Lieber Alexander.
Ich sitze im Schneidersitz am Küchentisch,
der Victoria's Secret Lipgloss (oder das?) von heute glitzert auf meinen Lippen
und mehr oder weniger neben mir sitzt meine Gastschwester und guckt einen kitschigen Film nach dem anderen.
Es ist Nikolaus, aber abgesehen von einem mit Lichtern überladenen Wohnzimmern und Keksen im Ofen ist von Weihnachten hier nicht so viel zu spüren.
Ja, Alexander, das Drei-Monats-Heimweh hat mich.
Und so sehr ich es auch hier liebe,
und so sehr ich mir nicht vorstellen kann,
irgendwann nicht mehr mit dem Skytrain nach Downtown Vancouver zu fahren
und dann, nach Stunden in dieser glitzernden Hochhauswelt, völlig erschöpft wieder zurück zu gondeln,
als meine Freunde mich gestern Nachmittag angerufen haben,
betrunken und out of alcohol (ja, ich bin jetzt zu faul, mich daran zu erinnern, wie man das am besten auf Deutsch sagt),
weil Florian "dich totaaaaaal vermisst, Rebecca",
glaub mir Alexander,
da wurde es mir wirklich warm ums Herz.
Ich fühl mich immer noch wie ich.
Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich nicht.
Aber jetzt gerade, um 20:40 Uhr oder 8:40 pm wie sie hier sagen,
fühl ich mich immer noch so klein wie ich mich schon immer gefühlt habe.
Ich bin bestimmt ein anderer Mensch geworden,
seit ich hier bin
und auch wenn sie hier so anders sind, als zu Hause,
irgendwie höre ich doch immer und immer wieder dieselben Geschichten,
von Vätern, die zu viel trinken,
von Kindern, die ihre Eltern nicht enttäuschen wollen,
von gebrochenen Herzen und unglücklichen Beziehungen,
nur, dass es hier noch viel viel schwieriger scheint,
wirklich glücklich zu sein.
Vielleicht irre ich mich, mit diesem Urteil,
bin vorschnell, kenne einfach nur die richtigen Leute nicht,
aber weißt du, Alexander,
seit ich hier bin, verstehe ich tumblr ganz anders.
Ich konnte mir nie vorstellen, dass all das,
was sie da schreiben, diese amerikanischen High School Teenager,
dass es wirklich so wahr ist,
ich konnte mir nicht vorstellen, dass...
Es einfach so ist.
Seit ich hier bin, weiß ich, dass es geht.
Beinah jeder, mit dem ich wirklich tiefgründigere Konversationen hatte,
hat sich beschwert, darüber, wie sehr hier alles dramatisiert wird,
wie sie hier über alles und jeden reden,
egal, was man macht.
Ich möchte lieber gar nicht wissen, was sie von mir denken, Alexander,
denn ich bin, wie gesagt, immer noch ich.
Und komischerweise bin ich hier vorwiegend mit Jungs befreundet,
womit ich kein Problem hab,
aber das bedeutet, dass ich öfter mal mit denen nach der Schule was mache
und natürlich versuche, meine Zeit gerecht aufzuteilen,
was wiederum bedeutet, dass ich jeden Tag mit jemand anderem was mache.
Nach hiesigen Kriterien gilt das vermutlich schon als schlampiges Verhalten,
aber wenn ich eine Sache hier gelernt hab,
dann, dass man diese Leute wirklich reden lassen muss - ich mein, sie kennen mich einfach nicht.
Neulich hab ich ein wirklich gutes Zitat gesehen, übersetzt ungefähr:
"Wenn du ein Problem mit mir hast, dann ruf mich an.
Wenn du meine Nummer nicht hast, kennst du mich nicht gut genug um ein Problem mit mir zu haben."
