Montag, 13. Mai 2013

Alexander. Och man.
Weißt du was? Ich glaube, ich bin heute depressiv.
Haha, denkst du jetzt, oder? Und dass ich Witze mache.
Stimmt leider nicht. Ich hab's gestern mal gegoogelt.
Genau zitieren kann ich's dir nicht, aber es war sehr... aufklärend, würde ich sagen.
Oh man, es tut mir Leid.
Ehrlich.
Weißt du, ich sitze hier. Und bin einfach nur leer.
Ich müsste noch für AWT morgen lernen, aber ich hab keine Lust.
Stattdessen schreib ich mit niemandem, obwohl alle online sind.
Und beiße mir dauernd auf die Lippe, weil meine Mascara nicht wasserfest ist.
Vorhin, ich bin nach Hause gekommen, es gab Abendbrot und ich bin in mein Zimmer gegangen,
hab ich die ganze Zeit total hysterisch vor mich hin gemurmelt:
"Ich will das nicht haben, ich will das nicht haben."
Ja, du darfst lachen, wenn du willst.
Ich hab mit mir selbst geredet und auch noch so etwas lächerliches gesagt.
Alexander, ich weiß nicht weiter.
Gestern war so ein perfekter Tag. Ich habe mit allen möglichen Leuten geschrieben.
Zum Beispiel mit Hannah, dem Mädchen, das mir sozusagen geholfen hat, die Sache mit Mr. M und Luise zu überleben. Und mit Lena. Und mit Sophie. Und mit Theo. Und mit Leon.
Und Mr. M höchstpersönlich.
Meinem Mr. M, ganz genau. Gestern war einfach in der Hinsicht ein guter Tag, weil... Ok, das klingt jetzt scheiße, aber ich hab überdurchschnittlich viel Liebe abbekommen.
Ja, man stelle sich vor, sowas gibt's.
Ich glaube, am erstauntesten war ich, als Mr. M meinte, ich wäre seine Nummer 1.1
Nach Sophie.

Und, ach vergiss. Ich kann heute mit niemandem reden.
Nicht mal mit dir.

___

Ok. Nein, warte. Warum habe ich angefangen, dir zu schreiben?
Einerseits für mich, ja. Aber andererseits auch für alle anderen, die das hier lesen wollen.
Und deswegen werde ich versuchen, es zu erklären.
Irgendwie.

Also, gestern war ein perfekter Tag. So einer, an dem alles war, wie es sein sollte, weißt du?
Ich weiß nicht, kennst du das Buch "Ein Tag ohne Zufall"? Das handelt von einem solchen Tag.
Naja, jedenfalls, Mr. M und ich haben erst wieder über Sophie geschrieben und irgendwann haben wir auch über andere Themen geschrieben und irgendwie....
Weißt du was, Alexander, wenn ich über Mr. M schreibe, dann vergesse ich, wie das mit der Traurigkeit ist, weil er mich glücklich macht und dann kann ich es dir nicht erklären und das ist nicht der Sinn dieses Briefes.

Wo war ich stehen geblieben?
Ah ja. Leere. Dunkelheit. Stille.
Ja, ich weiß, es ist immer dieselbe Leier. Aber es macht mich so fertig.
Der ganze Tag heute, ich habe nichts getan, außer geredet, gelacht und wieder geredet.
Und nicht einen Gedanken zu viel gedacht.
Naja, bis wir Konfi hatten. Da ging's nämlich darum, was wir beichten werden.
Und was das mit der Beichte überhaupt genau ist und so weiter.
Und plötzlich wusste ich ganz genau, was ich beichten wollte. Die anderen um mich rum haben sich gekniffen oder geschlagen, damit sie was zum Beichten haben.
Und ich saß nur da und dachte:

Ich habe sie im Stich gelassen.

Mehr nicht. Nur diese 6 Worte. Ich habe sie im Stich gelassen.
Als sie mich brauchte. Als sie mich mehr brauchte, a...


So. Da hat Mr. M mich angerufen. Und wir haben... keine Ahnung, zwei Stunden telefoniert? Oder noch mehr. Es tut mir Leid, Alexander, ich kann dir nichts mehr über Dunkelheit erzählen.
Ich kann dir nur sagen, wieso dieser Junge mich nicht loslässt:

Weil er immer genau dann zur Stelle ist, wenn ich ihn brauche.
Jedenfalls oft genug, dass ich mich wieder dran erinnere, wie es ist, wenn er einen mit trauriger Stimme fragt, warum man nicht glücklich ist.
Es ist verrückt, aber es ist so. 

Tut mir Leid, Alexander, dieser Brief ist so dermaßen wirr,
eigentlich genauso, wie mein Leben. 
Um das noch mal kurz festzuhalten: Erst war ich glücklich. Dann traurig. Jetzt bin ich wieder glücklich. 
Und jetzt muss ich schlafen, weil ich nämlich müde bin.
Und irgendwie einfach nur total durcheinander, von meinem echt komischen Leben.
Aber naja, macht nichts. Soll eine Nebenwirkung sein, hab ich mal gehört.
Dass man verwirrt ist, meine ich, nicht, dass das Leben komisch ist.
Das sowieso.
Ich verhedder mich in Worten, also bin ich jetzt lieber einfach still.
Träum uns weg, Liebster, irgendwohin, wo uns die Dunkelheit nicht findet, ja?
Und bleib dort. Und wenn es sicher ist, komm zurück und nimm mich mit dorthin.
Bitte.
Deine Rebecca.

1 Kommentar:

icecreamchoco hat gesagt…

duu kaansst sooo toooll schreeeibeeen!