Sonntag, 23. März 2014

Wenn ich könnte, 
würde ich mein ganzes Leben
nur noch in Zügen verbringen,
Alexander.

Einfach der Welt dabei zusehen,
wie sie draußen vorbeifliegt.
Ohne Ziel.
Nirgendwo ankommen müssen.
Immer weiter und weiter.

Mit Leuten ins Gespräch kommen.
Ihnen zusehen, wie sie ein- und wieder aussteigen.
Sie heimlich beobachten.
Oder ganz für sich bleiben.
Dazu die Verspätungen, die unfreundlichen Schaffner und die überteuerten Kaffees im BordBistro,
ohne die die Deutsche Bahn nicht mehr dieselbe wäre.

Vielleicht ist mein Leben auch eine einzige Bahnfahrt.
Leute kommen und gehen.
Und egal, was draußen passiert, irgendwann geht die Fahrt immer weiter.
Bisher ist noch niemand gekommen und hat meine Fahrkarte kontrolliert.
Ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, 
wo ich die habe.
Ich sitze einfach schon ewig in diesem Zug.
Wohin die Reise geht, kann ich nicht sagen.

Vielleicht steige ich einfach irgendwann aus,
wenn wir an einem kleinen niedlichen Bahnhöfchen in irgendeinem verschlafen Nest halten.
Oder in einem altehrwürdigen Gebäude, mit einer großen Uhr und genauso viel Tradition, wie die Stadt, in der es steht.
Oder in einem riesigen Glaskomplex, so durchsichtig und doch unübersichtlich, dass man meinen könnte, man befände sich im Zentrum einer riesigen  Metropole.

Ich weiß es nicht, Alexander.
Was ich aber weiß ist, dass ich morgen nicht aufstehen will.
Ich will diesen Tag nicht erleben.
Und den übermorgen auch nicht. 
Und den danach auch nicht.

Ich wünschte, mein Leben wäre eine Zugfahrt.

In neun Monaten ist schon wieder Weihnachten, Alexander.
Und in zehn werde ich 16.
Wie die Zeit vergeht.

Vielleicht ist es nur die Müdigkeit, 
aber vielleicht ist die Wirklichkeit genauso surreal, 
wie sie mir gerade vorkommt.
Ich werde es nie erfahren. 



P.S.: Als Uhrzeit müsste jetzt hier sowas wie 00:30 Uhr oder so stehen - aber mein Internet hat mir mal wieder den Dienst verweigert. Stell dir vor, dieser Brief wäre unter dem Umstand unendlicher Müdigkeit geschrieben worden. Guten Morgen, an dieser Stelle.

1 Kommentar:

Karls Sohn hat gesagt…

Und der Tag war siche rnicht so schlimm.. :-)

Ich hab dich mal in meiner Sidebar verlinkt.<3