Dienstag, 23. April 2013

Lieber Alexander.

Aus meinem Leben gibt es gerade nicht viel neues zu berichten.
Alles läuft seinen gewohnten Gang. 
Alles wie immer. Alles super.
Die Sonne scheint, das Essen schmeckt. Das Lachen ist echt.
Es geht mir gut.
Würde ich sagen.

Der Sommer kommt.
Und mit ihm das Strahlen, auf unseren Gesichtern, in unseren Herzen.
Und wir lernen, die Leichtigkeit des Seins zu verstehen.

Ok, nein, natürlich ist nicht alles leicht.
Schule ist stressig, jeder Tag voll mit Terminen.
Wollt ihr beim Drachenbootrennen mitmachen? Klar, warum nicht, wird lustig.
An dem Tag ist auch noch Tanztheatervorstellung.
Kirchentage in Hamburg? Gerne doch.
Gleichzeitig fallen die Proben für's Tanztheater.

Du musst wissen, Alexander, ich lebe und sterbe für's Tanztheater.
Ich könnte nicht ohne.
Es ist ja weder Tanzen im Sinne von Ballett oder Hip-Hop noch Theater im Sinne von "Ich stehe auf der Bühne und lerne meinen Text auswendig".
Es ist einfach alles zusammen. Mit einer, wie ich finde, unglaublichen Ausdruckskraft.
Man kann mit Bewegungen, Mimik und einzelnen Wort- und Satzfetzen so viel mehr aussagen,
als mit einem langen Text.
Auf unsere Internetseite gibt's auch immer Trailer zu unseren aktuellen Produktionen,
aber wenn ich dir den Link schicken würde, wüsstest du, wo ich wohne
und Alexander, ich möchte dieses Drama nicht noch mal haben.
Eine Ladung heimlich geöffneter Briefe ist genug.
Kannst du das verstehen?

Und ich wache jeden Morgen von diesem schrecklichen Weckerpiepen auf,
mit dem Bedürfnis, mich sofort einfach nur wieder hinlegen und schlafen zu können.
Ich bin in eine Art Dauermüdigkeitszustand geraten.
Und jeden Morgen nehme ich mir vor, diesen Abend aber wirklich mal zeitig ins Bett zu gehen.
Und zwar wirklich wirklich.

Aber dann kommt noch mein Leben dazwischen.
Wenn ich erst abends um halb acht nach Hause komme,
weil ich endlich mit allem durch bin, was ich so zu erledigen habe,
an Terminen und dann noch was essen und Hausaufgaben und...
Dann wird es abends eben immer um elf. Um zwölf.
Nachts um halb eins.

Naja, genug gejammert.
Es ist leicht, zu meckern. Immer nur das Schlechte zu sehen.
Alexander, es ist so leicht.
Aber das will ich nicht. Immer nur jammern, verstehst du?
Alles hat seine gute Seite, irgendwo.
Und jeder Tag hat seine guten Momente.
Glaubst du nicht? Ich muss dich leider enttäuschen.
Ein Mensch lacht durchschnittlich... Ich wusste es mal. Jedenfalls oft am Tag.
Achte mal drauf, du wirst sehen.
Jeder Tag hat was gutes. Versprochen.
Ich glaube, wenn ich dir von meinen Sternstunden heute erzähle,
dann wirst du lachen.
Aber sie waren gut, also lass mich.
Lass sie mir, mach dich nicht drüber lustig, ja?

Als Julius und ich zusammen von der Schule nach Hause gefahren sind.
Dienstag, das ist manchmal unser Tag. Das ist manchmal echt gut.

Als Laura mich angerufen hat und wir zusammen einfach nur lachen konnten.
Und das, obwohl sie sich heute den Finger gebrochen hat.
Wir haben zusammen Diätpläne gemacht, damit wir nicht aus unseren Konfi-Kleidern platzen.
Wir waren der Meinung, zusammen ist es leichter.
Das heißt, bis in vier Wochen keine Schokolade mehr.
Kein Kuchen.
Keine Pizza, kein Döner.
Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.
Also Döner ok, den ess ich sowieso nicht so gern.
Aber ohne Schokolade?!?!
Glaubst du, dass ich das durchhalte, Alexander?
Ich meine, ich will doch nicht aussehen, wie eine Presswurst...

Als ich heute mit Felix geschrieben habe.
Haben wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr.
Es war schön.
Ich bin diejenige, die er mitten in der Nacht leicht angetrunken anruft.
Wenn er auf irgendwelchen Chor- oder Orchesterfahrten ist.
Und dann liege ich nachts um eins da, mit seiner Stimme in meinem Ohr.
Kämpfe gegen die Müdigkeit.
Und kann nicht anders, als lächeln.

Und... Ich glaube, jetzt wirst du lachen, Alexander, aber die Nacht ist heute schön.
Der Abend.
Ganz klar.
Die Luft ist ganz genau richtig kalt.
Ich liebe es.
Die Nacht ist meine Sternstunde, glaube ich.
Jeder sollte so eine Sternstunde haben, oder was meinst du?
Einen Moment, und wenn es nur der Bruchteil einer Sekunde ist,
in dem man lächelt.
Wegen ganz banaler Dinge.
Aber man lächelt.
Und das ist es, was zählt.
Das Lächeln.

Bitte entschuldige, dass dieser Brief schon wieder so lang geworden ist.
Ich habe irgendwie so viele Worte in mir.
Schlaf gut, ja?
Träum was Schönes.
Vom Sommer. Von einem riesiegen Schoko-Karamell-Eisbecher mit Streuseln UND Sahne.
Hach ja, du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich schon auf die Konfi freue.
Träum von einem Strand, irgendwo in der Südsee.
Träum von 33° im Schatten und von Cocktails.
Von deinen Lieblingsmenschen.

Weißt du was, heute schicke ich dir nicht das obligatorische Lächeln zum Schluss,
das kannst du natürlich auch haben, aber ich möchte dir eigentlich noch was anderes sagen.
Oder schreiben, je nach dem.

Ich will haben, was sich gut anfühlt. Und zwar für immer.

 Das ist Clueso.
Ich finde, Clueso hat immer Recht. Er ist großartig.

Und du auch, du natürlich auch.
Bitte vergiss dich nicht. ♥

Deine Rebecca

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