Schon während all das passiert ist, habe ich innegehalten. Hab mir selbst die Frage gestellt, ob ich all das wirklich will. Damit ich mich am nächsten Morgen, am nächsten Tag, für den Rest meines Lebens für nichts vor mir selbst schämen und rechtfertigen muss. Das klingt vielleicht merkwürdig, aber es hat mich im Endeffekt vielleicht sogar gerettet. Ich hab mich bewusst FÜR diese Nacht entschieden, für ihn und alles was damit in Zusammenhang steht. Und unter anderem deswegen bereue ich jetzt in der Tat nichts. Alles, was mich ein bisschen reizt, gleichzeitig aber auch amüsiert, ist die Art und Weise, wie Oliver oder Gustav damit umgehen - aber gut, was soll man machen und ich würde mich ganz bestimmt genauso verhalten.
The Killers.
Längster Tag des Jahres und Rebecca sitzt verschnupft und gedankenversunken in ihrem Zimmer.
Ich hänge in der Vergangenheit und in der Zukunft.
um die Gegenwart nicht ertragen zu müssen.
Nichts worum man sich Sorgen machen müsste,
aber es reicht dennoch, um mich in meinen Tränen zu ertränken.
Ich hab schon immer schnell geweint.
Aber all das weiß er nicht und das wird er nie wissen. Ich werde ihn aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder sehen. Um ehrlich zu sein, ist er mir während dieser vier Tage, die wir dort waren, nur ein einziges Mal wirklich aufgefallen, wegen seiner beeindruckenden Rhetorik. Und, direkt wie ich in solchen Fällen bin, hab ich ihm das irgendwann beim Essen auch gesagt. Man kann niemals genug Komplimente verteilen, finde ich.
Ansonsten hatten wir nichts miteinander zutun. Er gehört zu den Leuten, zu denen ich reflexartig erstmal Abstand halte - nicht meine Liga, nicht meine Art von Coolness. Er gehört zu den Leuten, von denen man heute sagen würde, sie haben Swag. Weil sie's haben, nicht weil sie's haben wollen. Ich fühl mich unter solchen Menschen nicht wirklich wohl, ich bin nicht schlagfertig genug, höre nicht die entsprechende Musik, ich hab die Spielregeln für "Was sagt man wann wie, damit es cool ist?" nie durchschaut. Ich find das auch nicht weiter schlimm, ich hab Freunde für die es reicht, dass ich bin wie ich eben bin und mehr brauch ich zum Leben nicht.
Letzter Abend, ich hetze verschwitzt und ernüchtert den Gang entlang. Jemand muss endlich mal Jana ablösen, die an Josies Bett sitzt und aufpasst, für den Fall dass sie sich übergibt. Nach einer halben Flasche Wodka pur kein Wunder. Dieser Abend ist ebenso verkotzt wie verkorkst für uns alle. Plötzlich geht die Tür auf, er steht im Flur, sieht mich an. "Ey". Ich bleibe stehen, verdattert, da kann nur Alkohol im Spiel sein, sonst würde er mich nicht ansprechen. Er legt mir beide Hände auf die Schultern und sagt mit einer Stimme, die einerseits vom Konsum bewusstseinserweiternder Substanzen zeugt, andererseits überraschend fest und nüchtern klingt: "Wir müssen nachher noch tanzen." Eine einfache Feststellung. Ich lache, weiß genau, dass meine Schicht an Josies Bett von unbestimmter Dauer ist und drehe mich im Weggehen noch einmal um: "Werden wir sicher." Ob der Sarkasmus auch außerhalb meines Kopfes zu hören ist, weiß ich nicht. Er verschwindet im Treppenhaus und ich mache es mir mit meinem Bier auf einer Bettkante bequem. Es hat schon etwas selbstbemitleidendes, nachts um 1 in einem dunklen Zimmer zu sitzen, während von unten die Bässe heraufwummern und man ganz genau weiß, dass sie sich in alle Himmelrichtungen verstreut haben werden, wenn man wieder dabei ist.
