Dienstag, 10. Juni 2014

Hey Alexander,

mein Leben legt gerade ne 180° Wende hin, würde ich sagen.
Eigentlich war ich die kompletten Pfingstferien nur auf Achse,
bin gefühlt durch halb Deutschland gefahren,
nach Braunschweig, nach Berlin, an die Ostsee und nach Hause,
und hab den Rest der Zeit damit verbracht,
mit Leuten Dinge zu tun, die meine Eltern nicht gut heißen würden -
wenn sie davon wüssten.

Keine schlimmen Dinge, nein,
aber gestern zum Beispiel war ich mit Hannah, Julius, Xaver und Felix
sowie deren Kumpels am See baden
und jeder hat gewusst, dass da ein Gewitter aufzieht
und trotzdem sind wir alle bis zum ersten Regentropfen geblieben,
nur um dann, gaaaanz langsam und klitschnass Richtung Stadt zu fahren.
Meine übervorsichtigen Eltern würden mich dafür umbringen,
von wegen Gewitter und so weiter,
aber hätten sie gefragt, hätte ich gesagt,
dass wir bei Felix waren.
Hannah ist mit Julius zu sich nach Hause gefahren
und weil wir sowieso schon nass waren
hab ich mich mit einer aus ihrer Klasse, Emma,
noch an einen Teich in der Innenstadt gesetzt.
Wir haben einfach nur dem Regen zugehört
und einander
und Alexander, ich kann dir sagen,
all das hat sich so befreiend angefühlt,
nach den letzten verdammten Monaten.
Ich bin wieder wer,
wenn auch nicht groß oder wichtig
und vielleicht auch nicht unbedingt in den besten Kreisen.
Aber ich hab wieder einen Namen.
Und Alexander, das fühlt sich so gut an.
Es war so einfach, verstehst du?
Und zum Schluss kamen wieder die Worte,
die ich in meinem Leben wahrscheinlich schon am häufigsten gehört hab:
"Du kannst so gut zuhören."
Wir haben uns einen Döner geholt und dann sogar noch Stine und Leon getroffen
und danach hab ich Emma bei Tom und Jason abgesetzt.

Was ich heute mache, weiß ich noch nicht.
Vielleicht fahr ich mit den anderen wieder baden.
Auf jeden Fall geht's mit meinem Bruder in die Stadt.
Ich hätte auch mal wieder Lust, Longboard zu fahren.
Mal sehen.

Vielleicht wird alles gut, Alexander.
Vielleicht kommt jetzt die Rebecca zum Vorschein,
die ich immer gern gewesen wäre,
mich aber nie getraut habe, zu sein
Vielleicht werd ich ein schlechterer Mensch.
Vielleicht werd ich länger draußen sein und öfter Alkohol trinken.
Aber ich werde mehr Spaß haben,
ich werde glücklicher sein, im ersten Moment.
Und selbst wenn der Rest scheiße ist,
dann ist das eben so, es zählt sowieso nichts anderes außer der Moment,
was anderes gibt's nicht für uns,
heute,
diesen Sommer,
in diesem Leben.

Ich werd nicht vergessen, wer ich mal war, Alexander,
das versprech ich dir.
Ich werd mich nicht verlieren.
Aber ich hab mich so lange nicht mehr frei gefühlt,
vor gestern Abend.
Ich hab's vermisst.

Pass auf dich auf ♥
Deine Rebecca.

1 Kommentar:

Yui hat gesagt…

wie schön ♥ ich wünsche es dir wirklich, Rebecca. Erzähl bei Gelegenheit doch ein bisschen mehr über deine schönen Sommertage