Vielleicht muss ich nochmal ein bisschen näher erläutern, was gestern Abend los war,
oder was meinst du, Alexander?
Weißt du, damals. Ok, was heißt damals. Vor fast einem Jahr.
So kurz ist das erst her.
Und es kommt mir vor, als wäre mein ganzes Leben in diesem einen Jahr gewesen - irgendwie ein beängstigendes Gefühl.
Jedenfalls, zu dieser Zeit war ich noch auf SchülerVZ und hab da sogar noch manchmal mit irgendwelchen Leuten geschrieben, aus meiner Klasse, Parallelklasse, ehemalige Klasse und so.
Ich kannte die alle zumindest vom Sehen her, ich bin einfach nicht der Typ, der Fremde addet um möglichst viele "Freunde" zu haben und im Endeffekt schreib ich mit denen gar nicht.
Naja, jedenfalls es gab da dieses Mädchen aus meiner Parallelklasse, Luise.
Sie hat mir eine Kontaktanfrage geschickt und ich hab angenommen und dann haben wir manchmal geschrieben. Was man eben so schreibt, wenn man noch nie vorher wirklich miteinander geredet hat.
So, wie geht's dir, was machst du gerade, was hast du noch vor, was hast du gemacht.
In der Hoffnung, dabei irgendwie auf ein gutes Gesprächsthema zu kommen.
Mir ging's zu der Zeit einfach nur richtig gut.
Bald Sommerferien, in unserer Klasse haben wir uns alle schön vertragen (was auch nicht so üblich war, damals) Mr. M und ich waren mehr als beste Freunde, aber nicht zusammen und tja.
Es sollte der Sommer meines Lebens werden, nichts stand dem im Weg.
oder was meinst du, Alexander?
Weißt du, damals. Ok, was heißt damals. Vor fast einem Jahr.
So kurz ist das erst her.
Und es kommt mir vor, als wäre mein ganzes Leben in diesem einen Jahr gewesen - irgendwie ein beängstigendes Gefühl.
Jedenfalls, zu dieser Zeit war ich noch auf SchülerVZ und hab da sogar noch manchmal mit irgendwelchen Leuten geschrieben, aus meiner Klasse, Parallelklasse, ehemalige Klasse und so.
Ich kannte die alle zumindest vom Sehen her, ich bin einfach nicht der Typ, der Fremde addet um möglichst viele "Freunde" zu haben und im Endeffekt schreib ich mit denen gar nicht.
Naja, jedenfalls es gab da dieses Mädchen aus meiner Parallelklasse, Luise.
Sie hat mir eine Kontaktanfrage geschickt und ich hab angenommen und dann haben wir manchmal geschrieben. Was man eben so schreibt, wenn man noch nie vorher wirklich miteinander geredet hat.
So, wie geht's dir, was machst du gerade, was hast du noch vor, was hast du gemacht.
In der Hoffnung, dabei irgendwie auf ein gutes Gesprächsthema zu kommen.
Mir ging's zu der Zeit einfach nur richtig gut.
Bald Sommerferien, in unserer Klasse haben wir uns alle schön vertragen (was auch nicht so üblich war, damals) Mr. M und ich waren mehr als beste Freunde, aber nicht zusammen und tja.
Es sollte der Sommer meines Lebens werden, nichts stand dem im Weg.
Dachte ich.
Und eines schönen Tages Anfang Juni, Luise und ich waren gerade wieder dabei, die üblichen Floskeln abzuklappern, gab es in meinem Leben eine entscheidende Wendung.
Luise ging es nämlich nicht gut. Und ich, naiv und jung und von nichts ne Ahnung, wollte sie trösten.
Luise ging es nämlich nicht gut. Und ich, naiv und jung und von nichts ne Ahnung, wollte sie trösten.
Sie war in einen verknallt gewesen, der eine Stufe über uns ist. Und irgendwie hat er sie sitzen lassen oder so, genau hab ich das nie erfahren, jedenfalls ging's ihr scheiße. Liebeskummer, hab ich gedacht.
Das geht vorbei, warum versuchst du nicht, sie ein bisschen aufzumuntern?
Gesagt, getan.
Gesagt, getan.
Und wir haben geschrieben und sie hat mir ein bisschen davon erzählt.
Dann musste ich off. Keine Ahnung, damals haben meine Eltern noch mehr darauf geachtet, dass ich zu halbwegs vernünftigen Zeiten schlafe.
Und habe den ersten größten Fehler meines Lebens begangen.
Ich hab ihr meine Handynummer gegeben.
Wenn was ist, schreib mir, hab ich gesagt. Und dann bin ich ins Bett gegangen.
Am nächsten Tag ging's ihr wieder nicht gut, also hat sie mir geschrieben. Und ich habe wieder versucht, sie zu trösten, irgendwie. Liebeskummer, habe ich gedacht, das braucht eben manchmal Zeit.
Aber als sie nichts, wirklich gar nichts aufheitern konnte, hatte ich eine bessere Idee.
Und habe den zweiten größten Fehler meines Lebens begangen.
Ich habe ihr Mr. M's Nummer gegeben.