Es gelingt mir nicht ganz, das Positive in meiner Wachtätigkeit zu finden und bin dementsprechend leicht geknickt, als Oliver mich nach einer knappen dreiviertel Stunde ablöst. Denn wie erwartet finde ich erstmal niemanden wieder, offenbar hab ich es tatsächlich geschafft, meine Abwesenheit auf die Zeit zu legen, in der sich nach und nach alle verkrümeln. Etwas verloren stehe ich in der Lobby der Jugendherberge, sehe mich ratlos nach bekannten Gesichtern um. Ich bin zu nüchtern, um mich einfach in ein Gespräch einzuklinken. Planlos wechsele ich von der Bar zur Tanzfläche und wieder in die Lobby, als er dort mit seinem Gefolge ebenfalls aufkreuzt.
So schnell wie ich ihn bemerkt habe, schaue ich auch wieder weg, unsicher, ob er sich überhaupt noch an das erinnern kann, was er vor nicht ein Mal 60 Minuten gesagt hat. Er hat sich eh nur getäuscht, denke ich, hat mich verwechselt oder ist tatsächlich so betrunken, dass er einfach jedes Mädel anlabert. Seine Kumpels und er stehen eine Weile einfach nur rum und sehen sich in der Lobby um, während ich beschließe, noch mal tanzen zu gehen, noch ist die Nacht nicht gelaufen und für mich ist es sowieso das Beste, durchzumachen, so früh wie mein Zug am nächsten Morgen fährt.
Ich will mich gerade an ihnen vorbeidrängeln, da hält er mich fest. "Wo warst du so lange?" Die Frage ist natürlich nur rhetorisch gemeint, aber immerhin weiß er noch, dass wir beide an dem Abend schon mal geredet haben. Ich gehe nicht weiter darauf ein, bleibe aber stehen und beobachte, wie er versucht, noch andere Leute davon zu überzeugen, dass die Tanzfläche ganz genau DER Ort ist, an dem sie jetzt sein müssen. Mir ist das nur Recht, ich wollte da ja sowieso hin. Sein Erfolg fällt allerdings eher mäßig aus und ich habe nach einige Minuten genug. "Komm jetzt", fordere ich ihn auf und gehe Richtung Tanzfläche. Er reagiert nicht, aber mir ist das egal, ich bin ihm nichts schuldig, weiß gerade einmal seinen Namen.
Es gelingt mir nicht ganz, das Positive in meiner Wachtätigkeit zu finden und bin dementsprechend leicht geknickt, als Oliver mich nach einer knappen dreiviertel Stunde ablöst. Denn wie erwartet finde ich erstmal niemanden wieder, offenbar hab ich es tatsächlich geschafft, meine Abwesenheit auf die Zeit zu legen, in der sich nach und nach alle verkrümeln. Etwas verloren stehe ich in der Lobby der Jugendherberge, sehe mich ratlos nach bekannten Gesichtern um. Ich bin zu nüchtern, um mich einfach in ein Gespräch einzuklinken. Planlos wechsele ich von der Bar zur Tanzfläche und wieder in die Lobby, als er dort mit seinem Gefolge ebenfalls aufkreuzt.
So schnell wie ich ihn bemerkt habe, schaue ich auch wieder weg, unsicher, ob er sich überhaupt noch an das erinnern kann, was er vor nicht ein Mal 60 Minuten gesagt hat. Er hat sich eh nur getäuscht, denke ich, hat mich verwechselt oder ist tatsächlich so betrunken, dass er einfach jedes Mädel anlabert. Seine Kumpels und er stehen eine Weile einfach nur rum und sehen sich in der Lobby um, während ich beschließe, noch mal tanzen zu gehen, noch ist die Nacht nicht gelaufen und für mich ist es sowieso das Beste, durchzumachen, so früh wie mein Zug am nächsten Morgen fährt.
