Freitag, 13. Februar 2015

Alexander.

Hab gerade die ersten zwei Monate dieses Blogs komplett gelesen, anderthalb Stunden hab ich gebraucht. Ich hab damals noch Decknamen verwechselt und Bilder gepostet und Rechtschreibfehler gemacht, von denen ich heute immer noch nicht genau weiß, wie ich sie korrigieren sollte.
Ich hab erstaunt gelesen, dass ich schon vor knapp zwei Jahren wusste, dass mein Leben so schön ist und ich bin so unendlich froh, meine Aussage von damals, dass zu diesem Zeitpunkt die beste Zeit meines Lebens war, revidieren zu können:
Mein Leben hat sich selbst übertroffen.
Und jetzt sitze ich hier, bin nicht mehr 14 sondern 16,
bin nicht mehr traurig sondern glücklich,
hab schon so lange nicht mehr geliebt, dass ich vergessen hab, wie es geht,
wie man sich traut und ich höre wieder Juli, so wie damals
und oh man, mein Leben.

Sie werden es lesen, ich hab's ihnen versprochen.
Gustav wird es lesen.
Simon wird es lesen.
Das hier.
All meine Gedanken.
Und es macht mir Angst.
Ich mein, allein der letzte Brief,
den könnte ich jetzt schon wieder komplett verbrennen,
weil er auf so vielen falschen Schlüssen basiert,
dass ich mich dafür ohrfeigen könnte.
Ich hab ihm gesagt, dass das alles hier nur Momentaufnahmen sind.
Ich hoffe, er wird es verstehen.

Ich weiß nicht, ob die Entscheidung,
den beiden das alles hier zu zeigen, richtig ist.
Noch ist auch nichts entschieden,
ich könnte noch immer einen Rückzieher machen.
Allerdings sind diese Briefe eins der wenigen Dinge in meinem Leben,
auf die ich wirklich stolz bin.
Klar, geballte Ladung der immer gleichen Formulierungen, ich bin so verdammt unkreativ,
Wortschatzerweiterung wird dringend empfohlen.
Aber ich hab zumindest einige Menschen mit meinen Worten berührt
und das hier ist wirklich etwas,
was ich ganz allein gemacht hab,
ohne Glück, ohne Geld anderer, ohne Unterstützung von außen.
Das hier hab ich gemacht und natürlich ist es nichts besonderes.
Aber ich bin trotzdem stolz drauf.

Es fühlt sich an, wie ein Abschluss.
Wenn ich ihnen das hier zeige,
dann ist dieser Blog vorbei,
wie das Leben, das er beschrieben hat.
Ich werde nicht mehr schreiben können,
wenn ich weiß, dass sie mitlesen,
ich werde schon bevor der Gedanke überhaupt da ist zensieren, was das Zeug hält.
Auch diesen Brief schreibe ich ja unter der Maßgabe,
dass sie das hier lesen werden.
Und ich bitte hiermit bei allen, die das hier eines Tages
im Vertrauen darauf, dass sie mir irgendwann verzeihen können,
wer ich bin,
um Entschuldigung,
dass ich weiterhin ehrlich sein werde.
Ich kann mit jedem Wort, dass ich hier von mir gebe,
Menschen anklagen, verletzen, enttäuschen, einer völligen Desillusionierung unterziehen,
aber bitte bitte vergesst bei all dem nicht,
dass ich ein Mensch bin,
dass ich geblendet werde, dass sich meine Erinnerungen und Wahrnehmungen romantisieren,
weil ich nun mal eine hoffnungslose Träumerin bin.

Das nur vorweg, es gibt viel zu erzählen und ich muss eigentlich schon längst verschlafen,
ich komm in Teufels Küche,
ich schaff das alles nicht und werde wieder jemanden enttäuschen müssen
oder werde müde sein oder was auch immer.

