Lieber Alexander.
Strahlender Sonnenschein und warm und dann auch noch der Geburtstag der besten Freundin.
Glaub mir, es gibt nur wenig, was schöner ist,
für mich zumindest.
Ich denke, ich werde morgen Abend ein bisschen erzählen,
wie's war, aber versprechen will ich nichts.
Und auch wenn das jetzt echt unglaublich peinlich ist,
aber ich hab bisher immer noch nicht rausgekriegt,
was das Problem mit den Kommentaren ist,
weswegen ich weder antworten noch sonst was schreiben kann.
Das tut mir wirklich Leid.
Aber diejenigen, deren E-Mail Adresse ich habe, sollten in den nächsten Tagen vielleicht mal einen Blick in ihr Postfach werfen ;)
Die "Geschichte" von Jakob und mir.
Jakob und ich waren in der Grundschule in derselben Klasse. Früher war er manchmal ziemlich aggressiv und ich war schon immer ziemlich klein und... Naja, er hat sich gerne gekloppt, um es so auszudrücken und manchmal waren auch wir Mädels nicht sicher vor ihm. Keine Ahnung, wie oft ich mich mit ihm in der Wolle hatte, ziemlich oft auf jeden Fall. Und er war größer als ich und stärker und kneifen konnte er - jedes Mädchen wäre neidisch gewesen. Damals in der Grundschule mochte ich ihn nicht. Gewalt war noch nie so mein Ding und er hatte ganz offensichtlich auch was gegen mich. Außerdem konnte ich mit den Dingen, die er mochte, nie so wirklich was anfangen. Sein Vater ist Jäger und er durfte schon damals manchmal mit auf Jagd. Oder "Jacht" wie er immer gesagt hat. Und in der Schule hat er immer damit angegeben, wie er irgendwelche Enten mit seinem Luftgewehr abgeballert hat und so. Es waren Horrorvorstellungen, auch wenn die ganze Angelegenheit in Wirklichkeit bestimmt nicht mal halb so schlimm waren, wie ich dachte.
Und er hat leidenschaftlich Fußball gespielt, auch wenn er nie verlieren konnte. Und er mochte James Bond.
Damals hatte ich nur eine ungefähre Ahnung, was das war, weil ich keine großen Geschwister habe und meine Eltern in dieser Hinsicht wirklich auf mich aufgepasst haben, Krimis und Agentenfilme habe ich zum ersten Mal mit 11 gucken dürfen. Jedenfalls, wann immer er erzählte, dass er mit seinen großen Brüdern am vorherigen Abend einen James Bond Film geguckt habe und wie alle rumgeballert hätten und er dann von ganz oben irgendwo runtergesprungen sein (also James Bond), bin ich schnell woanders hingegangen und habe mir im Stillen vorgenommen, diese schrecklichen Filme niemals anzugucken. Ironie des Schicksals, dass James Bond heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört, oder?
Nach der vierten Klasse trennten sich unsere Wege, er ging auf das Sportgymnasium in unserer Stadt und ich auf das Musikgymnasium. Und dann habe ich zwei Jahre lang nichts von ihm gehört.
Bis ich in der siebten Klasse mit Konfiunterricht anfing. Ich hatte nicht erwartet, dass er kommen würde und war dementsprechend überrascht. Und es passierte auch nicht viel. Er war mal da, mal nicht. Wenn er da war, haben wir höchsten ein oder zwei mal geredet. Und in der achten Klasse wurden dann die Gruppen geteilt und er kam in die, in der ich nicht war. Auf der Konfi-Fahrt hing er die ganze mit den Betreuerinnen rum, Mädchen von meiner Schule, die jetzt alle 11. sind.
Er und ich hatten einfach nichts miteinander zutun und das war auch ok.
Bis zur Konfi. Als ich am Sonntagmorgen ins Gemeindehaus der Kirche ging, weil wir uns da treffen wollten, bevor wir alle zusammen in die Kirche gehen wollten, waren da noch nicht sehr viele von den anderen. Nur eben Jakob und Lukas, Felix und noch ein oder zwei andere, wer genau, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls, ich kam so durch die Tür, die Jungs alle in Anzügen (und mein Gott, die sahen alle so erwachsen aus und Jakob ist gewachsen, also jetzt noch größer, als er ohnehin schon immer war und heilige Scheiße, er sieht wirklich gut aus) und dachte noch, na toll, als einzige hier unter Jungs. Und nachdem wir uns alle begrüßt hatten, meinte Jakob plötzlich: "Du siehst echt süß aus, in dem Kleid." Keine Ahnung, ob ich rot geworden bin, aber bestimmt. Irgendwie bin ich immer das kleine süße Mädchen, egal worum's geht, frag mich bitte nicht, woher ich dieses Image hab. Und ich meine, sooo ein besonderes Kompliment ist das jetzt auch nicht und alles - aber du musst wissen, ich bekomm selten Komplimente und noch seltener von Jungs. Das ist nicht schlimm, aber es macht diesen Satz eben besonderer, noch dazu weil er von dem Jungen kam, der mir früher immer an den Haaren gezogen hatte.