Ich will mich gerade an ihnen vorbeidrängeln, da hält er mich fest. "Wo warst du so lange?" Die Frage ist natürlich nur rhetorisch gemeint, aber immerhin weiß er noch, dass wir beide an dem Abend schon mal geredet haben. Ich gehe nicht weiter darauf ein, bleibe aber stehen und beobachte, wie er versucht, noch andere Leute davon zu überzeugen, dass die Tanzfläche ganz genau DER Ort ist, an dem sie jetzt sein müssen. Mir ist das nur Recht, ich wollte da ja sowieso hin. Sein Erfolg fällt allerdings eher mäßig aus und ich habe nach einige Minuten genug. "Komm jetzt", fordere ich ihn auf und gehe Richtung Tanzfläche. Er reagiert nicht, aber mir ist das egal, ich bin ihm nichts schuldig, weiß gerade einmal seinen Namen.
In dem Raum ist es stickig und warm und obwohl ich vorher geduscht habe und noch nicht einmal richtig tanze, fange ich gleich wieder an zu schwitzen. Ich finde meine Mitbewohnerin, im Arm von irgendeinem Jungen und auch wenn sie freundlich ist, merke ich doch, dass ich störe. Außer ihr sehe ich auf Anhieb kein bekanntes Gesicht, aber das macht nichts, Rebecca tanzt auch, wenn sie niemanden kennt. Einige haben mich dafür zu Beginn des Abends ein wenig belächelt, glaube ich, aber auch das spielt für mich keine Rolle. Ich tanze ja nur.
Kurz darauf kommt auch er mit seinen Leuten rein, ich nehme ihn aus dem Augenwinkel war, aber diese Kreisgetanze kann ich partout nicht ab und ich bin eigentlich auch nicht die Person, die sich da so einfach reindrängelt. Dann aber irgendwie doch, weil allein tanzen nicht so viel Spaß macht, wie mit anderen und ich sehen will, ob alles, was er vorher gesagt hat, auch ein kleines bisschen Ernst gemeint war. Ich quetsch mich also ein bisschen dazwischen und tanze.
Und dann sind er und ich auf einmal in der Mitte dieses bescheuerten Kreises und was er da macht entspricht ganz eindeutig nicht meinem Tanzstil und seine Freunde drehen sich langsam weg und ich versuche, mich ihm anzupassen, ich will einmal wissen, wie es ist. Wieder einmal bestätigt sich, dass diese Art der Bewegungen nicht meine Definition von Tanz erfüllen, aber ich weiß, dass ich alles kaputt mache, wenn ich mich jetzt von ihm löse. Das da ist gerade meine Chance, dieser Fahrt, dieser Nacht noch einen denkwürdigen Abschluss zu geben und auch wenn er definitiv nicht das ist, was ich als hot bezeichnen würde, so hat er doch dieses gewisses Etwas - den Bad-Boy-Charme, wenn man so will - das es mir doch ziemlich einfach macht, ihm zu folgen, als er fragt, ob wir nicht woanders hingehen wollen.
Auf dem Weg nach draußen treffen wir noch auf einen anderen Jungen. Auch er hat ein Mädchen im Arm. Wir beide sehen uns leicht beschämt an, denn zu Beginn des Abends haben wir beide getanzt, er hat mich rumgewirbelt als gäbe es kein Morgen mehr. Was soll's. Er schiebt mich an den Tischen vorbei, die Wiese runter, zu den Tischtennisplatten hinter dem Haus.
Auf halbem Weg bleibe ich stehen. Mir ist klar, dass er meinen Namen nicht weiß. Und das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Mit allem anderen soweit bin ich einverstanden, aber nicht damit, dass all das hier anonym passieren soll. Ich lasse ihn raten und gehe erst dann weiter, als er, nach drei Versuchen, richtig liegt. Kurz bevor wir ankommen, hebt er mich hoch, trägt mich den letzten Rest, einerseits bescheuert, andererseits auch irgendwie... Ich weiß nicht, so klischeehaft. Natürlich sind da schon andere, aber ihn scheint das nicht zu stören, also beschließe ich, dass mir das auch egal ist. Ich seh die alle eh nicht wieder.
