Dienstag, 3. März 2015

Alexander,

ich melde mich kurz und schmerzlos,
nach einer schlaflosen Woche Berlin,
ohne Handy
und mit großen Träumen.

Der Lehrerstreik, meine bevorstehende Geburtstagsparty,
unvergessliche Stunden im Glaskasten,
das alltägliche Leben,
der immer näher rückende Abschied,
die kleinen und großen Dinge,
die mir so im Kopf rumspuken,
ich kann und will sie hier nicht alle aufzählen.
Ich bin am Leben
ich bin lebendig,
ich atme,
ich esse,
ich fühle.

Die Erschöpfung ist meine drittbeste Freundin,
mal ist sie präsenter, mal wird sie in den Hintergrund gedrängt.
Die Zeit rennt und rennt
und sie ist niemals genug,
es könnte alles immer noch ein wenig länger dauern.

Wohin mich all das führen wird, weiß ich nicht,
das Ende ist offen,
so offen wie mein Herz.
Aber es macht mir keine Angst.
Ich war vielleicht niemals so frei und so unbeschwert,
wie ich es jetzt bin.
Verliere mich hier ein bisschen,
finde mich da ein bisschen,
es ist alles möglich
und gleichzeitig sind wir doch so begrenzt in unseren kleinen Freiheiten.

Hab noch immer keine Idee vom Leben,
melde mich wieder, wenn es das nächste Mal Fischstäbchen mit Bratklößen gibt,
oder auch eher,
vielleicht, wenn die Sonne auf Tahiti scheint.

Wir sind alle komisch und je länger ich durch die Straßen laufe,
desto mehr fällt mir auf,
dass Einsamkeit der Fluch nicht nur meiner Generation ist
und dass wir alle ein Lächeln gebrauchen könnten.
Nur, wer soll uns dieses Lächeln schenken,
wir haben ja selbst nichts,
wir brauchen doch,
wir,
ich,
ich ich ich.

Wir sind so unfähig etwas zu bewegen,
uns zu bewegen,
verharren und warten,
auf den Tag der niemals kommt,
auf den wir immer noch hoffen.

Niemand hat gesagt, all das hier würde leicht werden,
aber es nach und nach scheint es mir zu einer
nicht zu bewältigenden Herkulesaufgabe zu werden.
Genauso wie das Musik-Handout zur Spätromantik,
das ich jetzt noch beenden darf.

Alexander,
ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal schreiben werden.
Die Müdigkeit, die gerade mein Gehirn erobert,
lähmt mich und deswegen sage ich jetzt nur
bis bald.

Ich werde wieder schreiben.

♥ Deine Rebecca.

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