Alexander.
Ist es nicht eigentlich traurig,
Schlaf gut, Alexander.
Nach jedem Winter kommt wieder Frühling.
Es ist fast zum Lachen, wie ich hier sitze.
Allein, schweigend, während es um mich rum mit jeder Minute dunkler wird.
So ist das im Herbst.
Es wird dunkler.
Vorhin war da zwischen der Blättern noch die Sonne,
goldig und warm.
Die Tropfen, die jetzt auf mein Fenster klatschen sind so ganz anders.
Sind schwer und laut und irgendwie grau.
Ich weiß nicht, Alexander,
aber fast scheint es,
als wäre mit dem Herbst meine Traurigkeit zurückgekommen.
Nicht schlimm, nur manchmal.
Manchmal ist jetzt.
Ich glaube, ich bin ein schwieriger Mensch.
Ich schweige viel, ganz mit Absicht.
Manchmal mag ich es, allein zu sein.
Ich erwarte von anderen, dass sie wissen, was ich will,
ohne es selbst zu wissen.
Ich träume von später ohne irgendetwas für das jetzt und hier zu tun.
Ich bin so.
Und je mehr ich über all das nachdenke,
desto schlimmer wird es.
Was auch immer es braucht,
was auch immer ich brauche,
um irgendetwas zu ändern,
im Winter fehlt es mir.
Vielleicht ist es auch einfach nur das Licht,
das golden durch die Blätter scheint.
Oder die warme Sommerwind,
der einem sanft durch die Haare fährt.
Vielleicht ist es der Glauben daran,
dass ich etwas ändern kann,
dass es etwas ausmacht,
wer ich bin und was ich tue.
Die Hoffnung, dass manche Dinge nicht so sind,
wie sie scheinen.
Die Ehrlichkeit Menschen gegenüber
und der Mut, den ehrlich zu sein erfordert.
Vielleicht auch nur der Sinn,
den das alles hier machen soll.
Ich weiß es nicht, Alexander.
Es ist mir abhanden gekommen.
Ich sollte etwas verrücktes tun,
etwas unnormales.
Etwas, was ich sonst nicht machen würde.
Ist es nicht eigentlich traurig,
dass das einzige, was mir einfällt,
was ich sonst nicht tun würde,
wäre, dass ich jemandem die Wahrheit sage?
Die Wahrheit im Sinne von Wahrheit über diesen Jemand und über mich und überhaupt alles.
Der einzige, der jemals meine Wahrheit kannte,
war Mr. M.
Vielleicht hab ich dich auch deshalb so schrecklich geliebt.
Heute Abend passt das, irgendwie.
Schlaf gut, Alexander.
Nach jedem Winter kommt wieder Frühling.
Das ist schon immer so gewesen, das wird immer so sein.
♥
Rebecca.
P.S.: Die Bücher, die ich im letzten Brief zitiert habe, mehr oder weniger, waren "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green und "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel. Allerdings hab ich nicht wortwörtlich zitiert, das muss ich an dieser Stelle vielleicht noch dazu sagen.
1 Kommentar:
du hast echt ein wahnsinniges talent zum schreiben!
ich liebe jeden einzelnen deiner posts, du sprichst mir so oft aus der seele.
ich wünsche dir, dass du wieder glücklich wirst<3
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