Jap. Seine Nummer. Er kann ihr sicher helfen, hab ich gedacht. Wobei, ehrlich gesagt, ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich ihm nicht auch ihre Nummer gegeben habe.
Keine Ahnung.
Mr. M und ich... Alexander, ich kann dir ehrlich gesagt nicht erklären, warum wir nicht zusammen waren.
Mr. M und ich... Alexander, ich kann dir ehrlich gesagt nicht erklären, warum wir nicht zusammen waren.
Wir haben lange darüber geredet. Und sind dann irgendwie zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht wissen, was sich alles ändern würde, wenn wir zusammen kommen.
Bei uns an der Schule ist das immer so, es wird drüber geredet, es werden Wetten über die Haltbarkeit der Beziehung abgeschlossen, die Erwartungen sind hoch.
Küssen sie sich, küssen sie sich nicht. Alle zerreißen sich die Mäuler darüber.
Küssen sie sich, küssen sie sich nicht. Alle zerreißen sich die Mäuler darüber.
Ich muss ehrlich sagen, ich bin da keine Ausnahme.
Aber Mr. M und ich wollten das nicht riskieren. Wir fanden es gut, so wie wir waren.
So, dass es fast nur wir beide wussten. Und unsere besten Freunde.
Und naja, wir haben einfach gesagt, so, wie wir sind, sind wir schon gut. Besser geht es nicht.
Warum das alles vielleicht kaputt machen, uns der Öffentlichkeit aussetzen.
Lassen wir's so, wie es ist.
Und damit war das geklärt. Darum waren wir nie zusammen.
Aber weißt du, Alexander, irgendwann im Mai vor einem Jahr.
Da hat er mir ins Ohr geflüstert, dass er mich liebt. Und dass er niemals aufhören wird.
Du und ich, hat er gesagt. Bis zum Tod.
Und ich habe ihm geglaubt. Bis zum Tod, habe ich leise gesagt.
Und er hat genickt und es noch mal wiederholt.
Und er hat genickt und es noch mal wiederholt.
Bis zum Tod.
Lach ruhig, Alexander, ich weiß, wie lächerlich es von mir war, das zu glauben.
Aber mein Gott, ich hatte vergessen, dass wir erst 13 waren und das Leben noch lang.
Aber mein Gott, ich hatte vergessen, dass wir erst 13 waren und das Leben noch lang.
Und ich hatte keine Ahnung. Ehrlich.
Ich war jung und naiv und unerfahren und verträumt.
Ich hatte keine Ahnung, wie das im Leben läuft. Ich habe wirklich geglaubt, dass alles gut werden würde.
Ich hatte keine Ahnung, wie das im Leben läuft. Ich habe wirklich geglaubt, dass alles gut werden würde.
Und zwar wirklich. Ich war überzeugt davon.
Und dann...
Es war kurz vor den Sommerferien. In der letzten Schulwoche haben er und ich irgendwie nicht so viel miteinander geredet, wie sonst, aber ich hab mir nichts dabei gedacht.
Er war mit Luise beschäftigt, logisch, jemandem das Gefühl zu geben, dass er etwas wert ist, kann manchmal etwas Zeit in Anspruch nehmen.
Und was sollte uns schon passieren? Wir beide, er und ich.
Sophie hat immer gesagt, wir wären das perfekte Traumpaar gewesen. Sagt sie noch heute. Aber ok, sie weiß ja auch nicht, wie es um seine Gefühle für sie bestellt ist - noch nicht.
Und dann kam der Donnerstag. Donnerstag vor den Ferien.
Irgendwie wurde mein Leben bisher immer an Donnerstagen entschieden.
Ich weiß nicht, wieso. Aber alle wichtige Dinge sind an einem Donnerstag passiert, hier eine kurze Auswahl der Ereignisse:
- Ich habe an einem Donnerstag mit meinem ersten Freund Schluss gemacht. Und es noch zwei Jahre danach bereut.
- Meinen ersten richtigen Kuss habe ich auch an einem Donnerstag bekommen.
- Meine Eltern haben mich an einem Donnerstagabend beiseite genommen, um mir zu sagen, dass sie sich wahrscheinlich bald trennen - ist mittlerweile schon ein halbes Jahr her und noch nichts ist passiert.
- Mr. M und ich haben uns an einem Donnerstag kennengelernt.
- Ich habe ihn und mit ihm alles, was ich war, an einem Donnerstag verloren.
Wir haben uns nachmittags getroffen, es war zwar anders als sonst, aber ich habe das nicht so wirklich realisiert. Aus dem einfachen Grund, dass ich so sehr damit beschäftigt war, mich zu fragen, wie ich es nur sechs Wochen ohne ihn aushalten sollte. Ich wusste nicht, wie ich mich verabschieden sollte.
Also habe ich ihn abends nochmal angerufen, um das Schuljahr, unser Schuljahr, zu krönen und mich von ihm zu verabschieden. Hätte ich gewusst, dass es auf ein Abschied für immer werden würde von ihm, von uns, von allem, was ich einst gewesen war, ich hätte meine Worte sorgfältiger gewählt.