Auf halbem Weg bleibe ich stehen. Mir ist klar, dass er meinen Namen nicht weiß. Und das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Mit allem anderen soweit bin ich einverstanden, aber nicht damit, dass all das hier anonym passieren soll. Ich lasse ihn raten und gehe erst dann weiter, als er, nach drei Versuchen, richtig liegt. Kurz bevor wir ankommen, hebt er mich hoch, trägt mich den letzten Rest, einerseits bescheuert, andererseits auch irgendwie... Ich weiß nicht, so klischeehaft. Natürlich sind da schon andere, aber ihn scheint das nicht zu stören, also beschließe ich, dass mir das auch egal ist. Ich seh die alle eh nicht wieder.
Wir küssen uns. Er mich. Ich ihn. Wir uns.
Ich bin verunsichert. Ich weiß nicht, wie er tickt. Und deswegen zögere ich die Entscheidung, auf sein Zimmer zu gehen, so lange wie möglich hinaus. Um es hier mal so ganz deutlich zu sagen, ich will mich nicht von ihm auf seinem Zimmer vergewaltigen lassen und zu diesem Zeitpunkt kann ich wirklich nicht einschätzen, wie er so drauf ist, wie weit er gehen würde - nur, dass ich mich nicht gegen ihn wehren könnte, er ist viel stärker als ich.
Er merkt natürlich, dass ich angespannt bin, vielleicht kann er sich auch denken warum, dennoch spielt er mein Spiel bereitwillig mit. Er will mich beruhigen, will, dass ich ihm vertraue. Flüstert mir Dinge ins Ohr, über die ich nur lachen kann - geht es noch klischeehafter? Irgendwann gebe ich nach. Ich weiß, dass ich mich anderenfalls am nächsten Morgen darüber ärgern würde. Und wie war noch mein Motto? No risk no fun. So sieht's also aus.
Er merkt natürlich, dass ich angespannt bin, vielleicht kann er sich auch denken warum, dennoch spielt er mein Spiel bereitwillig mit. Er will mich beruhigen, will, dass ich ihm vertraue. Flüstert mir Dinge ins Ohr, über die ich nur lachen kann - geht es noch klischeehafter? Irgendwann gebe ich nach. Ich weiß, dass ich mich anderenfalls am nächsten Morgen darüber ärgern würde. Und wie war noch mein Motto? No risk no fun. So sieht's also aus.
Wir gehen über die Wiese zum Haus zurück, seine Finger streichen immer wieder über meinen Po. In der Lobby bleibt er kurz stehen, spricht mit einem Kumpel, ich gehe weiter, warte erst im Treppenhaus auf ihn. In seinem Zimmer riecht es nach Deo, auf seinem Bett liegen noch Klamotten. Offensichtlich hat er nicht damit gerechnet, dass in dieser Nacht überhaupt irgendjemand dieses Bett benutzen würde. Ich sehe ihm dabei zu, wie er die Sachen auf den Boden wirft. Sich aufs Bett setzt.
Er zieht mich an sich.
Er zieht mich an sich.
Mein Top landet schneller auf dem Boden neben seinen T-Shirts, als ich gucken kann. Nach und nach entspanne ich mich, lasse mich auf ihn ein. Bleibe dennoch immer ein wenig distanziert. Als er wieder irgendwas sagt, lache ich, werfe ihm dann gespielt vor, so sehr dem Klischee zu entsprechen. Er will wissen inwiefern, ich erkläre es ihm, er verteidigt sich. Sagt, dass er sowas normalerweise nur macht, wenn er weiß, dass er Jemanden lange nicht sehen wird. Na dann passt das ja, erwidere ich, wir sehen uns wahrscheinlich nie wieder.
Küsse. Schnell hat er raus, dass ich kitzelig bin. Irgendwann sind wir an dem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich all das wirklich will. Nur noch mal, um wirklich sicher zu sein. Bei den Tischtennisplatten hat er gesagt, dass er wahrscheinlich nüchterner ist, als ich glaube. Jetzt glaube ich ihm. Sonst würde er sich nicht so... artikulieren, wie er es tut. Ich frage mich, ob ich mich unwohl fühle. Ob er irgendwas macht, was ich nicht will.