Nach kurzem Überfliegen meiner Sätze muss ich gestehen,
dass ich mich möglicherweise doch verändert habe,
meine Art, wie ich rede,
wie ich schreibe,
hat sich der Atemlosigkeit dieser Jugend angepasst,
die kaum noch Luft zu holen scheint,
und mit rotierenden Köpfen und rotierenden Herzen durch ein Leben stolpert,
über das sie schon längst die Kontrolle verloren zu haben scheint,
weil andere diktieren, wer du bist.
Ich sage "scheint", weil ich nicht hundertprozentig sicher sein kann,
dass das, was ich sehe, wirklich die kanadische Jugend ist.
Ich sage "scheint", weil ich sicher sein kann,
dass es nicht auf alle zutrifft, die hier leben.
Vielleicht ist es in Deutschland auch einfach nur so,
dass die verschiedenen Realitäten durch unsere unterschiedlichen Schultypen nicht so aufeinander prallen.
Aber hier, wo 2000 Schüler auf ein und dieselbe High School gehen,
sind die Differenzen zwischen den Popular Kids und den absoluten Losern von nahezu universalen Ausmaßen.
Hier sitzen tatsächlich das top durchgestylte Prada-Girl und der ich-lass-meine-Haare-wachsen-bis-zum-geht-nicht-mehr-und-ich-find-es-supercool-in-meine-Hosen-drei-Mal-reinzupassen - Nerd nebeneinander in einer Klasse.
Und vielleicht bin ich zu Hause in Deutschland auch in einer vollkommen realitätsfernen Welt aufgewachsen, aber so extrem hab ich das nicht erlebt.
Draußen ist Sturm, Alexander
und unten in meinem Zimmer wartet eine Gossip Girl - Folge auf mich.
Ich werde jetzt schlafen,
aber ich wünsche dir einen wundervollen Montagmorgen in Deutschland.
Ich schreibe dir.
♥ Deine Rebecca.
Ich sitze im Schneidersitz am Küchentisch,
der Victoria's Secret Lipgloss (oder das?) von heute glitzert auf meinen Lippen
und mehr oder weniger neben mir sitzt meine Gastschwester und guckt einen kitschigen Film nach dem anderen.
Es ist Nikolaus, aber abgesehen von einem mit Lichtern überladenen Wohnzimmern und Keksen im Ofen ist von Weihnachten hier nicht so viel zu spüren.
Ja, Alexander, das Drei-Monats-Heimweh hat mich.
Und so sehr ich es auch hier liebe,
und so sehr ich mir nicht vorstellen kann,
irgendwann nicht mehr mit dem Skytrain nach Downtown Vancouver zu fahren
und dann, nach Stunden in dieser glitzernden Hochhauswelt, völlig erschöpft wieder zurück zu gondeln,
als meine Freunde mich gestern Nachmittag angerufen haben,
betrunken und out of alcohol (ja, ich bin jetzt zu faul, mich daran zu erinnern, wie man das am besten auf Deutsch sagt),
weil Florian "dich totaaaaaal vermisst, Rebecca",
glaub mir Alexander,
da wurde es mir wirklich warm ums Herz.
Ich fühl mich immer noch wie ich.
Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich nicht.
Aber jetzt gerade, um 20:40 Uhr oder 8:40 pm wie sie hier sagen,
fühl ich mich immer noch so klein wie ich mich schon immer gefühlt habe.
Ich bin bestimmt ein anderer Mensch geworden,
seit ich hier bin
und auch wenn sie hier so anders sind, als zu Hause,
irgendwie höre ich doch immer und immer wieder dieselben Geschichten,
von Vätern, die zu viel trinken,
von Kindern, die ihre Eltern nicht enttäuschen wollen,
von gebrochenen Herzen und unglücklichen Beziehungen,
nur, dass es hier noch viel viel schwieriger scheint,
wirklich glücklich zu sein.
Vielleicht irre ich mich, mit diesem Urteil,
bin vorschnell, kenne einfach nur die richtigen Leute nicht,
aber weißt du, Alexander,
seit ich hier bin, verstehe ich tumblr ganz anders.
