nicht ändern.
Weil es bedeuten würde,
mein Schiff und meine Crew aufgeben zu müssen und zu verraten,
alle, die mir bisher treu zur Seite gestanden haben,
alles, was mich als Captain auf diesem Ozean ausmacht.

Alexander, das kann ich nicht.
Lieber gehe ich in Würde unter,
mit dem Wissen, alles versucht zu haben,
als meine Haut zu retten und dafür alles, was ich liebe und wofür ich lebe, aufzugeben.
Irgendwie geht es ja doch immer.

Man kann nicht alles haben,
das weiß ich jetzt.
Aber diese Erkenntnis kommt zu spät,
ich habe mich zu sehr daran gewöhnt,
dass doch alles irgendwie geht.

Ich weiß nicht, was man über mich sagen wird,
wenn ich raus bin.
Vielleicht, dass ich immer überall dabei war.
Dass ich immer da war.
Dass ich netter Mensch war.
Sowas in der Art.
Ich weiß nicht, ob es gut ist,
wenn es sowas über einen zu sagen gibt.

Sagt nicht besonders viel über meinen Charakter aus, nicht?
Das was ich mache sagt nichts darüber aus, was ich bin.
Und das Alexander,
das ist das wahrhaftig niederschmetternde Resume der ganzen Sache:
Egal, wie viel du ackerst,
es sagt am Ende nichts über dich aus.
Am Ende ist alles, was du getan hast, wertlos,
zumindest wenn es darum geht, was man für ein Mensch war.

Ganz ehrlich?
Das ist zu viel Deprimation für mich heute Abend.
Heute bin ich irgendwie ein bisschen hoffnungslos.
Tut mir Leid.
Heute Abend würde ich gern aussteigen.
Den Sprung ins kalte Wasser wagen,
runter von meinem Schiff in den Ozean,
mal sehen, wohin mich die Strömung so treibt.
Ich fühle mich so ohnmächtig.
Aber gleichzeitig hasse ich es, wenn andere, wie zum Beispiel meine Eltern,
anfangen, mich zu bevormunden,
weil sie merken, dass ich es nicht mehr auf die Reihe kriege.

Ich bin heute wirklich durch die Straßen gelaufen,
hab mir auf die Lippe gebissen, um nicht loszuheulen
und hab immer nur gedacht, dass ich vielleicht doch nicht so stark bin,
wie ich geglaubt hab.
Und dass ich eben doch nicht alles haben kann.
Und dann habe ich geweint.

Alexander, vielleicht liegt es auch nur an meiner momentanen Verfassung,
aber ich glaube,
ich werde aus dieser ganzen Geschichte,
aus meinem Leben,
wie auch immer es weitergeht,
als Wrack herausgehen.
Und gerade bin ich so von diesem Gedanken eingenommen,
dass es mir nicht mal etwas ausmacht.
Ich hab mich schon damit abgefunden, irgendwie.
Aber wie gesagt, das liegt vielleicht auch nur daran,
dass ich gerade echt ein bisschen komisch drauf bin.

Alexander, niemand kennt mich.
Du, der das hier liest, kennst zwar meine Gedanken,
aber nicht mein Leben und nicht mein Verhalten.
Du kennst mich nicht,
denn die Gedanken sind zwar ein Teil von mir,
aber nicht alles.
Und andersrum ist es genauso.
Die, die mein Leben und mich kennen,
kennen diese Gedanken nicht.
Ist wohl auch besser so.
Ich glaube, sie hätten sonst Angst.
Angst vor mir.
So wie ich gerade.

Aber, genau für den Fall, dass ich irgendwann meinen Hut nehmen muss,
schreibe ich.
Ich will, dass die Leute da draußen,
die nur mein Leben und mich kennen,
die Leute, die ich liebe,
auch die Möglichkeit haben,
meine Gedanken zu kennen.

Schreiben ist das, was mich am Leben erhält.
Klingt eine Spur zu hoch gegriffen,
aber ich glaube, am Ende sind Worte alles, was mir bleibt,
wird Schreiben meine Rettung sein.
Es ist nicht so, dass ich schreiben kann.
Jedenfalls würde ich das nicht behaupten.
Aber ich brauche es.
Ich muss meine Gedanken aufschreiben,
um mich zu sortieren,
um mich mit Dingen abzufinden
und klarzukommen.

Ich glaube, früher oder später ist man sowieso allein.
Weil alles vergänglich ist.
Alles.
Aber die Gedanken sind das,
was einem immer erhalten bleibt.

Zumindest hoffe ich das.

Alexander, es tut mir Leid,
dass du diese Tiraden über dich ergehen lassen musstest,
du bist gerade Zeuge einer eingehenden Analyse über den Zustand meiner selbst geworden
und die ist, naja, drücken wir es nett aus,
etwas genauer geworden,
als beabsichtigt.
Wenn du das hier noch liest,
dann tippe ich dir auf die Stirn und sage dir, dass du doch einen Knall hast
und wie du bloß dazu kommst,
deine wertvolle Zeit damit zu verschwenden,
die verrückten Gedankengänge eines kleinen Mädchens zu verfolgen.

Ich hab dich lieb, Alexander
und ich werde jetzt schlafen gehen,
morgen wartet die nächste Daily Challenge auf mich,
Jugend musiziert sowie Mathe verstehen und vermutlich noch irgendein Familienausflug.
Glaubst du, ich kann das schaffen?

Ich hoffe es.
Ich hoffe es wirklich.

Vielleicht ist Hoffnung alles,
was bleibt.
Alles, was mich noch antreibt,
das Ruder nicht aus der Hand zu geben.

Ich weiß es nicht.

♥ Deine Rebecca.

P.S.: Ich möchte, dass du weißt, dass mir weder dieser Brief noch seine Länge leidtut, sondern lediglich die Tatsache, dass du in die unangenehme Situation des Empfängers dieses unverständlichen Geschreibsels geraten bist. Dieser Brief ist eigentlich nicht für dich oder für sonstwen, sondern nur für mich.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Das ist, na ja, nicht schön, doch es ist sehr menschlich. Wie erträgst du das? Indem du dich versteckst oder? Du nimmst dir so viel vor, dass du alles vergisst, denke ich. wie war dein Geburtstag? Antwortest du auch auf Kommentare? Du wirst dir nicht das Leben nehemn, wir, deine Leser brauchen dich nämlichnund glaube mir, deine ganze Umgebung wäre deprimiert und sei es nur wege eines schlechten Gewissens, doch wer weiß, ob das nicht in Hass uschlägt und das macht keinen Spaß, glaube ich,a uch wenn du es nicht merkst. AUßerdem wirst du nie wieder Leben können, d hast d´nur dieses Mal. Was passiert, wenn du du selbst bisz?
LG
Emma-Lotte