Montag, 11. März 2013

Lautlos die Flocken, überall.
In unseren Haaren, in unseren ausgestreckten Händen.
Hätten wir doch heute nur keine Schule gehabt.
Jammern über die Kälte und gleichzeitig Hoffnung auf mehr.
Damit es einen Sinn hat, irgendwie.

Nette Lehrer lassen uns eher gehen, für die verlorene Kultur dieser Stadt.
Ein paar hundert Kämpfer auf dem Marktplatz, trotzen der Kälte, dem Schnee.
Eine dreiviertel Stunde harren wir aus,
winken Freunden und Bekannten,
lächeln die Kälte weg,
bis unsere Füße nur noch Eisklötze sind
und selbst die heiße Schokolade nicht mehr hilft.

In der Kirche ist es nicht viel wärmer.
Zitternd stehen wir im Kreis, 
warten darauf, dass der Pastor fertig wird
und wir nach Hause können.
Seit zwei Stunden sind wir schon draußen, die Schuhe sind nass, alles ist kalt.
Der Bus kommt 18:39 Uhr.

Lieber Alexander,
wie schweigt man?
Wie schweigt man am besten, wenn es nichts zu sagen gibt und man doch so viel erzählen will?
Sophie und ich machen es immer so:

...

...

...

Schweigen in drei Punkten, damit der andere weiß, dass man trotzdem da ist.
Mitdenkt, mitfühlt, mitlebt.
Aber Schweigen in echt ist anders. Besser.
Schweigen in echt ist richtiger.
Drei Punkte.

Ich müsste jetzt schweigen,
ich schweige die ganze Zeit.
Nur, das würdest du nicht merken, wie auch?

Sophie und ich schweigen.
Und können uns trotzdem nicht geben, was wir brauchen.
Ein bisschen Halt, ein bisschen Sicherheit.
Trost.
Es macht mich traurig, ich weiß, was sie braucht und weiß gleichzeitig, dass ich ihr das nicht geben kann.
Nicht diese Art von Liebe.
Nicht dieses Gefühl, dass alles wieder gut werden wird, irgendwie.
Wir kriegen das schon hin.

Ich bin nur ihre beste Freundin.
Eine schlechte beste Freundin, mit Sicherheit.
Aber ich gebe mein bestes.
In Gedanken und mit all meiner Liebe bei ihr.
Auch wenn Worte nicht helfen.

Scheiß auf den Mathetest morgen, auf die Müdigkeit, den leichten Kopfschmerz.
Ist alles nicht wichtig.
Was ist wichtiger, als das Leben?
Ich hoffe, er ist bei dir, Sophie.
Ich hoffe, er tröstet dich.
Ich hoffe, er hält dich. 
Gibt dir das Gefühl, dass alles wieder gut werden wird, irgendwie.
Ihr kriegt das schon wieder hin.

Meine Unfähigkeit macht mich sprachlos.
Leise die Traurigkeit in mir. 
Es gibt keine Songs für dieses Gefühl.
Vielleicht bin ich ein Spießer, 
aber in solchen Momenten kann ich einfach nur Klaviermusik aus Filmen hören.
♪ "River Flows In You" - aus Twilight
Ruhig, unauffällig genug,
damit meine Gedanken nicht übertönt werden.

Er kann das, Sophie.
Er kann das so gut.

Vielleicht habe ich ihn deswegen geliebt.

Vielleicht ist es nicht wichtig, wie gut man mit jemandem reden kann.
Sondern wie gut man mit ihm zusammen schweigen kann.

Halb 11. 
Zu spät für alles und nichts.
Diesen Gedanken noch zu Ende, 
versprochen, dann schlaf ich.

Er und ich, wir konnten das.

Schweigen.

Wir haben einander beim Atmen zugehört.
Haben gehört, dass der andere da ist.
Haben geschwiegen.
Für manche Dinge gibt es keine Worte.
Für manche Dinge gibt es keine Tränen.
Manchmal kann man einfach nur Schweigen.

Ich vermisse es.
Unser Schweigen, das Rauschen in der Leitung.
Stille.
Es war eine wunderbare Stille.
In dieser Stille habe ich meine besten Gedanken gedacht.

Ich wünschte, du würdest mich irgendwann anrufen.
Nicht um mit mir zu reden.
Sondern um mit mir zu schweigen.
Weil wir das einfach am besten konnten.
Sicher, wir haben auch viel geredet.
Aber mit niemandem konnte ich schweigen wie mit dir.

Entschuldige das "du".
Ist mir so rausgerutscht.
Mit all meiner Liebe bei Sophie.
Mit meinem Herzen bei dir.
Mag sein, dass es falsch ist.
Es ist ganz sicher nicht richtig.
Aber ich kann es nicht ändern.

Nicht traurig, nicht wütend, nicht verzweifelt.
Nur allein.
Nicht einsam.
Nur allein.
Und schweigend.
Aber ohne dich macht es keinen Spaß.

Tut mir Leid, Alexander.
Das waren viel zu viele Worte über das Schweigen.
Ich habe versucht, etwas zu erklären, was man nicht erklären kann.


Wundervolle Träume an dich.

Und lass die Kälte nicht in dein Herz.


Rebecca
 



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