Montag, 29. April 2013

Lieber Alexander.
Ich weiß nicht, ich könnte dir viele Dinge schreiben, die so passiert sind, in den letzten zwei Tagen.
Denn es ist viel passiert.
Aber... Bitte nimm es mir nicht übel, mir ist heute nicht nach Reden.
Es geht mir gut, keine Angst.
Aber gerade heute habe ich so viel geredet.
Ich habe ziemlich funktioniert.
Ich meine, irgendwie müssen mir die Tränen, die ich für Mr. M geweint habe, ja auch mal nutzen.

Meine heutige Bilanz:
Ich habe jemandem das Sterben ausgeredet, für diese Nacht.
Ich habe jemanden ermutigt, nicht aufzugeben.
Ich habe versucht, mehreren Leuten das Gefühl zu geben, dass sie verstanden werden.
Dass sie etwas ganz besonderes sind und richtig und dass ich zu ihnen stehe, egal, was passiert.
Dass sie nicht allein sind.
Ich habe ein Versprechen gebrochen und meine Klappe gehalten.
Ich habe jemandem lange in die Augen gesehen, auf jemanden gewartet und mit jemandem Walzer getanzt.
Ich bin durch strömenden Regen gelaufen, ich habe Mathe nicht verstanden und festgestellt, dass ich Teil eines undefinierbaren Dinges geworden bin, das mehr als Freundschaft ist.
Ich habe mich erinnert und Klavier gespielt und dazu gesungen.
Ich war erbärmlich, berechenbar und fröhlich.
Ich habe gelebt.

Ich finde, leben kann ziemlich anstrengend sein.
Sicher, ich könnte dir noch viel erzählen.
Und das werde ich auch, versprochen.
Aber nicht heute.
Ich will mich nur ein bisschen anlehnen.
Ein bisschen Pause machen, runterkommen.
Müde werden und schlafen.
Ich will mich irgendwo zu Hause fühlen und nicht nur versuchen, allen eins zu sein.
Ich weiß nicht, wie oft ich heute zu jemandem gesagt habe, dass er wunderbar ist.
Einfach, weil ich finde, dass die Menschen viel zu vergesslich sind, was solche wichtigen Dinge betrifft.
Dann müssen sie eben dran erinnert werden.
Zu mir hat das heute niemand gesagt.

Das klingt jetzt so, als ob ich's nötig hätte, sowas zu hören.
Hab ich vielleicht auch, ich weiß es nicht genau.
Möglicherweise eventuell.
Vielleicht schreibe ich dir auch genau deswegen.
Nicht, damit ich sowas zu hören kriege, aber damit ich über sowas nachdenke.
Und... Oh man, findest du auch, dass das Leben kompliziert ist?
Wir könnten uns zusammen tun, heute Nacht.
Das Leben zusammen kompliziert finden.
Dann wären wir weniger allein.

Ich glaube, ich brauche jetzt ziemlich dringend jemanden zum Anlehnen.
Weißt du, früher, als ich noch klein war, hat mein Papa immer meine Hand gehalten,
wenn ich nicht einschlafen konnte.
Kannst du heute Nacht vielleicht meine Hand halten, bitte?
Wenn ich nämlich darüber nachdenke, was ich alles getan habe, für Menschen, die ich sehr lieb habe,
dann kann ich lächeln.
Und wenn ich dann an mich denke... Nein, ich will lieber gar nicht an mich denken.
Ich hab Angst, dass ich irgendwann nichts mehr zum Geben habe.
Und...
Ich glaube, für kleine Mädchen ist jetzt Schlafenszeit, was meinst du?
Bevor meine Gedankenmonster mich auffressen und ich nur noch ein Wortwirrwarr produziere,
das niemand versteht.

Schlaf gut, Alexander, ja?
Und bleib heute Nacht bei mir.
Ich will nicht alleine sein.

Deine Rebecca.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

du bist wunderbar!
fühl dich umarmt.<3

Anonym hat gesagt…

Du
bist
wunderbar

Anonym hat gesagt…

Und nicht alleine.