Dann, einige Wochen später, mittlerweile hatten wir keinen Konfiunterricht mehr sondern JG (Junge Gemeinde) haben wir ein Fang-Spiel gespielt. Lach nicht, wir sind so. Wir rennen auch noch mit vierzehn und in Ballerinas um die Kirche. Es war lustig, das kannst du mir glauben und ich habe mich mit dem Sohn meiner Französischlehrerin angelegt und wir haben uns ziemlich gehauen xD Und gerade als ich loslaufen und jemanden fangen wollte, stand plötzlich Jakob hinter mir. In diesem Spiel geht es darum, die gegnerische Mannschaft davon abzuhalten... Die Regeln sind wirklich kompliziert, jedenfalls, man muss manchmal auch jemanden festhalten. Und was macht also Jakob? Hebt mich von hinten hoch und wirbelt mich im Kreis, lange, lange, lange und ich frag mich noch, ob ich ihm nicht zu schwer bin. Da stellt er mich wieder auf die Füße, lässt mich aber nicht los, sonder fragt sicherheitshalber noch mal nach, ob ich sicher stehe. Das ist mir noch nie passiert. Und ich war so überrascht, dass ich einfach nur nicken konnte.
Manchmal bin ich ziemlich komisch.
Und dann... letzten Freitag, also am 12. Juli, als wir wieder zu Hause waren, bin ich auf Skype und wer war da? Jakob. Nichts besonderes eigentlich, aber wir hatten bis zu dem Zeitpunkt noch nie miteinander geschrieben, wir hatten irgendwie nie einen Grund dazu. Aber in dieser Nacht hab ich ihn einfach mal angeschrieben. Es war sonst nur Sophie online und anfangs noch Gustav. Und er hat, oh Wunder, zurückgeschrieben. Und an jeden seiner Sätze einen Zwinker-Smiley drangehängt. Und dann ist etwas mit mir passiert. Ich habe zurückgezwinkert.
Mein Problem ist immer, alle kennen mich schon seit Ewigkeiten. Und sie kennen mich als die stille Rebecca. Aber das war nicht immer so. Eigentlich war ich mal wirklich selbstbewusst. Und wusste, was ich will.
Dieses Selbstbewusstsein ist mir irgendwann im letzten Jahr abhanden gekommen - bis zu dieser Nacht.
Ich war völlig nicht ich, wie ich sonst bin. Aber ich mochte das. Die Rebecca, die ich in dieser Nacht war.
Und was noch erstaunlicher war: Jakob wollte über mich reden. Noch so eine Sache, die mir mit anderen als Sophie und Laura und manchmal Mr. M und Leon nie, nie, nie passiert. Ich rede einfach nicht über mich.
Sonst müsste ich dir wahrscheinlich nicht schreiben, Alexander.
Jedenfalls, Jakob hat nicht aufgehört zu drängeln, bis er mich so weit hatte, dass ich ihm gesagt habe,
dass es über mich nichts zu erzählen gibt und ich wirklich langweilig bin.
Ich wollte ihm nicht mit der Tür ins Haus fallen und von Mr. M und Luise und der Dunkelheit anfangen - er ist so jemand, der sicher gut zuhören kann. Aber nur, wenn man ihm wirklich wichtig ist. Sonst ist seiner Meinung nach Party die beste Medizin.
Alexander, ich war glücklich, in dieser Nacht.
Wirklich glücklich.
Jakob und ich, wir haben keine Geschichte.
Aber man soll niemals nie sagen.
Ich halte dich auf dem Laufenden, versprochen.
Und bitte entschuldige, dass der Text so furchtbar lang geworden ist.
Bis bald,
deine Rebecca.
Strahlender Sonnenschein und warm und dann auch noch der Geburtstag der besten Freundin.
Glaub mir, es gibt nur wenig, was schöner ist,
für mich zumindest.
Ich denke, ich werde morgen Abend ein bisschen erzählen,
wie's war, aber versprechen will ich nichts.
