Alexander.
Wir alle haben diese dunkle Geschichte in uns oder?
Die, die wir niemandem erzählen, oder nur den wenigstens,
weil sie eigentlich keinen was angeht.
Unser traurigstes, schrecklichstes Geheimnis,
das vielleicht gar kein Geheimnis mehr ist.
Weil wir es doch schon so vielen erzählt haben,
in der Hoffnung, es wäre dann weniger grausam, weniger schmerzhaft.
Weniger schwer.
Aber Alexander, diese Hoffnung ist nur eine Illusion.
Denn die Wahrheit ist, dass die Geschichte nur deshalb unsere dunkelste ist,
weil niemand versteht,
wie es uns geht,
was wir denken,
was wir fühlen.
Vielleicht, weil das, was passiert ist, so schrecklich ist,
dass niemand anders nachvollziehen kann,
wie es ist.
Vielleicht aber auch, weil wir so oft nach Verständnis gesucht,
es aber nie bekommen haben
- ich weiß es nicht.
Aber Alexander, eins kann ich dir sagen:
Jeder hat diese eine Geschichte irgendwo tief in sich drin.
Das ist mir heute bewusst geworden.
Selbst die besten, beliebtesten, coolsten Menschen haben so eine Geschichte.
Und manchmal sind es gerade diese Menschen,
deren Geschichten wirklich schrecklich sind.
Wie geht das, fragst du dich?
Ganz einfach, Alexander.
Diese Menschen, die heller strahlen, als die Sonne,
haben in ihrem Leben Dinge erlebt.
Schlimme Dinge.
Aber diejenigen, die heute trotz ihrer Tränen lachen,
die sind nicht kaputt gegangen, an diesen Dingen.
Was ihnen passiert ist, war nicht weniger schmerzhaft als das, was anderen passiert.
Und bestimmt wollten auch sie aufgeben,
weil aufgeben so viel leichter ist,
als weitermachen
und bestimmt haben auch sie sich in ihren Gedanken verloren
und hatten Angst vor der Nacht.
So wie wir alle irgendwann.
Aber Alexander, eins haben diese Menschen alle gemeinsam:
Sie haben den Kampf am Ende gewonnen.
Das Leben ist vielleicht nicht fair
und sicher, jeder, wirklich jeder von uns bekommt das zu spüren.
Aber das heißt nicht, dass man nur verlieren kann,
wenn man lebt.
Ich weiß nicht, woran es liegt, dass manche Menschen diesen Kampf gewinnen
und so viele andere ihn verlieren.
Sicher, es hat was mit den persönlichen Erfahrungen zutun, mit genetischer Veranlagung und so weiter.
Aber so viele hier sind so unglaublich stark,
und sind am Ende der Nacht noch immer wach,
ein Schlachtfeld voller Gedanken in ihrem Kopf.
Und ich, ich habe nie irgendwas getan, ich war niemals stark,
aber ich schlafe trotzdem glücklich ein.
Es ist nicht gerecht, Alexander und ich kann nicht erklären,
woran es liegt.
Wie komme ich darauf?
Ich habe mit jemandem geschrieben, ein wunderbarer Mensch.
Mehr als wunderbar eigentlich.
Ich kenne diesen Jungen eigentlich schon lange,
aber so richtig Kontakt haben wir seit vielleicht einer Woche oder so.
Jedenfalls anfangs haben er und ich die ganze Zeit mehr oder weniger rumgealbert.
Ich hab in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht,
dass es bei den meisten nicht gut ankommt,
wenn man gleich mit der Tür ins Haus fällt und von seiner (scheußlichen) Vergangenheit erzählt,
und dass das auch für mich nicht immer positive Folgen hatte.
Das lustige an der Sache ist eigentlich,
dass ich, sobald ich mich nicht nur auf meine Vergangenheit reduziere,
ein vollkommen neuer Mensch bin,
selbstbewusster, offener als sonst.
Ich bin dann irgendwie freier, nehme Dinge leichter, so wie sie eben kommen.
Naja, er und ich haben geschrieben, lange, wirklich lange.
Manchmal 5 Stunden am Tag.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich schon wieder Schule hab,
ist das wirklich lang.
Jedenfalls, wir haben uns wirklich gut amüsiert,
bis er dann gestern plötzlich mit seiner Geschichte ankam.
Nicht wirklich.
Nur oberflächlich.
Aber trotzdem.
Es hat mich erstaunt und irgendwie fasziniert.
