Dienstag, 21. Mai 2013

Lieber Alexander.
Gestern hab ich noch geschrieben, dass ich glücklich werde, stimmt's?
Haha.
Ich glaube, ich hab mich ein bisschen verkalkuliert.
Nicht doll.
Aber manchmal passieren unvorhergesehene Dinge, weißt du.
Wie das Leben eben so ist.
Lass mir Zeit, ich krieg das schon auf die Reihe.
Aber heute muss ich noch mal nachdenken.
Über alles ein bisschen.
Wie's jetzt mit Mr. M weitergeht zum Beispiel. Was ich von Theo halten soll, nach dem, was er mir letzte Nacht alles geschrieben hat.
Und überhaupt.
Ich kann dir nicht sagen, wie froh ich bin, dir schreiben zu können, Alexander.
Denn weißt du, bei echten Menschen, spätestens nach zehn Sätzen habe ich das Gefühl, ihnen mit meinem Gejammer auf den Keks zu gehen und unterbreche mich selbst.
Um ehrlich zu sein, ich bin zu niemandem komplett ehrlich.
Als ich Sophie heute geschrieben habe, dass es mir alles überhaupt nicht wehtut, wie verrückt,
da habe ich ihr zum Beispiel verschwiegen, dass ich noch gestern Nacht seinetwegen ein bisschen weinen musste. Weil heute der 21. ist und so.
Alexander, sie kennen alle meine Hintergedanken nicht.
Hannah habe ich heute geschrieben, dass 1000 Mal lügen so viel leichter ist, als einmal die Wahrheit zu sagen. Und ich habe damit Mr. M gemeint. Wenn ich nur einmal wirklich ehrlich zu ihm wäre.
Ihm sagen würde, dass ich ihn liebe, immer noch.
Und ihn dann gehen lassen würde, du weißt schon, auf die Art und Weise, bei der man sich noch ein letztes Mal in die Augen sieht. So, dass der andere weiß, dass man ihn nie verlieren wollte. Und dass man ihn immer noch liebt. Und dass man immer da sein wird, egal, was passiert. Die Art, verstehst du?
Aber es war ein ganz anderer Zusammenhang und deswegen hat sie es nicht so verstanden.
Ich wähle meine Worte mit Bedacht, Alexander, immer.
Und warte auf den einen, der mich so durcheinander bringt, dass ich es für einen Moment vergesse.
Mich für einen Moment vergesse.
Und dann an ihn verliere.
Aber ich glaube, das wird noch dauern.
Denn da ist niemand, weißt du?
Niemand, der mir einfach nur zuhört, so wie er das immer gemacht hat.
Gott, wie ich ihn vermisse.
Und mir dann, wenn die Tränen kommen, sage, lächeln, Rebecca, lächeln.
Du wolltest doch glücklich sein. Ja, verdammt, wollte ich auch.
Aber ich vermiss ihn trotzdem.
Du hast ihn nicht verloren, sagen sie alle. Hab ich aber. Niemand kann das besser wissen, als ich.
Wenn ich nur einmal den Mut hätte, nur ein einziges Mal, ihm die Wahrheit zu sagen.
Ein letztes Mal.
Mit Effekt und Wirkung, weil die letzten Male immer Effekt und Wirkung haben.
Was meinst du, warum er Sophie erst beim Abschied sagen will, dass er sie liebt?
Bevor er für ein halbes Jahr nach Australien geht.
Aufgeben ist soviel leichter, als kämpfen.
Oh man, Alexander.
Macht nichts. Geht vorbei, irgendwann.
Unter Tränen ein Lächeln.
Ich wollte doch glücklich sein.
Und das werde ich auch.
Ich krieg das schon hin.
Die Tränen weggewischt, einmal schlucken.
I don't mind if you don't mind.

Mach dir keine Sorgen um mich, ja? Geht vorbei.
Geht alles vorbei. Morgen ist auch noch ein Tag.

Nimm du lieber all die anderen an die Hand, Alexander.
Die sich heute Nacht in den Schlaf weinen. Die nicht wissen, wohin mit sich.
Deren Gedanken am Tod kleben, die vergessen haben, wie glücklich sein geht.
Oder es nie wussten.



Alexander, nimm sie an die Hand.


Sieh jede Einzelne von ihnen an.
Auf diese Weise, wie sie es verdient hat, angesehen zu werden.


So ganz besonders.



Halt sie fest.




Gib ihr dieses Gefühl:





Dieses schweigende Verstehen.



Und sag ihr, dass sie nicht aufgeben soll,
diese Nacht.
Wisch ihr vorsichtig die Tränen von der Wange.
Erinner sie daran, wer sie ist.
Und dann nimm ihre Hand.
Halt sie fest, 
bis sie eingeschlafen ist.
Und zeig ihr in ihren Träumen 
den Weg aus der Dunkelheit.
Bleib für sie wach, Alexander.
Diese Nacht.
Bleib für sie wach.




Oh Alexander.
Der Regen trommelt gegen meine Fenster und um mich rum flackern lauter Kerzen.
Und Jason Mraz singt wieder, dass everything will be fine.
Und ich glaube ihm.
Heute Nacht glaube ich ihm.
Alles wird gut, weißt du das?
Aufgeben zählt nicht, so ist das nämlich.

Deine Rebecca.

P.S.: Und vergiss nicht: 
Hold Your Own.
Know Your Name.
And Go Your Own Way.
And Everything Will Be Fine.

everything





2 Kommentare:

Jenni hat gesagt…

Dein Blog ist ein Traum <3 wunderschöne Briefe die du da schreibst !!!

Liebe Grüße
http://meeintagebuch.blogspot.de/

Kleine Nervensäge hat gesagt…

All diese schönen Bilder. Ich würde es mit dir tun.
Ich würde dir zuhören, unser Schweigen genießen.
Ich würde deine Hand halten und dir das Gefühl geben nicht allein zu sein, denn das bist du nicht mehr.
Weißt du, deine Worte klingen so wundervoll.
Du bist eines der Mädchen die sich auch in den schlaf weinen, aber weißt du was. Es geht vorbei. Nicht heute oder Morgen, aber irgendwann ist wieder gut.

Ich kann dir auf die Mailadresse keine Nachricht schreiben, schreib du mir doch ruhig eine.
amyleerobin@gmx.de

Weißt du das Alter ist kein Problem, ich hab nur manchmal Angst, irgendwie zu krank zu wirken.
Weißt du wie ich das meine?

Ich mag dich... Fühl dich umarmt<3
Deine Amy