Ich persönlich fand Lauras Party genau richtig.
Sie war nicht außergewöhnlich toll, aber ich hatte meinen Spaß,
ich hab getanzt und geredet und gelacht
und ja, ich hab wieder gedacht,
wie sehr ich alle diese Menschen in meinem Herzen hab.
Lena und Oliver und Leon, die einfach oben in Lauras Zimmer eingeschlafen sind, weil sie so müde waren,
Mr M, der ununterbrochen Zigaretten gedreht hat,
Gustav, Laura und ich beim Skat spielen,
Enno und Philipp und ich beim Gangnam Style tanzen.
Es ist nicht schwer, glücklich zu sein,
wenn man es will, finde ich.
Es ist nur schwer, zu erkennen,
dass man es wollen kann und dass es dann auch klappt.
Meine Meinung.
In einer Hinsicht war die Party wirklich bemerkenswert.
Mr M hat mit mir geredet.
In Lauras Küche, wie lange kann ich nicht sagen,
weil mein Zeitwahrnehmungsvermögen zu dem Zeitpunkt leicht manipuliert war,
aber es war lange
und er hat erzählt, von sich und ich hab einfach nur da gesessen
und ihn angesehen und ihm zugehört
und nach und nach sind die anderen gegangen und ich hab ihnen nicht mal richtig tschüss gesagt,
ich hab einfach nur da gesessen.
Ich hab immer gedacht, Mr M hätte mir all das, was damals im Sommer passiert ist, ganz einfach nicht verzeihen können.
Ich hab immer gedacht, er wäre so sauer auf mich und das, was ich damals alles verbockt hab, dass er nicht normal mit mir reden kann und will.
Gestern hat es sich so angefühlt, als würde es zum ersten Mal wieder gehen.
Nach knapp zweineinhalb Jahren.
Als ich das Gustav gesagt hab, hat der mal wieder einen seiner punktgenauen Sprüche rausgehauen,
etwas, was mir eigentlich schon viel früher hätte auffallen können,
nämlich dass es nicht damit zutun haben könnte, dass Mr M mir nicht verzeihen konnte,
sondern, dass er sich einfach nicht erinnern wollte.
Und das kann ich absolut nachvollziehen, Gott, wie lange ging es mir exakt genau so,
wie lange konnte ich ihn nicht mal auch nur ansehen, ohne in Erinnerungen und Dunkelheiten zu versinken?
Und dann haben wir Sophie und Carlos verarscht und haben sie zusammen erschreckt
und wir haben uns alle gegenseitig abgekitzelt, nachts um drei auf einer nicht ganz so fremden Couch in einer deutschen Stadt
und Alexander, ich war so glücklich.
So verdammt glücklich.
Wir werden übernächste Woche 5 Tage lang in Berlin sein,
Laura, Yannik, Oliver, Mr  M, noch drei andere Leute und ich.
Ich bin gespannt, wie es wird.

Wenn es einen Nobelpreis für Unfähigkeit im Umgang mit Menschen geben würde,
dann würde ich ihn dieses Jahr bekommen,
für besondere Verdienste im Namen der Zerstörung sämtlicher sozialer Bindungen zu *bitte Namen einsetzen*
Simon.
Ich kann es nicht erklären,
ich wünschte, ich könnte es,
der arme Kerl.
Es muss schlimm für ihn sein, mit mir zu schreiben,
von himmelhoch jauchzend zu todesbetrübt in 0,9 Sekunden
ohne ersichtlichen Grund.
Dazu meine beängstigenden, aus dem Zusammenhang gerissenen Gedanken,
Himmel ja, er tut mir wirklich Leid,
Simon, wenn du das hier liest,
dann...
Ich hätte viele Dinge gern anders gemacht.
Ich weiß nicht, wie man sich einfach mal benimmt,
wie ganz normale Menschen.

Als ich versucht hab, genau das Gustav zu erklären,
hat er mir verkündet, ich sollte bitte niemals normal sein,
dann wäre ich nicht ich
und es wäre alles gut
und damit komme ich zu der sicherlich wichtigsten Erkenntnis,
die mir beim Lesen der alten Briefe gekommen ist:

Ich will nicht hier weg, weil ich endlich hier angekommen bin,
hier endlich zu Hause bin,
endlich ich selbst bin
und sein kann.

Ich glaube, das ist das größte Kompliment,
das ich all diesen Menschen machen kann.
Dass sie es zusammen geschafft haben,
mein Leben hier zu einem Ort zu machen,
an dem ich gern bin,
an dem ich ich bin.
Von dem ich am liebsten nie, nie, niemals weg will.

Ich weiß nicht, ob mir irgendjemand das jemals wieder nehmen kann,
außer ich selbst.
Natürlich hoffe ich, dass ich mich nie wieder verlieren werde,
aber wir kennen mich und wir kennen das Leben
und so wird es nicht kommen.
Aber, nur für's Protokoll,
ich will, dass alle Welt weiß, dass es Zeit gab,
in der mein Leben und ich eins waren,
in der einfach alles gestimmt hat.

