Samstag, 6. April 2013

Lieber Alexander.

Ich muss sagen, dass ich gerade außerordentlich erstaunt bin.
Heute (also Samstag) war ein wirklich guter Tag, ein wirklich sehr guter Tag.
Aber es ist nichts passiert, wenn du verstehst, was ich meine.
Keine Dramen, keine Tränen, keine Traurigkeit.
Rein gar nichts, was in irgendeiner Weise erwähnenswert oder interessant wäre.
Sophie und ich haben uns für ein Schulprojekt getroffen, was gut war,
weil wir nämlich ziemlich viel geredet haben.
Weißt du, ich glaube, eigentlich ist das Problem nicht,
dass wir nicht miteinander reden können,
sondern dass wir einfach nie wirklich Gelegenheit dazu haben.
Ziemlich traurig, wenn man die Zeit hochrechnet, die wir in der Woche gemeinsam verbringen.
Ich glaube, es sind gut 35 Stunden oder so.
Aber meistens ist das eben in der Schule und in der Schule sind immer alle glücklich.
Das ist einfach so, ist ja auch nicht schlimm. Aber zum Reden ist das einfach nicht so gut.
Ich muss sagen, ich bin froh, dass jetzt bald wieder Frühling ist.
Nicht nur wegen des Wetters und so.
Sondern auch, weil Sophie und ich dann wieder unsere Treppenstufen-Konversationen machen können,
ohne dass uns die Hände abfrieren.
Jeden Freitagnachmittag nach der Schule, oder besser,
wenn wir noch mindestens anderthalb Stunden nach Schulschluss in der Mensa rumgehangen haben
und uns wahrscheinlich mal wieder von den Jungs zu einer Runde Fußball haben überreden lassen,
fährt sie anstatt zu sich nach Hause noch einen kleinen Umweg mit in meine Straße.
Das kostet sie vielleicht zwei Minuten, also der Weg und deswegen macht sie das.
Und dann stehen wir da, vor meiner Haustür, die Fahrräder an die Wand gelehnt und reden.
Reden, reden, reden.
Stellen fest, überzeugen, schütteln ungläubig Köpfe.
Und irgendwann kommt dann der Moment, in dem wir uns auf die Stufen setzen.
Wir gehen niemals rein zu mir, egal wie kalt es ist.
Manchmal kommen meine Eltern und Geschwister aus der Tür und wenn sie uns dann da sitzen oder stehen sehen, dann fragen sie jedes Mal, ob wir nicht lieber reingehen wollen,
aber wir schütteln immer den Kopf.
Es ist nicht dasselbe.
Vor mehr als einem Jahr hat Sophie mich auf diesen Treppenstufen gefragt, ob es nicht sein kann, dass ich in Mr. M verliebt bin.
Vor etwas weniger als einem Jahr habe ich abgestritten, dass ich in Leon verliebt bin.
Vor ungefähr 10 1/2 Monaten habe ich ihr, glühend vor Aufregung von meinen Nächten mit Mr. M erzählt.
Und vor nicht mal einem dreiviertel Jahr habe ich neben ihr auf diesen Stufen gesessen und nicht verstanden, was es bedeuten würde, dass er nun nicht mehr für mich da sein würde.
Es ist verrückt, aber alle wichtigen Ereignisse meines Lebens habe ich glaube ich, mit Sophie auf den Treppenstufen vor meiner Haustür besprochen.
In letzter Zeit haben wir mehr über sie geredet, aber das ist schon ok so,
schließlich war lange genug ich diejenige, die ihre Probleme da ausgebreitet hat.

Weißt du, Alexander, ich habe mit ziemlich vielen Menschen gestern (also Samstag, mittlerweile ist es ja schon nach Mitternacht) geschrieben und geredet.
Die meisten kommen zwar aus meiner Klasse, aber ich hätte nicht gedacht, einmal so mit Lukas über die Liebe zu reden oder mit Gustav auch nur zu schreiben - immerhin ist er mein Ex, auch wenn's schon fast 3 Jahre her ist und es nicht zählt.
Irgendwie bin ich heute glücklich.

Alexander, heute Nacht habe ich Liebe zu verschenken.
Liebe, für jeden, der ein bisschen gebrauchen kann.
Eine Umarmung, ein Schweigen.
Heute Nacht ist mein Herz unendlich.
Ich will nicht, dass sich heute Nacht jemand in den Schlaf weinen muss,
dass jemand allein in einem dunklen Zimmer sitzt und sich einfach nur leer fühlt.
Alexander, bitte geh zu jeder einsamen Seele,
jedem verlorenen Herzen,
jedem weinenden Auge
und schenke ihnen allen ein kleines Licht, ein Lächeln.
Ein bisschen Wärme,
ein bisschen Liebe.
Alexander, sie sollen wissen, dass sie nicht allein sind.
Dass ich in Gedanken bei ihnen bin,
ihre Hand halte, sie in den Arm nehme, die Tränen abwische.
Und dass ich heute Nacht wach bleibe,
für sie alle.

Und wenn du schon mal dabei bist, Alexander,
dann bleib doch bitte bei Mirjam, ja?
Also, natürlich nur, wenn sie will.
Ich bin heute Nacht  mit meinem Herzen und in Gedanken bei ihr,
sag ihr das.

Bald gehen mir die Worte aus, Alexander,
bald gibt es in der deutschen Sprache keine größeren Worte mehr.
Dann muss ich mir wohl etwas Neues einfallen lassen.

Aber jetzt schlafe ich, Alexander
und träume, vom Sommer und von einer besseren Welt.
Ich verlass mich auf dich, mein Süßer,
mach es ordentlich.
Ich glaube, es gibt eine Menge trauriger Herzen zu trösten.

Guten Morgen ♥

Deine Rebecca

1 Kommentar:

M hat gesagt…

ich wünschte alexander würde die nächte bei dir verbringen und dir schöne worte zuflüstern. dir ein paar schöne träume einhauchen würde damit deine tage von ein paar magischen erinnerungen begleitet wären. ich drücke dich, dich und alexander.