Vielleicht hätte ich ihn gebeten, zu bleiben. Mir das nicht anzutun.
Vielleicht hätte ich ihm noch ein letztes Mal gesagt, dass ich ihn liebe.
Und dass ich niemals aufhören werde, niemals.
Dass er der Beste ist. Irgendwie sowas.
Aber ich hätte ihn nicht einfach gehen lassen. Nicht so, wie ich es getan habe.
Und zwar auf eine echt unspektakuläre Weise.
Er hat irgendwann einfach "Ich hab dich lieb" gesagt.
Und ich hab mir nichts gedacht, weil es bei uns so üblich war, "ich hab dich lieb" zu sagen und eigentlich "ich liebe dich" zu meinen. Und habe gesagt, dass ich ihn auch lieb habe.
Und ich hab mir nichts gedacht, weil es bei uns so üblich war, "ich hab dich lieb" zu sagen und eigentlich "ich liebe dich" zu meinen. Und habe gesagt, dass ich ihn auch lieb habe.
Und dann hat er etwas gesagt, was ich niemals vergessen werde.
Nein, ich hab dich lieb, verstehst du? Ich hab dich lieb.
In diesem Moment ist mir der Unterschied deutlicher bewusst geworden, als jemals zuvor.
Und ich habe einfach geschwiegen. Aber nicht, wie sonst immer.
Nicht, weil ich mit meinem Schweigen die Dinge gesagt habe, die ich nicht in Worte fassen konnte.
Sondern einfach, weil ich sprachlos war, wortlos.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
Wir haben danach noch weitergeredet, an diesem Abend. Ich habe ihm sogar vorgeschlagen, dass wir ja Freunde bleiben könnten. Und er schien so glücklich darüber. Und nicht nur darüber, einfach über alles, mir das endlich gesagt zu haben und dass am nächsten Tag Sommerferien waren. Deswegen war ich einfach auch glücklich. Es war leichter, glücklich zu sein.
Was dieses "Ich hab dich lieb" für ihn und mich bedeuten würde, darüber habe ich nicht nachgedacht, an diesem Abend. Und auch sonst über nichts.
Was dieses "Ich hab dich lieb" für ihn und mich bedeuten würde, darüber habe ich nicht nachgedacht, an diesem Abend. Und auch sonst über nichts.
Es schien jetzt einfach so zu sein. Und dass ich daran nichts ändern könnte.
Dass das alles nicht mehr in meiner Macht lag.
Ich habe auch nie nach den Gründen gefragt. Irgendwann im Laufe der Monate hat sich in meinem Kopf eine Vermutung festgesetzt. Aber es kam einfach nie in Frage für mich, auch noch eine genaue Erklärung von ihm zu fordern - oder ich wollte es mir selbst nicht antun. Niemand hört gern, wie und warum er versagt hat, oder?
Ich glaube, ich würde mich in meinen Worten und Gedanken verstricken, wenn ich versuchen würde, die Sommerferien zu erklären.
Fakt ist, Luise, Mr. M und ich, wir waren ein ziemliches Psycho-Dreieck.
Und hätte einer von uns die Nerven verloren, wir hätten es alle drei nicht überlebt.
Ohne Scheiß.
Luise war depressiv. Es hat mich viel Zeit und all meine Kraft gekostet, bis ich das festgestellt habe.
Lach nicht, Alexander. In meiner Welt ist es nicht üblich, Sterben zu wollen.
Lach nicht, Alexander. In meiner Welt ist es nicht üblich, Sterben zu wollen.
Sich zu ritzen, oder zu sagen, dass das Leben keinen Sinn mehr hat.
Niemand aus meiner Familie hat das je gesagt. Und aus meinem Freundeskreis auch nicht.
Jedenfalls nicht ernst.
Jedenfalls nicht ernst.
Woher zum Teufel sollte ich also wissen, dass ich ihr nicht helfen konnte?!
Und das niemals gekonnt hätte, weil man wirkliche Depression nicht einfach mal eben so "heilen" kann, schon gar nicht, wenn man keine Ahnung hat und allein ist.
Jeden Tag, Alexander. Rund um die Uhr.
"Ich muss sterben, Rebecca."
"Niemand liebt mich."
"Niemand liebt mich."
"Heute Nacht werde ich es tun, ich hol die Klingen und dann geh ich runter zum See, das ist der schönste Ort zum Sterben."
"Wird mich doch eh keiner vermissen, wenn ich weg bin, es ist alles so sinnlos hier."
Ich habe ihr alles gegeben, was ich zu geben hatte.
Habe es für sie gegeben. Und für Mr. M.
Es war niemals genug, Alexander.
Für ein paar Stunden hat es vielleicht gereicht.
Manchmal schien sie glücklich.
Aber genau diese Stunden wurden für mich dann zur Hölle.
Weil sie nämlich anfing, mir zu erzählen, wie wunderbar Mr. M doch sei.
Und dass sie "ihren Schatz" über alles lieben würde und dass er einfach nur der Beste sei.
1 Kommentar:
Es war so schlimm für dich ich verstehe das ich hoffe echt für dich das sich alles zu guten wendet. :*
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