Ich konnte mir nie vorstellen, dass all das,
was sie da schreiben, diese amerikanischen High School Teenager,
dass es wirklich so wahr ist,
ich konnte mir nicht vorstellen, dass...
Es einfach so ist.
Seit ich hier bin, weiß ich, dass es geht.
Beinah jeder, mit dem ich wirklich tiefgründigere Konversationen hatte,
hat sich beschwert, darüber, wie sehr hier alles dramatisiert wird,
wie sie hier über alles und jeden reden,
egal, was man macht.
Ich möchte lieber gar nicht wissen, was sie von mir denken, Alexander,
denn ich bin, wie gesagt, immer noch ich.
Und komischerweise bin ich hier vorwiegend mit Jungs befreundet,
womit ich kein Problem hab,
aber das bedeutet, dass ich öfter mal mit denen nach der Schule was mache
und natürlich versuche, meine Zeit gerecht aufzuteilen,
was wiederum bedeutet, dass ich jeden Tag mit jemand anderem was mache.
Nach hiesigen Kriterien gilt das vermutlich schon als schlampiges Verhalten,
aber wenn ich eine Sache hier gelernt hab,
dann, dass man diese Leute wirklich reden lassen muss - ich mein, sie kennen mich einfach nicht.
Neulich hab ich ein wirklich gutes Zitat gesehen, übersetzt ungefähr:
"Wenn du ein Problem mit mir hast, dann ruf mich an.
Wenn du meine Nummer nicht hast, kennst du mich nicht gut genug um ein Problem mit mir zu haben."
Nach kurzem Überfliegen meiner Sätze muss ich gestehen,
dass ich mich möglicherweise doch verändert habe,
meine Art, wie ich rede,
wie ich schreibe,
hat sich der Atemlosigkeit dieser Jugend angepasst,
die kaum noch Luft zu holen scheint,
und mit rotierenden Köpfen und rotierenden Herzen durch ein Leben stolpert,
über das sie schon längst die Kontrolle verloren zu haben scheint,
weil andere diktieren, wer du bist.
Ich sage "scheint", weil ich nicht hundertprozentig sicher sein kann,
dass das, was ich sehe, wirklich die kanadische Jugend ist.
Ich sage "scheint", weil ich sicher sein kann,
dass es nicht auf alle zutrifft, die hier leben.
Vielleicht ist es in Deutschland auch einfach nur so,
dass die verschiedenen Realitäten durch unsere unterschiedlichen Schultypen nicht so aufeinander prallen.
Aber hier, wo 2000 Schüler auf ein und dieselbe High School gehen,
sind die Differenzen zwischen den Popular Kids und den absoluten Losern von nahezu universalen Ausmaßen.
Hier sitzen tatsächlich das top durchgestylte Prada-Girl und der ich-lass-meine-Haare-wachsen-bis-zum-geht-nicht-mehr-und-ich-find-es-supercool-in-meine-Hosen-drei-Mal-reinzupassen - Nerd nebeneinander in einer Klasse.
Und vielleicht bin ich zu Hause in Deutschland auch in einer vollkommen realitätsfernen Welt aufgewachsen, aber so extrem hab ich das nicht erlebt.
Draußen ist Sturm, Alexander
und unten in meinem Zimmer wartet eine Gossip Girl - Folge auf mich.
Ich werde jetzt schlafen,
aber ich wünsche dir einen wundervollen Montagmorgen in Deutschland.
Ich schreibe dir.
♥ Deine Rebecca.