Küsse. Schnell hat er raus, dass ich kitzelig bin. Irgendwann sind wir an dem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich all das wirklich will. Nur noch mal, um wirklich sicher zu sein. Bei den Tischtennisplatten hat er gesagt, dass er wahrscheinlich nüchterner ist, als ich glaube. Jetzt glaube ich ihm. Sonst würde er sich nicht so... artikulieren, wie er es tut. Ich frage mich, ob ich mich unwohl fühle. Ob er irgendwas macht, was ich nicht will.
Ich horche in mich hinein, aber da ist kein Unbehagen. Es ist alles gut. Es ist alles so, wie es sein soll. Belustigt stelle ich fest, dass er einige meiner Gesten völlig falsch interpretiert, dass er sich größte Mühe gibt, dass sein Atem nach einiger Zeit schwerer geht. Ich beobachte, ich lerne.
Dennoch bin ich nicht bereit, für diese Nacht, für ihn alles über Bord zu werfen.
Es tut mir fast Leid, ihn enttäuschen zu müssen, die Unsicherheit nimmt wieder Überhand, ich weiß nicht, wie er reagieren wird. Wäre es nach ihm gegangen, wären wir nach 5 Minuten auf sein Zimmer gegangen und nach weiteren 15 wäre ich schon wieder draußen gewesen, da bin ich mir fast sicher. Aber da hat er die Rechnung ohne mich gemacht. Ich halte ihn mittlerweile beinahe anderthalb Stunden fest. Zögere eine klare Antwort raus. Das ist keine Absicht, das ist Unsicherheit. Und ich glaube, er weiß es. Oder er ist wirklich nicht sehr empathisch.
Es tut mir fast Leid, ihn enttäuschen zu müssen, die Unsicherheit nimmt wieder Überhand, ich weiß nicht, wie er reagieren wird. Wäre es nach ihm gegangen, wären wir nach 5 Minuten auf sein Zimmer gegangen und nach weiteren 15 wäre ich schon wieder draußen gewesen, da bin ich mir fast sicher. Aber da hat er die Rechnung ohne mich gemacht. Ich halte ihn mittlerweile beinahe anderthalb Stunden fest. Zögere eine klare Antwort raus. Das ist keine Absicht, das ist Unsicherheit. Und ich glaube, er weiß es. Oder er ist wirklich nicht sehr empathisch.
Mir ist klar, dass ich gehen darf, wenn er weiß, dass er nicht wie geplant bis zur Unendlichkeit mit mir gehen kann. Und eigentlich will ich nicht gehen. Ich kann und will ihm keinen Vorwurf machen, dass er irgendwann drängt. Erkläre ihm dann, dass ich Prinzipien habe. Und dass ich auf die Wahrung dieser Prinzipien bestehen müsste. So leid es mir tut. Okay, das sage ich nicht, aber es tut mir wirklich Leid. Ich merke ihm seine Enttäuschung an, er denkt nach.
Dann sieht er mich an.
Ich glaube, in diesem Augenblick hat er mich zum ersten Mal wirklich angesehen.
Er sagt, dass er meine Prinzipien natürlich respektiert und wenn ich mich nicht täusche, dann ist da so etwas wie Achtung in seinen Augen. Ob ich gehen soll, frage ich und er schweigt wieder.
Ich glaube, in diesem Augenblick hat er mich zum ersten Mal wirklich angesehen.
Er sagt, dass er meine Prinzipien natürlich respektiert und wenn ich mich nicht täusche, dann ist da so etwas wie Achtung in seinen Augen. Ob ich gehen soll, frage ich und er schweigt wieder.
Das klingt vielleicht komisch, das alles. Mein Verhalten. Aber ich will dazu einmal kurz erklären, dass ich an ihn keinerlei Erwartungen hatte. Als ich sein Zimmer betreten habe, war mir klar, dass das eine einmalige Sache ist, dass er mich danach vermutlich vergessen wird, dass ich, egal was er sagt, nichts weiter bin, als seine Beschäftigung für diese Nacht. Mag sein, dass das jetzt hier eine infame Unterstellung ist, aber davon bin ich einfach ausgegangen. Und dementsprechend positiv überrascht bin ich von seinem Verhalten und wahrscheinlich ist er auch ein bisschen beleidigt, weil er natürlich merkt, dass ich wirklich nicht viel Anstand von ihm erwartet hab. Das geht ihm gegen die Ehre und die versucht er jetzt zu verteidigen.