Und auch wenn das jetzt echt unglaublich peinlich ist,
aber ich hab bisher immer noch nicht rausgekriegt,
was das Problem mit den Kommentaren ist,
weswegen ich weder antworten noch sonst was schreiben kann.
Das tut mir wirklich Leid.
Aber diejenigen, deren E-Mail Adresse ich habe, sollten in den nächsten Tagen vielleicht mal einen Blick in ihr Postfach werfen ;)
Die "Geschichte" von Jakob und mir.
Jakob und ich waren in der Grundschule in derselben Klasse. Früher war er manchmal ziemlich aggressiv und ich war schon immer ziemlich klein und... Naja, er hat sich gerne gekloppt, um es so auszudrücken und manchmal waren auch wir Mädels nicht sicher vor ihm. Keine Ahnung, wie oft ich mich mit ihm in der Wolle hatte, ziemlich oft auf jeden Fall. Und er war größer als ich und stärker und kneifen konnte er - jedes Mädchen wäre neidisch gewesen. Damals in der Grundschule mochte ich ihn nicht. Gewalt war noch nie so mein Ding und er hatte ganz offensichtlich auch was gegen mich. Außerdem konnte ich mit den Dingen, die er mochte, nie so wirklich was anfangen. Sein Vater ist Jäger und er durfte schon damals manchmal mit auf Jagd. Oder "Jacht" wie er immer gesagt hat. Und in der Schule hat er immer damit angegeben, wie er irgendwelche Enten mit seinem Luftgewehr abgeballert hat und so. Es waren Horrorvorstellungen, auch wenn die ganze Angelegenheit in Wirklichkeit bestimmt nicht mal halb so schlimm waren, wie ich dachte.
Und er hat leidenschaftlich Fußball gespielt, auch wenn er nie verlieren konnte. Und er mochte James Bond.
Damals hatte ich nur eine ungefähre Ahnung, was das war, weil ich keine großen Geschwister habe und meine Eltern in dieser Hinsicht wirklich auf mich aufgepasst haben, Krimis und Agentenfilme habe ich zum ersten Mal mit 11 gucken dürfen. Jedenfalls, wann immer er erzählte, dass er mit seinen großen Brüdern am vorherigen Abend einen James Bond Film geguckt habe und wie alle rumgeballert hätten und er dann von ganz oben irgendwo runtergesprungen sein (also James Bond), bin ich schnell woanders hingegangen und habe mir im Stillen vorgenommen, diese schrecklichen Filme niemals anzugucken. Ironie des Schicksals, dass James Bond heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört, oder?
Nach der vierten Klasse trennten sich unsere Wege, er ging auf das Sportgymnasium in unserer Stadt und ich auf das Musikgymnasium. Und dann habe ich zwei Jahre lang nichts von ihm gehört.
Bis ich in der siebten Klasse mit Konfiunterricht anfing. Ich hatte nicht erwartet, dass er kommen würde und war dementsprechend überrascht. Und es passierte auch nicht viel. Er war mal da, mal nicht. Wenn er da war, haben wir höchsten ein oder zwei mal geredet. Und in der achten Klasse wurden dann die Gruppen geteilt und er kam in die, in der ich nicht war. Auf der Konfi-Fahrt hing er die ganze mit den Betreuerinnen rum, Mädchen von meiner Schule, die jetzt alle 11. sind.
Er und ich hatten einfach nichts miteinander zutun und das war auch ok.
Bis zur Konfi. Als ich am Sonntagmorgen ins Gemeindehaus der Kirche ging, weil wir uns da treffen wollten, bevor wir alle zusammen in die Kirche gehen wollten, waren da noch nicht sehr viele von den anderen. Nur eben Jakob und Lukas, Felix und noch ein oder zwei andere, wer genau, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls, ich kam so durch die Tür, die Jungs alle in Anzügen (und mein Gott, die sahen alle so erwachsen aus und Jakob ist gewachsen, also jetzt noch größer, als er ohnehin schon immer war und heilige Scheiße, er sieht wirklich gut aus) und dachte noch, na toll, als einzige hier unter Jungs. Und nachdem wir uns alle begrüßt hatten, meinte Jakob plötzlich: "Du siehst echt süß aus, in dem Kleid." Keine Ahnung, ob ich rot geworden bin, aber bestimmt. Irgendwie bin ich immer das kleine süße Mädchen, egal worum's geht, frag mich bitte nicht, woher ich dieses Image hab. Und ich meine, sooo ein besonderes Kompliment ist das jetzt auch nicht und alles - aber du musst wissen, ich bekomm selten Komplimente und noch seltener von Jungs. Das ist nicht schlimm, aber es macht diesen Satz eben besonderer, noch dazu weil er von dem Jungen kam, der mir früher immer an den Haaren gezogen hatte.