3 Kommentare:
Ich hab zwar keine amerikanische oder kanadische High School erlebt, aber ich stimme dir zu. Es ist eine vollkommen andere Welt und man bekommt einen vollkommenden anderen Blick von der anderen Seite des großen Teichs auf seine Heimat, auf Deutschland, auf sein leben dort drüben, auf seine Freunde, auf sich selbst.... und ja ich glaubr schon, dass du dich veränderst, dass du an deinen Erfahrungen und dem Erlebten wächst. So eine Zeit im Ausland verändert einen und auch wen man mal ab und an sich nach dem gewohnten, nach der Heimat sehnt, es fällt schwer zurück zu gehen und wieder dort zu leben, wieder in dad Schema zu passen, dass die anderen von einem erwarten...ich jedenfalls habe mich damals in meinem Jahr sehr verändert und ich weiß, dass ich auch diesmal anders zurüxk kommen werde. Das isz nicht einfach, aber es gehört dazu....und dad was man an Erfahrungen sammelt macht einen reicher, man wächst daran und gibt einem einen neuen Blickwinkel auf die Dinge. Genieße es und erlebe es!
Und was die Jubgs angeht, ich bin auch allg mehr mit Jungs befreundet, nicht nur hier, sondern auch in Deutschland. Egal was die Leute sagen, die wirklich Freunde kennen einen....und das ist das was zählt, das Zitat isz einfach zu passend....icj hasse Leute die meinen etwas in meinem Leben zu melden zu haben, obwohl sie weder con ihm noch von mir eine Ahnung haben...auf die würd ich echt scheißen unf auf dereb Meinung auch...vielleicht sind wir dort in Deutschland durch mache Dinge verwöhnt, aber es ist Teil von uns, von unserem Leben und womöglich unserer Kultur. Im Gegenzug haben sie hier auch Parameter die für uns so erscheinen....that's life ;)
Saludos
María
Ich hab zwar keine amerikanische oder kanadische High School erlebt, aber ich stimme dir zu. Es ist eine vollkommen andere Welt und man bekommt einen vollkommenden anderen Blick von der anderen Seite des großen Teichs auf seine Heimat, auf Deutschland, auf sein leben dort drüben, auf seine Freunde, auf sich selbst.... und ja ich glaubr schon, dass du dich veränderst, dass du an deinen Erfahrungen und dem Erlebten wächst. So eine Zeit im Ausland verändert einen und auch wen man mal ab und an sich nach dem gewohnten, nach der Heimat sehnt, es fällt schwer zurück zu gehen und wieder dort zu leben, wieder in dad Schema zu passen, dass die anderen von einem erwarten...ich jedenfalls habe mich damals in meinem Jahr sehr verändert und ich weiß, dass ich auch diesmal anders zurüxk kommen werde. Das isz nicht einfach, aber es gehört dazu....und dad was man an Erfahrungen sammelt macht einen reicher, man wächst daran und gibt einem einen neuen Blickwinkel auf die Dinge. Genieße es und erlebe es!
Und was die Jubgs angeht, ich bin auch allg mehr mit Jungs befreundet, nicht nur hier, sondern auch in Deutschland. Egal was die Leute sagen, die wirklich Freunde kennen einen....und das ist das was zählt, das Zitat isz einfach zu passend....icj hasse Leute die meinen etwas in meinem Leben zu melden zu haben, obwohl sie weder con ihm noch von mir eine Ahnung haben...auf die würd ich echt scheißen unf auf dereb Meinung auch...vielleicht sind wir dort in Deutschland durch mache Dinge verwöhnt, aber es ist Teil von uns, von unserem Leben und womöglich unserer Kultur. Im Gegenzug haben sie hier auch Parameter die für uns so erscheinen....that's life ;)
Saludos
María
Ich war nie in Kanada/Amerika/etc. Aber ich glaube, ich würde mich auch nicht wohlfühlen. Ich finde die Deutschen Drama-Queen-Mädchen schon schlimm genug, ich weiß nicht, wie ich dann dort auf manche reagieren würde.
Ich finde, wir sind hier auf einem ähnlichem Weg, zumindest so wie ich es mir vrostelle. Naja, was solls.
Ich hoffe, du hast dennoch spaß und gute erlebnisse dahinten. Triff dich mit wem du dic treffen willst und nicht mit denen, die die leute da für richtig halten. Du hast eine gute Zeit verdient. Pass auf dich auf.
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