Donnerstag, 31. Oktober 2013

Wenn du die Gelegenheit hättest, jemandem etwas zu sagen, mit dem du, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr reden kannst, wer wäre das und was?

Interessanterweise ist das allererste, was mir zu dieser Frage einfällt, dass ich theoretisch mit diesem Jemand noch reden kann.
Dieser Jemand ist weder tot noch tausende Kilometer weit weg. 
Das Problem ist nicht die physische Distanz.
Sondern die, die sich in unsere Köpfe eingeschlichen hat. 
In unsere Herzen.
Wir laufen aneinander vorbei, schweigend, jeden Tag.
Erkundigen uns beiläufig bei unseren Freunden, 
wie es dem anderen geht.
Warum, fragen sie.
Ich schweige.
Ist egal, sagst du.
Frag doch selber, sagen sie.
Weiß nicht, sage ich schulterzuckend.
Sicherlich nicht, sagst du.
Zu feige, fragen sie. 
Und ich mich auch.
Nö, sagst du, keinen Bock.

Wir beteuern, dass es keine Rolle spielt.
Nicht wichtig ist.
Egal ist.
Aber, und das frage ich jetzt nicht nur mich,
wenn es egal ist.
Warum reden wir dann noch immer voneinander?

Jemand von uns sollte mutig sein.
Jemand von uns sollte ehrlich sein.

Ich sollte jemand sein.

Die Wahrheit kommt immer ans Licht, 
sagen sie.
Am Ende bereut man nicht die Fehler, sondern das, was man gleich gar nicht erst versucht hat,
sagen sie.
Du hast nichts zu verlieren.

Die Wahrheit ist, ich habe nichts zu verlieren, außer meiner Angst.
Vor dem, was kommt, vor dem, was bleibt.
Wenn man Angst hat, ist man automatisch vorsichtiger, stimmt's?
Ich glaube, ich bin zu vorsichtig 
für's Leben.
Und zu nachsichtig mit dem Rest.

Ich denke zu viel vor,
denke zu viel nach,
denke generell zu viel,
wäge ab, hinterfrage.
Im Leben geht es darum,
Entscheidungen zu treffen, zu handeln,
sonst bleibt man auf der Stelle stehen.
Aber wann immer ich in die Situation komme,
einfach mal intuitiv irgendwas zu sagen oder zu tun,
verwandele ich mich in ein passives Etwas,
das sich in sein Schneckenhaus verkriecht und dabei die ganze Zeit vor sich hin murmelt,
dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist,
dass es sich nicht sicher ist, ob...
Und dann verstummt dieses Etwas
und wartet leise und geduldig darauf,
dass die Situation vorbei geht,
denn eines hat es gelernt,
nämlich, das alles irgendwann vorbei geht,
wenn man nur lange genug wartet.

Aber, das ist doch kein Leben!

Sagen sie, schreien es beinah und sehen sich entsetzt und betreten in die Augen.
Als ob ich das nicht selbst wüsste.
Und auch wenn die Vergangenheit keine Entschuldigung für die Gegenwart ist,
manchmal ist sie trotzdem ein Grund.

Was also tun, was ändern?
Die Wahrheit ist, ich wünschte, ich hätte eine Geschichte zu erzählen,

von langen Nächten, guten Gesprächen,
verrückten Autofahrten, wilden Partys,
von Menschen, die mir etwas bedeuten und ich ihnen.
Ich wünschte, ich hätte eine Geschichte zu erzählen,
von einem Leben.
Aber die Wahrheit ist auch, dass ich ein unbeschriebenes Blatt bin.
Denn, wenn man niemals mutig ist, 
niemals ehrlich sagt, was man denkt,
niemals tut, was man tun könnte,
sondern alles immer nur auf später verschiebt,
getreu dem Motto "wait and see".
Dann ist das tatsächlich kein Leben.

Aber, Tatsache ist auch,

ich will nicht mehr sagen,
wir werden schon sehen.
Ich will sagen können,
ihr werdet schon sehen.
Und vielleicht ist das ein Anfang.

Was also tun?

Ich könnte ganz klein beginnen, mit dir.
Ich könnte dir sagen, was ich denke.
Warum ich noch immer von dir rede.
Ich könnte dir all das sagen, was ich dir noch sagen will,
könnte die Blockade in meinem Kopf und in meinem Herzen 
für einen Moment ignorieren,
genau wie die Ereignisse der letzten Tage.
Und auch wenn es vielleicht nicht gut für mich ist,
weil du wer weiß was daraus machen kannst,
vielleicht ist es trotzdem richtig.

Ich glaube, ich werde erst wieder schreiben,
wenn ich etwas getan habe.
Und ich glaube, ich sollte aufhören zu glauben und zu denken.

Was zählt, sind die Tatsachen.
Nicht die Illusionen.



Ihr werdet schon sehen.








1 Kommentar:

Valerie. hat gesagt…

Du weißt gar nicht, wie sehr mich der Text beschreibt. Angst ist das Schlimmste, du hast so Recht und ich kann absolut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Ich fühle mich im Moment nämlich genauso und es fühlt sich an, als könnte ich es nie ändern.
Liebste Grüße! ♥
http://v-aleries-world.blogspot.de/