Und vielleicht schüttelt er auch deswegen den Kopf. Fragt mich, wie ich denn darauf kommen würde. Ich lache und küsse ihn.
Nachdem er mir versichert hat, die bestehenden Grenzen einzuhalten, vertraue ich ihm tatsächlich.
Draußen wird es langsam wieder hell und es fühlt sich irgendwie komisch an, kurz nach 5 einfach sein Zimmer zu verlassen, allerdings nicht ohne dass er mich noch ein letztes Mal kurz aber heftig küsst.
Ich gehe auf mein Zimmer, dusche seine Lippen von meinem Schlüsselbein und seine Hände von meiner Taille. Es ist wirklich komisch. Ich fühle mich ein wenig unfertig. Wäre gern neben ihm eingeschlafen und wieder aufgewacht, einfach, um all das zu komplettieren.
Oliver sitzt allein auf der Terrasse und raucht. Ich stelle mich hinter ihn, er hat Notenpapier neben sich liegen. Wenn es ihm nicht gut geht oder er irgendwas zu verarbeiten hat, komponiert er oft.
Was ich da noch nicht weiß: Oliver ist ihm, kurz nachdem ich weg war, auf dem Gang begegnet. Und er hat Oliver sichtlich mitgenommen offenbart, dass er und ich die Nacht zusammen verbracht haben - da Oliver jedoch an seiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt hat, hat er ihn nicht für voll genommen.
Als er kurz darauf ebenfalls die Terrasse betritt, sehe ich ihn nur kurz an und dann ganz schnell wieder weg.
Solche Nächte sind nicht für ein Wiedersehen konzipiert.
Solche Nächte sind nicht für ein Wiedersehen konzipiert.
Eigentlich hatte ich gedacht, wir wären in stillem Einverständnis auseinander gegangen. Keine Nummern ausgetauscht, kein weiterer Kontakt dafür umso mehr Diskretion erwünscht.
Er jedoch hat das zumindest anfangs nicht so ganz realisiert, noch bevor Oliver und ich anderthalb Stunden später abgereist waren, wussten es, Oliver eingeschlossen schon drei Leute. Ein Kumpel eröffnete mir im Treppenhaus, dass er "schon ein echter King sei" und ich weiß bis heute nicht, ob das positiv oder negativ gemeint war. Daraufhin jedenfalls habe ich natürlich auch meinen engen Freunden, die mit dabei waren, davon erzählt. Es gab allgemeines Geraune und bis heute noch Anspielungen, alle finden es lustig, dass ausgerechnet ich der inoffiziellen Verpflichtung dieser vier Tage als Partnerbörse so bereitwillig nachgekommen bin und mir dann gleich mal "einen von den Bremern gegönnt" habe, um es mit Lauras Worten zu sagen.
Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Whatsappgruppe, in der wir dann doch irgendwie beide waren. Und aus der er mich, nach einem Kommentar von Gustav bezüglich dieser Nacht einfach mal eiskalt entfernt hat. Das hab ich nicht auf mir sitzen lassen wollen, ich mein, wo sind wir denn? Mag ja sein, dass er sich im Nachhinein dafür schämt oder weiß Gott was, aber dann doch bitte nicht so.
Auf meine Frage, was das sollte, ist er nicht eingegangen.
Er ist einer der wenigen, die ich in diesen Tagen kennengelernt und noch nicht auf Facebook und Snapchat geaddet habe.
Ich bin froh, in dieser Nacht Ja zu vielem aber nicht zu allem gesagt zu haben.
Und ich bereue in der Tat nichts.
Und ich bereue in der Tat nichts.
Wollte dir das alles einfach mal erzählen, Alexander.
Gute Nacht.
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