Ich wollte immer, dass jemand kommt
und mich an die Hand nimmt und nach Hause bringt,
weil ich mich so daran gewöhnt hatte, mit Mr. Ms Stimme an meinem Herzen,
ich wollte das so sehr, dass ich darüber vergessen habe,
dass ich auch einfach allein loslaufen kann
und dass ich lernen kann, wie man Stadtpläne liest und dass es überall Wegweiser gibt
und dass ich wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt mehr zu Hause bin,
als in mir selbst.

Ich glaube momentan nicht an die Liebe, weil sie abhängig macht.
Und ich bin einfach nicht gewillt, meine kostbare Freiheit,
meine Unabhängigkeit aufzugeben,
abgesehen davon, dass ich momentan sowieso niemanden kenne,
der das wert wäre.
Ja, ich geb zu, ich bin sehr egoistisch,
ich bin stolz.
Und sicherlich auch blind.
Und vielleicht gibt es um mich herum sogar Menschen,
denen ich meine Freiheit bedingungslos anvertrauen könnte.
Aber ich glaube, meine kleine Tragik in dieser Sache besteht vor allem darin,
dass ich immer rechtzeitig anfange, zu denken
und dass ich dann nicht loslassen kann
und dass ich mich, selbst wenn ich jemanden lieben wollte,
aus reinem Selbstschutz nicht komplett aufgeben könnte.

Was ich bisher von der Liebe mitbekommen habe,
funktioniert es dann am besten, wenn beide sich selbst vollständig im anderen verlieren können,
ohne sich jedoch verlieren zu müssen.
Und ich wäre so heillos verloren,
Alexander, mein Lieber,
ich wäre verloren.
Aber das will ich nicht.
Ich will mich nicht verlieren.
Nicht auch nur ein bisschen,
aber würde ich zulassen, dass jemand mich liebt,
oder noch schlimmer, dass ich jemanden liebe
oder, sogar noch schlimmer, dass ich jemanden WIRKLICH liebe
und dass es immer mehr wird und dass ich irgendwann echt nicht mehr ohne diesen Menschen kann,
ich würde mich immer verlieren.
Sich selbst zu verlieren ist nicht so schön und es kostet Zeit und Nerven aller beteiligten Personen
und es führt zu übermäßigem Alkoholkonsum
und es macht ganz einfach nicht glücklich,
aber glücklich sein ist alles, was ich gerade will.
Und solange ich die Macht habe, darüber zu entscheiden,
ob sich jemand meiner Glücklichkeit und meiner Freiheit und mir in den Weg stellt,
wird meine Antwort in dieser Hinsicht immer dieselbe sein.
Ich will Spaß haben, solange ich kann,
groß und vernünftig werde ich sowieso schneller,
als ich gucken kann.
(Wobei, vielleicht werde ich auch niemals groß und vernünftig, wer weiß... *verschmitztes Grinsen*)

Und sollte doch ganz unvermittelt jemand auftauchen,
na und ich kann meine Meinung ja jederzeit ändern,
ich bin schließlich noch jung.

Es ist halb vier.
Scheiße.
Das ist echt ungünstig, der Tag heute hätte produktiv und die Nacht vor allem schlafreich werden müssen und jetzt... Aber das musste sein, ich musste das alles irgendwie ausführen.
Das Lustige ist, am Ende sind es doch nur bedeutungslose Worte.
Und ich glaube, wer sich alle Briefe bis hierhin auf einmal durchgelesen hat,
hat schon lange einen Koller,
abgesehen davon ist es schlecht für die Augen,
zu lange auf den Bildschirm zu gucken.
Ich für meinen Teil empfehle nächtliche Spaziergänge
als Gegenmittel.

Passend zu meiner nicht vorhandenen Müdigkeit kommt "In Your Arms" von Stanfour
und manchmal hätte ich schon gern einen Freund.
Aber ohne den ganzen Kram drumrum, ohne Streitereien und Ängste,
einfach nur zum nicht-alleine-Einschlafen.

Alexander, danke, dass du nach all dieser Zeit noch immer da bist.
Schlaf gut.

♥ Deine Rebecca.

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