Dieser Junge ist nur ein halbes Jahr älter als ich,
aber wird von den meisten für 16 oder 17 gehalten,
er hat ein ziemliches Player-Image,
er ist selbstbewusst.
Vor ein paar Monaten wäre ich ihm vielleicht noch hoffnungslos verfallen,
aber die Rebecca von damals war eine andere, als die, die ich heute bin.
Wenn er einen Spruch loslässt, dann kontere ich eben.
So ist das. So bin ich.
Und es ist witzig und lustig und locker und alles ist gut.
Und dann plötzlich hat er mir ganz ernst und versteckt seine Geschichte offenbart.
Das heißt, eigentlich hat er nur einen Satz geschrieben.
Aber dieser eine Satz hat ausgereicht.
Er hat alles gesagt.
Er bedurfte keiner weiteren Erklärung.
Seine besten Freunde würden seine Geschichte kennen, hatte er mir noch kurz vorher geschrieben
und dass das schon ok sei und so weiter.
Und dann, zack!
Dann hat er noch ein "Das hättest du jetzt nicht gedacht, oder?" hinterhergesetzt und das war's.
Und da habe ich begriffen.
Jeder Mensch hat diese Geschichte.
Jeder Mensch hat diesen Schlüsselmoment in seinem Leben,
der alles verändert.
Und es geht nicht mal darum, ob er mit dieser Veränderung leben
oder nur überleben kann.
Es geht darum, überhaupt so einen Schlüsselmoment gehabt zu haben.
Menschen ohne diesen Moment sind langweilig.
Und vielleicht aus diesem Grund ist mir dieser Junge so sympathisch,
weil er nämlich schon seinen Schlüsselmoment hatte,
im Gegensatz zu vielen von meinen anderen Freunden.
Ich weiß es nicht.
Was denkst du darüber, Alexander?
Ich bin zu müde, um mich jetzt noch weiter damit auseinanderzusetzen,
wenn dir noch was dazu einfällt,
dann schreib mir einfach, ja?
The Winner Takes It All.
Vielleicht ist das einfach so.
Wer weiß.
Alles Liebe,
Rebecca.
Wir alle haben diese dunkle Geschichte in uns oder?
Die, die wir niemandem erzählen, oder nur den wenigstens,
weil sie eigentlich keinen was angeht.
Unser traurigstes, schrecklichstes Geheimnis,
das vielleicht gar kein Geheimnis mehr ist.
Weil wir es doch schon so vielen erzählt haben,
in der Hoffnung, es wäre dann weniger grausam, weniger schmerzhaft.
Weniger schwer.
Aber Alexander, diese Hoffnung ist nur eine Illusion.
Denn die Wahrheit ist, dass die Geschichte nur deshalb unsere dunkelste ist,
weil niemand versteht,
wie es uns geht,
was wir denken,
was wir fühlen.
Vielleicht, weil das, was passiert ist, so schrecklich ist,
dass niemand anders nachvollziehen kann,
wie es ist.
Vielleicht aber auch, weil wir so oft nach Verständnis gesucht,
es aber nie bekommen haben
- ich weiß es nicht.
Aber Alexander, eins kann ich dir sagen:
Jeder hat diese eine Geschichte irgendwo tief in sich drin.
Das ist mir heute bewusst geworden.
Selbst die besten, beliebtesten, coolsten Menschen haben so eine Geschichte.
Und manchmal sind es gerade diese Menschen,
deren Geschichten wirklich schrecklich sind.
Wie geht das, fragst du dich?
Ganz einfach, Alexander.
Diese Menschen, die heller strahlen, als die Sonne,
haben in ihrem Leben Dinge erlebt.
Schlimme Dinge.
Aber diejenigen, die heute trotz ihrer Tränen lachen,
die sind nicht kaputt gegangen, an diesen Dingen.
Was ihnen passiert ist, war nicht weniger schmerzhaft als das, was anderen passiert.
Und bestimmt wollten auch sie aufgeben,
weil aufgeben so viel leichter ist,
als weitermachen
und bestimmt haben auch sie sich in ihren Gedanken verloren
und hatten Angst vor der Nacht.
So wie wir alle irgendwann.
Aber Alexander, eins haben diese Menschen alle gemeinsam:
Sie haben den Kampf am Ende gewonnen.
Das Leben ist vielleicht nicht fair
und sicher, jeder, wirklich jeder von uns bekommt das zu spüren.
Aber das heißt nicht, dass man nur verlieren kann,
wenn man lebt.