Dann, einige Wochen später, mittlerweile hatten wir keinen Konfiunterricht mehr sondern JG (Junge Gemeinde) haben wir ein Fang-Spiel gespielt. Lach nicht, wir sind so. Wir rennen auch noch mit vierzehn und in Ballerinas um die Kirche. Es war lustig, das kannst du mir glauben und ich habe mich mit dem Sohn meiner Französischlehrerin angelegt und wir haben uns ziemlich gehauen xD Und gerade als ich loslaufen und jemanden fangen wollte, stand plötzlich Jakob hinter mir. In diesem Spiel geht es darum, die gegnerische Mannschaft davon abzuhalten... Die Regeln sind wirklich kompliziert, jedenfalls, man muss manchmal auch jemanden festhalten. Und was macht also Jakob? Hebt mich von hinten hoch und wirbelt mich im Kreis, lange, lange, lange und ich frag mich noch, ob ich ihm nicht zu schwer bin. Da stellt er mich wieder auf die Füße, lässt mich aber nicht los, sonder fragt sicherheitshalber noch mal nach, ob ich sicher stehe. Das ist mir noch nie passiert. Und ich war so überrascht, dass ich einfach nur nicken konnte.
Manchmal bin ich ziemlich komisch.
Und dann... letzten Freitag, also am 12. Juli, als wir wieder zu Hause waren, bin ich auf Skype und wer war da? Jakob. Nichts besonderes eigentlich, aber wir hatten bis zu dem Zeitpunkt noch nie miteinander geschrieben, wir hatten irgendwie nie einen Grund dazu. Aber in dieser Nacht hab ich ihn einfach mal angeschrieben. Es war sonst nur Sophie online und anfangs noch Gustav. Und er hat, oh Wunder, zurückgeschrieben. Und an jeden seiner Sätze einen Zwinker-Smiley drangehängt. Und dann ist etwas mit mir passiert. Ich habe zurückgezwinkert.
Mein Problem ist immer, alle kennen mich schon seit Ewigkeiten. Und sie kennen mich als die stille Rebecca. Aber das war nicht immer so. Eigentlich war ich mal wirklich selbstbewusst. Und wusste, was ich will.
Dieses Selbstbewusstsein ist mir irgendwann im letzten Jahr abhanden gekommen - bis zu dieser Nacht.
Ich war völlig nicht ich, wie ich sonst bin. Aber ich mochte das. Die Rebecca, die ich in dieser Nacht war.
Und was noch erstaunlicher war: Jakob wollte über mich reden. Noch so eine Sache, die mir mit anderen als Sophie und Laura und manchmal Mr. M und Leon nie, nie, nie passiert. Ich rede einfach nicht über mich.
Sonst müsste ich dir wahrscheinlich nicht schreiben, Alexander.
Jedenfalls, Jakob hat nicht aufgehört zu drängeln, bis er mich so weit hatte, dass ich ihm gesagt habe,
dass es über mich nichts zu erzählen gibt und ich wirklich langweilig bin.
Ich wollte ihm nicht mit der Tür ins Haus fallen und von Mr. M und Luise und der Dunkelheit anfangen - er ist so jemand, der sicher gut zuhören kann. Aber nur, wenn man ihm wirklich wichtig ist. Sonst ist seiner Meinung nach Party die beste Medizin.
Alexander, ich war glücklich, in dieser Nacht.
Wirklich glücklich.
Jakob und ich, wir haben keine Geschichte.
Aber man soll niemals nie sagen.
Ich halte dich auf dem Laufenden, versprochen.
Und bitte entschuldige, dass der Text so furchtbar lang geworden ist.
Bis bald,
deine Rebecca.
2 Kommentare:
hey rebecca,
ich hab meine emailadresse geändert, falls du mir schreiben solltest, keine ahnung
makeyourownwish@web.de
jedenfalls finde ich hört sich die geschichte zwischen dir und jakob doch irgendwie ziemlich süß an, auch mit dem, was früher in der grundschule war undso. :)
ein lächeln an dich,
xo,e.
hallo. :)
du hast einen echt schönen schreibstil.
ich seh mich mal eine weile um.
liebe grüße.
http://witheveryday-itgetsbetter.blogspot.de/
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