Ich weiß nicht, woran es liegt, dass manche Menschen diesen Kampf gewinnen
und so viele andere ihn verlieren.
Sicher, es hat was mit den persönlichen Erfahrungen zutun, mit genetischer Veranlagung und so weiter.
Aber so viele hier sind so unglaublich stark,
und sind am Ende der Nacht noch immer wach,
ein Schlachtfeld voller Gedanken in ihrem Kopf.
Und ich, ich habe nie irgendwas getan, ich war niemals stark,
aber ich schlafe trotzdem glücklich ein.
Es ist nicht gerecht, Alexander und ich kann nicht erklären,
woran es liegt.
Wie komme ich darauf?
Ich habe mit jemandem geschrieben, ein wunderbarer Mensch.
Mehr als wunderbar eigentlich.
Ich kenne diesen Jungen eigentlich schon lange,
aber so richtig Kontakt haben wir seit vielleicht einer Woche oder so.
Jedenfalls anfangs haben er und ich die ganze Zeit mehr oder weniger rumgealbert.
Ich hab in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht,
dass es bei den meisten nicht gut ankommt,
wenn man gleich mit der Tür ins Haus fällt und von seiner (scheußlichen) Vergangenheit erzählt,
und dass das auch für mich nicht immer positive Folgen hatte.
Das lustige an der Sache ist eigentlich,
dass ich, sobald ich mich nicht nur auf meine Vergangenheit reduziere,
ein vollkommen neuer Mensch bin,
selbstbewusster, offener als sonst.
Ich bin dann irgendwie freier, nehme Dinge leichter, so wie sie eben kommen.
Naja, er und ich haben geschrieben, lange, wirklich lange.
Manchmal 5 Stunden am Tag.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich schon wieder Schule hab,
ist das wirklich lang.
Jedenfalls, wir haben uns wirklich gut amüsiert,
bis er dann gestern plötzlich mit seiner Geschichte ankam.
Nicht wirklich.
Nur oberflächlich.
Aber trotzdem.
Es hat mich erstaunt und irgendwie fasziniert.
Dieser Junge ist nur ein halbes Jahr älter als ich,
aber wird von den meisten für 16 oder 17 gehalten,
er hat ein ziemliches Player-Image,
er ist selbstbewusst.
Vor ein paar Monaten wäre ich ihm vielleicht noch hoffnungslos verfallen,
aber die Rebecca von damals war eine andere, als die, die ich heute bin.
Wenn er einen Spruch loslässt, dann kontere ich eben.
So ist das. So bin ich.
Und es ist witzig und lustig und locker und alles ist gut.
Und dann plötzlich hat er mir ganz ernst und versteckt seine Geschichte offenbart.
Das heißt, eigentlich hat er nur einen Satz geschrieben.
Aber dieser eine Satz hat ausgereicht.
Er hat alles gesagt.
Er bedurfte keiner weiteren Erklärung.
Seine besten Freunde würden seine Geschichte kennen, hatte er mir noch kurz vorher geschrieben
und dass das schon ok sei und so weiter.
Und dann, zack!
Dann hat er noch ein "Das hättest du jetzt nicht gedacht, oder?" hinterhergesetzt und das war's.
Und da habe ich begriffen.
Jeder Mensch hat diese Geschichte.
Jeder Mensch hat diesen Schlüsselmoment in seinem Leben,
der alles verändert.
Und es geht nicht mal darum, ob er mit dieser Veränderung leben
oder nur überleben kann.
Es geht darum, überhaupt so einen Schlüsselmoment gehabt zu haben.
Menschen ohne diesen Moment sind langweilig.
Und vielleicht aus diesem Grund ist mir dieser Junge so sympathisch,
weil er nämlich schon seinen Schlüsselmoment hatte,
im Gegensatz zu vielen von meinen anderen Freunden.
Ich weiß es nicht.
Was denkst du darüber, Alexander?
Ich bin zu müde, um mich jetzt noch weiter damit auseinanderzusetzen,
wenn dir noch was dazu einfällt,
dann schreib mir einfach, ja?
The Winner Takes It All.
Vielleicht ist das einfach so.
Wer weiß.
Alles Liebe,
Rebecca.
2 Kommentare:
Du glaubst gar nicht, wie gern ich deine Texte lese! Und mit diesem hast du so unglaublich Recht.
der text ist wunderschön, ich würde schon sagen, dass er perfekt ist!
ich liebe, wie du schreibst und wie du die dinge siehst und sie in worte umwandeln kannst. mach weiter so, dein talent ist eine echte bereicherung! xx
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